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Türkische Währungskrise Moody’s senkt Bonitätsnoten für 20 türkische Banken – Lira bricht erneut ein

Rund 40 Prozent hat die Lira seit Anfang 2018 gegenüber dem Dollar verloren. Aussagen von Finanzminister Albayrak kommen an den Märkten nicht gut an.
Update: 29.08.2018 - 17:25 Uhr 2 Kommentare
Lira setzt Talfahrt fort – Türkei sieht keine Wirtschaftsrisiken Quelle: Reuters
Türkische Währung

Seit Jahresanfang hat die Lira zum Dollar rund 40 Prozent an Wert verloren.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie Talfahrt der Lira hat sich am Mittwoch fortgesetzt: Ein Euro verteuerte sich um rund drei Prozent auf 7,53 Lira. Die türkische Währung steht seit Wochen unter Druck, seit Jahresanfang verlor sie zum Dollar rund 40Prozent an Wert. Zusammen mit dem argentinischen Peso ist sie damit bei den weltweiten Währungen das Performance-Schlusslicht.

Finanzexperten schlagen wegen der wirtschaftlichen Risiken und des Lira-Verfalls in der Türkei mittlerweile Alarm. Allein bis Mitte nächsten Jahres werden nach einer Schätzung der US-Investmentbank JP Morgan umgerechnet rund 153 Milliarden Euro an Auslandsschulden fällig. Das entspricht fast einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes.

Der Großteil der in den nächsten zwölf Monaten anstehenden Rückzahlungen entfällt auf den Privatsektor, insbesondere auf Banken, wie JP Morgan in einer Studie ausführte. Nur umgerechnet 3,7 Milliarden Euro seien Schulden von öffentlichen Stellen. „Der Finanzierungsbedarf in den nächsten Monaten ist groß, und der Zugang zu den Märkten ist problematisch geworden“, warnten die Experten. Rund 27 Milliarden Euro müssen nach Berechnungen von JP Morgan bereits bis Ende 2018 zurückgezahlt werden. Bei Verbindlichkeiten von etwa 93 Milliarden Euro, die bis Juli 2019 beglichen werden müssten, bestehe ein Finanzierungsrisiko.

Die Ratingagentur Moody’s senkte zudem die Bonitätsnoten für 20 Geldhäuser, darunter einige der größten Banken wie die Isbank. Von den dortigen Banken ausgegebene Dollar-Anleihen gaben am Mittwoch in Folge der Warnung für den Bankensektor und der Herunterstufung von Geldhäusern nach. Die Lira fiel auch gegenüber dem Greenback weiter, ein Dollar kostete mit 6,49 Lira 3,6 Prozent mehr als am Dienstag.

Die türkische Regierung sieht dagegen keine Konjunkturrisiken. Finanzminister Berat Albayrak begründete das in der Zeitung „Hürriyet“ damit, dass die Verschuldung von Staat und Haushalten gering sei und das Finanzsystem zudem stabil.

Auch die Aussage des Schwiegersohns von Staatschef Recep Tayyip Erdogan kam an den Märkten nicht gut an. Denn sie gibt den Marktteilnehmern wenig Hoffnung, dass notwendige Reformen zeitnah angegangen werden. „Am Markt steigt entsprechend die Angst davor, wie sich die Währungsturbulenzen von Mitte August in den Daten niederschlagen“, meinen die Devisenexperten der Commerzbank.

So zeigte sich bereits am heutigen Mittwoch, dass die türkische Verbraucherstimmung auf den niedrigsten Stand seit August 2009 gefallen ist, während sich das Handelsdefizit für den Monat Juli gegenüber dem Vormonat verringert hatte.

„Die heutigen Handelsbilanzdaten für Juli sollten Marktteilnehmer nicht als ‚Vorkrisendaten‘ abtun“, warnte die Commerzbank bereits vor der Veröffentlichung. Schließlich hatte die Lira zwischen Jahresbeginn und Ende Juli bereits über 20 Prozent gegenüber dem Dollar und dem Euro abgewertet.

