Undurchsichtige Preisgestaltung Der Ölpreis fällt, der Spritpreis steigt

Der Preis für Öl der Sorte Brent fiel zeitweise unter 100 Dollar pro Barrel. Die Opec geht von sinkender Nachfrage aus. Dennoch steigen die Benzinpreise in Deutschland – weil die Anbieter draufschlagen.
Update: 09.08.2011 - 14:37 Uhr 14 Kommentare
Zapfhahn: Tanken ist in Deutschland teurer geworden, obwohl die Ölpreise sinken. Quelle: dpa

Zapfhahn: Tanken ist in Deutschland teurer geworden, obwohl die Ölpreise sinken.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Furcht vor einer weltweiten Rezession hat den Ölpreis am Dienstagmorgen fallen lassen. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um bis zu 4,8 Prozent auf ein Sechs-Monats-Tief von 98,74 Dollar je Barrel. Das US-Öl WTI brach sogar um bis zu sieben Prozent auf 75,71 Dollar ein und war damit so günstig wie seit September 2010 nicht mehr.

Die Opec fördert mehr als ein Drittel der weltweiten Ölmenge. Die Internationale Energieagentur (IEA) legt ihren nächsten Bericht zur Entwicklung auf den weltweiten Ölmärkten am Mittwoch vor.

Die Experten der Commerzbank schätzen, dass viele Anleger wegen der hohen Unsicherheit Risikopositionen abbauen dürften. Rohöl zählt zu den riskanteren Anlageklassen an den Finanzmärkten. „Kurzfristig ist von weiteren Verlusten auszugehen“, schreibt die Commerzbank in einem Kommentar. Mittelfristig dürften die Ölpreise jedoch Unterstützung durch das Ölkartell Opec erhalten, das einem fortgesetzten Preisrückgang kaum tatenlos zuschauen dürfte. „Die meisten Opec-Staaten sind nach der Erhöhung der Staatsausgaben auf Ölpreise zwischen 80 und 100 Dollar angewiesen.“

Wegen der unsicheren Konjunkturlage wird die Nachfrage nach Öl nach Einschätzung der Opec in diesem Jahr langsamer zulegen als bislang erwartet. „Dunkle Wolken über der Wirtschaft beeinflussen bereits die Richtung des Marktes“, erklärte die Organisation Erdölexportierender Länder am Dienstag. Das Kartell senkte seine Prognose für das Wachstum um 150.000 Barrel pro Tag auf rund 1,2 Millionen Barrel täglich. 2012 erwartet die Opec, dass die Nachfrage gleichfalls etwas geringer auf nun rund 1,3 Millionen Barrel pro Tag zunehmen wird. Steigende Energiepreise tragen demnach zur Dämpfung bei.

Infografik: Ölpreisentwicklung im Vergleich zu den Benzinpreisen.

Infografik: Ölpreisentwicklung im Vergleich zu den Benzinpreisen.

Die Autofahrer haben bislang kaum von den fallenden Rohölpreisen profitiert. Zwar fiel der Preis für Superbenzin in der vergangenen Woche um etwa sechs Cent auf 1,50 Euro pro Liter. Doch in dieser Woche steigt der Preis wieder. Allein heute waren es etwa fünf Cent, die die Anbieter aufschlugen. Insgesamt kostet ein Liter Super im Moment durchschnittlich 1,53 Euro. Bei Diesel ist es nicht anders: In der vergangenen Woche ging der Preis im Durchschnitt um fünf Cent zurück auf 1,35 Euro pro Liter. Diese Woche gehen die Preise wieder hoch - und das obwohl die Ölpreise wie in den Tagen zuvor sinken.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
  • pma
Startseite

Mehr zu: Undurchsichtige Preisgestaltung - Der Ölpreis fällt, der Spritpreis steigt

14 Kommentare zu "Undurchsichtige Preisgestaltung: Der Ölpreis fällt, der Spritpreis steigt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ist weniger Verbrauch tatsächlich die Lösung für die Preisgestalltung am Markt? Glaub ich nicht. Da egal was weniger verbraucht wird: Strom, Wasser usw. die Anbieter trozdem Gewinn machen müssen. Also fahre ich weniger und das Benzin wird trozdem teurer. Ich verbrauche weniger Strom und der wird trozdem teurer.

    Man muss dann wohl den Konsum ganz einstellen.

  • Ich bin dabei, wo und wann fangen wir an. Sollte man in Facebook evtl. groß machen. Oder ?????

  • Die Konzerne können diese Preise erzielen, weil der Verbraucher es möglich macht. (Nämlich das teure Zeug tankt, statt Bus oder Fahrrad zu fahren)

  • Die Graphik ist irreführend. Man muss den reinen Benzinpreis zugrunde legen, ohne Steuern. Ansonsten sieht das so aus, als ob der Benzinpreis moderat gesteigen ist

  • Im Vergleich zum Herbst 2008 kommen die Ölpreise relativ langsam runter. Damals sanken sie schneller als die Aktienkurse. Die Preispolitik der Ölkonzerne, Rohöl-Preissteigerungen sofort an der Tanksäule umzusetzen, Preisrückgange dagegen erst mit zeitlicher Verzögerung ist doch schon lange usus. Ich wundere mich, dass sich darüber heute noch jemand wundert. Je volatiler die Rohölpreise umso höher die "Windfall-profits" der Ölkonzerne.

  • Offensichtlich hat die Wirtschaft immer noch nicht verstanden, dass wenn sie die Löhne der Arbeitnehmer in Deutschland immer weiter drücken, auf der anderen Seite die Produktpreise auch drücken sollten. Wenn sie das nicht machen, verringert sich der Umsatz der Unternehmen und damit der Börsenwert des Unternehmens. Eine Folge der Geldmengenverringerung. Aber darauf kommen die vermeintlichen "Topökonomen" wohl nicht!

  • ......das nennen sie WACH ????????

  • Der Verbraucher sollte endlich sein Marktmacht gebrauchen.

    Wie wäre es wenn man jede Woche eine andere Benzinmarke boykottieren würde? Diese Woche A..., nächste Woche E..., usw..

  • Es schlafen nicht alle, und diejenigen die wach sind werden an der Partizipation ferngehalten in Politik & Wirtschaft. Stichworte: Volksbefragung, Mitbestimmung, Gewerkschaften, Demokratie innerhalb von Parteien...

  • In einem Oligopol gibt es kein freies Spiel der Kräfte, daher ist der Einwand, dass der Staat mal mit harter Hand eingreift durchaus berechtigt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%