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Presseschau „Berlin fiedelt, während Rom brennt“

Wer ist schuld, dass die Schuldenkrise in Irland und Italien eskaliert? Die internationalen Medien sind sich weitestgehend einig: Das zögerliche und chaotische Krisenmanagement der EU-Politik sei eine Einladung für Spekulanten. Mit Sorge erfüllt die Kommentatoren, dass Italien zu groß sei, um von der EU gerettet zu werden. Die Presseschau.
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Wer trägt die Verantwortung für die Schuldenkrise? Die Medien sind sich weitgehend einig. Quelle: dpa

Wer trägt die Verantwortung für die Schuldenkrise? Die Medien sind sich weitgehend einig.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Börsen-Zeitung kritisiert das Schuldenkrisen-Management von Europas Politikern, die „kopflos“ agierten. „Seit mehr als einem Jahr ist die Politik eine nachhaltige Lösung der Staatsschuldenkrise schuldig geblieben.“ Statt bei den zahlreichen Krisentreffen substanzielle Fortschritte auf fundamentaler Ebene zu machen, seien lediglich die Hilfspakete in Form von Laufzeitenverlängerungen und Kuponreduzierungen nachgebessert worden. Vor diesem Hintergrund wirkten die gestrigen Beteuerungen von Wolfgang Schäuble, der italienische Haushaltsentwurf sei überzeugend, auf die Märkte nicht beruhigend. „Die haben die Geduld längst verloren.“

Die Financial Times Deutschland berichtet über einen neuen Vorstoß der EU-Finanzminister, die in der Schuldenkrise im Euro-Raum Tabus brächen: Die griechischen Schulden sollen demnach  mithilfe eines groß angelegten Rückkaufs von Anleihen zum Dumpingpreis durch die griechische Regierung reduziert werden; das Geld würden die Griechen vom Rettungsfonds EFSF erhalten; dafür wollten die Euro-Retter eine Einstufung des Landes mit dem Rating „teilweiser Zahlungsausfall“ in Kauf nehmen – auch gegen den Widerstand der Europäischen Zentralbank.

Die britische Financial Times schreibt, Italien sei kein Opfer einer „Ansteckung durch die Märkte“, sondern einer unverantwortlichen Politik. Dabei verweist das Blatt auf den „Gipfel der Verantwortungslosigkeit“, der darin bestehe, dass in Italien Zweifel an der Verabschiedung eines Spar-Haushalts gesät und dass das Land zur Geisel der Wirtschaftsinteressen von Silvio Berlusconi gemacht worden seien. Unter Berlusconi sei das ursprüngliche Plus in Höhe von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2000 allmählich erodiert; das Land habe das Geschenk der niedrigen Zinsen im ersten Euro-Jahrzehnt verschenkt, ohne ein nachhaltiges Wachstum abzuleiten. Im Gegenteil, heute  liege die Staatsschuldenquote bei 120 Prozent. Als Ausweg regt die Financial Times an, dass die Eurozone explizit Garantien für die gesamten Staatsschulden der Peripherieländer ausspricht. Der Widerstand bleibe, besonders in Berlin. „Doch der muss überwunden werden: Die Geschichte blickt nicht gütig auf diejenigen, die fiedeln, während Rom brennt“.

Nicht die bösen amerikanischen Investoren, die nun auf den Untergang des Euros spekulierten, seien schuld an der Eskalation der Schuldenkrise, versichert das Wirtschaftsblatt aus Österreich. Vielmehr seien die Signale, die von Brüssel und den anderen EU-Hauptstädten aus gesendet würden, geradezu eine „Einladung auf dem Silber-Tablett, auf den finanziellen Untergang der Eurozone zu spekulieren“. Seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 sei nichts Substanzielles zur Krisenbekämpfung auf den Weg gebracht worden, kritisiert das Blatt und nennt Beispiele: „Wo sind die Entwürfe für ein einheitliches Insolvenzrecht bei Banken. Wo sind klare Regelungen für die Abwicklung von Staaten? Wo sind die konkreten Pläne für die Auflage von Eurobonds, mit denen kurzfristige Liquiditätsengpässe in Problemländern gemeistert werden könnten?“

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11 Kommentare zu "Presseschau: „Berlin fiedelt, während Rom brennt“"

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  • Wenn man staatlicher Schuldenstand im Verhältnis zum BIP nimmt, dann siehts so aus(in %):
    Bulgarien(€1.287,70-15%),Portugal(11.847,80-77%),Spanien(12.211,90-53%), England(15.419,20-68%), Polen(17.945,40-51%),
    Niederlande(21.049,70-61%), Deutschland(21.489,80-73%), Frankreich(23.139,20-78%), Griechenland(24.280,40-115%),
    Italien(29.324,10-116%), Belgien (30.382,00 -97%).

  • öffentliche Schulden gegen die privaten Vermögen zu rechnen, bringt nichts. Die griechischen Milliardäre haben als erstes "ihr" Geld abgezogen - und die Schulden der BRD/Frankreich überlassen.

