Türkei

Zwei Frauen beim Umtauschen der türkischen Währung: Die Lira sank auf ein Rekordtief.

(Foto: AP)

Währungskrise Türkische Notenbank kämpft gegen Lira-Verfall

Im Streit mit Ankara zieht Washington mit Strafzöllen die wirtschaftlichen Daumenschrauben an. Das wirkt sich stark auf die türkische Lira aus.
Update: 13.08.2018 - 07:55 Uhr 1 Kommentar

IstanbulDie türkische Lira steht auch zum Wochenbeginn stark unter Druck: Im asiatischen Handel sank der Wert der türkischen Währung am Montag im Vergleich zum Euro und zum US-Dollar zeitweise erneut zweistellig. Erstmals mussten mehr als sieben Lira für einen US-Dollar und mehr als acht Lira für einen Euro gezahlt werden. Damit setzte sich der drastische Kursverfall seit Jahresbeginn fort.

Haupttreiber der weiteren Kursverluste sind die erhöhten US-Strafzölle, die am Montagmorgen in Kraft traten. Seit 0.01 Uhr (US-Ostküstenzeit/6.01 MESZ) wird Stahl aus der Türkei mit Abgaben in Höhe von 50 Prozent statt bislang 25 Prozent belegt, wie das Weiße Haus zuvor verkündet hatte. US-Präsident Donald Trump hatte die Verdoppelung am Freitag angeordnet.

Nach Angaben des türkischen Handelsministeriums exportierte das Land im vergangenen Jahr Eisen, Stahl und Aluminium im Wert von 1,1 Milliarden Dollar (950 Millionen Euro) in die USA – das habe einem Anteil von 0,7 Prozent aller Ausfuhren entsprochen.

Die türkische Regierung will mit einem Aktionsplan für die Wirtschaft die Märkte beruhigen und den Kursverfall der Lira stoppen. „Von Montagmorgen an werden unsere Institutionen die notwendigen Schritte unternehmen und dies den Märkten mitteilen“, sagte Finanzminister Berat Albayrak in einem Interview der Zeitung „Hürriyet“.

Eine der ersten Maßnahmen: Die türkischen Zentralbank sagte den Geldinstituten des Landes eine ausreichende Liquiditätsversorgung in der aktuellen Krise zu. An Tagen mit relativ hohem Finanzierungsbedarf werde es beispielsweise mehr als eine Rückkaufaktion (Repo-Auction) mit Laufzeiten von sechs bis zehn Tage geben.

Zusätzlich zum US-Dollar könnten Euro zur Absicherung von Lira-Reserven genutzt werden. Mit allen ihren aktuellen Entscheidungen würden dem Finanzmarkt rund zehn Milliarden Lira, sechs Milliarden Dollar und drei Milliarden Dollar an Goldguthaben als Liquidität zugeführt.

Am Wochenende hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Ton im Streit der beiden Nato-Partner verschärft. In mehreren kämpferischen Reden sprach er von „Kampagnen“ gegen die Türkei – und griff die USA erneut heftig an.

Erdogan forderte zudem einheimische Unternehmen dazu auf, sich von der erschwerten Wirtschaftslage in ihrem Handeln nicht beeinflussen zu lassen. Es sei nicht nur die Pflicht der Regierung, die Nation am Leben zu erhalten – „es ist auch die Pflicht der Industriellen und der Händler“, sagte der türkische Präsident am Sonntagabend.

Er warnte die Firmen davor, Bankrott anzumelden: „Wenn ihr das macht, begeht ihr einen Fehler!“ Erdogan verlangte außerdem, dass die türkischen Industriellen keine Fremdwährungen ankaufen sollten – dies könnte die türkischen Banken noch mehr unter Druck setzen.

In einem Tweet hatte Trump am Freitag auch angekündigt, die Strafzölle auf Aluminium aus der Türkei auf 20 Prozent zu verdoppeln. Er verwies auf die schlechten Beziehungen zum Nato-Partner und den Absturz der türkischen Lira, den er mit seiner Drohung weiter beschleunigte. Ein konkretes Datum für das Inkrafttreten der Abgaben nannte der US-Präsident jedoch nicht.

Im Zentrum des Streits zwischen den USA und der Türkei stehen zwei Geistliche: Washington fordert die Freilassung des US-amerikanischen Pastors Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Mit Material von Reuters und dpa

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