++ Türkei-Newsblog ++ Türkische Lira am Abgrund – große Verluste an der Börse Istanbul

Donald Trump verschärft die Sanktionen gegen die Türkei. Die Anleger reagieren – und sorgen für einen Lira-Ausverkauf. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.
Update: 10.08.2018 - 16:24 Uhr Kommentieren
Die Lira im freien Fall. Quelle: Screenshot
Türkei

Die Lira im freien Fall.

Quelle: Screenshot

DüsseldorfDie Spannungen zwischen den USA und der Türkei rütteln die Märkte am Freitag durch. Nach der Ankündigung Trumps, die Türkei noch stärker als bislang angenommen, zu sanktionieren, erreicht die Lira einen neuen Rekord-Tiefstand. Mehr über den Rutsch der türkischen Landeswährung lesen Sie in unserem Newsblog.

+++ 16:17 Uhr: Istanbuler Börse vor größtem Tagesverlust seit 2013 +++

Die türkische Börse steuert wegen der Währungskrise auf den größten Tagesverlust seit gut fünf Jahren zu. Der Leitindex verliert 8,8 Prozent. Der Bankenindex bricht sogar um 11,5 Prozent ein – so stark wie zuletzt vor mehr als 15 Jahren.

+++ 15:59 Uhr, Bundesbank: Deutsche Banken mit 21 Milliarden in Türkei engagiert +++

Die deutschen Banken haben in der Türkei rund 21 Milliarden Euro im Feuer. Die Bundesbank bezifferte am Freitag die Gesamtforderungen der Kreditinstitute im Juni auf 20,77 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Gegenüber dem Euro-Land Griechenland sind es den Angaben zufolge 19,17 Milliarden Euro. Insgesamt haben die deutschen Geldhäuser im Ausland Forderungen von rund 1,85 Billionen Euro.

Viele türkische Unternehmen haben ihre Kredite in Dollar oder Euro aufgenommen. Den Banken drohen daher durch die Abwertung der türkischen Lira zunächst keine Währungsverluste. Allerdings wird es für die Firmen schwieriger, ihre Kredite zurückzuzahlen. Die BIZ hatte erst kürzlich vor der hohen Dollar-Verschuldung in Schwellenländern wie der Türkei gewarnt.

+++ 15:46 Uhr: Lira-Verfall lässt Franken höher klettern +++

Im Zuge der Türkei-Krise suchen Anleger offenbar einen sicheren Hafen – und finden ihn in der Schweizer Landeswährung. Der Franken klettert am Freitag auf den höchsten Stand seit rund einem Jahr gegenüber dem Euro. Ein Euro kostete zuletzt 1,1351 Franken. Anleger trennen sich von der Gemeinschaftswährung, weil sie nach Angaben von Experten ein Übergreifen der türkischen Währungskrise auf die Euro-Zone befürchten.

+++15.40 Uhr: Türkei-Krise setzt der Wall Street zu +++

Der Lira-Verfall sorgt für Nachbeben an der Wall Street. So eröffnen die wichtigsten US-Indizes am Freitag deutlich tiefer. Der Leitindex Dow Jones verliert zur Eröffnung 0,7 Prozent auf 25.342 Punkte. Der Technologieindex Nasdaq gibt 0,4 Prozent auf 7435 Punkte nach. „Probleme in Schwellenländern sind wichtiger denn je, weil diese sich zum Motor des weltweiten Wirtschaftswachstums entwickelt haben“, kommentiert Peter Cecchini, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Cantor Fitzgerald gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Das wird letztendlich von großem Interesse für den US-Markt sein.“

+++ 15:09 Uhr: Trump verdoppelt US-Strafzölle +++

Im diplomatischen Konflikt mit der Türkei heizt US-Präsident Donald Trump die Krise um den Verfall der türkischen Währung Lira mit einer Verdoppelung von US-Strafzöllen an. Die türkische Landeswährung rutschte am Freitag um bis zu 18 Prozent tiefer, ein Dollar kostete zeitweise 6,7 Lira. Trump teilte am Freitag auf Twitter mit: „Ich habe gerade eine Verdoppelung der Zölle auf Stahl und Aluminium hinsichtlich der Türkei bewilligt.“

Die Zölle auf Aluminium würden nun auf 20 Prozent und die für Stahl auf 50 Prozent angehoben. Trump verwies ausdrücklich darauf, dass die Lira „schnell gegenüber unserem sehr starken Dollar abrutscht!“ Er fügte hinzu: „Unsere Beziehungen zur Türkei sind derzeit nicht gut!“

Die USA fordern die Freilassung des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson und weiterer amerikanischer Staatsbürger. Die USA hatten deswegen vergangene Woche Sanktionen gegen den türkischen Innenminister Süleyman Soylu und gegen Justizminister Abdülhamit Gül verhängt. Damit werden mögliche Vermögen der Minister in den USA eingefroren, außerdem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mit ihnen machen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erließ daraufhin ebenfalls Sanktionen gegen US-Minister. Die Türkische Lira befindet sich seit Tagen im freien Fall.

