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Währungen Englischer Patient: Das verlorene Pfund

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1551 war nur einer von mehreren Rettungen, die das Pfund, das damals bereits seit über 100 Jahren so hieß, weiterleben ließ. Tief ins kollektive Gedächtnis der Briten hat sich der "schwarze Mittwoch" eingebrannt. 1990 hatte die Premierministerin Margaret Thatcher das Pfund ins Europäischen Währungssystem (EWS) geführt. Zum ersten Mal war das Sterling somit an feste Wechselkurse gegenüber anderen europäischen Währungen gebunden. Doch der durch das EWS festgezurrte Kurs für das Pfund war zu ehrgeizig; er widersprach den ökonomischen Machtverhältnissen.

Das erkannten viele, doch ein Mann handelte und startete einen Frontalangriff auf das Pfund. Der Investor George Soros ging eine waghalsige Wette auf den Absturz der britischen Währung ein. Er verkaufte Devisen, die ihm gar nicht gehörten, um von Abwertungen des Pfundes zu profitieren. Soros lieh sich Pfund im Gegenwert von zehn Milliarden Dollar und tauschte sie gegen andere Währungen wie D-Mark oder französische Franc. Das Pfund geriet unter massiven Druck. Die Bank of England versuchte, mit einer Zinserhöhung von ohnehin üppigen zehn auf zwölf Prozent ausländisches Kapital ins Pfund zu locken. Doch andere Spekulanten schlossen sich Soros an, und das Pfund sackte weiter ab. So weit, dass Premier John Major und die Notenbank am Mittwoch, dem 16. September 1992, kapitulierten, das Pfund aus dem EWS herausnehmen und frei "floaten" lassen mussten. Seither gilt Soros als "der einzige Mann, der die Bank von England knackte".

Kein Wunder, dass die Briten bei der Einführung des Euros 1999 nicht mitmachten und die Gemeinschaftswährung als "toilet curreny" verhöhnten. Tatsächlich hatte sich das Pfund dank des langen Aufschwungs unter Labour-Premier Tony Blair glänzend erholt. Nun waren es die Kontinentaleuropäer, die wirtschaftlich hinterherhinkten.

Der Spott über die "Klowährung" ist den Briten vergangen. Kürzlich brüstete sich gar EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso damit, dass ihm britische Politiker anvertraut hätten, im Schutz des Euros wäre ihre Wirtschaft besser durch die Krise gekommen. Die Insel sei "dem Euro noch nie so nahe" gewesen wie heute, frohlockte Barroso. Sogleich witterte Britanniens allzeit wachsame Boulevardpresse eine Verschwörung: "Geheimplan zum Euro-Beitritt" titelte der "Daily Express". Premierminister Gordon Brown dementierte. Alles andere wäre wohl auch politischer Selbstmord.

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