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Aktien, Anleihen, Gold, Öl und Devisen Der Handelsstreit verschiebt die Gewichte an den Märkten

Der Handelsstreit sorgt nicht nur an den Aktienmärkten für unruhige Zeiten. Auch bei anderen Investments sollten Anleger jetzt vorsichtig sein.
Update: 06.08.2019 - 15:13 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf Der verschärfte Handelsstreit zwischen den USA und China verunsichert die Anleger. Weil die Investoren offenbar den Glauben an ein Ende des Handelskonflikts verloren haben, wird ein Großteil der Kapitalmärkte durcheinandergewirbelt.

Denn die Krise schaukelt sich hoch: China wertet seine Währung ab, US-Präsident Trump stuft das Reich der Mitte als Währungsmanipulator ein. Im Gegenzug kaufen chinesische Staatsfirmen keine US-Agrarprodukte mehr, auch private Unternehmen haben die Bestellungen von US-Sojabohnen eingestellt. Und das dürfte nur der Anfang sein.

Auch die Beruhigung an den europäischen Börsen an diesem Dienstag dürfte vermutlich nur eine zwischenzeitliche Entspannung sein. „Da die Lage unübersichtlich bleibt, wird die Ruhe vermutlich von kurzer Dauer sein“, schreibt Devisenanalyst Hao Zhou von der Commerzbank in seinem Morgenkommentar.

Seiner Meinung nach werde es erst eine nennenswerte Entspannung geben, wenn eine der beiden Seiten die ganze Wucht des Konflikts zu spüren bekomme. Das sei noch nicht gegeben. „Der Markt muss sich auf mehr Volatilität einstellen“, meint er.

Viele Anleger fühlen sich an das Jahr 2015 erinnert. Bereits damals wertete Chinas Zentralbank die Währung ab, um eine Abkühlung der Konjunktur abzufedern. Die aufkeimende Furcht vor möglichen Folgen für die Weltwirtschaft stürzte anschließend die Börsen weltweit in Turbulenzen.

Ein Blick auf verschiedene Märkte zeigt, wie sich aufgrund des Handelsstreits die Gewichte verschieben:

Schwellenländerwährungen verlieren

Die offizielle Einstufung Chinas als Währungsmanipulator durch die USA verschreckt Devisenanleger. Zuvor hatte der Dollar erstmals seit 2008 die psychologisch wichtige Marke von sieben Yuan durchbrochen.

„Zuletzt hatte die chinesische Zentralbank bei Eskalationen interveniert, auch um die Handelsgespräche nicht zu gefährden“, meint Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Diesmal ließ die People’s Bank of China den Markt gewähren. „Vielleicht ein Zeichen, dass Peking kaum noch Hoffnung auf eine baldige Einigung mit den USA hat.“

Die chinesische Währung ist nicht frei handelbar, sondern darf an den Festlandsbörsen einen von der Notenbank täglich vorgegebenen Kurs nur in einer bestimmten Spanne über- oder unterschreiten. Rein rechnerisch würde ein Dollar-Kurs von 7,40 Yuan die Beeinträchtigung der chinesischen Konjunktur durch die US-Strafzölle ausgleichen, sagte Deutsche Bank-Experte Stephan. „7,20 Yuan pro US-Dollar scheinen mir aber als ‚neue Grenze‘ für die Zentralbank zunächst realistischer.“

Vor allem die Währungen der Schwellenländer sind in den vergangenen Wochen deutlich gefallen. Der MSCI Index mit 25 Schwellenländerwährungen fiel am Montag um 1,3 Prozent – der größte Rückgang seit Juni 2016.

Die Währungen Kolumbiens, Argentiniens, Russlands, Südafrika und Brasiliens haben in der vergangenen Woche zwischen drei und vier Prozent gegenüber dem Dollar verloren. Nur der japanische Yen und die türkische Lira waren in dieser Zeit etwas stärker. Beide Währungen profitieren von Sonderfaktoren. Doch ob die Stärke bei der Lira länger anhält, ist eher zweifelhaft.

Gefragt ist dagegen vor allem der Schweizer Franken, der in den vergangenen Tagen auch gegenüber dem Euro und dem Dollar deutlich zulegen konnte. Der Euro erreicht am gestrigen Handelstag mit 1,0861 Franken ein neues Mehrjahres-Tief. Der Run in die Sicherheit hält an.