+++ 15:05 Uhr: Türkischer Finanzminister sagt Unabhängigkeit der Notenbank zu +++

Der türkische Finanzminister hat der Notenbank des Landes die volle Unabhängigkeit zugesichert. Dies sei entscheidend für die Wirtschaft, sagte Berat Albayrak am Freitag.

Die Türkei sei dazu übergegangen, sich zur Geldpolitik und zur Zentralbank nur sehr vorsichtig zu äußern. Zudem kündigte Albayrak an, die Regierung werde noch stärker auf Haushaltsdisziplin achten und ein Hauptaugenmerk auf Strukturreformen legen. Finanzminister Albayrak ist ein Schwiegersohn von Erdogan.

+++ 14:56 Uhr: Erdogan schiebt Lira-Verfall auf „Wirtschaftskrieg“ +++

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Westen für den Kursverfall der Lira verantwortlich gemacht und die Bevölkerung aufgerufen, Dollar und Euro in die Landeswährung umzutauschen. Er sprach erneut von einem „Wirtschaftskrieg“ und erhob den Westen zum Feindbild. „Die, die Dollar, Euros, Gold unter dem Kissen haben - geht und wechselt es in türkische Lira in unseren Banken“, sagte Erdogan im nordtürkischen Bayburt am Freitag. Solidarität werde die wichtigste Reaktion auf den Westen sein.

Erdogan sprach von einer „künstlichen Finanzkrise“. An jene gerichtet, die höhere Zinsen fordern, um die Inflationsrate von mehr als 15 Prozent zu drücken, sagte er: „Ihr werdet es nicht schaffen, diese Nation in die Knie zu zwingen.“ Anders als Ökonomen sieht Erdogan Zinserhöhungen als Ursache für Inflation und nicht als Instrument dagegen.

Die Türkei diversifiziere ihre Wirtschaftspartner - „von China bis Russland“, sagte Erdogan. Vor allem wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei hat sich die Beziehung mit den USA stark verschlechtert. Die Märkte hatten darauf stark verunsichert reagiert. „Diese Nation hat keine Angst“, sagte Erdogan. „Vertraut auf Gott.“

+++ 14:17 Uhr: Erdogan ruft Türken zu Währungsumtausch auf +++

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ruft angesichts des Kursverfalls der Lira die Bevölkerung auf, Euro, Dollar und Gold in die Landeswährung zu tauschen. Es handele sich um eine „nationale Anstrengung“, sagte Erdogan am Freitag. Der Dollar werde der Türkei nicht im Weg stehen. „Wir werden unser Land entschieden gegen wirtschaftliche Angriffe verteidigen.“ Die beste Antwort sei es, Produktion, Exporte und Beschäftigung zu steigern.

Die Lira wertete während Erdogans Rede weiter ab und notierte zeitweise bis zu zwölf Prozent im Minus. Der Währungsverfall setzt das Land immer stärker unter Druck.

+++ 13:12 Uhr: Erdogan äußert sich siegessicher +++

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich angesichts des Kurssturzes der Lira siegessicher geäußert. Die Türkei werde den Wirtschaftskrieg gewinnen, sagte Erdogan am Freitag dem staatlichen Sender TRT Haber zufolge. Die Lira hat zum Wochenschluss zeitweise bis zu 14 Prozent verloren. Investoren sehen insbesondere den Einfluss Erdogans auf die Notenbank kritisch.

+++ 12:56 Uhr: Kursverfall schüttelt Finanzmärkte durch +++

Der Kursverfall der türkischen Währung hat sich am Freitag beschleunigt. Am Morgen kam es im Handel mit dem US-Dollar zeitweise zu einem Einbruch um 13,5 Prozent. Der Kurs der türkischen Währung rauschte auf neue Rekordtiefs zum Dollar und zum Euro.

Am Morgen wurden zeitweise bis zu 7,2254 Lira für einen Euro gezahlt. Zu Beginn des Jahres waren es nur 4,50 Lira. Die nervöse Stimmung schwappte auch auf andere Märkte über. Im Vormittagshandel beruhigte sich die Lage teilweise wieder, die Lira erholte sich etwas.

Als Ursache für die Zuspitzung an den türkischen Finanzmärkten gilt auch die Unsicherheit der Anleger vor der Veröffentlichung eines neuen Wirtschaftsmodells, das Finanzminister Berat Albayrak am Freitag vorstellen wollte.

+++ 11:28 Uhr: Währungskrise mischt Europas Börsen auf +++

Die Währungskrise in der Türkei hat am Freitag hohe Wellen an den europäischen Börsen geschlagen. Panikverkäufe ließen die Lira um mehr als zehn Prozent abstürzen, was auch den Euro mit nach unten zog. Er fiel um fast ein Prozent auf ein 13-Monats-Tief von 1,1430 Dollar. Auch Aktienanleger gingen in Deckung: Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils mehr als ein Prozent, besonders Banken gerieten ins Straucheln. „Investoren verkaufen im großen Stil türkische Aktien und Anleihen und sorgen damit für immer mehr Abwertungsdruck“, sagte Analyst Clemens Bundschuh von der Landesbank LBBW. Börsianer spielten bereits einen Zahlungsausfall der Türkei durch. Einem Medienbericht zufolge ist sogar die Europäische Zentralbank (EZB) hellhörig geworden.

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