Währungsverfall Türken flüchten in US-Dollar

Die türkische Lira hat stark an Wert verloren. Eine Erholung ist auch nach der jüngsten Zinserhöhung nicht in Sicht. Unter der Bevölkerung macht sich Panik breit. Verbraucher und Unternehmen horten Dollar.
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Allein in der Woche bis zum 24. Januar stiegen die Bestände an Dollar um zwei Prozent. Quelle: dpa

Allein in der Woche bis zum 24. Januar stiegen die Bestände an Dollar um zwei Prozent.

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IstanbulAus Furcht vor einem weiteren Verfall der Landeswährung Lira horten türkische Verbraucher und Unternehmen Dollar. Allein in der Woche bis zum 24. Januar stiegen die Bestände an Dollar um zwei Prozent auf 122 Milliarden an, wie aus jüngsten Daten der Zentralbank hervorgeht. Experten sehen das als Zeichen, dass viele Verbraucher auch nach der jüngsten Zinserhöhung nicht an eine Erholung der Lira glauben. Auch die Ratingagentur Moody's rechnet mit einem anhaltenden Druck auf die Währung. Zumal durch die kräftige Zinserhöhung Risiken für die Konjunktur drohten, erklärte Moody's am Freitag. Auch andere Schwellenländer waren zuletzt in wirtschaftliche Turbulenzen geraten. Eine Konjunkturabkühlung und die Straffung der US-Geldpolitik schickten ihre Währungen auf Talfahrt.

Viele türkische Unternehmen deckten sich inzwischen mit Dollar ein, um sich so gegen Wechselkursschwankungen abzusichern, sagte ein hochrangiger Devisenhändler bei einer Bank in Istanbul. „Einzelne Investoren und Haushalte, die bei früheren Kursverlusten der Lira noch jeweils zehn bis 15 Milliarden Dollar verkauft haben, stocken jetzt ihre Bestände sogar noch weiter auf und setzen damit die Währung zusätzlich unter Druck.“

Die Lira hatte 2013 17 Prozent an Wert verloren. Wie andere Währungen zuletzt aufstrebender Schwellenländer beschleunigte sie ihren Kursrutsch zu Jahresbeginn sogar noch. Auslöser ist ein massiver Kapitalabfluss in Folge der Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank. Viele Investoren ziehen ihr Geld ab, da die wirtschaftlich wieder erstarkten USA dank anziehender Renditen attraktiver werden. Die Notenbanken in den Schwellenländern versuchen über Zinserhöhungen gegenzusteuern, was aber das Wachstum bremst. Die türkische Notenbank hob den Leitzins nach einer Krisensitzung am Dienstag um etwa fünf Prozentpunkte an, konnte die Lira aber damit nur zeitweise stützen. Türken müssen nun doppelt so viele Lira für einen Dollar zahlen wie vor sechs Jahren, als die Währung ihren Höchstkurs erreicht hatte.

Die Panik in der Türkei ist groß – und das zu Recht

  • rtr
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6 Kommentare zu "Währungsverfall: Türken flüchten in US-Dollar"

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  • gegen die Türkische Lira ist der Dollar Gold wert.

    Die Türken sind aber nicht so doof wie wir Deutschen. Die nutzen schon immer Gold wie ein Sparkonto. Sie tauschen nur ein schlechtes Fiat in ein besseres Fiat, das ist alles.

    Würde ich genauso machen

  • Keine Panik: ALLE ungedeckten Papierwährungen kehren immer zu ihrem eigentlichen Wert zurück - zu Null. Es gibt in der Geldgeschichte keine einzige Ausnahme. Hier noch einmal genial von Richard Daughty bestätigt (ab 07:40 min):
    http://www.youtube.com/watch?v=DyV0OfU3-FU
    Die Wahrscheinlichkeit, dass der USD ebenfalls wertlos wird, beträgt also exakt 100%.
    Der Dollar besitzt nur den entscheidenden "Vorteil", dass er die WeltleiD- und -reservewährung ist, in der fast alle Güter und Rohstoffe gehandelt werden.
    Was bedeutet das z.B. für die Ökonomie Russlands? Russland sieht sich de facto gezwungen, reale Werte (insbesondere Rohstoffe) gegen Computernullen einzutauschen. Zudem kann die Zentralbank Russlands nicht unbegrenzt Rubel erzeugen: Für 30 Rubel muss sie unbedingt einen Dollar "importieren". Kommt es nun zu einer Kapitalflucht aus Russland, muss die Zentralbank die Dollar-Reserven an die Börse bringen, um weiter Rubel erzeugen zu können. Die Gesamtgeldmenge verringert sich also:
    http://www.youtube.com/watch?v=BKYT2VsIBVQ
    Letztendlich sehen wir zur Zeit nichts anderes als einen brutalen Währungskrieg, in dem nun auch diverse Schwellenländer "geopfert" werden, um den Dollar zu stabilisieren. Die Yields der US-Treasuries waren nämlich in den letzten Monaten bedrohlich angestiegen (ab ca. 3-4% bei den 10y droht der Sell-Off: "Alles muss raus!").
    Wenn die Währungen der Schwellenländer gegen den USD crashen, gegen was kann dann nun der Dollar selbst crashen?
    Die Antwort darauf ist simpel: gegen werthaltiges Echtgeld, und zwar dann, wenn man den Preis von Gold und Silber nicht mehr mit Papierderivaten kontrollieren kann, und dieser wieder alleine von Angebot und Nachfrage bestimmt wird...

