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Börsengänge Warum wir eine deutsche Nasdaq brauchen

Auch wenn die Zeichnungsgewinne ausblieben, die Börsengänge von Zalando und Rocket Internet wecken Erinnerungen an die Zeiten des Neuen Marktes – nicht nur schlechte. Warum Deutschland wieder eine Wachstumsbörse braucht.
02.10.2014 - 17:03 Uhr Kommentieren
Der Bulle vor der Frankfurter Börse: Ein Segment für Wachstumswerte fehlt. Quelle: ap

Der Bulle vor der Frankfurter Börse: Ein Segment für Wachstumswerte fehlt.

(Foto: ap)

Düsseldorf Für viele deutsche Anleger ist er der Albtraum schlechthin: der Neue Markt. An der Wachstumsbörse wurden Anfang des Jahrtausends Milliarden verbrannt. Das Drama hat sich tief in die Köpfe der Deutschen eingegraben.

Gigantische Überbewertungen, überraschende Pleiten, dreiste Betrügereien – das Image des Neuen Marktes war schon nach wenigen Jahren gründlich ruiniert. Mit dem Platzen der Internetblase verloren viele (Neu-) Aktionäre sehr viel Geld. Die Wachstumsbörse wurde nach einem katastrophalen Crash schließlich im Juni 2003 geschlossen.

Keine Frage, der Neue Markt ist ein unrühmliches Kapitel der deutschen Börsengeschichte. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass wir einen neuen Versuch starten sollten. Wir brauchen einen neuen Neuer Markt. Eine Börse für kleine Wachstumsunternehmen nach dem Vorbild der amerikanischen Nasdaq.

Stephan Schambach sieht es genauso. Der Gründer der E-Commerce-Plattform Demandware hat den Crash am Neuen Markt als damaliger Vorstand von Intershop miterlebt. Im Interview mit dem Handelsblatt fordert Schambach trotzdem mehr Börsengänge und eine „deutsche Nasdaq“. Dutzende deutsche Firmen seien gezwungen an amerikanische Börsen zu gehen, weil hierzulande die Bedingungen für Börsengänge so schlecht seien.

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    Das klingt erst einmal gar nicht so dramatisch. Ist es aber. Denn diese Firmen sind dann als amerikanische Firmen gelistet. Deutschland profitiert nicht mehr von ihrer Entwicklung. Wenn diese Abwanderung weitergeht, wird Deutschland von der digitalen Wirtschaftsentwicklung in den USA abgeklemmt und das sollte nicht passieren.

    Natürlich haben die Amerikaner eine viel besser entwickelte Aktienkultur. Nicht nur die Anleger sind viel aktienaffiner, auch die Unternehmen. Im vergangenen Jahr sind in den USA beispielsweise mehr als 200 Firmen an die Börse gegangen, in Deutschland waren es gerade sieben. Klar, die USA sind viel größer als Deutschland, aber hierzulande gingen die Börsengänge in manchen der zurückliegenden Jahre gegen Null.

    Und das ist schlecht. Denn gerade für junge Unternehmen aus innovativen Branchen ist der Kapitalmarkt eine interessante Finanzierungsmöglichkeit. Und deshalb war der Neue Markt auch nicht so schlecht, wie er oft geredet wird.  

    Die Idee war gut. Rasch wachsende Firmen – vor allem aus den Branchen Umwelttechnik, Telekommunikation, Biotechnologie und Multimedia – sollten sich besser mit Risikokapital versorgen können. Die Erfolgsgeschichte mancher Biotech- oder IT-Unternehmen wäre ohne den Neuen Markt nicht denkbar. Der Biotechnologiekonzern Qiagen ist ein Beispiel. Aber es gab eben auch all die Pleiten, Pech und Pannen.

    Denn leider hat es an der Umsetzung gehapert.  Die Deutsche Börse hat die Kriterien für die Aufnahme neuer Titel viel zu lasch gehandhabt. Die Banken haben sich Unternehmen, die sie an die Börse gebracht haben, oft nicht so genau angeschaut. Und auch wir Journalisten kannten im Grunde nur noch ein Thema: die New Economy.

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