Anleihe-, Devisen-, Aktienmärkte Börsenausblick Asien – Alle Augen richten sich auf die Bank von Japan

Die am Dienstag anstehende geldpolitische Entscheidung der japanischen Notenbank bewegt aktuell die Märkte. Mittelfristig bestimmen Handelsfragen das Geschehen.
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Der geldpolitische Entscheid der japanischen Notenbank ist das große Ereignis der Woche in Asien. Quelle: Reuters
Bank von Japan

Der geldpolitische Entscheid der japanischen Notenbank ist das große Ereignis der Woche in Asien.

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TokioAusgerechnet eine Institution, die in den vergangenen Monaten ein Hort der Stabilität war, könnte sich in dieser Woche als Risikofaktor für Anleihe-, Devisen- und Aktienmärkte erweisen: die Bank von Japan.

„Der geldpolitische Entscheid der Notenbank am Dienstag ist das große Ereignis der Woche in Asien“, erklärt Daiju Aoki, Chief Investment Officer Japan von UBS Wealth Management im Handelsblatt-Interview. Der Grund: Seit voriger Woche spekulieren die Märkte darüber, dass Japans Notenbank bereits auf ihrer kommenden Sitzung das Zinsziel für zehnjährige japanische Staatsanleihen (JGBs) von derzeit nahe null Prozent offiziell anheben könnte.

„Sollte sie das tun, könnte das zu mehr Volatilität im Finanzmarkt führen, denn dieser Schritt entspricht nicht dem Marktkonsens“, sagt Aoki. Die Folgen wären drastisch.

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Der Zins für zehnjährige JGBs könnte auf 0,2 Prozent hochschießen, der Yen gegenüber dem Dollar erstarken. Ein Dollar-Yen-Kurs von unter 110 Yen hält Aoki in diesem Fall für möglich. Am Montag wurde die US-Währung noch um 111 Yen gehandelt. Die Aktienkurse dürften daraufhin fallen, da ein höherer Yen die Gewinne der Exportkonzerne schmälert. „Aber das ist nicht mein Hauptszenario“, sagt Aoki.

Er rechnet mit einer weichen Zinswende der Notenbank. Auch sie würde allerdings auf die Märkte wirken. Der Marktexperte sagt voraus, dass die Notenbank zuerst ihre Inflationsprognose für 2018 und 2019 senken wird. Es werde daher noch länger dauern, bis die Bank von Japan ihr Inflationsziel von zwei Prozent erreichen werde. „Daher ist es wichtig für die Notenbank, langfristig die Nachhaltigkeit ihrer Geldpolitik zu sichern“, meint er.

Aoki tippt erstens, dass die Bank von Japan zwar ihren Zinskorridor nicht offiziell ändern, wohl aber Flexibilität bei der Obergrenze (bisher 0,1 Prozent) signalisieren wird. In diesem Fall erwartet er nur einen Anstieg des Zinses für die Benchmark-Bonds auf 0,15 Prozent und einen recht geringen Einfluss auf Devisen- und Aktienmärkte.

Zweitens glaubt er, dass die Notenbank beim Kauf von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) die Gewichtung verschieben könnte: weniger ETFs, die auf dem Nikkei-225-Aktienpreisdurchschnitt basieren, dafür mehr Käufe von Fonds, die dem Topix-Index der Tokioter Börse folgen. Die Auswirkung auf den Gesamtmarkt wäre zwar neutral, meint Aoki. Aber die Segmente Banken, Transportanlagen und Großhandel könnten davon profitieren, während der Einzelhandel und Geschäfte mit Medizinanlagen sowie elektrischen Geräten darunter etwas leiden könnten.

Mittelfristig könnten in Japan die Kurse eher fallen

Allerdings glaubt Aoki, dass die Bank von Japan wenn nicht jetzt, dann doch später versuchen wird, die Zinsen anzuheben. Denn der Zeitpunkt wäre günstig, um sich geldpolitischen Spielraum für die Bekämpfung neuer Krisen zu schaffen. Nächstes Jahr wird es wegen der Wahlen in Japan schwierig. „Zudem ist der Aktienmarkt in Ordnung und der Devisenmarkt stabil“, urteilt Aoki. „Das Problem ist, dass am Markt kein Konsens herrscht, wie viel Zinsanstieg die Bank erlauben kann.“

Mittelfristig sieht der UBS-Stratege in Japan allerdings mehr Chancen für fallende als für steigende Aktienkurse. Das größte Risiko für das Land ist dabei, dass US-Präsident Donald Trump wie angedroht Einfuhrzölle von 20 bis 25 Prozent für Autos verhängt. In diesem Fall sagen die Analysten voraus, dass die Gewinne der japanischen Autobauer um bis zu 25 Prozent fallen könnten. „Dies ist ein signifikantes Abwärtsrisiko“, meint Aoki. Im schlimmsten Fall könnte der Nikkei-225-Index bis Jahresende unter 21.000 Punkte fallen.

In Asien insgesamt bestimmen mittelfristig Handelsfragen die Gemüter der Anleger, meint das UBS Wealth Management. Auf der einen Seite droht eine Eskalation im Handelskrieg der USA mit China die Stimmung abzukühlen. Auf der anderen Seite könnte die Gegenreaktion der asiatischen Länder auf den Protektionismus von US-Präsident Donald Trump positiv wirken, die Verhandlungen über regionale Freihandelszonen.

Sattelt Trump wie angedroht noch Zölle für weitere Produkte aus China oben drauf, könnte es einen großen Verlierer geben – und der ist für Aoki nicht China. „Wir gewichten Taiwan unter“, erklärt der Anlageberater. Denn die dortigen Firmen liefern viele Bauteile und Anlagen für die Exporthersteller in China zu. Für chinesische Aktien sieht das UBS-Team hingegen „keinen großen Einfluss“, sagt Aoki. Denn Peking lockere sowohl die Fiskal- wie Geldpolitik.

Im restlichen Asien fokussiere er sich darauf, ob sich die Verhandlungen über eine Freihandelszone beschleunigen. Zwei große Freihandelsabkommen stehen dabei im Blickpunkt: Erstens wollen elf Pazifikanrainer von Amerika bis Asien auch nach dem Austritt der USA das transpazifische Partnerschaftsabkommen retten, bei dem China nicht mitmachen darf. Ausgehandelt ist es schon, es muss nur noch von ein paar Parlamenten ratifiziert werden, um in Kraft zu treten.

Zweitens geht es um eine große innerasiatische regionale Freihandelszone (RCEP), die von Neuseeland über China bis Indien reichen soll. Inhaltlich ist es nicht so modern wie das TPP, aber dafür wären der Umfang und damit das Signal für den Freihandel riesig. Nun müssen die Staaten allerdings hehren Worten Taten folgen lassen. So haben sie jüngst in Tokio vereinbart, bis Ende 2017 ihre Streitigkeiten beilegen zu wollen.

Nach Aokis Meinung könnten einige Märkte, darunter Singapur, Vietnam und Thailand, von einer Beschleunigung der Verhandlungen profitieren. Doch handels-, geld- oder wirtschaftspolitische Anreize sind eher kurzfristig wirksam. Langfristig ist für das UBS-Team Chinas Konjunktur das Thema. „Grundsätzlich sind wir nicht so optimistisch für Asien, weil sich Chinas Wachstum tendenziell verlangsamt“, meint Aoki. „Asiens Wirtschaft könnte ihren Gipfel überschritten haben.“

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