Wertbeständige Währung „In Gold I Trust“

Investoren blicken sorgenvoll auf die Schuldenexzesse in den USA und Europa. Sie entdecken Gold als bessere, wertbeständige Währung. Handelsblatt-Redakteur Ingo Narat hat dies schon lange geahnt. Ein Bekenntnis.
44 Kommentare
Ein Kilo Gold-Barren. Quelle: Reuters

Ein Kilo Gold-Barren.

(Foto: Reuters)

FrankfurtKann eine Wertanlage sinnlich, womöglich gar erotisch sein? Aber sicher. Kreisrund, fast 34 Gramm schwer, man fühlt Gewicht und Wert, Paul Kruger auf der Vorderseite, die Springbock-Antilope hinten. Es ist der südafrikanische Krügerrand, "die" Goldmünze schlechthin. Ich bin ein sinnlicher Mensch, ich liebe Gold, seit Anfang des Jahrtausends. Die ersten Münzen habe ich nach dem Platzen der Internetblase gekauft. Damals gab es die Ein-Unzen-Münze für 300 bis 400 Euro. Heute kostet der Krügerrand rund 1300 Euro.

Es war eine mentale Strapaze. Freunde und Kollegen hielten mich für einen Spinner. Die konnten mit Gold nichts anfangen. Sie vertrauten auf ihr Bankkonto, auf Festgeld, eine Lebensversicherung, vielleicht noch eine Immobilie, andere bevorzugten Aktienfonds - das war's. Doch als Finanzjournalist mit Faible für Börsenzyklen war für mich spätestens am Beginn des Millenniums klar: Nach zwei Jahrzehnten des Wertpapierbooms neigt sich die Hausse dem Ende, dafür starten Rohstoffe und Gold ihr Comeback.

Ingo Narat, Gold-Experte des Handelsblatts: "Gold ist immer AAA". Quelle: Pablo Castagnola

Ingo Narat, Gold-Experte des Handelsblatts: "Gold ist immer AAA".

(Foto: Pablo Castagnola)

Die Ausgangslage war perfekt, denn praktisch niemand war investiert. Es gab also genug künftige Käufer, die den Preis treiben konnten. Die vor elf Jahren geplatzte Aktienblase war nur ein erster Warnschuss für die Aktienmärkte. Niedrige Zinsen hielten das System viele Jahre stabil. Aber ein unseliges Quartett aus Politikern, Notenbankern, Investmentbankern und Ratingagenturen bereitete die Götterdämmerung vor.

Im Sommer 2007 beschrieb ich im Handelsblatt meine Sorgen vor dem aufziehenden perfekten Sturm. Es war die Zeit, als die Immobilienblase in den USA platzte und praktisch alle Experten den Schaden kleinredeten. Viele waren sorglos. Dann breitete sich die Krise aus: zu den Banken, in die Realwirtschaft, jetzt zu den Staaten. Die nächste Krise wird die der Währungen sein, jener Scheine und Münzen, die wir täglich beim Einkaufen aus der Tasche ziehen.

"Gold ist Geld"
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

44 Kommentare zu "Wertbeständige Währung: „In Gold I Trust“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ende der 70er Jahre gab es eine ähnliche Euphorie. Gold kletterte da auch auf über 1800 $ um anschließend auf
    unter 400 $ zu fallen. Bei solchen Schwankungen Gold als wertbeständig zu bezeichnen ist einfach nur noch lächerlich. Gold hat im Prinzip keinen Nutzen. Man kann es nicht essen und als Industriemetall ist es auch nur bedingt zu gebrauchen. Für mich ist Gold spekulationsgetrieben maßlos überteuert.

  • Es hilft nichts.....
    ...last sie doch wenn sie nicht hören wollen
    ...Auch in meinem Bekannten und Fraundeskreis
    ...kann man nicht vom Gold überzeugen...
    ...sollen doch die Schaaaafe blöd sterben

