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Blockade gegen Huawei „Kalter Krieg in der Tech-Industrie“ – Analysten warnen vor langem Handelsstreit

Mit einer Ausnahme für 90 Tage will Trump die Verärgerung über seinen Blockadekurs gegen Huawei dämpfen. Doch die Kritik wächst und die Kurse fallen.
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Nach Trumps Ankündigung verloren am Montag alle Indizes an der New Yorker Börse. Quelle: dpa
Wall Street

Nach Trumps Ankündigung verloren am Montag alle Indizes an der New Yorker Börse.

(Foto: dpa)

San FranciscoUnterschrieben haben 173 Unternehmen, darunter Größen wie Nike, aber auch Reebok, Sketchers und Adidas: In einem offenen Brief rufen sie US-Präsident Donald Trump dazu auf, die Schuhindustrie sofort wieder von der Liste der Industrien zu streichen, die einen zusätzlichen US-Importzoll in Höhe von 25 Prozent gegen China vorsieht.

Die Auswirkungen für ihre Branche mit Hunderttausenden Arbeitnehmern in Produktion und Handel seien „katastrophal“ für Konsumenten, Industrie und die US-Wirtschaft insgesamt, warnen die Unternehmensführer. Doch Trump stellte sich am Montag stur. Er sei „sehr zufrieden“ mit der aktuellen Situation, so der US-Präsident in einem TV-Interview.

Der Handelsstreit der USA mit China verschärft sich zunehmend. Neben der Schuhindustrie ist vor allem der chinesische Tech-Konzern Huawei davon betroffen.

So setzten die USA den zweitgrößten Smartphoneproduzenten der Welt am Freitag auf eine Schwarze Liste, die vorsieht, dass das Tech-Unternehmen keinen Handel mehr mit US-Firmen betreiben darf. So dürfen unter anderem keine Chips oder Halbleiter mehr in die Volksrepublik verkauft werden. Diese Ankündigung sandte Schockwellen durch die gesamte Industrie.

Am Montagabend kündigte das US-Handelsministerium schließlich eine Übergangsregelung an, nach der US-Unternehmen für 90 Tage weiterhin mit Huawei handeln oder dem Unternehmen Software liefern können, um bestehende Anlagen oder Smartphones zu warten. Nur das Neugeschäft ist von der Ausnahmeregelung ausgeschlossen.

Wie angespannt die Lage im Handelsstreit ist, zeigen nicht nur der Fall Huawei oder der Brandbrief der Schuhindustrie, sondern auch die Kursentwicklungen an den US-Börsen am Montag. Der Dow Jones Index verlor 0,33 Prozent, der S&P 500 0,67 Prozent, aber vor allem die Tech-Börse Nasdaq verzeichnete mit einem Minus von 1,46 Prozent herbe Verluste.

Matt Maley, Senior-Stratege bei Miller Tabak Equities, warnt davor, dass der ausufernde US-Handelsstreit mit China dazu führen könne, dass die Kurse weiter fallen und schließlich das Tief von Dezember 2018 erreichen.

Maley beobachtet, dass sich die Situation stetig verschlimmert – und sich auch die Auswirkungen auf Tech-Aktien zunehmend verstärken. Sie waren bereits vor der Huawei-Blockade angeschlagen.

Laut Marley wird an den Märkten bereits darüber spekuliert, dass große Akteure wie etwa Intel oder Texas Instruments Gewinn- und Umsatzwarnungen vorbereiten. Das dürfte auch größere Auswirkungen auf die US-Wirtschaft haben, zumal die Halbleiter- und die Tech-Industrie die Schlüsselbranchen des bisherigen Aufschwungs sind.

Google-Aktien notieren tiefer

Auch Google reagierte bereits auf die Blockade: So kündigte der IT-Konzern an, Huawei sein Betriebssystem Android nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Die Papiere des Konzerns büßten daraufhin am Montag über zwei Prozent ein.

Denn für Google würde das nicht nur den Verlust von Lizenzeinnahmen für Millionen von Endgeräten, sondern auch Millionen von Dollar an entgangenen Werbeschaltungen in der Suchmaschine, dem Kartendienst oder an entgangenen Umsatzanteilen an App-Verkäufen bedeuten.

Noch größere Verluste verzeichneten die Papiere der US-Chiphersteller, die 2018 Chips für elf Milliarden US-Dollar an Huawei verkauft haben. Die Aktien von Intel sackten 2,96 Prozent ab, die Papiere von Nvidia notierten 3,05 Prozent tiefer. Zu den größten Verlierern gehörte am Montag aber Qualcomm: Die Titel verloren fast sechs Prozent.

Neil Dwane, Analyst bei Allianz Global Investors, empfiehlt Anlegern, sich auf eine längere Durststrecke einzurichten. „Der kalte Krieg in der Tech-Industrie ist eine Story, die sich fünf oder zehn Jahre hinziehen könnte“, sagte er im Gespräch mit Bloomberg TV.

Die Eurasia-Analysten Paul Triolo, Michael Hirson und Jeffrey Wright warnen davor, dass durch die Blockade nicht nur Huawei großen Risiken ausgesetzt sei, sondern auch Unternehmen, die Bestandteil des Kundennetzwerkes sind. Chinas Präsident Xi Jinping werde es kaum zulassen, dass Trump die chinesische Wirtschaft derart beeinträchtige.

Zwar ist anzunehmen, dass China den Kürzeren zieht, sollte das Land seinerseits mit höheren Importzöllen gegen die USA reagieren. Aber es gibt andere Mittel und Wege. China kontrolliert gut 80 Prozent der Vorkommen an seltenen Erden. Viel Beachtung in Chinas Staatsmedien fand denn auch Xis ungeplanter Besuch einer Fabrik zur Verarbeitung dieser Rohstoffe, die sich in vielen Geräten befinden: zum Beispiel in Halbleiterbausteinen und iPhones.

Schneidet Peking die USA von diesen Rohstoffen ab, stünde die Tech-Industrie vor großen Problemen. Der neue Kalte Krieg der Tech-Giganten würde vermutlich seinen Höhepunkt erreichen.

Mehr: Der Fall Huawei zeigt: Der Wirtschaftskrieg zwischen Amerika und China wird von einer breiten Mehrheit in den USA getragen. Warum die Tech-Konzerne sich nicht gegen Trump stellen, lesen Sie hier.

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