Währung Spaniens Zaudern belastet den Euro

Der Euro ist am Mittwoch unter Druck geraten. Grund: Spanien will sich mit seiner Entscheidung über weitere Rettungshilfen offenbar noch etwas Zeit lassen. D ie Renditen spanischer Anleihen zogen leicht an.
12 Kommentare
Zur Stützung des kriselnden Bankensektors hat Spanien Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt bekommen. Quelle: dpa

Zur Stützung des kriselnden Bankensektors hat Spanien Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt bekommen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Spekulationen um das Ob und Wann eines umfassenden Hilfsantrags durch Spanien bei den Euro-Partnern hat dem Euro am Mittwoch erneut zu schaffen gemacht. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte am Dienstagabend einen Reuters-Bericht dementiert, wonach ein Antrag auf weitere Hilfen schon am Wochenende gestellt werden könnte.
Spanien werde kaum darum herumkommen, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen, betonte Commerzbank-Devisenstratege Peter Kinsella. Damit würde Spanien die Vorbedingung für unterstützende Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) erfüllen, mit der die hohen Zinsen für spanische Staatsanleihen gedrückt werden sollen. Bislang hat das Land lediglich Gelder für seinen maroden Bankensektor beantragt.
Börsianer werteten den in der Vorwoche vorgelegten Spar-Haushalt als Vorbereitung für einen umfassenden Hilfsantrag, weil darin schon viele potenzielle Auflagen erfüllt seien. "Rajoy hat Reformschritte eingeleitet, so dass er jederzeit um Hilfe bitten kann", sagte Seiya Nakajima, Chef-Volkswirt der Itochu Corp. "Das sollte Spekulanten davon abhalten, den Euro allzu aggressiv zu verkaufen."
Auch der Handel mit spanischen Anleihen blieb ruhig. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Anleihe zog auf 5,784 Prozent an, nach 5,766 Prozent am Vortag.
Die besser als erwartet ausgefallenen US-Beschäftigungszahlen der privaten Arbeitsagentur ADP schoben den Euro am Nachmittag nur kurzzeitig an. Er verteuerte sich unmittelbar nach den Zahlen auf 1,2916 Dollar, fiel dann aber wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 1,29 Dollar. Der Bund-Future notierte nach einem kurzen Durchhänger 31 Ticks fester bei 141,76 Punkten.
Der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge schufen die US-Unternehmen im September 162.000 neue Stellen. Analysten hatten mit einem Plus von 143.000 gerechnet. Es sei schwer abzuschätzen, was diese Zahlen für den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht bedeuteten, sagte Nomura-Chefökonom David Resler. Schließlich gebe es häufig deutliche Unterschiede. Von Reuters befragte Analysten sagten voraus, dass das US-Arbeitsministerium am Freitag eine Beschleunigung des Beschäftigungsaufbaus bekanntgeben wird. Sie erwarten 113.000 (Vormonat: 96.000) neue Jobs.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
Startseite

12 Kommentare zu "Währung: Spaniens Zaudern belastet den Euro"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Rainer_J
    "FPIGS" da fehlt mindestens ein "B" für Belgien und wenn man die Impliziten Schulden mit berücksichtigt dann fehlen viele Buchstaben, unter anderem ein "D"
    "Auf mehr als 4,8 Billionen Euro oder 185 Prozent des BIP kalkuliert der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen alle durch das heutige Steuer- und Abgabenniveau nicht gedeckten Leistungsversprechen des Staates, insbesondere der Sozialversicherungen. "

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/die-wahre-schuldenlast-deutschlands-grosse-luege/4654530.html

  • Warum sind die Reformen in Spanien tatsächlich interessant ... auch für den Euro?

    Spanien verfügt bereits jetzt über Spitzeninfrastruktur im europäischen Vergleich (Nr. 4-5 Airport, erstklassische Logistik, 300km/h Schnellzüge,mobilnetze/wifi, etc.).

    Was fehlt Spanien? Vieles, was Deutschland bereits entwickelt hat: Geringer Grad an (politischer) Korruption, 2. Bildungsweg, Sprachenkenntnisse/Auslandserfahrung, etc.

