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Händlerin an der Wall Street

Marktexperten schichten angesichts der Konjunkturlage die Portfolios um.

(Foto: AP)

Anlagestrategie Großanleger trennen sich von Aktien – und bauen alternative Anlagen aus

Zehn Jahre nach der Finanzkrise geht bei Großinvestoren die Furcht vor fallenden Kursen um. Gesucht werden Alternativen wie Immobilien und Beteiligungskapital.
3 Kommentare

FrankfurtDie Aussichten für die globale Konjunktur verschlechtern sich beinahe täglich, wie gerade erst das Weltwirtschaftsklima des Münchener Ifo-Instituts wieder bewies. Der Index fiel auf den niedrigsten Stand seit über sieben Jahren. „Die Weltkonjunktur schwächt sich zunehmend ab“, lautet das ernüchternde Fazit von Ifo-Präsident Clemens Fuest nach der vierteljährlichen Umfrage.

Die Zahlen sprechen für eine breite Verlangsamung des Wachstums: Privater Konsum, Investitionen und der Welthandel werden schrumpfen, so die Prognose.

Die Sorge, dass die Konjunktur kippen könnte, ist für die weltweit größten Investoren Grund genug, die Risiken in ihren Portfolios herunterzufahren und Aktien zu verkaufen. Gleichzeitig bauen die Großanleger ihr Engagement in alternativen Märkten abseits der Börsen aus. So sieht das Ergebnis der jährlichen Umfrage des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock unter 230 wichtigen Investoren aus.

„Dass der aktuelle Wirtschaftszyklus sich dem Ende zuneigt, spiegelt sich in der Entwicklung der Unternehmensgewinne wider“, betont Patrick Liedtke, Managing Director bei Blackrock. Gleichzeitig habe der Handelsstreit zwischen den USA und China die Kurse an den Aktienmärkten bereits Ende 2018 nach unten gezogen.

Angesichts der allgemeinen Verunsicherung versuchten die Großanleger, ihre Portfolios krisenresistenter zu machen, und das bedeute weniger Aktien. Nach der Umfrage von Blackrock will ein Großteil der Investoren alternative Anlagen wie Infrastrukturinvestments und Immobilien ausbauen. „Damit können die Renditen erhöht und Risiken vermindert werden. Es gilt, die Portfolios wetterfest zu machen“, so lautet Liedtkes Fazit zu den tektonischen Verschiebungen in den Portfolios der mächtigsten Kapitalmarktprofis.

Von den Befragten will im laufenden Jahr mehr als die Hälfte die Aktienpositionen herunterfahren. 2018 lag die Quote der Investoren, die weniger Dividendentitel halten wollen, erst bei 35 Prozent und 2017 bei nur 29 Prozent. Der Trend ist in den Vereinigten Staaten und in Kanada besonders ausgeprägt, wo mehr als zwei Drittel ihre Aktienquoten reduzieren wollen.

Bargeld als sicherer Hafen

Die zunehmende Vorsicht spiegelt sich auch in der renommierten Analyse der Bank of America wider, die Investoren monatlich zu ihrer kurzfristigen Sicht auf unterschiedliche Vermögensklassen befragt. Das Ergebnis der Umfrage: Der Aktienanteil in den Portfolios ist auf das niedrigste Niveau seit September 2016 gefallen. Die Übergewichtung von Aktien gegenüber anderen Anlagen schrumpft damit auf nur noch sechs Prozent. Bargeld ist als sicherer Hafen dagegen mit 44 Prozent übergewichtet.

Das hat es seit Januar 2009 nicht mehr gegeben. Gut zwei Fünftel der Investoren befürchten niedrigere Unternehmensgewinne weltweit, auch das ein Indiz für die Angst vor einer empfindlichen Abkühlung der Konjunktur.

Für Aufsehen sorgten auch langfristige Prognosen der Fondsgesellschaft Vanguard für die nächsten zehn Jahre. Der weltweit zweitgrößte Vermögensverwalter geht davon aus, dass die jährlichen Renditen am US-Aktienmarkt im Schnitt bei nur noch fünf Prozent liegen werden. Neben dem Trend, den Aktienanteil herunterzufahren, mischen die Investoren auch ihre Aktienportfolios neu.

„Gerade die Geopolitik wird von den Anlegern als großes Problem wahrgenommen“, betont Blackrock-Mann Liedtke. In Europa gilt das für 46 Prozent der Großinvestoren. Deshalb wollen die Profis ihre Anlagen besser gegen kurzfristige heftige Kursausschläge an den Börsen absichern

Außerdem gewinnen Aktieninvestments, die umwelt- und sozialverträglich sind und die Grundsätze guter Unternehmensführung berücksichtigen, immer stärker an Gewicht in der weltweiten Gemeinde der Großanleger.

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Schon seit Langem reden die internationalen Großinvestoren über einen Ausbau alternativer Investments wie Private Equity, Hedgefonds, Immobilien, Kreditfonds und Infrastrukturinvestments. Jetzt werden diese Planungen offenbar in die Tat umgesetzt. Gerade außerbörsliche Beteiligungen sind gefragt. Hier wollen 43 Prozent der Anleger mehr Geld investieren.

