Börse Frankfurt Dax beendet seine Talfahrt

Nach vier verlustreichen Tagen kann der Dax am Dienstag wieder Gewinne einfahren. Doch die Skepsis bleibt. Die morgen stattfindende Fed-Sitzung könnte die Karten neu mischen – und wieder für Verluste sorgen.
Update: 28.01.2014 - 17:55 Uhr 19 Kommentare
Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer haben dem Dax in den vergangenen Tagen arg zugesetzt. Quelle: dpa

Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer haben dem Dax in den vergangenen Tagen arg zugesetzt.

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FrankfurtDer Dax beendet einen wechselhaften Handelstag mit einem Plus von rund 0,6 Prozent auf 9407 Punkte und lässt damit seine mehrtägige Talfahrt hinter sich. In der zweiten Börsenliga fielen die Gewinne noch deutlicher aus. Der MDax ging mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 16.417 Zähler aus dem Handel, der TecDax schloss sogar 2,5 Prozent fester auf 1224 Punkte.

Bereits am Morgen zeichnete sich eine erfolgreicher Börsentag ab. Starke Unternehmensbilanzen schoben die Kurse an. Am frühen Nachmittag jedoch gab der Dax seine Gewinne wieder ab. Die schwache Auftragslage langlebiger US-Güter machte den Börsen zu schaffen. Entgegen der Prognosen sank die Zahl der Aufträge um 4,3 Prozent. Experten hatten mit einem Anstieg von 1,8 Prozent gerechnet.

Später kehrte dann aber mit Veröffentlichung des US-Verbrauchervertrauens die Kauflaune wieder zurück. Das Konsumbarometer kletterte im Januar um 3,2 auf 80,7 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit August 2013, wie das Conference-Board-Institut am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 5000 Haushalten mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich 78,1 Zähler erwartet.

Der Konsum macht mehr als 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. Der weltgrößten Volkswirtschaft wird in diesem Jahr ein kräftiger Aufschwung zugetraut. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem Wachstum von 2,8 Prozent, das sich 2015 auf drei Prozent steigern soll.

An den US-Börsen machte sich das verbesserte Verbrauchervertrauen ebenfalls bemerkbar. Nach Frankfurter Börsenschluss notierte der Dow Jones 0,3 Prozent fester.

Trotz der tendenziell positiven Kursentwicklung am heutigen Handelstag, bleibt die Lage aber angespannt. Verantwortlich für diese latente Angst ist einmal mehr die Federal Reserve. Die US-Notenbank wird morgen nämlich bekanntgeben, wie sie mit ihrer Geldpolitik weiter verfahren wird. Einige Beobachter befürchten eine vorzeitige Drosselung des Anleihekaufprogramms um weitere zehn Milliarden Dollar auf 65 Milliarden. Die Analysten der Essener Nationalbank gehen ebenfalls davon aus, dass sich die Fed von ihrem Kurs nicht abbringen lassen und das Volumen weiter reduzieren wird. Der Dollar, der in den vergangenen Jahren unter der ultralockeren US-Geldpolitik gelitten hatte, legte im Vorfeld der Sitzung zu.

Die Party an der Börse wird weitergehen
Japan's Nikkei 225 Stock Average closed at a six-year high
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Hauptthema am Markt wird die Fed bleiben

„Kaum etwas dürfte so sehr über den weiteren Verlauf der Aktienmärkte entscheiden wie die zukünftige Politik der US-Notenbank,“ prognostiziert Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe für das Jahr 2014. Das größte Risiko für den Markt stelle ein rascher Ausstieg der Fed aus der ultraexpansiven Geldpolitik dar. Allerdings sei dieser nicht zu erwarten. Dafür sei das Wirtschaftswachstum noch zu schwach.

EZB Zinspause
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Im Zeichen der Politik

Ähnlich sieht dies auch Michael Winkler, Chief Investment Officer der St.Galler Kantonalbank: „Schon das Jahr 2013 hat gezeigt, wie leicht sich die Märkte beeinflussen lassen. Auch 2014 wird im Zeichen der Politik der Notenbanken stehen.“

The headquarters of Deutsche Bank are pictured in Frankfurt
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„Die Bäume wachsen, aber nicht in den Himmel“  

Nach Ansicht der Experten von Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM) ist die Weltwirtschaft auf einem guten Weg. Vor allem dank der Wirtschaftserholung in Südeuropa dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Euro-Raum 2014 um 0,7 Prozent wachsen, sagt Asoka Wöhrmann, Geschäftsführer der DeAWM Investment GmbH. Für 2014 rechnen die Analysten noch nicht mit einer restriktiven Geldpolitik der EZB, sondern eher mit einer „Konsolidierung der Bankenlandschaft, die in den USA nach mehr als 450 abgewickelten Finanzinstituten bereits als abgeschlossen gilt“.