    Spanien entwickelt ein interessantes "Deutschlandkopierverhalten":
    - Rajoy ist ähnlich "media-attraktive" wie Merkel, jedoch nicht korrumpierbar; seine moderate unemotionale Haltung mag für viele nicht machohaft genug sein (siehe exKanzler Schröder oder exPräsident Aznar), doch ist es womöglich genau das, was wir hier brauchen "etwas weniger mediterran, etwas mehr Zentraleuropäisch".
    - Das Minister-team ist bestens ausgebildet (MBAs, meherere Abschlüsse, internat. Erfahrung) und hat persönlich viel zu verlieren, d.h. "Verguenza" (Scham), demnach weniger Vetternwirtschaft, mehr "merits";
    - Über 2. Bildungsweg, über dt. Länderstruktur, über Deutschland wird viel debattiert und offensichtlich Deutschland auch als Vorbild anerkannt, demnach Kulturwandel.

    Fazit:
    Sobald die Finanzanalysten begreifen, dass die Reformen voranschreiten, dass Spanien mit Deutschland kooperiert (heute ist Minister Rösler in Madrid) und eine klare Vision vorlegt, dann wendet sich möglicherweise auch das Blatt.

  • "Moodys schätzt , dass der Kapitalbedarf der spanischen Banken bei bis zu 105 Mrd Euros liegt, also etwa das doppelte der offiziellen Schätzung."

    Ob Moodys was schätzt hat für mich diesselbe Wirkung, als wenn in China ein Spaten umfällt.
    Leider war die Schätzung für die Lehmanbank mehr als ein Spaten.
    Diese Rating-Gauner gehören alle hinter Gitter wegen Bandenkriminalität. Für die Annahme das diese durch ihre Absprachen die Anleihemärkte zum Zwecke der Zinsverbesserung manipuliert haben, muß man nicht mal ein Verschwörungstheoretiker sein. Es war und ist offensichtlich.

  • Moodys schätzt , dass der Kapitalbedarf der spanischen Banken bei bis zu 105 Mrd Euros liegt, also etwa das doppelte der offiziellen Schätzung.
    Die Eurofanatiker haben den wahren Bedarf nie richtig eingeschätzt: Gr braucht das dritte Rettungspaket, usw.
    Der Euro geht einher mit moral hasard, Lügen, Tricksen und Betrügen. Die EZB wurde derweil zur bad bank.
    Merkel will jetzt alle rettungen bündeln, so dass die Abnicker im BT nicht jede einzelne Rettung abnicken müssen. Rechtsstaat und Demokratie werden dem Dogma Euro geopfert.

  • Ich frage mich auch, warum die EUdSSR den Begriff "Troika" verwendet. Wieso schmückt man sich mit einem solchen Begriff?

    Hier der Einsatz des Begriffs "Troika" in der UdSSR:

    Der NKWD-Befehl Nr. 00447 (eigentlich Operativer Befehl des Volkskommissariats für Inneres der UdSSR Nr. 00447 „Über die Operation zur Repression ehemaliger Kulaken, Krimineller und anderer antisowjetischer Elemente“, kurz auch „Kulakenoperation“ genannt) war ein am 30. Juli 1937 erteilter, streng geheimer Befehl des sowjetischen Innenministeriums NKWD. Auf seiner Grundlage wurden von August 1937 bis November 1938 insgesamt 800.000 bis 820.000 Personen verhaftet, davon mindestens 350.000 – eventuell bis zu 445.000 – erschossen, die übrigen in Lager des Gulag eingewiesen. Dabei wurden die anfangs festgelegten, regional differenzierten Quoten – 233.700 Menschen sollten verhaftet, von ihnen sollten 59.200 erschossen werden – mehrfach übertroffen. Damit war dies die größte der Massenoperationen des Großen Terrors.

    Der Geheimbefehl wurde erst 1992 veröffentlicht. Die seither gefundenen Quellen zu seiner Vorbereitung und Umsetzung offenbaren, dass die Führung der Sowjetunion bzw. ihrer Kommunistischen Partei die Verhaftungen und den Massenmord direkt befahl und leitete.

