Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

In den vergangenen drei Jahren hat der TecDax gut 80 Prozent zugelegt.

Aktienmarkt TecDax eilt von Rekord zu Rekord – das ist der Haupttreiber des Booms

Der Technologiewerteindex steht kurz davor, die Marke von 3000 Punkten zu knacken. Doch es sind weniger die TecDax-Aktien selbst, die die gute Performance lenken.
1 Kommentar

Düsseldorf300 Punkte aufwärts, 400 abwärts und wieder ein paar Hundert Zähler hoch: So präsentiert sich der Dax, Deutschlands erste Börsenliga, seit vielen Monaten. Unterm Strich sind die jüngsten Kursgewinne kaum etwas wert: Wer im Spätwinter vergangenen Jahres auf den Dax setzte, hat bis heute nichts gewonnen.

Ganz anders Deutschlands kleinere Technologiebörse TecDax. Sie eilt von Rekord zu Rekord. Mit 2984 Punkten erreichte der TecDax am Freitag den höchsten Stand seit seiner Existenz im Jahr 2003. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der TecDax die Marke von 3000 Punkten wieder knackt.

Rasante Kursgewinne machen die vielen kleinen Technologiefirmen zu Börsenstars. 18 Jahre nach dem Platzen der Internetblase haben die Anleger ihre Liebe für Wachstumsaktien wiedergefunden. In den vergangenen drei Jahren hat der TecDax gut 80 Prozent zugelegt, auf Sicht von fünf Jahren sogar 185 Prozent. Zum Vergleich: Der Dax schaffte in denselben Zeiträumen etwa die Hälfte.

„Weltweit beschleunigt sich die Rally bei Technologie-Aktien“, beobachtet der Chefanlagestratege der DZ Bank, Christian Kahler, schon seit Monaten. Signale für ein rasches Ende sehen Kahler und die meisten Analysten nicht, auch wenn die meisten Aktien bereits sehr teuer sind.

Dennoch: Wie in vergangenen Boomphasen gilt auch jetzt, dass Trends oft sehr langlebig sind. Deshalb empfehlen die Experten den Anlegern dabeizubleiben, solange der Trend nach oben anhält. Die Aktien sind also teuer, für Anleger gibt aber noch immer gute Einstiegsmöglichkeiten.

Wenn Anleger an Einzelwerte im TecDax denken, kommt ihnen Wirecard wohl schnell in den Sinn. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie des Zahlungsdienstleisters verdoppelt – einsamer Rekord im Index. Schon kleine Meldungen reichen aus, um den Kurs immer weiter zu treiben.

Diese 5 TecDax-Aktien legten 2018 am stärksten zu

WIRECARD AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007472060
Börse
L&S

+8,80 +6,88%
+136,80€
Chart von WIRECARD AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 1: Wirecard
1 von 5

Ein verdoppelter Kurs seit Jahresanfang – keine andere Aktie im TecDax legte so stark zu wie die von Wirecard. Grob gesagt sorgt der Zahlungsdienstleister dafür, dass das Geld des Käufers bei der Bank des Händlers landet. Gemessen an seinen knapp 5000 Mitarbeitern bringt der Spezialist fürs Bezahlen im Internet, per App und Smartwatch nur ein Zwanzigstel der Deutschen Bank auf die Waagschale – ist aber an der Börse mit 23 Milliarden Euro fast drei Milliarden Euro wertvoller.

Auffällig: Kaum eine Aktie handeln deutsche Kleinanleger derzeit so häufig wie Wirecard. Nachdem sich der Aktienkurs binnen zehn Jahren mehr als verfünfunddreißigfacht hat – aus 5000 Euro wurden über 175 000 Euro –, steht einem Aufstieg in den Dax nichts mehr im Weg. Vorsicht: Wer heute Wirecard-Aktien kauft, bezahlt dafür 63 Mal so viel, wie die Firma in diesem Jahr voraussichtlich unter dem Strich verdienen wird. Das ist teuer.

SARTORIUS AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007165607
Börse
L&S

+3,50 +2,43%
+145,90€
Chart von SARTORIUS AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
Platz 2: Sartorius
2 von 5

Vorsicht ist auch hier geboten: Der Spezialist für Medizintechnik Sartorius ist noch teurer als Wirecard. Anleger bezahlen für die Aktie inzwischen 75 Mal so viel wie die Firma in diesem Jahr netto verdienen wird. Das erinnert an Zeiten des Neuen Marktes, als Aktien schon einmal hoffnungslos überteuert waren.

NEMETSCHEK SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006452907
Börse
L&S

+4,68 +3,03%
+158,50€
Chart von NEMETSCHEK SE INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 3: Nemetschek
3 von 5

Die Aktie des Münchener Softwareentwicklers Nemetschek ist seit Jahresbeginn um 79 Prozent gestiegen. Das bedeutet Platz drei unter allen TecDax-Aktien. Billig ist auch diese Aktie nicht. Anleger bezahlen Nemetschek mit dem 66-fachen Gewinn.