  • Flucht vom schlechten Geld ins ebenso schlechte Geld?

    Normalerweise gilt die Regel der Flucht vom schlechten Geld ins bessere Geld, soweit es als nicht nur als Tauschmittel sondern auch zur Wertaufbewahrung dienen soll.

    Die Deutschen flüchten bekanntlich aus dem EUR ins Gold, bzw. ins Betongold.

    Seltsam, dass die Türken an den Dollar als das bessere Geld zu glauben scheinen?

    Aber es ist eben auch nur eine Glaube, wie jeder andere Glaube, also auch der an: Gold, Tulpenzwiebeln, Dollar, EUR ... ja selbst an Betongold, weil es ja nur solange Gold ist, bis der Staat die Zwangshypotheken dort einträgt oder die Mieten soweit deckelt, dass der Wertverlust mit der Anschaffung zwangläufig verbunden ist.

  • Ich sehe noch eine bessere Alternative zum Dollar: den EURO.Mit ueber 11 Prozent Arbeitslosen steht die EU viel besser da als die USA mit 6.7 Prozent, ganz zu schweigen von den auseinanderdriftenden Wirtschaften und Wettbewerbsfaehigkeiten und den "sozialen"Transfers der wirtschaftsstarken Deppenlaendern zu den "m'enfoutisten" Laendern. Das ist ganz bestimmt eine starke Zukunftswaehrung!

  • Es sind nicht die Banken, die der US-Regierung Geld leihen müssen. Es reicht, dass die FED die Anleihen kauft.

  • "Türken flüchten in US-Dollar"

    Ist das ein schlechter Witz?

    Nach der Einigung in den USA über den Haushalt und über die Schuldenobergrenze ist es in den Massenmedien um die US-Schulden extrem ruhig geworden.
    In der Öffentlichkeit versuchen die verantwortlichen Politiker und Bankster auch immer wieder den Eindruck zu vermitteln, dass sie alles unter Kontrolle haben. Doch lassen wir uns nicht davon täuschen. Das entspricht keineswegs der Realität.

    Im Grunde wird es tagtäglich schlimmer und nicht besser. Derzeit steigen die Schulden in den USA mit dem größten Tempo der vergangenen Jahre.

    Im Endeffekt wird es am Ende der Amtszeit von Marionette Obama so sein, dass in diesen acht Jahren so viele Schulden bei den int. Bankstern angehäuft wurden, wie unter allen Präsidenten in der Geschichte der USA.

    In den vergangenen 13 Monaten ist der Schuldenstand der USA um mehr als 1,12 Billionen Dollar angestiegen!

    Und das wird immer mehr werden – denn neben den neuen Schulden müssen natürlich vor allem die alten Schulden immer wieder umgewandelt werden, wenn die entsprechenden Anleihen auslaufen.

    So werden in diesem Jahr in den USA wohl bis zu 7,5 Billionen Dollar an alten Schulden umgewandelt.

    Das Problem ist nur: Noch gibt es Banken, die bereit sind den USA Geld zu leihen.
    Wenn aber diese Banken das Vertrauen in die USA verlieren, wird das dramatische Folgen haben für die immer noch größte Volkswirtschaft der Welt. Ich bin fest davon überzeigt, dass wir aktuell die größte Spekulationsblase an den Finanzmärkten erleben, die es je in der Geschichte gegeben hat.

    Und wenn diese Blase platzt, werden nicht nur die USA massive Probleme bekommen. Das wird die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund ziehen. Aber von dieser realen Gefahr hören wir in den gleichgeschalteten Massenmedien nichts!

    Spätestens wenn wieder die angehobene Schuldenobergrenze erreicht wird, werden die USA wieder mit ihren Schulden in den Fokus rücken.

    Wie kann man da von einem starken Dollar sprechen?

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