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Währungskrise Was für eine Rally der türkischen Staatsanleihen spricht – und was dafür noch fehlt

Anlage-Strategen glauben: Türkische Staatsanleihen könnten einen Sprung nach oben machen, wenn ausländische Anleger einsteigen. Die warten aber noch auf bestimmte Signale.
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Türkei: Was für eine Rally der Staatsanleihen spricht Quelle: Reuters
Türkische Lira-Scheine

Um 40 Prozent ist die Lira zum Dollar in diesem Jahr gesunken.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie türkische Lira hat sich in den vergangenen Tagen langsam erholt und auch die allgemeine Stimmung gegenüber Schwellenländer-Aktien verbessert sich wieder. Türkische Staatsanleihen könnten nun zu einer Rally ansetzen – doch dafür müsste noch etwas Entscheidendes passieren: Ausländische Investoren müssten wieder einsteigen.

Der Kurs türkischer Staatsanleihen steigt bereits, seitdem die türkische Notenbank Mitte September den Leitzins drastisch angehoben hat, um die Talfahrt der Lira zu stoppen. Und das, obwohl internationale Anleger so wenige türkische Staatsanleihen hielten wie schon seit sechs Jahren nicht mehr. Ihr Anteil an den Papieren lag nur noch bei 18 Prozent.

Es gibt also ausreichend Potenzial für einen weiteren Anstieg, sobald Investoren weltweit wieder beginnen, türkische Staatsanleihen zu kaufen. Immerhin liegt die Rendite für zehnjährige Anleihen noch immer über 18 Prozent und ist somit eine der höchsten weltweit.

„Aus einer Bewertungs- und Positionierungsperspektive heraus ist zweifellos Raum für eine Rally“, sagte Christian Wietoska, ein Stratege der Deutschen Bank in London, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Ausländische Investoren würden jedoch zunächst auf eine Entspannung zwischen der Türkei und den USA warten. Außerdem müsste sich die Beziehung der Türkei mit der EU weiter stabilisieren.

Das Verhältnis der türkischen Regierung zu den USA hatte in letzter Zeit wegen eines Streits um einen in der Türkei festgehaltenen US-amerikanischen Pastor gelitten. Andrew Brunson war wenige Monate nach dem Putschversuch vom Juli 2016 in der Türkei aufgrund von Terrorvorwürfen festgenommen worden.

Die USA hatten in diesem Streit eine Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei angeordnet – und dazu beigetragen, die Lira auf ein Rekordtief zu senken. Die 40-Prozent-Talfahrt der Währung in diesem Jahr hat die schnellste Inflation in 15 Jahren befeuert.

Erste Anzeichen einer Entspannung im Brunson-Streit gab es in der Nacht zum Donnerstag. Zum Abschluss seiner USA-Reise soll Erdogan laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu gesagt haben: „Unsere strategische Partnerschaft mit den USA, die viele Schwierigkeiten überdauert hat, wird auch diese turbulente Periode überstehen.“

Einige Investoren erwarten, dass Pastor Brunson bei seiner nächsten Anhörung am 12. Oktober freigelassen wird. Henrik Gullberg, ein Stratege der japanischen Investmentbank Nomura in London, schätzte für den Fall einer Freilassung: „Ein Dollar wird wahrscheinlich für unter sechs Lira zu haben sein, was wiederrum gut für die Inflation und die Staatsanleihen wäre.“ Derzeit kostet ein Dollar 6,09 Lira.

An diesem Donnerstag steht außerdem ein Besuch des türkischen Präsidenten in Deutschland an. Am Mittwoch schlug Erdogan versöhnliche Töne an. „Wir wollen all die Probleme hinter uns lassen und wieder eine herzliche Atmosphäre zwischen der Türkei und Deutschland schaffen – genau so wie es früher war“, sagte Erdogan am Rande der UN-Vollversammlung in New York.

Mit Material von Bloomberg.

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