  • Hallo Herr Narat,

    Sie haben Ihre Hausaufgaben mit bravur gemacht (im Gegensatz zu Ihren Kollegen/innen)! Höchstes Lob von meiner Seite. Ich teile Ihre Meinung zu 100%. Sicherlich (was die Nicht-Gold-Besitzer nicht wissen) verkaufen Sie, genauso wie ich, bei platzen der Goldblase (die erkennt man wenn es kein Gold mehr zu kaufen gibt) nicht in Euro oder Dollar, sondern in eine dann derzeit kräftige anderen Währung oder tauschen das Gold in andere Sachwerte (z.B.Immobilien). Für die Kritiker, die weder Gold haben noch sich intensiv damit beschäftigt haben gebe ich noch einen Satz mit auf den Weg: "Keine Wette war in den Jahrhunderten der Währungsgeschichte sicherer zu gewinnen als die, dass ein Goldstück, das der Inflationspolitik der Regierungen unzugänglich ist, seine Kaufkraft besser bewahren würde als eine Banknote". - Wilhelm Röpke

  • Tja, und was macht der Herr dann mit dem vielen Papiergeld, gegen das er sein ach so wertbeständiges Gold eingetauscht hat?

    Antwort: Einen Bauernhof kaufen. Und vielleicht ein paar Gewehre dazu.

    Was nutzt euch euer Gold, wenn's wirklich hart auf hart kommt? Ihr könnt es nicht essen, ihr könnt es nicht drinken. Da es in der Zukunft ja kein Papiergeld mehr gibt, lautet wohl Tauschhandel das Zauberwort.

    Gegenwert ungewiss!

  • Hochinteressant und gut! Aber die Feststellungen "immer AAA" und "zuletzt Blase" beißen sich. Gold kauft man nicht für die Zeit des Zusammenbruchs, sondern für die Zeit danach.

  • Liebe Kurzdenker (à la »G.S.«). Da schreibt Ihr neunmalklug: »Und niemals sollte man dann Gold im Wissen um diese Geschichte gegen Papiergeld tauschen, wenn man dafür nicht ein vernünftiges und sicheres Pendant erwerben kann.« Genau das ist doch der springende Punkt – und unser Autor hält sich an dieser Stelle klugerweise bedeckt! » - deshalb widerspricht die Schlußaussage des Artikels jeder Vernunft«. Quatsch. Hätte er gesagt, er wolle mit dem zurückgetauschten Gold wieder ein Sparbuch füllen, ok. Aber davon war keine Rede. Wenn es soweit ist, wird er entscheiden, was er mit dem Gold bezahlt. Ein Grundstück in der Schweiz? Ein Nulenergiehaus mit Garten, das ihn unabhängiger macht? Eigentumswohnungen für die Kids?
    Nicht gleich jedem die große Blödheit unterstellen, nur damit man selbst umso besser glänzen kann.
    Einige Kommentatoren muss ich beipflichten: Einem »Handelsblatt« stünde es gut zu Gesicht, sich des Themas Edelmetall ernsthafter anzunehmen. Welche Potentiale stecken wirklich im Silber? Kann es jemals wieder auf den lächerlichen Preis von 2$/Unze fallen? Denn selbst wer mit den Metalen nicht spekulieren will: halbwegs werterhaltend wünscht man sie sich doch. (Auch wenn solche Wünsche in Sachen Papiergeld, richtig, richtig, niht einmal »fromm« sind: Sie sind nur dumm. Danke, HB, dass daran mal wieder erinnert worden ist.)

  • Ich denke irgendwie ist der Goldpreis immer zu hoch, vor Jahren die Unze 500 Teuro - teuer,
    im Juni diesen Jahres bei knapp 1000 - teuer...und nun?
    Von sogenannten Anlageberatern und gleichgeschalteten Printmedien kann man nichts erwarten- würden die auch beim
    Verkauf von Goldprodukten analog von Fonds immer ihre Provision bekommen , wären die vielleicht auch schon früher " vom Gold überzeugt " gewesen...
    Fakt ist, daß der Staat niemals Pleite gehen kann - nur die Gläubiger...das sind wir - und am Ende ist eine Anlage in " nicht beliebig vermehrbare Werte " die einzige Möglichkeit wenigstens etwas Vermögen über die nächsten Jahre zu retten...das kann am Ende Acker oder Wald, ein Tank voll Diesel im Garten ...50 Stangen Zigaretten , ein Keller voll Wein...oder eben Silber und Gold sein ...aber niemals Papiergeld oder " Bezugsscheine für Irgendetwas".
    Und niemals sollte man dann Gold im Wissen um diese Geschichte gegen Papiergeld tauschen, wenn man dafür nicht ein vernünftiges und sicheres Pendant erwerben kann - deshalb widerspricht die Schlußaussage des Artikels jeder Vernunft.
    G.S.