  • öffentl. Schulden mit privatem Vermögen zu vergleichen, bringt nichts. Die griechischen Milliardäre haben "ihr" Geld als erstes abgezogen - und die Schulden der BRD u. Frankreich überlassen

  • Die Forderungen von Journalisten und verschiedenen Medien sind ziemlich naiv: Erstens sind Politiker hinsichtlich der Materie Laien. Selbst die sogenannten, wahren "Experten" sind unschlüssig, was angesichts der Komplexität nicht verwundert. Ein Grundproblem des Euros: Marktmäßige Koordination durch Wechselkurse, in die das Wissen vieler Millionen Markteilnehmer einfließt, ist ersetzt worden durch einen politischen Entscheidungsprozeß. Hier nur einmal ein Aspekt aus der mathematischen Kombinatorik: Wenn zwei Besprechnungteilnehmer etwas koordinieren wollen, ergeben sich zwei Kommunikationsbeziehungen. Bei 16 (Anzahl der Euro-Länder) sind es dies schon mehr als 20 Billionen (!). Dieses Phänomen der über alle Maßen wachsenden Dimension kennen einige vielleicht aus dem Schachbrett, dem Perserkönig und den Reiskörnern. Auch hier war der König völlig verblüfft, als er einem Schachspieler so mal eben die gesamte Reisernte seines Landes schenkte. Koordination kann in "Euro-Land" überhaupt nur noch stattfinden, indem bestimmte Interessen einer bestimmten Anzahl von Ländern überhaupt nicht mehr berücksichtigt wird. Nun sind es aber nicht nur die 16 EU-Minister, die an einem Entscheidungsprozeß teilnehmen, sondern 16 "Kanzler oder Präsidenten", die EU-Kommissionen, die EZB, etc. Daneben gibt es den dynamischen Aspekt der Zeit: Die Informationslage ändert sich in immer schnelleren Rhythmen. Daß der Euro schon organisatorisch nicht richtig funktionieren kann, sollte jedem intelligenten Menschen klar sein. Und das war nur ein Einblick in die organisatorischen Aspekte der Euro-Politik. Schwerwiegende ökonomische und rechtliche (der Maastricht-Vertrag wurde praktisch von allen teilnehmenden Staaten gebrochen!) Mängel kommen hinzu. Wen wundert es eigentlich, daß der Euro eine einzige Fehlkonstruktion ist. Mich jedenfalls nicht, die meisten Journalisten offensichtlich schon.

  • Einverstanden. Bitte um die seriöse Fakten, damit wir wissen, wo die einzelne EU Staaten stehen

  • @kuac: Interessante Tabelle. Sie hat leider den Haken der Unvollständigkeit, indem die Vermögensseite (pro Kopf) unberücksichtigt bleibt. Erst aus dem Verhältnis von "Soll" und "Haben" ließen sich ökonomische Implikationen ableiten, die Sie intendieren. Aber vielleicht "liefert" ja noch ein Leser seriöse Daten. Wäre jedenfalls interessant.

  • Hier sind die Fakten für Prokopfverschuludung von einigen
    EU Staaten (aus Wikipedia):
    Bulgarien(€1.287,70),Portugal(11.847,80),Spanien(12.211,90), England(15.419,20), Polen(17.945,40),
    Niederlande(21.049,70), Deutschland(21.489,80), Frankreich(23.139,20), Griechenland(24.280,40),
    Italien(29.324,10), Belgien (30.382,00).

  • ...denn das ist doch kein Wunder, wenn Italien fällt. So lang die Maffia und Cosa Nostra nicht ausgerottet ist, ist Italien kein vollwärtiger Partner in der Euro-Union.
    In einer Vielzahl der Köpfe steckt eine Portion maffiösen Verhaltens. Habe 50 Jahre italienische Firmen als Lieferanten gehabt.
    Sie zeichnen sich aus durch Frechheit, Arroganz und Dummheit aus. Glauben im Reigen der anderen europäischen Völker eine Ausnahmeerscheinung zu sein. Und dann der Höhepunkt und Gipfel der Fehlentscheidung einen Italiener an die Spitze der EZB. Man kann es nicht fassen, was da entschieden wurde. Und wenn sein Hemd noch so unbefleckt ist, wäre es doch jetzt richtig gewesen einen deutschen Stadthalter an die Spitze zu setzen.

  • Unsere Macher sollen bloß aufpassen,daß sie von den Italienern nicht über den Tisch gezogen werden,
    oder zumindestet sofort nach den Leichen im Keller fragen.
    Italien ist schon seit etlichen Jahren überschuldet und
    hat dies bestimmt nicht ohne Tricksereien geschafft.
    Da werden dann die Schulden die nicht sofort sichtbar sind
    scheibchenweise präsentiert wenn der Plan zur Rettung fertig ist.Die Kosten braucht man dann nur noch verdoppeln.So läuft das doch!

  • Wenn Italien Pleite ist, dann sind Deutschland und die USA schon lange Pleite.Denn anders als in Deutschland und den USA sind die Italiener im privaten Bereich keineswegs verschuldet.

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