Lira

Vier Tage nachdem die türkische Landeswährung Lira wegen des Streits mit den USA auf historische Tiefstände gefallen war, sprach Finanzminister Albayrak in einer Telefonkonferenz mit Tausenden ausländischer Investoren – offenbar ohne Erfolg.

(Foto: Reuters)

Türkische Währung Lira bricht erneut ein

Die türkische Lira gibt am Mittag bis zu 7 Prozent zum Dollar nach. Auch ein Trick der türkischen Notenbank kann den Sturz nicht verhindern.
Update: 17.08.2018 - 14:39 Uhr 1 Kommentar

DüsseldorfDie Stabilisierung der türkischen Lira war nur von kurzer Dauer. Nachdem sich der Wert im Vergleich zum Dollar zuletzt stabilisierte, brach der Kurs der türkischen Währung am Freitagvormittag wieder ein. Zwischenzeitlich fiel er um sieben Prozent. Am frühen Nachmittag betrug der Kursverlust noch etwas mehr als fünf Prozent.

In einer Telefonschalte mit angeblich 4000 Investoren hatte der türkische Finanzminister Berat Albayrak am Donnerstag versucht, den Kursverfall zu stoppen. Möglichen Kapitalverkehrskontrollen erteilte er darin eine Absage. Damit konnte er jedoch nur für einen kurzfristigen positiven Effekt sorgen.

„Wir sind kurz vor dem Wochenende, da überlegt sich jeder zwei Mal, ob er noch Lira halten will“, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Albayraks Telefonkonferenz habe nur heiße Luft produziert. „Es war gut, dass er der Inflationsbekämpfung „Top-Priorität“ einräumte. Doch sagte er halt auch, dass Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung nicht ausreicht.“

Das sei zwar prinzipiell richtig, so Leuchtmann. „Doch ohne Geldpolitik ist alles andere, was gegen Inflation unternommen wird, nichts.“ Die türkische Zentralbank hatte entgegen der allgemeinen Erwartungen den Leitzins trotz des Lira-Verfalls zuletzt nicht angehoben.

Was die Behörden bisher unternommen haben

Die türkische Bankenaufsicht hatte am Mittwoch Devisen-Tauschgeschäfte heimischer Kreditinstitute mit ausländischen Investoren eingeschränkt. Diese Devisen-Swaps dürfen künftig nur noch 25 Prozent des Eigenkapitals einer Bank ausmachen.

Bei derartigen Transaktionen werden Devisen gekauft. Zugleich wird vereinbart, sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzugeben. Marktteilnehmer nutzen solche Swap-Geschäfte, um mit Short-Spekulationen auf fallende Kurse zu setzen. Dadurch entsteht eine Dynamik, die oftmals zu weiteren Turbulenzen führt.

Der drastische Verfall der Lira hat viele Anleger tief verunsichert. „Die Türkei hat Maßnahmen verabschiedet, um das Feuer an einigen Stellen auszutreten“, sagte Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Lösungen sind das alles noch nicht“. Die Lira hat seit Jahresbeginn im Vergleich zum Dollar fast 40 Prozent an Wert verloren, zu Wochenbeginn notierte sie zeitweise auf einem Rekordtief von 7,24 Lira für einen Dollar.

Der türkischen Notenbank bleibt noch immer die Möglichkeit, die Zinsen zu erhöhen, um den weiteren Abzug internationalen Geldes aus der angeschlagenen Wirtschaft zu verhindern. Doch Erdogan ist ein erklärter Feind hoher Zinsen.

Statt sich an eine offizielle Zinserhöhung heranzutrauen, die bei Erdogan in Ungnade gefallen wäre, überlegten sich die Zentralbanker zuletzt noch einen anderen Kniff: Sie boten den Geschäftsbanken einfach seit dem Wochenbeginn gar kein Geld mehr an, für das der Haupt-Zinssatz von 17,75 Prozent fällig gewesen wäre.

Die Banken, die Verbraucher und Unternehmen mit Krediten versorgen, mussten daher auf den sogenannten Übernacht-Zins ausweichen – mit 19,25 Prozent liegt der klar höher. So könnte sich die Menge des umlaufenden Geldes verknappen - und vielleicht die sehr hohe Inflation entspannen, die zuletzt bei 15,9 Prozent gelegen hatte.

Mit Material von Reuters und dpa.

„Kaum noch Möglichkeiten, der Zeitpunkt für eine Wende wurde versäumt“

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1 Kommentar zu "Türkische Währung: Lira bricht erneut ein"

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  • Hier ist ganz klar Spekulation am Werk. Aber das ist ja nicht neu. Wer erinnert sich nicht
    an die Asien-Spekulationen des Herrn aus Ungarn.

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