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Weniger Bargeld in Russland Unattraktive Münzen – Russische Zentralbank prägt vorerst keine Kopeken mehr

Die russische Zentralbank hat die Ausgabe von Kopeken eingestellt, die den Rubel teilen. Für einen Abgesang auf das Bargeld ist es aber deutlich zu früh.
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Die russische Zentralbank gibt keine Kopeken mehr aus. Quelle: dpa
Rubel

Die russische Zentralbank gibt keine Kopeken mehr aus.

(Foto: dpa)

Moskau Sowohl die russische Regierung als auch die Bürger sind was digitale Zahlmethoden angeht eigentlich eher konservativ. Nun führt aber die Zentralbank aber einen Schlag gegen das Bargeld - und gibt keine Kopeken mehr aus. 100 Kopeken entsprechen einem Rubel.

„Die Kopeke schützt den Rubel“, lautet ein russisches Sprichwort. Das lässt sich frei mit der alten deutschen Weisheit: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ übersetzen. Doch jetzt hat die Zentralbank den Schutzwall um den Rubel aufgerissen. Laut Medienberichten hat das Institut zu Jahresbeginn die Ausgabe von Kopeken eingestellt. Die Zentralbank kommentiert diese Berichte nicht.

Der Schritt passt zu den Entscheidungen der letzten Jahre: Schon 2012 wurde der Druck der Ein- und Fünf-Kopekenmünzen aufgegeben. Nun folgen Zehner und Fünfziger. Gültig bleiben die Münzen vorerst in jedem Fall. In den meisten Geschäften sind die Preise zwar noch mit Rubel und Kopeken ausgeschildert. Sie werden aber an der Kasse trotzdem schon auf den Rubel gerundet.

Ist dies der Anfang vom Ende für das Bargeld in Russland? Bei einem Blick auf die russische Hauptstadt kann das Gefühl aufkommen, dass der digitale Zahlungsverkehr im größten Land der Welt nicht mehr aufzuhalten ist. „Nur mit Karte“, heißt es dort beispielsweise für Autofahrer. Die wenigen Parkscheinautomaten in der Stadt nehmen nur Prepaid- oder Kreditkarten.

Für die Moskauerin Jelena ist das kein Problem. Sie sucht erst gar nicht nach einem Automaten, sondern zahlt ihren Parkplatz per Handy. „Die App rechnet sekundengenau ab. Ich tippe einfach drauf, wenn ich angekommen bin und wenn ich losfahre, das nächste Mal“, freut sie sich. Das Gerät ortet selbst den Standort und kennt auch bereits Jelenas Auto, so dass die 42-Jährige nicht mehr umständlich die Daten eingeben muss.

Theoretisch kann man in Moskau ohne Bargeld überlegen

Im Prinzip könnten die Moskauer schon ohne Bargeld auskommen: Im Restaurant, im Supermarkt, in Geschäften oder an der Tankstelle sind Kreditkarten längst an der Tagesordnung. Selbst der Pizzabote und viele Schönheitssalons nehmen sie. Die Nebenkosten für die Wohnung, das Telefon und selbst für ihre Datscha zahlt Jelena per Online-Banking.

34 Prozent der Hauptstädter nutzen nur noch bargeldlose Zahlungen, bei der Altersgruppe zwischen 18 und 30 ist es fast die Hälfte (45 Prozent). 55 Prozent der Moskauer wechseln noch zwischen Bargeld und Karte und nur elf Prozent zahlen stets Cash.

Der bargeldlose Verkehr ist in den letzten drei Jahren explosiv angestiegen. „Zweifellos gehört Moskau vom Niveau seiner Bezahlservices zu den fortschrittlichsten Megalopolen weltweit“, meint Arkadi Tratschuk, Direktor der staatlichen Notenpresse Goznak.

