Börse Frankfurt China und die Fed nehmen den Dax in die Zange

Die Sorgen um China lassen die Anleger nicht los. Der Dax rutscht zu Wochenanfang wieder ins Minus. Für Unruhe sorgt auch die Fed. Viele Aktionäre lähmt die Ungewissheit über die künftige Geldpolitik der US-Notenbank.
Update: 31.08.2015 - 17:50 Uhr Kommentieren

Auch der letzte Börsentag ist nicht versöhnlich

FrankfurtDer Börsenhandel bleibt weiterhin von Skepsis geprägt. Noch immer mischen sich in den Handelsentscheidungen der Anleger Ängste um Chinas Konjunktur ein. Die Dax-Kurve war daher von Unbeständigkeit geprägt. Schwach gestartet baute der Leitindex seine Verluste bis auf 1,6 Prozent aus. Am frühen Nachmittag kehrte er dann in die Nähe seines Start-Niveaus zurück. Am Ende schloss der Leitindex 0,4 Prozent schwächer bei 10.259 Punkten.

Insgesamt zeichnet die Dax-Performance im laufenden Monat ein sehr düsteres Bild. Im August musste der Dax Verluste in Höhe von circa neun Prozent hinnehmen – das ist der stärkste Monatsrückgang seit fast vier Jahren. Neben China sorgt die Ungewissheit über den künftigen geldpolitischen Kurs der Federal Reserve für Zurückhaltung bei den Anlegern. „Die Zeit, in der man am Aktienmarkt schnell zu Geld kam, sind vorbei“, sagt Koen De Leus von der KBC Bank. Die Marktturbulenzen dürften erst einmal anhalten.

Diese Aktien sorgen für Furore

RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007037129
Börse
Xetra

+0,29 +1,33%
0,00€
Chart von RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
RWE: Zahlreiche Probleme bremsen aus
1 von 21

Gewinnschwund im ersten Halbjahr, sinkende Strompreise, Probleme mit der Energiewende, fehlende Wachstumsperspektiven: Es gibt viele Gründe dafür, dass die RWE-Aktie im Sinkflug bleibt. Im August kamen noch die Nachricht dazu, dass nun auch die Geschäfte in Großbritannien nicht so gut laufen. Allein in diesem Sommermonat verlor die Aktie ein Viertel ihres Wertes, sie fällt auf den letzten Platz im HDax, der die Werte aus Dax, MDax und TecDax enthält.

Kursentwicklung im August: - 24,67 Prozent

CANCOM SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005419105
Börse
Xetra

-1,88 -3,86%
0,00€
Chart von CANCOM SE INHABER-AKTIEN O.N.
Cancom: Marktumfeld belastet Kursentwicklung
2 von 21

Der IT-Dienstleister Cancom ist ein typisches Beispiel für ein Unternehmen, das vor allem unter dem Marktumfeld litt. Denn die Fundamentaldaten rechtfertigen kaum den starken Kursverlust im August. Analysten äußern sich durchaus positiv. Zwar habe er die Margen nach unten korrigiert, schrieb zum Beispiel Analyst Knut Woller von der Baader Bank in einem Kommentar, zugleich aber seine Umsatzschätzungen nach oben. Alles in allem blieben damit seine Gewinnschätzungen absolut betrachtet weitgehend unverändert. Kollege Florian Treisch von der Commerzbank zeigte sich indes enttäuscht von der operativen Ergebnismarge (Ebitda-Marge) in der jüngsten Bilanzvorlage. Er habe daher seine Ergebnisschätzungen für 2015 und 2016 gesenkt und entsprechend auch das Kursziel.

Kursentwicklung im August: - 15,51 Prozent

THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007500001
Börse
Xetra

-0,69 -3,06%
0,00€
Chart von THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.
Thyssen-Krupp: Gute Zahlen retten nicht
3 von 21

Mitte August überraschte der Stahlkonzern Thyssen-Krupp die Börse mit einer deutlichen Steigerung des operativen Gewinns. Die Quartalsbilanz ließ die Aktie in der Folge um sechs Prozent steigen. Doch das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein der allgemeinen Probleme. Aus fundamentaler Sicht stehe der europäische Stahlsektor langfristig vor Herausforderungen, meint zum Beispiel Analyst Roger Bell von der US-Bank JPMorgan. Die weltweite Stahlproduktion sei im Juli wegen der nachlassenden Wachstumsdynamik in den Schwellenländern schwach ausgefallen, schrieb Analyst Carsten Riek von der UBS in einer Studie.

Kursentwicklung im August: - 15,03 Prozent

ADVA OPTICAL NETWORKING SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005103006
Börse
Xetra

+0,27 +3,88%
0,00€
Chart von ADVA OPTICAL NETWORKING SE INHABER-AKTIEN O.N.
Adva Optical: Die Luft ist erst mal raus
4 von 21

Im ersten Halbjahr dieses Jahres landeten die Titel des Telekommunikationsausrüsters Adva Optical mit einem Kursplus von unglaublichen 178 Prozent auf Platz eins im HDax. Das Unternehmen profitiert vom Big Data-Boom und hob mehrmals seine Prognose an. Doch im August konnten sich die Papiere der Gesamtmarktschwäche nicht entziehen. Nun sei die Aktie des TecDax-Unternehmens dank der jüngsten Konsolidierung aber wieder attraktiv bewertet, glaubt Analyst Leonhard Bayer von Hauck & Aufhäuser. Die Wachstumstreiber seien intakt.