Angesichts von über einer Billion Dollar, die bereits in Private-Equity-Fonds stecken, sind die Großanleger offenbar bereit, in Zukunft auch niedrigere Renditen für Firmenbeteiligungen zu akzeptieren und sich länger als die üblichen fünf Jahre zu engagieren. Die Renditen für Private Equity liegen heute eher bei zwölf Prozent als bei 20 Prozent wie in der Vergangenheit.

Noch stärker wollen die Großanleger bei andern Sachanlagen wie beispielsweise Infrastrukturinvestments aufstocken. Gut die Hälfte plant hier höhere Quoten im Portfolio.

Neben der Konjunktur und den geopolitischen Risiken bereitet den Großanlegern auch die Diskrepanz zwischen der Notenbankpolitik in den Vereinigten Staaten und in Europa Sorgen. Während in den USA zehnjährige Staatsanleihen risikofreie Renditen von um die drei Prozent abwerfen, liegt der Vergleichswert in Europa bei unter einem Prozent, bei Bundesanleihen dümpeln die Renditen sogar bei nur rund 0,1 Prozent vor sich hin.

In den USA wollen deshalb 38 Prozent der Befragten ihren Anteil an Anleihen erhöhen, im Vorjahr waren es nur 29 Prozent. Dabei spielt auch die Erwartung eine Rolle, dass die US-Notenbank in diesem Jahr die Zinsen wohl nicht mehr erhöht.

Auch wenn es um Anleihen geht, suchen viele Profiinvestoren ihr Glück außerhalb der etablierten Märkte. Über die Hälfte der Befragten wollen den Anteil von privat platzierten Schuldtiteln aufstocken. 27 Prozent sehen Chancen an den Bondmärkten der Schwellenländer. Auch für Marcelo Assalin vom niederländischen Vermögensverwalter NN Investment Partners spricht vieles für eine Übergewichtung der Emerging Markets. Der Experte sieht in den meisten Ländern gesunde Wirtschaftsbedingungen.

„Insgesamt dürfte das Umfeld für Schwellenländer-Anleihen im Jahr 2019 günstiger sein als 2018“, zeigt sich Assalin überzeugt. Mit dieser Strategie könnten Großanleger damit den Minirenditen für Anleihen in Europa ausweichen. Denn mit einem Wechsel in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank rechnen sie nicht. Die Politik des lockeren Geldes gilt angesichts der sich zusehends verdüsternden Konjunkturaussichten in der Währungsunion erst einmal für absehbare Zeit als gesetzt.

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3 Kommentare zu "Anlagestrategie: Großanleger trennen sich von Aktien – und bauen alternative Anlagen aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Danke für den interessanten Kommentar Frau Edelgard Kah.
    Aktien sind ebenfalls Beteiligungskapital, nur mit stets aktualisiertem Marktwert.

  • Sehr geehrte Herren Redakteure,

    die Erfahrung lehrt, dass sich die Wellenbewegungen der Wirtschaft (Konkunktur) bis in die feinsten Verästelungen des Wirtschaftslebens hinein fortsetzen. Und eine etwaige Rezession ist selbstredend nicht etwa nur auf einzelnen, sondern auf sämtlichen Vermögensmärkten in Form eines Preisverfalls spürbar. Man kann deshalb dem Verfall der Vermögenspreise nicht durch Flucht aus den Aktienmärkten und Umschichtung in Immobilien oder in Private equity entkommen. Solche Wunder gibt es leider nicht.

    Das wissen natürlich auch die Großanleger. Entgegen ihrem Geschwätz von "Portfolios wetterfest machen" zielen sie deshalb von vornherein auch nicht darauf, Verluste zu vermeiden. In Wirklichkeit geht es ihnen um die Bilanzierung und die Möglichkeit, Verluste zu verstecken. So gibt es beispielsweise bei einer Aktienanlage täglich Börsenkurse. Wertminderungen des Aktienvermögens lassen sich somit überhaupt nicht verbergen.

    Auf der anderen Seite wird die Wertminderung des Immobilienvermögens erst sichtbar, wenn man tatsächlich verkaufen will und nach Käufern sucht.. Das gleiche gilt für die Beteiligung an einer nicht börsengehandelten Firma (Private euqity). Deren Wertverlust wird erst bei einer Veräußerung sichtbar. Deshalb müssen solche Wertverluste auch nicht unbedingt sofort in der Bilanz offen gelegt werden.

  • "Großanleger trennen sich von Aktien"
    kann ich so nicht erkennen - da müssten die Aktienmärkte regelrecht einbrechen!
    Aus meiner Sicht sind Immobilien wegen der extrem hohen Bewertung, den geringen Steigerungspotential der Renditen (Mieten sind abhängig von der Kaufkraft, die nicht im gleichen Masse steigt) und den hohen Transaktionskosten / Transaktionsdauer die deutlich schlechtere Alternative zu den günstig bewerteten Aktien in Europa.
    Beteiligungskapital ist so eine Geschichte - da ist extrem viel Vertrauen nötig....