Vermögen Banken wollen an das Gold der Türken

Die Türken horten Gold. Doch das passt Banken und Volkswirten nicht. Sie wollen sich etwas einfallen lassen, um die Menschen zum Eintauschen ihrer Münzen und Barren zu bewegen. Der Plan könnte aufgehen.
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Ein Kunde betrachtet das Gold in den Geschäften auf dem Großen Basar in Istanbul. Quelle: dpa

Ein Kunde betrachtet das Gold in den Geschäften auf dem Großen Basar in Istanbul.

(Foto: dpa)

IstanbulBanken wollen den versteckten Goldschatz in türkischen Haushalten heben. In Anzeigen werben sie darum, dass die Einwohner des Landes ihr gehortetes Gold in Goldkonten einzahlen. Damit würden versteckte Goldpositionen von schätzungsweise 302 Milliarden Dollar (233 Mrd. Euro) wieder in den Wirtschaftskreislauf gelockt, was zu einer Reduzierung des Leistungsbilanzdefizits beitragen würde.

Deniz Kalkan, eine 32-jährige Hausfrau aus Istanbul, ist bereit, ihr Gold zu den Banken zu tragen. „Sobald ich Zeit habe, zahle ich sie auf ein Einlagekonto ein”, sagte Kalkan mit Bezug auf das halbe Dutzend Goldmünzen, die sie gesammelt hat und daheim aufbewahrt. “Es ist sehr viel sicherer, sie in der Bank zu haben als daheim.”

Goldbasierte Einlagekonten sind zwischen Jahresbeginn und Ende Juli um 15 Prozent gestiegen, dreimal so stark wie gewöhnliche Sparkonten, geht aus Daten der Zentralbank hervor. Bei den Goldkonten erhalten die Kunden für das der Bank überlassene Edelmetall den dem Gewicht entsprechenden Betrag in türkischer Lira. Sie können dann das Bargeld abheben oder Kredite in Anspruch nehmen, während die Bank das Gold halten oder verkaufen kann.

Bei Yapi Kredi Bankasi sind die Einlagen in goldbasierten Investmentfonds, die mindestens 51 Prozent ihres Geldes in Edelmetalle investieren und eine Garantierendite bieten, 2012 um 62 Prozent geklettert. Turkiye Is Bankasi, die nach der Bilanzsumme größte Bank des Landes, erklärte, dass die Goldeinlagen in den zwei Jahren bis Juni um das Zehnfache zugenommen haben.

Die türkischen Banken werben in Anzeigen für „Goldzeitalter“-Konten und Produkte wie Goldpräsentschecks. Ihre Kampagne richtet sich an Türken, die normalerweise Goldmünzen oder -Schmuck bei Hochzeiten, Geburten und Beschneidungszeremonien verschenken. Diese Sitte gewann vor einem Jahrzehnt an Popularität, als die türkische Inflationsrate 70 Prozent überschritt, so dass Gold ein attraktives Wertaufbewahrungsmittel wurde.

Das von den privaten Haushalten gehortete Gold wird vom World Gold Council auf 5000 Tonnen geschätzt, wertmäßig ein größerer Betrag als das irische Bruttoinlandsprodukt. Die Türkei hofft, wenn sie einen Teil des Goldschatzes in das Bankensystem bringt, damit die Goldimporte und die externe Verschuldung zu senken, erläutert Erdal Aral, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Isbank. „Wir müssen das Gold da draußen ins Finanzsystem bekommen”, sagte Aral im Oktober in einem Interview in Istanbul. „Das ist ein wichtiger Schritt zur Lösung unseres Leistungsbilanzproblems.”

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28 Kommentare zu "Vermögen: Banken wollen an das Gold der Türken"

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  • Alter Wein in neuen Schläuchen! Da war doch mal was? Gold gab ich für Eisen (erster Weltkrieg)! Für einen 100 RM Schein gaben die Bürger 5 20.RM Goldstücke ab. Die 100 RM Scheine von meinem Großvater habe ich noch Bündeweise - geeignet zum Tapezieren!
    Also Leute, lasst Euch nicht bequatschen !