Doch für einen Abgesang auf das Bargeld ist es zu früh: Landesweit zahlen die Russen seinen Angaben nach immer noch etwas mehr als die Hälfte ihrer Einkäufe und Dienstleistungen in bar. Bargeld habe unbestreitbare Vorteile, zählt der 52-Jährige auf. „Sein größtes Plus besteht darin, dass Bargeld – im Gegensatz zu allen anderen Zahlungsmitteln, sei es Karte, oder Konto – eine Verpflichtung der Zentralbank darstellt und damit liquide und sicher ist“, sagte er. Zwar gebe es negative Aspekte wie die Lagerung, den Transport und die Beschädigung im Laufe der Zeit, doch sei „die Zahlung kleinerer Beträge mit Bargeld auf keinen Fall teurer als mit der Girokarte.“

Ein Ende des Bargelds sei in Russland daher auf absehbare Zeit nicht zu befürchten, meint Tratschuk. Dabei gibt es immer wieder Spekulationen, dass Finanzministerium und Zentralbank das Bargeld aus dem Verkehr ziehen wollen. Hintergrund ist der Kampf gegen die Schattenwirtschaft. Von den 81 Millionen Russen im arbeitsfähigen Alter sind nämlich nur 54 Millionen als Steuerzahler registriert, hinzu kommen etwa 800.000 offiziell Arbeitslose und 2,4 Millionen, die als arbeitsunfähig gemeldet sind. Über den Rest gibt es keine Angaben, doch viele von ihnen schlagen sich mit Gelegenheitsjobs oder als selbständige Kleinstunternehmer durch, ohne dem Finanzamt Rechenschaft abzulegen.

Gelder in dieser Sphäre, also Rechnungen an Handwerker, Nachhilfelehrer oder Taxifahrer werden in der Regel bar bezahlt. Trotz der bekannten Pläne, die Steuereinnahmen zu erhöhen, dementierte ein Sprecher des Finanzministeriums allerdings im vergangenen Jahr die Absicht, eine Obergrenze für Bargeldzahlungen einzuführen oder es gar ganz abzuschaffen. Für eine Umstellung auf reine Online-Zahlungen fehlt gerade auf dem Land ohnehin die nötige Infrastruktur.

Initiativen zu einer Begrenzung gibt es allerdings immer wieder. So hat sich der Chef der Abteilung für Finanzaufsicht in der Zentralbank Juri Polupanow schon vor geraumer Zeit dafür ausgesprochen, bei größeren Bargeldabhebungen Gebühren zu kassieren. Es sollte ein Limit geben, meinte er. „Bei 100.000, 200.000 oder 300.000 Rubel (entspricht 1.300 bis knapp 4.000 Euro) ist der ökonomische Sinn einer Abhebung nachvollziehbar. Aber wenn die Summe diese Grenze überschreitet, dann könnte eine Gebühr von ein bis drei Prozent erhoben werden“, schlug Polupanow vor. Bisher hatte diese Anregung zumindest auf gesetzlicher Ebene noch keine Folgen.

Russen haben wenig Vertrauen in Banken

Doch das Vertrauen der Russen in die Banken ist gering. Und so haben sie ihre eigenen Vorräte geschaffen: Rund sechs Billionen Rubel, das sind umgerechnet mehr als 80 Milliarden Euro, haben sie laut der Statistikbehörde Rosstat „unter dem Kopfkissen“ zurückgelegt. In diese Zahl sind Dollar- und Euro-Bestände nicht eingerechnet, aber auch so ist es eine gewaltige Summe, die seit Beginn der Krise 2014 nur noch gestiegen ist.

Kein Wunder: Die Zahl der Banken, die in diesem Zeitraum pleite gingen oder liquidiert wurden liegt bei über 400. Von über 900 Banken Anfang 2014 sind inzwischen weniger als 500 übriggeblieben. Da scheint das Kopfkissen vielen eine echte Alternative.

Mehr: Die Russische Eisenbahn will von Siemens Züge für 1,1 Milliarden Euro kaufen. Doch im Zusammenhang mit den Russlandgeschäften droht dem Konzern an anderer Stelle Ärger.

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