Aktiencrash in China Davos-Veteranen haben keine Panik

Innerhalb von zwei Wochen hat Chinas Leitindex ein Sechstel seines Wertes verloren. Sorgen und Zweifel über die Wachstumsdaten der Volksrepublik nehmen zu. Top-Ökonomen mahnen jedoch zur Gelassenheit.
Ökonomen, wie etwa der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, mahnen trotz der eingebrochenen Finanzmärkte Chinas zur Gelassenheit. Quelle: AFP
Ruhig bleiben

Ökonomen, wie etwa der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, mahnen trotz der eingebrochenen Finanzmärkte Chinas zur Gelassenheit.

(Foto: AFP)

DavosVor einem Jahr versicherte der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang auf dem Weltwirtschaftsforum, dass sein Land eine harte Landung vermeiden könne. Während sich der Schweizer Alpenort Davos auf die diesjährige Tagung vorbereitet, geben Delegierte wie der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam, Le Keqiang immer noch recht.

Ihre Einschätzung steht im Gegensatz zur jüngsten Stimmung an den Finanzmärkten. Ein Ausverkauf des Yuan und chinesischer Aktien lösten Schockwellen an den Rohstoffmärkten aus. Aktien büßten weltweit 5 Billionen Dollar an Marktwert ein. Anleger sorgen sich um das globale Wachstum.

„Die Stimmung ist viel zu rasch in Pessimismus abgedriftet und hat Abwärtsszenarien übertrieben“, sagt Tim Adams, ehemaliger China-Spezialist im US-Finanzministerium und nun Präsident des Institute of International Finance. „Letztlich wird China es wie jede große Volkswirtschaft machen und sich durchwursteln.“

Investoren sind zunehmend wegen China besorgt. Am Dienstag anstehende Daten dürften zeigen, dass die Wirtschaft im vergangenen Jahr mit der niedrigsten Rate seit 1990 gewachsen ist. Sorge bereiten den Investoren auch ein Schuldenüberhang, der auf 28 Billionen Dollar geschätzt wird, eine Währungsschwäche, die einen Abwertungswettlauf anderswo auslösen könnte, und das Abrutschen des Aktienmarktes in einen Bärenmarkt.

Die Chronik des Drachensturzes
7. Januar 2016
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Enttäuschte Anleger, leere Hallen. Nach einer kurzen Beruhigung wird der Börsenhandel in Shanghai und Shenzhen am 7. Januar für den Rest des Tages ausgesetzt – nach gerade einmal einer halben Stunde. Damit geht der Donnerstag als der kürzeste Handelstag in die chinesische Börsengeschichte ein. Die Aktienmärkte waren erneut um mehr als sieben Prozent gefallen.

4. Januar 2016
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Bereits am 4. Januar wird der Handel nach einem an Chinas Aktienmärkten für den Rest des Tages ausgesetzt. Gleich am Tag seiner Einführung kommt damit ein Sicherungsmechanismus zum Zug, der zu große Schwankungen verhindern soll.

24. August 2015:
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Den letzte Sturz erwischt die Anleger im August. Der Shanghai Component Index fällt um 8,5 Prozent, der Shenzhen Component Index um 7,8. Das sorgt nicht nur in China sondern auch in den USA und Europa für große Verunsicherung.

27. Juli
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Auch im Juli müssen Chinas Anleger einen neuen Kurssturz verdauen. Die Börse Schanghai bricht um 8,5 Prozent ein auf 3.726 Punkte. Das ist der heftigste Kurssturz innerhalb eines Tages seit 2007. Auch der Leitindex an der zweitgrößten chinesischen Börse in Shenzen schloss mehr als acht Prozent tiefer...

Börse Schanghai bricht ein
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Grund für den Sturz: Die Anleger haben Angst vor einem wirtschaftlichen Schwächeanfall der Volksrepublik. Dafür spricht, dass der Gewinn chinesischer Industrieunternehmen im Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückging.

24. Juli
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Eine private Umfrage zeigt, dass der chinesische Industriesektor im Juni so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr geschrumpft ist. Die wichtigsten Indizes Chinas in Shanghai und Shenzhen verlieren 1,3 und 1,8 Prozent. Damit endet eine seit rund drei Wochen andauernde Erholungsphase.

23. Juli
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Die chinesische Regierung sichert den Märkten erneut ihre Unterstützung zu. Die Anleger feiern die staatlichen Eingriffe. Der Shanghai Composite Index gewinnt mehr als zwei Prozent und schließt den sechsten Tag in Folge im Plus.

China ist weltweit zur zweitgrößten Volkswirtschaft aufgestiegen. Auf das Land entfallen etwa 15 Prozent der globalen. Daher fürchten Anleger wie Investoren, dass die Probleme auf andere Länder übergreifen, wenn China weniger Rohstoffe und Fertigwaren importiert. Ein schwächerer Yuan könnt eine disinflationäre Wirkung haben.

Einige Ökonomen halten dem entgegen, dass es Grund für Optimismus gebe, da chinesische Verbraucher weiterhin konsumieren, die Immobilienpreise sich stabilisieren, die Nachfrage nach Exporten angezogen hat und es hinreichend Spielraum für fiskal- und geldpolitische Stimuli gebe, sollte dies nötig sein. Obwohl das Wachstum nachlässt, dürfte China in diesem Jahr um 6,5 Prozent expandieren, lautet die Median-Schätzung von Ökonomen in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Stiglitz: „Keine katastrophale Abschwächung“
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