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Währungen Die schwedische Krone verliert massiv an Wert

Investoren und Politiker werfen der schwedischen Zentralbank vor, zu lange mit einer Zinserhöhung zu warten. Sie fürchten negative Folgen für Unternehmen.
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Die Liquidität der schwedischen Währung ist gering Quelle: dpa
Schwedische Flagge

Die Liquidität der schwedischen Währung ist gering

(Foto: dpa)

Stockholm Es kommt nicht häufig vor, dass sich schwedische Politiker und Unternehmer über die Politik der schwedischen Zentralbank äußern. Doch seit Kurzem ist dieses Tabu gebrochen. Der Grund: Die schwedische Krone, noch vor einiger Zeit als „sicherer Hafen“ unter den Währungen gefeiert, verliert massiv an Wert.

Für den ehemaligen Regierungschef und späteren Außenminister Carl Bildt ist es „peinlich und schmerzhaft“ zu sehen, wie sich die schwedische Krone gegenüber dem Euro entwickelt hat. „Das ist nicht gut für unser Land“, twitterte er vergangene Woche. Jacob Wallenberg, Aufsichtsratschef der einflussreichen Anlagegesellschaft Investor, zeigt sich ebenfalls beunruhigt.

Investor ist an nahezu allen namhaften schwedischen Unternehmen beteiligt und profitiert eigentlich von einer schwachen Krone, da Konzerne wie Atlas Copco, Ericsson oder Electrolux ihre Produkte billiger im Ausland anbieten können.

„Die Unternehmen glauben möglicherweise, dass sie stärker sind, als es tatsächlich der Fall ist“, so Jacob Wallenberg – das Oberhaupt der einflussreichen Familie Wallenberg fürchtet, dass sich die Firmen auf ihren Lorbeeren ausruhen.

Bildt und Wallenberg sind nicht die einzigen prominenten Kritiker der schwedischen Zentralbank unter ihrem Chef Stefan Ingves. Auch Martin Lundstedt, Boss des Lkw-Bauers Volvo, und Christer Gardell, Gründer und Chef der Investmentgesellschaft Cevian Capital, die unter anderem zu den größten Thyssen-Krupp-Eignern zählt, haben sich zuletzt kritisch über die Geldpolitik der Reichsbank geäußert.

Der schwache Kurs der Krone habe die Schweden gemessen an der internationalen Kaufkraft „um rund 20 Prozent ärmer gemacht“, erklärte Gardell. Tatsächlich hat die schwedische Krone in den vergangenen sieben Jahren etwa 30 Prozent gegenüber dem Euro an Wert verloren. Gegenüber dem Dollar liegt der Wertverlust sogar bei rund 50 Prozent.

Am Montag mussten für einen Euro 10,84 Kronen gezahlt werden, für einen Dollar 9,65 Kronen. Das ist der schwächste Dollar-Kronen-Kurs seit 17 Jahren. Um einen ähnlichen Euro-Kronen-Kurs zu finden, muss man zehn Jahre zurückgehen. Allein seit Jahresanfang hat die Krone gegenüber dem Euro sechs Prozent an Wert verloren, gegenüber dem Dollar sogar neun Prozent.

Und der Sturzflug ist nach Meinung von Michael Grahn, dem Chefvolkswirt von Danske Bank, noch nicht beendet. „Ich glaube leider, dass es noch schlimmer wird“, erklärte er gegenüber der Zeitung „Svenska Dagbladet“. Die Ursache ist seiner Meinung nach neben der unsicheren Weltkonjunktur die weiterhin expansive Geldpolitik: „Die Zentralbank in Stockholm verschiebt die ganze Zeit die Erhöhung der Zinsen, deshalb verliert die Krone.“

Zentralbankchef Ingves musste Anfang Mai vor dem schwedischen Parlament Rede und Antwort stehen. Er verteidigte den negativen Leitzins, der derzeit bei minus 0,25 Prozent liegt. „Wir haben ein Inflationsziel, kein Wechselkursziel“, erklärte er knapp. Tatsächlich verfolgt die älteste Zentralbank der Welt ein Inflationsziel von rund zwei Prozent.

Da die Preissteigerung in den vergangenen Jahren jedoch deutlich darunterlag, bietet die Zentralbank weiterhin billiges Geld an und hofft, dass sich der Trend dreht. Bislang ist das jedoch nicht geschehen. Und die schwache Krone, die eigentlich die Importpreise in die Höhe treiben und damit die Inflation anfeuern sollte, hat bislang nicht zu dem erwünschten Effekt geführt.

Lag die Preissteigerung im Februar mit 1,9 Prozent sehr nahe am Inflationsziel, sank sie einen Monat später wieder auf 1,8 Prozent. Laut Ingves leidet die Krone auch unter dem Handelskonflikt zwischen China und den USA sowie unter dem geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU.

Anleger, da sind sich die meisten Ökonomen derzeit einig, sollten sich genau überlegen, ob sie in schwedische Kronen investieren. Die Liquidität der schwedischen Währung ist gering, deshalb haben selbst kleinste Unruhemomente einen negativen Einfluss auf den Wechselkurs.

Derzeit sind Kronen-Anleger und schwedische Verbraucher die Verlierer. Ob sich das in absehbarer Zeit ändert, liegt allerdings auch in den Händen der weltweiten Politik. 

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