Die Cyberwährung Bitcoin legte kräftig zu. Innerhalb einer Woche hat die virtuelle Währung um mehr als 20 Prozent an Wert gewonnen. Bis Dienstagmittag kletterte der Bitcoin-Kurs auf bis zu 12.252 US-Dollar.

Panik reagiert am Aktienmarkt

An den US-Börsen sorgt die neue Eskalation im Handelsstreit für Panik. Für den Dow Jones war der Montag der schlechteste Handelstag in diesem Jahr. 2,9 Prozent verlor der Aktienindex. Beim S&P 500 waren es 2,98 Prozent, beim Technologie-Index Nasdaq sogar 3,47 Prozent. Zudem verloren die Apple-Papiere zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent, weil der iPhone-Hersteller viele seiner Geräte in China produziert.

Der Optimismus an den Aktienmärkten seit Anfang des Jahres war bisher nicht nur von der starken US-Wirtschaft gespeist, sondern auch von der festen Überzeugung, dass Trump doch noch einen Deal mit China aushandeln kann. Doch die Hoffnungen darauf schwinden nun. Sollte es einen wahren Handelskrieg geben, dann könnte das auch die Volkswirtschaft in den USA in die Rezession treiben, sind viele Investoren überzeugt.

Noch ist es jedoch nicht so weit und auch die jüngsten Kursverluste können die US-Indizes immer noch gut verkraften. Auch nach den starken Einbrüchen am Freitag und am Montag bleiben die Kurse der US-Aktien in der Nähe ihrer Rekordwerte: Der S&P 500 notierte immer noch elf Prozent höher als Anfang des Jahres, der Nasdaq sogar 15 Prozent.

In Tokio verlor der japanische Leitindex Nikkei bis zum Mittag (Ortszeit) rund zwei Prozent auf 2299 Punkte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans büßte fast drei Prozent ein. Der Index der wichtigsten Unternehmen an den chinesischen Börsen in Shanghai und Shenzen und der Markt in Shanghai lagen mehr als zwei Prozent tiefer.

Der Dax konnte heute seinen freien Fall des Vortages stoppen. Doch noch ist ein Ende des Abwärtstrends nicht in Sicht. Rund 1000 Punkte hat der deutsche Leitindex innerhalb von rund vier Wochen verloren – ausgehend vom Jahreshoch bei 12.656 Punkten Anfang Juli. Allein in den vergangenen fünf Handelstagen betrug das Minus 750 Zähler.

Es bleibt die Erkenntnis: Offenbar kann ein Tweet von US-Präsident Trump den deutschen Leitindex jederzeit um eine vierstelligen Punktezahl bewegen – sei es nach oben oder nach unten. Aber: Seit Jahresanfang liegt die Frankfurter Benchmark noch zehn Prozent im Plus.

Renditen von Anleihen tiefer im Minus

Es ist schon eine verrückte Anleihewelt: Seit Anfang des Monats weisen sämtliche deutsche Staatsanleihen eine negative Rendite auf. Zuletzt sind die mit einer 30-jährigen Laufzeit ins Minus gerutscht. Und die hohe Nachfrage nach der vermeintlich sicheren Staatsanleihe hält unverändert an. Die „Zehnjährigen“ als Benchmark sind an diesem Dienstag auf ein neues Rekordtief von minus 0,534 Prozent gerutscht.

Doch wer glaubt, es geht nicht schlimmer, muss nur in die Schweiz blicken. Dort liegt die Rendite mit einer zehnjährigen Laufzeit bereits bei minus 0,879 Prozent. Aber solch ein niedriges Niveau können die deutschen Renditen laut HSBC noch erreichen. Die britische Großbank hat die Prognose für das Jahresende für die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von minus 0,20 auf minus 0,80 Prozent gesenkt.

Als Grund dafür nennen die Banker, dass die Europäische Zentralbank (EZB) aller Voraussicht nach die Zinsen aufgrund der niedrigen Inflation senken werde. Entsprechend Luft nach unten hätten die Anleiherenditen aus Deutschland noch, so die HSBC.

Am Anleihenmarkt ist – ebenso wie bei Aktien – ein rasanter Verfall der Renditen festzustellen. Innerhalb von einer Woche ist beispielweise die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe um fast 400 Basispunkte auf mittlerweile nur noch 1,68 Prozent gefallen.

Keine Flucht in die Krisenwährung Gold

Die zunehmende Verunsicherung der Investoren zeigt sich auch beim Preis für Gold – allerdings nur im begrenzten Rahmen. Am gestrigen Montag legte das als Krisenwährung geltende Edelmetall 1,7 Prozent zu, gab aber an diesem Dienstag einen großen Teil der Gewinne wieder ab.

