Wirtschaftskrise Venezuela ächzt unter Hyperinflation von 1,4 Millionen Prozent – und will nun fünf Nullen aus der Währung streichen

Für den bodenlosen Absturz der venezolanischen Währung ist die desaströse Wirtschaftspolitik von Präsident Maduro verantwortlich.
Update: 26.07.2018 - 07:50 Uhr Kommentieren
Der Präsident Venezuelas ist für die Wirtschaftskrise im Land verantwortlich. Quelle: Reuters
Nicolas Maduro

Der Präsident Venezuelas ist für die Wirtschaftskrise im Land verantwortlich.

(Foto: Reuters)

SalvadorIn den brasilianischen und kolumbianischen Grenzorten zu Venezuela sind sie ein beliebtes Souvenir geworden: Handtaschen, Gürtel und Portemonnaies geflochten aus Bolivar. Für eine dieser Origami-Handtaschen falten und vernähen Emigranten aus Venezuela bis zu 800 Bolivar-Noten. Eine Geldbörse produzieren sie aus 200 Bolivar-Noten, der inzwischen völlig wertlosen Währung des eigentlich schwerreichen Karibiklandes, das auf den größten Ölreserven der Welt sitzt.

Als jetzt der Internationale Währungsfonds die erwartete Jahresinflation für 2018 auf über eine Million Prozent bezifferte, erstaunte das in Venezuela niemanden. Das lokale Wirtschaftsinstitut Ecoanalítica erwartet gar eine Inflation von 1,4 Millionen Prozent zum Jahresende. Ein Dollar ist auf dem Schwarzmarkt heute 3,5 Millionen Bolivar wert.

Angesichts dieser enormen Inflation will die Regierung nun fünf Nullen aus der Währung streichen. Zudem soll der Bolivar künftig an die neue Kryptowährung Petro gekoppelt sein, sagte Maduro am Mittwoch. 

Die Rekordabwertung in Venezuela lässt sich jedoch nicht Donald Trumps erratischer Handels- und Wechselkurspolitik anlasten – auch wenn die Regierung fast täglich versucht, die Schuld an dem wirtschaftlichen Desaster mit dem angeblichen „Krieg des Imperiums“ gegen das südamerikanische Land zu rechtfertigen. Doch die Schuld für das Desaster trifft alleine Präsident Nicolás Maduro, der seit 2013 Venezuela regiert.

Ihm fällt zwar alle paar Monate ein neuer Trick ein, wie er sein Amt als einstmals gewählter Präsident zum Diktator verwandeln kann – doch wie er auf die schwere Wirtschaftskrise seit fünf Jahren reagieren soll, dafür hat er keinen Plan. IWF-Direktor Alejandro Werner hat die Situation in Venezuela mit der in Deutschland im Jahre 1923 und mit Zimbabwe nach der Jahrtausendwende verglichen.

„Wird werden keine Dollar-Kolonie“ – Maduros verzweifelter Rettungsversuch

Der Grund für die Inflation ist ein ganz simpler: Das Ölland produziert wegen Mangelwirtschaft, Korruption und fehlender Fachkompetenz nur noch 1,5 Millionen Fass Öl am Tag – so die Opec, die deswegen die Förderquoten unter ihren Mitgliedern erhöhen musste, um das diesjährige Produktionsziel zu erreichen.

Vor einer Dekade pumpte die staatliche Ölgesellschaft PdVSA noch knapp drei Millionen Fass, größtenteils in die Tankschiffe für die Fahrt nach Norden zu den Raffinerien der USA. Nun sind die Ölpreise seit 2013 stark gesunken – und der Staat erwirtschaftet keine Einkommen mehr.

Seit fünf Jahren sinkt die Wirtschaftsleistung. Seit 2014 sogar zweistellig pro Jahr. Maduros Vorgänger Hugo Chávez hat fast die gesamte Privatwirtschaft verstaatlicht. Die Folge: Das Haushaltsdefizit wächst von Jahr zu Jahr – und Maduro bleibt nichts anderes übrig, als immer neues Geld zu drucken. Jahrelang machten ausländische Geldruckunternehmen blendende Geschäfte mit Venezuela. Inzwischen ist auch das vorbei.

Der Staat kann nicht einmal mehr neue Geldnoten bezahlen. Ausgeholfen hat vor wenigen Tagen erneut China mit einem Fünf-Milliarden-Dollar-Kredit. Insgesamt 60 Milliarden Dollar Kredit hat Peking bereits an Venezuela vergeben für künftige Öllieferungen. Zuletzt hat es sich aber mit Finanzspritzen zurück gehalten.

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