Währungskrise Anleger decken sich nach Zinserhöhung mit Lira ein

Mit der Leitzinserhöhung der türkischen Zentralbank sollten Investoren wieder Vertrauen aufbauen. Welche Schäden das aber verursachen könnte, bleibt noch abzuwarten.
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Ökonomen bewerten die Leitzinserhöhung als notwendigen Schritt zur Stabilisierung. Quelle: dpa
Währungskrise in der Türkei

Ökonomen bewerten die Leitzinserhöhung als notwendigen Schritt zur Stabilisierung.

(Foto: dpa)

FrankfurtNach der überraschend deutlichen Zinsanhebung in der Türkei greifen Anleger bei der türkischen Lira zu. Die Währung legte am Freitag zu, im Gegenzug verbilligte sich der Dollar um ein Prozent auf 6,0015 Lira. Analysten warnten aber vor einer neuen Schwäche der Lira, die in diesem Jahr bereits rund 40 Prozent an Wert verloren hat.

„Die Zinserhöhung war der richtige Schritt, aber wichtig ist jetzt, wie der türkische Präsident sich zur Straffung der Geldpolitik positioniert“, sagte Ökonom Kota Hirayama vom Brokerhaus SMBC Nikko Securities. Es sei naiv zu glauben, Staatschef Recep Tayyip Erdogan respektiere die Unabhängigkeit der Zentralbank. Sollte sich die Regierung in die Entscheidungen der Währungshüter einmischen, sei die jetzige Zinserhöhung vergebene Liebesmüh.

Die türkische Notenbank hob den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld am Donnerstag gegen den erklärten Willen des einflussreichen Präsidenten von 17,75 auf 24 Prozent an. Commerzbank-Devisenanalyst Tatha Ghose sieht keine Tendenz zu einer nachhaltigen Lira-Aufwertung. Es sei damit zu rechnen, dass die Inflation bald den aktuellen Zinssatz übertreffen werde.

Auch Bayern LB-Experte Andreas Speer zeigte sich zurückhaltend: „So positiv dieser Schritt der türkischen Notenbank im Hinblick auf die Wahrung ihrer Unabhängigkeit und den Versuch der Wiederherstellung des Vertrauens ausländischer Investoren bewertet werden kann, bleibt abzuwarten, welchen wirtschaftlichen Schaden diese Leitzinserhöhung in der Türkei verursacht.“ Das Tal der Tränen sei für die türkische Währung noch nicht durchschritten.

  • rtr
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