Kreditlimits für Übernachttransaktionen

Zudem hat die türkische Zentralbank am heutigen Mittwoch wieder Kreditlimits für Übernachttransaktionen der Banken am Interbanken-Geldmarkt eingeführt. Zwar ist die Maßnahme als Verdoppelung einer früheren Obergrenze angekündigt worden, aber in Wirklichkeit wurde eine neue Obergrenze gesetzt.

Die Zentralbank hatte seit dem 13. August als Reaktion auf den Marktstress uneingeschränkt Geld zur Verfügung gestellt. Das neue Limit wird 44 Milliarden Lira (5,9 Milliarden Euro) betragen, doppelt so viel wie das vorherige Limit von 22 Milliarden Lira.

Die Notenbank hatte an jenem Augusttag eine Reihe von Maßnahmen eingeführt, um den starken Rückgang der Lira einzudämmen. Denn die Zentralbanker sorgten sich um den Zustand der türkischen Wirtschaft nach der Wahl im Juni und dem politischen Schlagabtausch zwischen Ankara und Washington wegen eines inhaftierten US-Pastors.

So senkte sie damals den Betrag, den kommerzielle Kreditinstitute bei der Aufsichtsbehörde parken müssen, und lockerte die Regeln, wie die Banken ihre Lira- und Fremdwährungsliquidität verwalten müssen.

Der jüngste Schritt der Zentralbank zeige, dass die Türkei „alles andere als das tut, was sie eigentlich tun müsste“, sagte Tim Ash, Senior-Emerging-Market-Sovereign-Stratege bei Bluebay Asset Management in London. „Sie müssen eigentlich die Leitzinsen auf glaubwürdige, orthodoxe, einfache Art und Weise erhöhen, zum IWF gehen und die Beziehungen zu den USA normalisieren.“

„Ausländischen Investoren müssen attraktive Bedingungen geboten werden, um das Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren“, meinen die Commerzbank-Devisenexperten. Solange dieser Finanzierungsbedarf existiere und die Zentralbank keine attraktiven Realzinsen biete, sei die Lira-Krise nicht nachhaltig beendet. Und der Abwertungsdruck auf die Währung bleibe grundsätzlich bestehen.

Mit Material von Nachrichtenagenturen

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2 Kommentare zu "Türkische Währungskrise: Moody’s senkt Bonitätsnoten für 20 türkische Banken – Lira bricht erneut ein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Wosnizok,
    vielen Dank für Ihren Kommentar - auch wenn er peinlich für mich ist. Sie haben recht. Ich habe mich in der Eile vertan: Der Absturz der Lira von 100 auf knapp unter 60 Prozent des Ausgangswertes ist natürlich nicht 60, sondern etwas mehr als 40 Prozent. Ich habe den Artikel entsprechend geändert.
    Sorry
    Jürgen Röder

  • Zitat:<Mehr als 60 Prozent hat die Lira seit Anfang 2018 gegenüber dem Euro verloren.>

    Der Lira kostete am 31.12.2017 4,5423 Euro (Quelle comdirectbank.de).
    Heute kostet ein Lira 7,5348 Euro.

    Der Wert eines Lira ist also von 0,2202 Euro auf 0,1327 Euro gefallen. Bereits ohne Taschenrechner sieht man, dass er weniger als 50% gefallen ist. Rechnet man, so kommt man auf 39,72% Verlust gegenüber dem Euro.

    Leider ist es kein Einzelfall dass Autoren des HB keine Prozentrechnung beherrschen (siehe auch der HB-Autor Dr. Ulf Sommer).

    Beide Autoren folgen einer seltsamen Logik, dass wenn der Wert des Euro z.B. um 50% gestiegen ist auch der Wertverlust des Lira 50% ist. Dieser wäre dann aber um 33,3% im Wert gefallen.

    Ich habe übrigens wegen dieser Autoren heute mein Abo gekündigt. Dafür bezahle ich kein Geld. Eine Reaktion eines Autors auf einen kritischen Kommentar gibt es offensichtlich auch nicht. Diese lesen m.E. nicht einmal die Kommentare.

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