Kursentwicklung im August: - 14,35 Prozent

E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000ENAG999
Börse
Xetra

-0,09 -0,96%
0,00€
Chart von E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Eon: Analysten sehen weiterhin Risiken
5 von 21

Ein weiterer Versorger und Dax-Konzern auf den hintersten Plätzen am deutschen Aktienmarkt: Mit ähnlichen Problemen wie RWE kämpft auch Eon. Schwächere Strom- und Ölpreise sowie die Abwertung des Rubel lassen die Gewinnerwartungen sinken, schrieb Analystin Tanja Markloff von der Commerzbank in einer Studie. Trotz des deutlichen Rückgangs der Aktie sei noch nicht der Zeitpunkt für eine Neuanlage gekommen, meint Sven Diermeie vom Analysehaus Independent Research. Es bestünden weiterhin regulatorische Risiken für den Versorger.

Kursentwicklung im August: - 13,97 Prozent

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
Xetra

+0,04 +0,45%
0,00€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Commerzbank: Investoren vermissen Rendite
6 von 21

Anfang August überraschte die Commerzank bei der Präsentation der Bilanz mit dieser Ankündigung: Erstmals seit 2007, als die Finanzkrise ausbrach, will die Bank den Anlegern wieder eine Dividende zahlen. Die Quartalszahlen selbst waren allerdings im Wesentlichen so erwartet worden; Analysten hatten noch einiges zu bemängeln, etwa die niedrige Profitabilität oder die nach wie vor hohen Kosten. Die Eigenkapitalrendite bleibe auch weiterhin deutlich hinter den Kapitalkosten zurück, und das rechtfertige das vergleichsweise niedrige Bewertungsniveau, sagt Stefan Bongardt vom Analysehaus Independent Research.

Kursentwicklung im August: - 13,90 Prozent

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
Xetra

0,00 0,00%
0,00€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Lufthansa: Marktumfeld besorgt Anleger
7 von 21

Wenn die Konjunkturerwartungen sinken, trifft das früh schon Logistiker und Transportunternehmen, beispielsweise die Lufthansa. Weil sie in ihrem Frachtgeschäft hohe Kapazitäten in China und Asien allgemein habe, sieht Analyst Andrew Lobbenberg von HSBC Probleme für die Fluggesellschaft. Zu Beginn des Monats belastete auch ein negativer Kommentar der US-Investmentbank Merrill Lynch die Aktie. Die 2016er-Konsensschätzungen für das Wachstum bei Lufthansa, aber auch bei anderen Fluggesellschaften wie Air France-KLM, Easyjet und Norwegian dürften nicht zu erreichen sein, schrieb Analyst Mark Manduca in einer Branchenstudie.

Kursentwicklung im August: - 13,56 Prozent

Die Berg- und Talfahrt der vergangenen Tage spreche dafür, dass die Aktienmärkte nicht so einfach zur Normalität übergehen, prognostiziert CMC Markets Analyst Andreas Paciorek. „Es wird hektisch bleiben“. Belastend wirke die Entscheidung der chinesischen Regierung, bis auf weiteres keine Stützungskäufe zur Stabilisierung der Börsen mehr zu tätigen, hieß es im Handel.

In New York leuchten die Börsentafeln heute ebenfalls rot auf. Der Dow Jones notierte nach Frankfurter Börsenschluss 0,6 Prozent leichter bei 16.543 Punkten. Der S&P-500 sank um 0,5 Prozent, der Nasdaq gab 0,6 Prozent nach.

Am Freitag hatten Stützungsmaßnahmen der chinesischen Notenbank und Hoffnungen auf eine spätere Zinswende der US-Notenbank noch für Optimismus gesorgt. Fed-Vizepräsident Stanley Fischer ließ sich aber am Wochenende die Möglichkeit einer Zinserhöhung im September offen. „Wir beobachten immer noch, wie sich das entwickelt“, sagte er am Freitag dem Fernsehsender „CNBC“. Die jüngsten Kursausschläge an den Märkten könnten nachlassen und damit den Weg für die Zinswende ebnen, sagte er. Sein Kollege James Bullard bekräftigte, dass er für eine Anhebung im September sei.

Zahlreiche Anleger hatten hingegen angesichts der Börsenturbulenzen in der vergangenen Woche auf eine Verschiebung der Leitzinserhöhung spekuliert. Ihre Annahme wird auch von den stärksten Geldabflüssen seit 2012 aus den Emerging Markets gestützt. Sollte die Fed in dieser Marktlage eine Zinserhöhung einleiten, würden die Geldabflüsse aus den Emerging Markets zusätzlich beschleunigt. „Die Abflüsse aus den Emerging Markets sind im laufenden Jahr in etwa so hoch, wie sie es während der Finanzkrise waren“, erklärt Hertta Alava, Mitarbeiterin bei FIM Asset Management in Helsinki.

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