    Zugleich musste das bisherige Bild, wonach der Große Terror primär gesellschaftliche Eliten traf, revidiert werden. Denn anders als die öffentlichen Schauprozesse, aber ebenso wie die weniger umfangreichen „nationalen Operationen“, richtete sich die „Kulakenoperation“ gegen einfache Bürger der Sowjetunion, darunter Bauern, Dorfgeistliche, als asozial oder kriminell eingestufte Personen und frühere Angehörige von Oppositionsparteien. Sie wurden nicht von regulären Gerichten, sondern von Troikas – außergerichtlichen Organen, die gerichtsähnliche Verfahren anwandten – verurteilt. (Quelle Wikipedia)

  • "Die Investitionen und Strukturreformen, die nötig wären, um die 50% Jugendarbeitslosigkeit in Spanien abzubauen, finden nicht statt. Daher wird das Land so auch nicht wettbewerbsfähig."

    Das ist falsch.
    Aber festgefügte Bilder zu revidieren, fällt ja sogar der geldhungrigen Geldwirtschaft schwer, daher wundern mich solche Plattitüden nicht wirklich.

  • Der Euro ist die sicherste Währung, die es geben kann. Die hervorragende Politik der Euro-Zone, die sensationellen Erfolge der Sparprogramme, die nahezu risikolosen Rettumgsprogramme, das jubelende Volk auf den Straßen Griechenlands, Spaniens, Portugals, Italiens und neuerdings auch Frankreichs und Deutschlands - alle, die etwas gegen den Euro und die Euro-Zonen-Politik sagen, müssten sofort in die Psychiatrie gesteckt werden.

  • Die FPIGS haben bei Verhandlungen und Krisentreffen einen "Joker", der funktioniert wie ein "Full House".

    Zitat Monti:"Ansonsten fährt der Euro zur Hölle"

    Und schon knickte Deutschland ein und eine Direktfinanzierung der Zockerbanken war möglich.

    Auch Sarkozy hat diesen Joker gespielt. Dieser Joker funktioniert immer. Das wissen die FPIGS und werden diesen Joker immer wieder ausspielen.

    Dieser Joker ist der Dukaten-Esel der FPIGS.

  • Dieser Euro-Rettungswahn wird immer absurder. Die Milliarden werden Spanien nicht retten, da sie nicht investiert werden, sondern nur zur Vermögensrettung und Kapitalflucht der Reichen dienen. Es handelt sich um einen fast schon direkten Vermögenstransfer deutscher Steuervermögen auf die Konten spanischer und internationaler Kleptokraten.

    Die Investitionen und Strukturreformen, die nötig wären, um die 50% Jugendarbeitslosigkeit in Spanien abzubauen, finden nicht statt. Daher wird das Land so auch nicht wettbewerbsfähig. Viel besser wäre eine Auflösung des Euro, Abwertung der spanischen Währung, so dass die Industrie von sich aus investiert und Arbeitsplätze schafft. Den Staat bräuchte man dann auch nicht. Das wäre der Königsweg, der wegen der Euro-Idioten nicht beschritten wird. Stattdessen ruinieren Merkel und Schäuble unter Mithilfe von Steinbrück Deutschland, und zwar - und das ist das allerschlimmste - völlig ohne Sinn und Verstand. Der Ruin Deutschlands hat keinen Nutzen für Europa, da das Geld im weiterhin unversteuerten Privatvermögen der Mittelmeermafia verschwindet. Was für ein geballter Wahnsinn! In Europa regieren [...] und [...] , die uns ausplündern und unsere und die Zukunft unserer Kinder vernichten!

    Dieses ist nicht mein Europa! Deutschland muss aus dem Euro austreten - sofort!+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

    Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:
    „Nicht persönlich werden“
    http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Spanien will Geld für sich und seine Banken ohne Auflagen. Offenbar hat Spanien es nicht nötig Reformen zu versprechen, die sie später nicht einhalten werden, wie Griechenland.

    Sie wollen direkt Kohle ohne falsche Versprechen. Ansonsten platzt der Euro. Reine Erpressung der Euromantiker.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%