„Das Argument, das Gold keine Zinsen bringt, gilt zwar immer noch. Doch die Alternative der sicheren Häfen – die Anleihen – bringen sogar Minuszinsen“, meint Sven Lehmann, Fondsmanager bei HQ Trust. Er hat den Goldpreis mit der Marktkapitalisierung von Anleihen mit negativer Verzinsung verglichen und ein synchrone Entwicklung festgestellt. Der Goldpreis ist zusammen mit der Marktkapitalisierung gestiegen.

Das könne durchaus so bleiben. Seiner Aussage nach waren fallende US-Realzinsen (Zinssatz abzüglich Inflation) in der Vergangenheit im Durchschnitt positiv für den Goldpreis. Sollten die Realzinsen niedrig bleiben oder sogar wieder negativ werden, dürfte seiner Meinung nach der Goldpreis deutlich ansteigen und mögliche Risiken am Kapitalmarkt, insbesondere bei Aktien, ausgleichen.

Ölmarkt unter Druck

Von dem gestrigen Kursrutsch können sich Ölpreise auch an diesem Dienstag nicht erholen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent notiert weiterhin knapp oberhalb der Marke von 60 Dollar.

Laut der Commerzbank hält der eskalierende Handelskonflikt den Ölmarkt im Würgegriff. Entscheidend sei die Frage, wie China auf die neuen US-Strafzölle reagieren wird: Wird China weiterhin US-Rohöl kaufen? Warum sollte China noch länger die US-Sanktionen beim Kauf von iranischem Öl befolgen?

China hat US-Rohöl bislang noch nicht mit Importzöllen belegt und ist weiter einer der wichtigsten Abnehmer. Das könnte sich nun ändern. Ohne die chinesischen Käufe würde US-Rohöl, insbesondere die Sorte West Texas Intermediate (WTI), unter Druck geraten.

China hat die Öleinfuhren aus dem Iran zwar nicht vollständig eingestellt, aber doch deutlich zurückgefahren. Würde das Reich der Mitte wieder mehr Rohöl aus dem Iran kaufen, so wäre mehr saudi-arabisches Öl für andere Abnehmer verfügbar, das bislang nach China ging. Dies wiederum würde die internationalen Ölpreise belasten.

Mehr: China weist den Vorwurf der Währungsmanipulation zurück und stützt den Kurs des Yuan. Analysten sehen den Handelsstreit trotzdem auf einer neuen Eskalationsstufe.

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1 Kommentar zu "Aktien, Anleihen, Gold, Öl und Devisen: Der Handelsstreit verschiebt die Gewichte an den Märkten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist nur vordergründig der Handelsstreit, Herr Röder. Die eigentliche Ursache ist die katastrophale Geld- und Zinspolitik der Zentralbanken, auf die auch ein Donald Trump letztendlich nur reagieren kann.
    Vor zwei Wochen habe ich kommentiert:
    "Frage: Wie nennt man das?
    "Notenbanken inflationieren massiv, um mögliche deflationäre Tendenzen / Staatsbankrotte zu verhindern. Wirtschaftswachstum nimmt (stark) ab, Papiergeld wertet gegen Sachwerte ab."
    Antwort: Stagflation"
    https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/marktberichte/dax-aktuell-dax-schliesst-mehr-als-200-punkte-hoeher-anleger-reissen-sich-um-continental-aktie/24689460.html

    Aufgrund der extrem "falkischen Forward Guidance" insbesondere der amerikanischen Zentralbank sind die Märkte damals von einem Stagflations-Szenario ausgegangen.
    Was haben die Zentralbanken nun aber tatsächlich fabriziert?
    Sinkende Aktienkurse, massiv sinkende Rohstoffpreise (schauen Sie sich beispielsweise das Industriemetall Eisenerz an!), Cash-Hortung, massiv steigende Staatsanleihenkurse (aber nur bei denen "höchster Bonität").
    Sie wissen auch, wie man das nennt - nämlich Deflation.
    Sie blicken in den Abgrund eines deflationären Schwarzen Loches - und wir (und vor allem die Weltwirtschaft) können nur hoffen, das wir nicht darin verschwinden.
    Das Entscheidende ist aber nun, dass es den Zentralbanken nicht gelingt, einen neuen - künstlichen - Boom auszulösen, und darauf kann die (Welt-)Politik eben nur reagieren...

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