Analyse US-Märkte im Abwärtsstrudel – kleine Korrektur oder Anfang eines größeren Kursrutsches?

Am US-Aktienmarkt ist der Ausverkauf in die nächste Runde gegangen. Nach einem weiteren schlechten Tag an der Wall Street fragen sich Investoren, wie widerstandsfähig die Märkte sind.
Update: 12.10.2018 - 06:22 Uhr Kommentieren

Das sollten Anleger über die Turbulenzen am US-Aktienmarkt wissen

New YorkAmerikas Finanzwelt hat sich noch nicht beruhigt. Am Donnerstag brachen die Märkte erneut ein. Der Leitindex Dow Jones schloss 2,1 Prozent tiefer auf 25.052 Punkten. Die Technologiebörse Nasdaq, die am Mittwoch rund vier Prozent nachgegeben hatte, verringerte sich um 1,2 Prozent auf 7329 Punkte. Beim breiter gefassten S&P 500 ging es rund zwei Prozent auf 2728 Zähler nach unten. In den vergangenen zwei Tagen hat der Dow Jones damit mehr als 5 Prozent verloren.

Sorgen bereitet den Anlegern vor allem ein technischer Wert. Die 200-Tages-Linie des S&P wurde am Donnerstag unterschritten – ein schlechtes Zeichen für die bullischen Investoren, die an eine schnelle Erholung glauben. Bei den Einbrüchen im Februar, März und April hat sich der S&P bei diesem Widerstand immer gefangen.

„Die 200-Tages-Linie war das ganze Jahr über eine felsenfeste Stütze“, sagt Matt Maley Aktienstratege vom Vermögensverwalter Miller Tabak. Da diese nun nach unten durchbrochen wurde, geht er davon aus, dass der Freitag ebenfalls ein schwacher Tag an den Märkten werden wird.

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Einige Unternehmen ziehen schon erste Konsequenzen: Die Musiksparte des chinesischen Tech-Konzerns Tencent hat am Donnerstag ihren geplanten Börsengang in den USA verschoben, wie das „Wall Street Journal“ berichtete. Die Märkte seien derzeit einfach zu unberechenbar, hieß es. Ein neuer Termin sei nun für den November angepeilt.

Beobachter gehen derzeit davon aus, dass die Turbulenzen der vergangenen Tage lediglich eine kleine Korrektur sein werden, statt der Anfang eines größeren Einbruchs. „Aktien sind hoch bewertet, daher fühlt es sich im Moment eher wie eine reguläre Korrektur an“, heißt es etwa in einer Analyse der Bank of the West. „Es gibt keine Zeichen von unmittelbaren wirtschaftlichen Problemen.“

Doch die Anleger sind auf einmal besorgt, auch wenn es keinen akuten Grund für den Kursrutsch gibt. Einige Entwicklungen erscheinen nun deutlich bedrohlicher als noch vor ein paar Tagen.

Der Handelsstreit mit China

Seit Monaten beschäftigt der Handelsstreit nun schon die Märkte. Lange Zeit waren Anleger zuversichtlich, dass es die Regierung um US-Präsident Donald Trump nicht zu einer Eskalation kommen lassen werde. Nun jedoch wachsen die Zweifel. Trumps Vize Mike Pence hatte sich vergangene Woche mit scharfen Worten gegen die Regierung in Peking gewandt und Sorgen ausgelöst, die USA könnten auf einen neuen Kalten Krieg zusteuern.

Für kommende Woche wird zudem ein Bericht des US-Finanzministeriums erwartet, in dem die Regierung klarstellen wird, ob sie China der Währungsmanipulation beschuldigt oder nicht. Das könnte die Spannungen erneut verschärfen. Medienberichten zufolge raten Experten aus dem Ministerium ihrem Chef Steven Mnuchin gegen eine solche Erklärung, weil es keinen Nachweis dafür gebe, dass die Regierung in Peking absichtlich die Währung schwäche. Mnuchin kann dennoch zu einem anderen Schluss kommen.

Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, mahnte beide Seiten am Donnerstag, eine Lösung zu finden. Sie riet zur Deeskalation. Der IWF hat seine weltweite Wachstumsprognose von 3,9 auf 3,7 Prozent nach unten korrigiert und davor gewarnt, dem globalen Handelssystem Schaden zuzufügen.

Steigende Zinsen

Eigentlich ist es nicht überraschend. Die US-Notenbank Federal Reserve signalisiert bereits seit Monaten, dass sie die Zinsen weiter schrittweise anheben wird, um die boomende US-Wirtschaft vor dem Überhitzen zu bewahren. In einer Rede vergangene Woche hatte Fed-Chef Jerome Powell jedoch besonders deutlich gemacht, dass er auch Zinsen von über drei Prozent für eine Weile tolerieren werde.

Das war zwar zu erwarten, kam bei den Börsianern dennoch nicht gut an. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen waren vor allem am Mittwoch in die Höhe geschossen, hatten sich am Donnerstag jedoch wieder etwas entspannt, nachdem Inflationsdaten schwächer ausgefallen waren als erwartet.

Präsident Trump hat Powell am Mittwoch bereits erneut die Schuld für die Turbulenzen an den Märkten in die Schuhe geschoben. Die Fed sei „verrückt“, so zügig die Zinsen anzuheben, polterte Trump. Vier Wochen vor den wichtigen Zwischenwahlen im Senat und im Repräsentantenhaus will der Präsident sichergehen, dass seine Politik nicht als schädlich für die Märkte angesehen wird. Zudem hat er Sorge, dass die von ihm durch Steuersenkungen angekurbelte Volkswirtschaft durch steigende Zinsen abgewürgt werden könnte.

Hohe Schuldenstände

Steigende Zinsen machen es für die US-Regierung auch teurer, die steigenden Staatsschulden zu bedienen. Im vergangenen Jahr zahlten die USA 1,5 Milliarden Dollar an Zinsen pro Tag. In den kommenden Jahren wird sich diese Summe auf zwei Milliarden Dollar pro Tag erhöhen, wie Torsten Slok, Chefökonom der Deutschen Bank, errechnet hat.

„Die Märkte werden diesem Thema künftig deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken“, sagte Hedgefonds-Manager Jeffrey Gundlach von Double Line Capital dem US-Börsensender CNBC.

Die Staatsschulden liegen derzeit bei 21.6 Billionen Dollar. Auch US-Unternehmen haben in den vergangenen Jahren von den geringen Zinsen profitiert und Schulden aufgebaut, die mittlerweile bei knapp einer Billion Dollar liegen. Steigende Zinsen könnten hier ebenfalls gefährlich werden, vor allem dann, wenn sich die wirtschaftliche Stimmung eintrübt.

Wie geht es weiter?

Immerhin: Die Futures deuteten in der Nacht zum Freitag auf eine Erholung hin. Der Dow könnte mit 300 Punkten im Plus starten und somit immerhin wieder etwas an Boden gutmachen.

Die Anleger schauen am Freitag vor allem gespannt auf die Quartalszahlen der Banken. JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo eröffnen die Quartalssaison.

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