Aktien- und Rentenmarkt Investoren schenken Italien wieder mehr Vertrauen – Bond-Renditen sinken

Italienische Staatsbonds hatten Anleger zuletzt reihenweise fallen gelassen. Am Freitag geht es an den Finanzmärkten wieder freundlicher zu.
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Am Anleihemarkt herrschte zuletzt Hochbetrieb. Nachdem die Rendite für zehnjährige italienische Bonds auf bis zu 3,4 Prozent gestiegen war, gab sie in den vergangenen Tagen wieder etwas nach. Quelle: Imago
Kurse stabilisieren sich

Am Anleihemarkt herrschte zuletzt Hochbetrieb. Nachdem die Rendite für zehnjährige italienische Bonds auf bis zu 3,4 Prozent gestiegen war, gab sie in den vergangenen Tagen wieder etwas nach.

(Foto: Imago)

DüsseldorfDas Vertrauen kehrt an die Finanzmärkte zurück – wenn auch nur schrittweise und langsam. Nach einer sehr turbulenten und verlustreichen Woche in Italien waren Anleger in Europa am Freitag – wie schon teilweise am Mittwoch – wieder deutlich zuversichtlicher.

Die Mailänder Börse legte über zwei Prozent zu. Vor allem die zuletzt arg belasteten Titel von Banken waren wieder gefragt. Der Euro Stoxx 50 notierte 1,6 Prozent höher, der Dax gewann 1,5 Prozent. Auch der Euro zeigte sich mit einem Wechselkurs von 1,168 Dollar wieder stärker.

Kurstreiber war der designierte italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte. Seine neue Regierung wurde am Freitagnachmittag vereidigt. Die Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und populistischer Lega hatte sich am Donnerstag im zweiten Anlauf auf eine Koalition geeinigt. Staatspräsident Sergio Mattarella hatte zunächst die Berufung des parteilosen Euro-Kritikers Paolo Savona als Finanzminister nicht akzeptiert.

Das gestiegene Vertrauen konnten Anleger allen voran am Rentenmarkt ablesen. Nachdem sie italienische Staatsbonds zuletzt reihenweise aus ihren Depots geworfen hatten, setzte sich am Freitag der Normalisierungsprozess fort. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen fiel um 0,2 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent. Die Renditen geben an, welchen Zinssatz ein Staat bezahlen muss, wenn er neues Kapital am Markt aufnehmen möchte. Der Aufschlag für fünfjährige Staatsbonds lag 0,5 Prozentpunkte tiefer bei 1,6 Prozent.

Im Regierungsprogramm haben die Koalitionäre verschiedenste Maßnahmen vereinbart, die den italienischen Schuldenberg weiter ansteigen lassen. So sind etwa Steuerentlastungen sowie die Einführung eines Grundeinkommens geplant.

Italiens Staatsschulden belaufen sich bereits auf circa 2,3 Billionen Euro – das sind über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nur Griechenland (180 Prozent) weist in der Währungsunion eine höhere Verschuldungsquote auf. Gemäß den Maastricht-Kriterien soll die Staatsverschuldung die Marke von 60 Prozent des BIP nicht überschreiten.

Die geplanten Mehrausgaben der neuen Regierung hatten die Rentenmärkte mit deutlich höheren Risikoaufschlägen für italienische Staatsanleihen quittiert. Die Rendite für zweijährige Bonds war auf 2,5 Prozent gestiegen. Für fünfjährige Anleihen waren 2,3 Prozent fällig. Für zehnjährige Titel hatte die Rendite am Dienstag in der Spitze bei fast 3,4 Prozent gelegen – doppelt so hoch wie noch vor drei Wochen.

Die Entwicklung am Rentenmarkt hatte besonders für Bankaktien drastische Konsequenzen – der italienische Bankenindex verlor innerhalb von nur zwei Wochen nahezu ein Viertel an Wert. Ein Großteil der Staatsanleihen wird von Geldhäusern gehalten. Die eingebrochenen Kurse der Staatsbonds schmälern den Wert der von den Banken gehaltenen Papiere, die sich auf 352 Milliarden Euro summieren. Auch hier setzte gegen Ende der Woche wieder eine Stabilisierung ein.

Sind die Aufschläge für Staatsanleihen irgendwann zu hoch, verliert der Staat de facto den Marktzugang – und die Möglichkeit, sich selbst zu refinanzieren. In Griechenland beispielsweise schossen die Zinssätze ab 2009 in exorbitante Höhen, nachdem das wahre Ausmaß der Staatsschuldenkrise bekannt geworden war.

Athen konnte nur durch die finanzielle Unterstützung der europäischen Partner vor dem Bankrott bewahrt werden. Derartige Szenarien waren in den vergangenen Tagen auch für Italien diskutiert worden – allerdings würden die verfügbaren Mittel des Rettungsfonds ESM bei weitem nicht ausreichen, um das Land zu stützen.

In einem solchen Fall könnte die Europäische Zentralbank (EZB) mit geldpolitischen Maßnahmen gegensteuern. Mit dem sogenannten OMT-Programm („Outright Monetary Transactions“) kann die Notenbank gezielt Staatsanleihen von finanziell angeschlagenen Staaten kaufen und die Risikoaufschläge auf diese Weise drücken.

Dass diese Maßnahmen jedoch tatsächlich ergriffen werden, gilt bei Beobachtern als ausgeschlossen. Zum einen würde die EZB ihr Mandat sehr weit interpretieren – auch deshalb wurde dieses geldpolitische Instrument bislang nicht verwendet. Zum anderen ist der Einsatz des OMT mit strengen Gegenleistungen verbunden. Da die neue italienische Koalition genau dagegen kämpfen will, bleibt es in dieser Hinsicht bei bloßen Gedankenspielen.

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