  • Da kann man nur Eines raten: Liebe Türken, bleibt Eurer Tradition treu, behaltet Euer Gold und tauscht es nicht gegen "Papierschnitzel" ein, denn die sind nichts wert - Papier eben!

  • Die Argumentation "Wir bringen das Gold zurück in den Wirtschaftskreislauf" ist ja rührend. Genaugenommen heißt das ja nichts anderes als "Wir geben Ihr Gold/Geld aus".

  • Da ist man nur noch fassunglos wenn diesen Artikel liest. So ein unreflektierter Unsinn, Gold ist ein Wertaufbewahrungsmittel in der globalen Krise und Ausdruck von persönlicher Freiheit sich dafür entschieden zu haben. Die Einbringung von Gold in das System um ein Leistungsbilanzdefizit zu umgehen mag eine verlockende Option sein, man vergisst allerdings das der wahre Besitzer der türkische Bürger ist und nicht der Staat.

  • @EuroTanic: Stimm, bei diesem Satz musste ich auch herzlich lachen.

    Mein Gold bei der Bank? Wird bestimmt lustig bei einem Bank-Holiday wenn die Türen geschlossen bleiben und die Karten nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert werden.

  • wir kennen doch noch die Zigarette als Schwarzmarktgeld. Mein Opa hat im 2. Weltkrieg seinen Sold in Zigaretten investiert und diese per Post in die ferne Heimat geschickt. Diese Ersatzwährung hat seine Familie vor dem Hunger bewahrt. Hamstern mit einem Orientteppich unterm Arm oder Schwarzmarktgeschäfte mit einem silbernen Samowar sind sehr umständlich und auffällig. Die Zigaretten sind auch sehr flexibel teilbar - Gold ist das nicht. Deshalb für alle Goldfans -- wenn dann möglichst klein gestückelt. Wer sich mit Krügerrands und Co eindeckt wird ne Zange zum Knipsen brauchen - und wer will schon solche abgeknippste Stückchen. Vielleicht der Zahnarzt - aber wer sonst.

  • So richtig in die Zeit passt das türkische Unterfangen auf den ersten Blick nicht. Es ist nur sinnvoll, wenn von weiter steigenden Goldpreisen ausgegangen wird. Anderenfalls wären die Aufkäufer die künftigen Verlierer. Auch ein Goldbesitzverbot (was mitunter befürchtet wird) würde die Aufkäufer zu Verlierern machen. Ob die Staatsverschuldung angesichts der prosperierenden türkischen Wirtschaft wirklich Anlass für das Aufkaufinteresse ist - muss man angesichts anderer Informationen - wohl akzeptieren. Angesichts der internen Widesprüchlichkeiten bzw. des Mangels an Hintergrundinformationen ist der Vorgang schwerlich zu beurteilen.

  • Das schwingt wohl sehr viel Verzweiflung mit: "„Immer mehr Leute werden sich entscheiden, ihr Gold zu den Banken zu bringen."

    und ich sage: Genau das Gegenteil ist der Fall. Andere Leute aus anderenLändern werden es genauso machen wie die Türken !
    Es besteht ja auch allen Grund dazu !

  • Hahaha, das ist auf der Strasse mittlerweile ein Treppenwitz.
    “Es ist sehr viel sicherer, sie in der Bank zu haben als daheim.”
    Das erste was in einer Kriese vom Staat enteignet wird sind die Sparkonten und Schliessfacher. Muahahaha

  • Es hat sich - verständlicherweise - schon immer gelohnt, das Gegenteil von dem zu tun, was die Banken raten.
    Inzwischen kann man auch die Politiker - egal welcher Farbe - als Wurmfortsätze der Bänkster erkennen.

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