Währungswette Das neue Bitcoin-Zeitalter hat begonnen

Lange wurde der Bitcoin von großen Handelshäusern ignoriert. Seit Sonntagnacht können Investoren an der Chicagoer Optionsbörse erstmals auf die Kursentwicklung der virtuellen Währung wetten. Es ist ein riskanter Schritt.
Update: 11.12.2017 - 17:15 Uhr 7 Kommentare
Bitcoin: Investoren können auf Kursentwicklung der Kryptowährung wetten Quelle: AFP
Bitcoin

Die Terminbörse Chicago Board Options Exchange (CBOE) hat die Spekulation auf den Kurs der Digitalwährung eröffnet.

(Foto: AFP)

Los Angeles/FrankfurtDer Start verlief holprig: Die ersten Händler der neuen Bitcoin-Futures – Terminkontrakte auf die virtuelle Währung – brauchten Geduld. Die Website der Chicagoer Börse CBOE fiel zeitweise aus. Diese versicherte, der eigentliche Handel sei davon nicht beeinträchtigt gewesen: „Alle Handelssysteme funktionieren normal.“

Erstmals konnten Investoren in der Nacht zu Montag auch an einer klassischen Börse auf den Kurs des Bitcoins wetten. Mit dem Start der Futures ist damit ein neues Zeitalter für die Kryptowährung angebrochen, denn lange Zeit wurde der Bitcoin von den großen Banken und Handelshäusern ignoriert und belächelt. Viele scheuten vor dem Handel mit den Münzen auf Internetplattformen zurück.

„Mit den Futures fällt diese Hürde“, erklärt Professor Gilbert Fridgen vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. „Jede Barriere für den Markteintritt, die verschwindet, lässt weitere Investoren einsteigen.“ Fridgen erwartet, dass die Nachfrage nach den Futures zunächst weiter steigt und damit auch der Bitcoin-Kurs zulegt. „Das Thema bleibt aber spekulativ, der Kurs kann auch wieder einbrechen“, warnt er.

Wie anfällig denn auch die Kurse der Terminkontrakte für Schwankungen sind, zeigte sich am ersten Handelstag. In den ersten Stunden schoss der Kurs zeitweise um 26 Prozent nach oben, notierte bei 18 850 Dollar. Gleich zweimal nach dem Start musste der Handel für zwei und für fünf Minuten ausgesetzt werden, um hohe Kursausschläge abzumildern. Diese Notbremsen hatte die CBOE für Kursausschläge von zehn und 20 Prozent installiert, um zu große Bewegungen nach oben und unten zu verhindern.

Der Erfolg der Futures befeuerte auch den Kurs des Bitcoins, der seit Jahresanfang mehr als 1.600 Prozent zugelegt hat: Dieser notierte am Montagnachmittag auf verschiedenen Börsen bei rund 16.500 Dollar, nach gut 13.300 Dollar am Sonntag. Der Preisunterschied belegt in den Augen von Analysten, wie schwierig der Handel mit der neuen Anlageklasse noch ist.

Die CBOE, mit etwa einer Milliarde Kontrakten pro Jahr eine der wichtigsten Optionsbörsen der Welt, ist die erste, aber nicht die einzige Börse, die den Handel mit Bitcoin-Futures erlaubt. Am 18. Dezember zieht die weltgrößte Terminbörse CME in Chicago nach. Die US-Technologiebörse Nasdaq wird Anfang 2018 folgen. „Wir haben uns schon lange für diesen Bereich interessiert, aber wollten den richtigen Zeitpunkt finden, um ein Produkt einzuführen“, sagt Tim McCourt, der bei der CME für den geplanten Bitcoin-Future zuständig ist. „In den vergangenen Monaten hat die Nachfrage unserer Kunden deutlich zugenommen.“

Der Schritt der Börsenbetreiber wird an der New Yorker Wall Street nicht nur positiv gesehen. Mit Futures können Investoren auf den künftigen Preis der digitalen Währung wetten, ohne selbst Bitcoins halten zu müssen. Das ist zwar für institutionelle Investoren attraktiv, die bislang aus regulatorischen Gründen fernblieben. Vor allem die starken Preisschwankungen stellen aber eine Gefahr dar. Der Bitcoin-Markt sei „noch nicht ausgereift und wirkt nicht gerade wie der Inbegriff der Robustheit“, warnt Finanzprofessor Craig Pirrong von der University of Houston. „Große Futures-Kontrakte könnten also auf einem wackeligen Fundament stehen.“

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7 Kommentare zu "Währungswette: Das neue Bitcoin-Zeitalter hat begonnen"

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  • @ Marcel Europaeer
    "In dem Augenblick, wo die Spekulatius der Welt einen lichten Augenblick haben und erkennen, dass Bitcoin&Co keinen Wert haben und auch kein Wert durch eine Zentralbank garantiert wird, war es das mit der Spekulationsblase."

