Venezuela Regierung will bald eigene Cyberwährung ausgeben

Mit einer eigenen Cyberwährung á la Bitcoin will die venezolanische Regierung Sanktionen umgehen, die das Land vom Finanzmarkt abschneiden. Der Erfolg des „Petro“ ist jedoch ungewiss. Indes droht neuer Ärger mit den USA.
Update: 06.01.2018 - 10:12 Uhr Kommentieren
Venezuelas Präsident will die Sanktionen per Kryptowährung umgehen. Quelle: Reuters
Nicolas Maduro

Venezuelas Präsident will die Sanktionen per Kryptowährung umgehen.

(Foto: Reuters)

CaracasDas krisengeschüttelte Venezuela treibt die Pläne für eine eigene Digitalwährung zur Linderung seiner Finanznot voran. Die Kryptodevise mit dem Namen „Petro“ solle in den nächsten Tagen ausgegeben werden, kündigte der linke Präsident Nicolas Maduro am Freitag an. Dabei gehe es um 100 Millionen „Petro“ und damit ein Volumen von rund 5,9 Milliarden Dollar. Denn das neue Zahlungsmittel soll an den Preis für ein Barrel Öl des südamerikanischen Opec-Staates gekoppelt werden, der zuletzt bei rund 59 Dollar lag. Die virtuelle Währung werde Venezuela modernisieren und einen besseren Zugang zu realem Geld verschaffen. Venezuela will so die US-Sanktionen umgehen, die das Land größtenteils vom Finanzmarkt abschneiden und zugleich vom Boom der Internet-Währung Bitcoin profitieren, deren Kurs im vergangenen Jahr um 1500 Prozent nach oben schnellte.

Die Modalitäten sind jedoch unklar, ebenso, ob Investoren genügend Vertrauen in die venezolanische Regierung aufbringen. Zudem warnen Politiker und Aufsichtsbehörden rund um den Globus vor dem bislang völlig unregulierten Handel mit Bitcoin und anderen Cyberdevisen.

Venezuela steht angesichts einer ökonomischen und politischen Krise mit dem Rücken zur Wand. Die Wirtschaft liegt am Boden und die galoppierende Inflation trifft die unter Nahrungsmittel- und Medikamentenmangel leidende Bevölkerung hart. Die Opposition hat im vergangenen Jahr immer wieder mit Massenprotesten gegen Maduro mobil gemacht, dem sie das Streben nach einer Diktatur vorwirft. Sie nennt den „Petro“ eine abstruse Idee, die zum Scheitern verurteilt sei.

Maduro hatte die Digitalwährung im Dezember überraschend angekündigt. Sie soll mit den Rohstoffvorkommen des Landes besichert werden. Venezuela hat der Opec zufolge die größten Ölreserven der Welt. Die Staatseinnahmen litten aber unter dem Ölpreisverfall der vergangenen Jahre. Kritiker werfen der sozialistischen Regierung zudem vor, die Rohstoffeinnahmen jahrelang vergeudet zu haben und fordern deswegen Reformen.

Derweil haben die USA gegen vier Militärfunktionäre Venezuelas wegen „Korruption und Repression“ Sanktionen verhängt. US-Bürger dürfen keine Geschäfte mehr mit Rodolfo Torres, Francisco José Rangel Gómez, Fabio Zavarse Pabón und Gerardo Izquierdo Torres machen. Das Vermögen der vier in den USA wurde eingefroren. Das Finanzministerium begründete die Maßnahmen am Freitag damit, dass die vier korrupt seien und gegen die von der Verfassung verlangte politische Neutralität der venezolanischen Streitkräfte verstießen.

Maduro verurteilte die Sanktionen als unaufrichtig und illegal. Er werde die „Aggression der USA“ nicht hinnehmen und dem US-Vertreter in Caracas eine „machtvolle Protestnote“ überreichen lassen. US-Finanzminister Steven Mnuchin rief die Staatengemeinschaft zur „Isolierung des repressiven Regimes“ Maduros auf. Washington werde Maduro und andere in Korruption Verwickelte in Venezuela zur Rechenschaft ziehen. Gegen Maduro hatten die USA vor knapp einem halben Jahr schon ähnliche Sanktionen verhängt.

  • rtr
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