Weltleitwährung Wie Putin die Abhängigkeit Russlands vom US-Dollar reduzieren will

Russland arbeitet an einem Modell, um die Abhängigkeit vom Dollar zu minimieren. Mit China gibt es bereits eine Vereinbarung, weitere sollen folgen.
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Russland plant Steuervergünstigungen für Unternehmen, die künftig statt in US-Dollar in Rubel abrechnen. Quelle: dpa
Rubel vs. US-Dollar

Russland plant Steuervergünstigungen für Unternehmen, die künftig statt in US-Dollar in Rubel abrechnen.

(Foto: dpa)

MoskauRusslands Präsident Wladimir Putin hat das Vertrauen in den US-Dollar verloren und treibt die Loslösung des Landes von der Weltleitwährung voran. Nach Meinung von Putin setzen die USA ihre finanzielle Macht wie im Fall der Iran-Sanktionen für politische Zwecke ein. Immer mehr Länder würden deshalb im zwischenstaatlichen Handel auf die US-Währung verzichten, sagte Putin bei der Eröffnung der „Russischen Energiewoche“, bei der er auf die Trump-Administration und die von ihr betriebene Politik schimpfte.

„Mir scheint, dass unsere amerikanischen Partner einen kolossalen strategischen Fehler machen. Sie untergraben das Vertrauen in den Dollar als universelle, de facto einzige Reservewährung“, warnte Putin. Wenn der Dollar nicht mehr als Instrument zum Zahlungsverkehr geeignet sei, „sägen sie damit den Ast ab, auf dem sie sitzen“. Der Kreml will jetzt kräftig mitsägen.

Finanzminister und Vizepremier Anton Siluanow bestätigten am Donnerstag, dass ein Plan zur Abkehr vom Dollar ausgearbeitet werde. Das Maßnahmenpaket sei bereits erstellt und werde innerhalb der Regierung diskutiert, sagte er.

Das Dokument beinhalte unter anderem Steuervergünstigungen für Unternehmen, die künftig statt in Dollar in Rubel abrechnen. Aktuell dürfte dies vor allem die Öl- und Gasindustrie betreffen, die einen Großteil ihrer Erzeugnisse exportiert.

„Wenn sie bei der Rechnungsführung den Rubel benutzen, so haben wir für Exporteure eine beschleunigte Rückerstattung der Mehrwertsteuer vereinbart“, sagte Siluanow. Zudem könnten Unternehmen bis 2024 schrittweise davon entbunden werden, ihre Exporterlöse im Ausland nach Russland zurückzuführen. „Wir werden ein Präferenzsystem schaffen, um die Teilnehmer des Außenhandels dazu zu stimulieren, die einheimische Währung zu benutzen“, sagte Siluanow.

Auf außenpolitischer Ebene arbeitet der Kreml bereits seit Jahren daran, den Dollar zu umgehen. So vereinbarte Putin auf dem Wirtschaftsforum in Wladiwostok Anfang September mit Chinas Parteichef Xi Jinping, bei Geschäften untereinander stärker in den Landeswährungen Rubel und Yuan abzurechnen. Auf diese Weise werde die Stabilität der finanziellen Abwicklung von Im- und Exportgeschäften gestärkt, meinte Putin.

Die Vereinbarung hat durchaus Gewicht: China ist inzwischen der wichtigste bilaterale Handelspartner Russlands. Das Handelsvolumen wird dieses Jahr rund 100 Milliarden Dollar betragen.

Russland will sich mit dem Iran und der Türkei zusammenschließen

Mit dem Iran und der Türkei strebt Russland ähnliche Vereinbarungen an. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dessen Land unter einer massiven Währungsabwertung leidet, erklärte bei einem Treffen der drei Staatschefs in Teheran, es sei an der Zeit, die Dominanz des amerikanischen Dollars zu beenden. Die Kopplung der internationalen Zahlungssysteme an den Dollar sei das Hauptproblem der Weltwirtschaft, klagte er Putin.

Die Im- und Exportabrechnung bei bilateralen Verträgen in den Landeswährungen ist aber nur ein Schritt. Das in der Regierung diskutierte Maßnahmenpaket ähnelt Medienberichten zufolge stark den Vorschlägen zur Abkehr vom Dollar, die der Chef der russischen Staatsbank VTB, Andrej Kostin, vorgelegt hatte.

Dieser forderte als zweiten Punkt die Rückkehr russischer Unternehmen unter russische Rechtsprechung. Am Beispiel der von Sanktionen getroffenen Milliardäre Oleg Deripaska und Viktor Vekselberg sei erkennbar, mit welchen Schwierigkeiten im Ausland registrierte Unternehmen konfrontiert werden könnten, meinte er.

Der kremlnahe Unternehmer Oleg Deripaska hat nach Schätzungen des russischen Finanzministeriums bereits die Hälfte seines Vermögens verloren. Vekselberg musste seinen Anteil am Schweizer Anlagenbauer Sulzer von 63 Prozent auf unter 50 Prozent reduzieren, damit Sulzer Sanktionen des US-Finanzministeriums entgeht.

Als dritten Punkt hatte Kostin die Schaffung von Clearingsystemen in Russland vorgeschlagen. Dort könnten dann auch Euro-Bonds platziert werden, die bisher immer noch über Euroclear laufen und daher in Dollar abgerechnet werden.

Als vierten Punkt schlug der Bankier die „Lizensierung aller Akteure am Aktienmarkt“ vor, so dass sie unter einheitlichen Regeln arbeiten. Zumindest diese Punkte sollen dem Vernehmen nach auch im Regierungsprogramm wieder auftauchen.

Allerdings plant die russische Regierung keinen Sofortausstieg. Laut Siluanow wird es eine schrittweise Entwöhnung geben. Auch seien keine Zwangsmaßnahmen geplant – diese Aussage soll wohl vor allem die Finanzmärkte beruhigen.

Kostin hatte zuvor die Öffentlichkeit damit verschreckt, dass er laut über eine Zwangsumwandlung von auf Dollar laufenden Sparguthaben in Rubel nachdachte. Da der Rubel im August und September stark unter Druck geraten war, hatten diese Erwägungen viele Anleger verunsichert.

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1 Kommentar zu "Weltleitwährung: Wie Putin die Abhängigkeit Russlands vom US-Dollar reduzieren will"

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  • Die EU - Frau Mogherini - arbeitet an einem aehnlichen Modell. Die Chinesen sicher auch-
    nur sagen die es nicht. Trump beschleunigt den Untergang der amerikanischen Vorherrschaft.

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