    WERT ist immer etwas Subkektives.
    Und die Zentralbanken sind die eigentlichen Verursacher ALLER Blasen der letzten ca. 100 Jahre - inclusive der Aktienblase in den 1920er Jahren in den USA, der Dotcom-Blase und der "Subprime"-Blase.
    Als größter "Serien-Bubble-Künstler" wird vermutlich Alan Greenspan (unrühmlich) in die Geschichtsbücher eingehen.
    Eine Zentralbank kann erst recht keinen WERT

  • @ Marcel Europaeer
    "In dem Augenblick, wo die Spekulatius der Welt einen lichten Augenblick haben und erkennen, dass Bitcoin&Co keinen Wert haben und auch kein Wert durch eine Zentralbank garantiert wird, war es das mit der Spekulationsblase."

    WERT ist immer etwas Subkektives.
    Und die Zentralbanken sind die eigentlichen Verursacher ALLER Blasen der letzten ca. 100 Jahre - inclusive der Aktienblase in den 1920er Jahren in den USA, der Dotcom-Blase und der "Subprime"-Blase.
    Als größter "Serien-Bubble-Künstler" wird vermutlich Alan Greenspan (unrühmlich) in die Geschichtsbücher eingehen.
    Eine Zentralbank kann erst recht keinen WERT

  • Herr von Spreti,

    Deutschland schafft es immer wieder mal.

  • Wieso arbeiten?

    Und dann noch in Zukunft 50 Jahre lang jeden Tag aufstehen und mit dem Auto in den Stau fahren und tagsüber sich mit dem Chef herumärgern. Und abends dann wieder im Stau nach Hause.

    Und am Ende krieg ich 100o Euro Rente.

    Schön, dass die meisten Menschen abhängig und ganz schön doof sind.

  • "Achtung, Achtung, hier spricht ihr Kapitän. Bitte begeben Sie sich unverzüglich in Ihre Kabine. Es besteht kein Grund zur Besorgnis. Ihr Kapitän und seine Mannschaft haben alles unter Kontrolle." Bundeskanzlerin Merkel bzw. Mario Draghi in der Rolle des Kapitäns.
    Ergänzend, was sagte Mario Draghi vor geraumer Zeit so eindrücklich? Der Euro wird gerettet, "whatever it takes". In nicht allzu ferner Zukunft werden wir sehen, was das unterm Strich bedeutet.

  • In dem Augenblick, wo die Spekulatius der Welt einen lichten Augenblick haben und erkennen, dass Bitcoin&Co keinen Wert haben und auch kein Wert durch eine Zentralbank garantiert wird, war es das mit der Spekulationsblase.

    Die wundersame Geldvermehrung funktioniert nur auf dem Papier. In dem Augenblick, wo die Karawane weiter zieht zum nächsten Spekulationsobjekt, stürzt das Kartenhaus zusammen. Übrig bleiben die realen Währungen, die nur den Besitzer gewechselt haben.

    Ich hätte noch ein paar löchrige Socken im Angebot. Die gibt es kein zweites Mal auf der Welt. Sie sind einzigartig und nicht vermehrbar. Also eine absolute Rarität. Für eine Million Euro (pro Socke) würde ich sie abgeben. Hat jemand Interesse?

  • Um das Finanz- und Währungssystem zu stützen, ist es für die Protagonisten des Fiat-Money-Systems in den letzten Jahren immer wieder erforderlich gewesen, den Markt davon zu "überzeugen", dass das natürliche Krisenbarometer nicht ausschlägt. Alle reinen Papierwährungen enden nämlich früher oder später im vollständigen Verlust ihrer Kaufkraft - es gibt in der Geschichte keine einzige Ausnahme; das Entscheidende ist nun, dass sie ihre Kaufkraft vollständig gegenüber dem natürlichen Krisenbarometer verlieren - nämlich Gold.
    Für ihre "Überzeugungsarbeit" nutzen diese Protagonisten nun insbesondere (neben dem Leasing von Zentralbank-Gold) auch die Terminmärkte aus. Entscheidend ist hier, dass die allermeisten Marktteilnehmer nicht auf der physischen Auslieferung der Ware bestehen, sondern sich mit "Cash Settlement" (Barausgleich) zufrieden geben. Daher ist der Gold-Preis auch großteils ein Papier-Preis. Spekulieren Anleger an den Terminbörsen auf steigende Preise, dann arbeiten sie oft mit einem hohen Hebel (Leverage), da sie nur die Margin-Gebühr entrichten müssen. Die Protagonisten, die das "Krisenbarometer" kontrollieren wollen, haben jedoch unbegrenzte "Papier-Mittel" zur Verfügung, um Gold zu shorten und die Anleger durch "Margin Calls" zum Auflösen ihrer Positionen zu zwingen. Dadurch gerät der Preis dann zusätzlich unter Druck.
    Bei Kryptowährungen ist diese Art der Preismanipulation über die Future-Märkte bis jetzt nicht möglich. Aber das Gute bei den Kryptos ist ja: wir haben einen freien Wettbewerb um die BESTE Kryptowährung. Sollten bei Bitcoin Preismanipulationen möglich sein, dann wird der Markt sich eben bessere Alternativen suchen.

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