EVOTEC SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005664809
Börse
L&S

-0,23 -1,02%
+21,97€
Chart von EVOTEC SE INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 4: Evotec
4 von 5

Der Pharmaspezialist Evotec kommt auf einen Zugewinn von 60 Prozent in diesem Jahr. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 92 ist auch diese Aktie teuer.

CARL ZEISS MEDITEC AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005313704
Börse
L&S

+0,63 +0,76%
+83,92€
Chart von CARL ZEISS MEDITEC AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 5: Carl-Zeiss-Meditec
5 von 5

Das Medizintechnik-Unternehmen Carl-Zeiss-Meditec schaffte ein Kursplus von 45 Prozent seit Anfang Januar. Anleger bezahlen die Firma mit dem 50-fachen Jahresgewinn. Das ist zwar weniger als die Top 1-4 derzeit kosten, doch immer noch deutlich teurer als der Gesamt-Index. Denn wer sich für alle 30 TecDax-Aktien entscheidet, bezahlt im Schnitt 31 Mal so viel, wie diese Firmen im laufenden Jahr verdienen werden.

Als der Zahlungsdienstleister im August seine bereits längst vorab präsentierten Eckdaten wiederholte und diese mit einer leicht angehobenen Umsatzprognose garnierte, die selbst wohlwollende Analysten nicht überraschte, schoss der Aktienkurs um weitere zehn Prozent nach oben. Seitdem geht es beinahe täglich weiter aufwärts – von Rekordkurs zu Rekordkurs.

Die wichtigen Kursgewinne in den USA

Haupttreiber des Booms im TecDax sind allerdings weniger die in dem Index notierten Aktien selbst, sondern ist die große amerikanische Hightech-Börse Nasdaq. Auch sie eilt seit Wochen von Rekord zu Rekord. Der Online-Handelsgigant Amazon ist rund 900 Milliarden Dollar wert, der iPhone-Riese Apple kommt sogar auf eine Billion Dollar.

Die gemessen am Börsenwert fünf größten Konzerne der Welt sind ausnahmslos US-Technologiefirmen: neben Apple und Amazon die Suchmaschine Google mit der Holding Alphabet, der Softwarehersteller Microsoft und das soziale Netzwerk Facebook. Sie treiben die Technologieaktien weltweit.

Doch anders als die Giganten an der Nasdaq haben die deutschen Tech-Firmen ein Problem: Sie sind von Milliardengewinnen, wie sie Microsoft, Apple, Facebook & Co einfahren, weit entfernt. Weniger als in den USA hält hierzulande der Kursboom mit den Gewinnsteigerungen Schritt.

Wer heute mit einem Fonds oder ETF auf alle Aktien im TecDax setzt, der bezahlt für die Firmen im Schnitt 31-mal so viel, wie sie in diesem Jahr voraussichtlich verdienen werden. Viele Firmen sind sogar noch deutlich teurer, vor allem die seit Jahresbeginn am stärksten gestiegenen Aktien.

Lesen Sie hier: Welche TecDax-Firmen die höchsten Kursgewinne verzeichnen

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Aktienmarkt - TecDax eilt von Rekord zu Rekord – das ist der Haupttreiber des Booms

1 Kommentar zu "Aktienmarkt: TecDax eilt von Rekord zu Rekord – das ist der Haupttreiber des Booms"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

    was halten Sie davon, bei allen Analysen grundsätzlich und stets zwischen zwei völlig unterschiedlichen Themen zu unterscheiden?

    Das eine Thema ist das Geschehen in den Firmen. Es bietet für einen Analytiker genug Stoff für viele Artikel.

    Das andere Thema sind die Taten unserer Mitanleger. Kostolany hielt anscheinend nicht besonders viel von ihnen. Er nannte sie stets "Idioten" und erzählte beispielhaft die Episode vom Ausbruch des 2. Weltkrieges. Einige Wochen lang erfreuten sich damals die Anleger an der Vision, dass der deutsche Staat zur Führung des Krieges sehr viele Produkte brauchen würde, dass dadurch die Produktionskapazitäten endlich ausgelastet und die Gewinne sprudeln würden. Also kauften die Anleger Aktien als gäbe es kein Morgen und trieben deren Kurse in lichte Höhen. Aber nach einigen Wochen kam ihnen dann, dass so ein Krieg auch sehr gefährlich ist, dass die Fabriken zerstört und unser Land besetzt werden kann. Also verkauften sie ihre teuer erworbenen Aktien wieder.

    Ich will das Thema "Anlegerverhalten" nicht weiter vertiefen. Nur zwei Worte. Ich glaube, dass es irrational ist und keine nachahmenswerte Weisheit beinhaltet. Darum störe ich mich daran, wenn ein Autor schon einen bloßen Kursaufschwung feiert und damit indirekt empfiehlt, auf einen Modetrend Geld zu setzen. Am köstlichsten sind natürlich immer jene Empfehlungen, die nach 10jährigem Kursanstieg ausgesprochen werden.

    Zum Schluß noch etwas zum schmunzeln. Der Physiker und Astronom Sir Isaac Newton schrieb: "Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunde genau berechnen, aber nicht, wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treiben kann". Ich selbst füge hinzu: "What goes up, must come down".