  • Es ist wirklich schon verwunderlich, dass jetzt plötzlich Unmengen von Artikeln dieser Art im Mainstream erscheinen. Ob da von irgendwem die Zensur zurückgenommen wurde oder einfach der gesunde Menschenverstand durch die Schere im Kopf (des Redakteurs oder auch des Chefredakteurs) bricht, ist für die Frage Blasenbildung-Propaganda im Artikel kaum relevant. Der Artikel ist bis kurz vor dem Blasenende so fundiert und logisch, und die Schlussfolgerung so offensichtlich unlogisch, dass man sie einfach löchrig finden muss. Ich führe sie darauf zurück, dass trotz aller Logik die Vorstellungskraft der (bisherigen) Papiertiger nicht ohne Papier auskommt. Sie kommen nicht ohne eine Messung des Goldwertes in Papiereinheiten aus. Selbst die eingefleischtesten Goldbugs freuen sich an der "Wertsteigerung" von Gold, und können kaum von der Vorstellung lassen, dass kurz vor dem Währungscrash (den Narat ja siehe Titanic-Vergleich kommen sieht) der Wert ausgedrückt in Schnipseln Klopapier nicht relevant ist.
    Das Thema Blasenbildung ist hier also keine gezielte Propaganda, sondern widerkäuen von irgendwo gelesenen Beiträgen, um noch schlauer dazustehen als diejenigen, die sich mit gegen den Crash per Goldkauf absichern. Ob die ursprünglichen Geschichten von einer Blasenbildung, die der Autor hier reproduziert, gezielte Propaganda sind, ist eine andere Frage.
    Einzig im Falle, wenn anstatt des Falles Hyperinflation durch eine Währungsreform das Papier zum Teil einen Wert behalten sollte, kann man Gold und Papier wieder in Relation zueinander setzen. Nebenbei: Genau gesagt müsste diese Währungsreform sogar auf auf einer solchen Relation basieren. Das ist aber im Artikel nur ein Randthema.

  • Sehr geehrter Herr Narat,

    mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu - mit Ausnahme des letzten Absatzes.

    Sie schreiben: "Die Euphorie trägt schon den Keim des Niedergangs in sich. Und dann werde ich mich vom sinnlichen Gold verabschieden, mit schwerem Herzen, aber kühlem Verstand."

    Ich frage mich, wogegen Sie Ihr Gold eintauschen wollen? Ich hoffe doch nicht, gegen das ungedeckte Papiergeld?

    Sie erwecken mit dem letzten Satz den Eindruck, ein Spekulant zu sein, der nur den richtigen Ausstiegszeitpunkt abwartet; der hofft, das Endstadium der Blase zu erkennen.

    Dazu habe ich zwei Anmerkungen:

    1. Wenn es richtig ist, dass Gold das ultimative Tauschmittel ist, dann halte ich es für undenkbar, dass es bei Gold eine Blase geben kann. Eine Blasenbildung bei einem indirekten Tauschmittel ist logisch unmöglich.

    2. Gold kauft man nicht (physisch), um reicher zu werden; man kauft Gold, um nicht ärmer zu werden. Man versucht damit, einen Teil seines Vermögens aus Zeiten vor der Krise in Zeiten nach der Krise zu retten.

    Falls Sie diese Gedanken teilen können, werden Sie Ihre Verkaufsabsichten vielleicht noch einmal überdenken.

    MfG

    B.Berand

  • Wer Gold oben unter Suche reingibt, findet nur Artikel, seit Bestehen der Chronologie, wo Gold nur als Lausiges Investment beschrieben wird, dessen Preis nur fallen kann. Nachdem es sich versechsfacht hat, kommen Wendehälse daher, das man hier mal was schreiben muss im Markt der Märkte. Habe Print seit 1998 abgeschafft und werde nicht mehr in die falsche Richtung von Provi, Boni, Abgeldung, Leergeld, Zettel-Bonds usw. gelootst und seitdem bleibt etwas übrig (in Papiergeld gerechnet). Wenn alle Wikinger vergraben und vergessen spielen, bleibt ja nichts mehr übrig, worüber man schreiben kann, da alle relaixt sich mit Schnitzereien die Unzeit vertreiben oder Jagd nach Junksilver in irgendwelchen Umlaufgeldbeuteln machen....)

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%