Für die Aktienmärkte sehr optimistisch ist Henning Gebhardt, Head of EMEA Equities: „2012 und 2013 standen die Aktienmärkte unter dem Einfluss von Risikoaversion und Normalisierung. 2014 dürfte sich dies wandeln. Jetzt dürften die Gewinne der Unternehmen zum Haupttreiber der Aktienmärkte werden. Dies sollte den Börsen in den kommenden zwölf Monaten weiteren Auftrieb geben.“

DAX auf neuem Rekordthoch
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Die Party am Aktienmarkt geht weiter – aber nüchtern

„Steigende Kapitalmarktzinsen und mehr Unsicherheit über den künftigen Kurs der US-Notenbank dürften für höhere Volatilität und niedrigere Kursgewinne an den Aktienmärkten sorgen“, schreibt Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe in seinem Kapitalmarktausblick. Insgesamt werde es weiter bergauf gehen, allerdings nicht im zweistelligen Bereich. Angesichts der Rekorde, die Dax und Co. verzeichnet haben, sei nur noch wenig Luft nach oben.

Made in Germany Schriftzug
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Deutschland bleibt Top-Pick in Europa

Wirtschaftlich wird Deutschland in Europa weiter den Ton angeben, prognostiziert Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund. Insgesamt seien deutsche Unternehmen bei Investoren beliebt, weshalb die Kurse weiter steigen dürften. Hauptgrund für die Hausse sei das neue Vertrauen der Anleger in den Aktienmarkt. Allerdings genüge es nicht, einfach alle deutschen Werte zu kaufen. Anleger sollten genau auf die Fundamentaldaten achten, um die besten deutschen Aktien zu finden.

Deutsche Boerse
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Fundamentaldaten werden wichtiger

Auch Matt Siddle, Fondsmanager des Fidelity European Growth Fund, geht in seinem Ausblick für 2014 davon aus, dass Anleger verstärkt auf Fundamentaldaten schauen werden. „Im kommenden Jahr dürften vor allem unternehmensspezifische und nicht so sehr makroökonomische Faktoren den Ton angeben.“

Lange haben Anleger nur auf die Notenbanken geschaut. Doch die Geldflut der Zentralbanken gehört mittlerweile zur Normalität.

MDax knackt 14.000er-Marke
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Dax wird den MDax schlagen

Für den MDax sieht das Bankhaus Lampe 2014 keine Wachstumschancen mehr. Der Mittelwerte-Index habe sein Pulver bereits 2013 verschossen und werde deshalb 2014 wohl ein Minus aufweisen. Für den Dax sehen die Experten dagegen ein Jahresendziel von 9.650 Punkten.

Die Spekulationen sind letztlich auch für die Sorgen über den wirtschaftlichen Status der Schwellenländer verantwortlich. Allerdings ist diese Situation nicht neu. Bereits vor dem ersten „Tapering“ kulminierten die Ängste über eine hohe Drosselung des Anleihekaufprogramms und mündeten in einem Kapitalabzug aus den Schwellenländern. Nach Bekanntgabe der weniger starken Reduzierung des Kaufprogramms der Fed – Analysten hatten mit 15 Milliarden Dollar gerechnet – floss ein Großteil des abgezogenen Kapitals allerdings wieder in die Schwellenländer zurück. Ein derartiges Szenario ist auch jetzt möglich.

Denn sollte sich die Fed unter noch Fed-Chef Ben Bernanke dazu entschließen, das Anleihekaufprogramm in den folgenden Monaten weniger stark als befürchtet oder sogar gar nicht zu reduzieren, dürften Rücktransaktionen folgen und in den vergangenen Tagen zurückgehaltenes Geld wieder den Weg zurück an die Börsen finden.

RWE leidet unter wegbrechenden Gewinnen
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19 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax beendet seine Talfahrt"

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  • Wenn die Anleihen als hold-to-maturity in den Büchern stehen, passiert mit den Anleihen erst mal nichts.
    Wenn die Anleihen als available-for-sale ohne Währungshedge in den Büchern stehen, fliegen sie ratz-fatz raus.

  • Nehmen wir mal an,
    Investoren wie Allianz, Deutsche Bank haben in Anleihen der
    Türkei investiert,
    der Devisenkurs des Lira fällt nun leider sehr stark, weil
    die Zinsen in USA steigen.
    Was ist mit den Anleihen ?

  • der Schwanz wedelt mit dem Hund...

  • Was hat denn der DAX mit den Futures zu tun? Ich dachte, dass Futures lediglich Derivate sind. Ich kann doch wenn ich bspw. einen Call auf den DAX kaufe damit auch nicht den DAX steigen lassen.

  • Ja, weil die Korrektur längst beendet ist. Morgen fallen die 9500 und wir starten nach FED Verkündung (egal, was kommt) zu neuen Höchstständen durch.

    Und das ist auch gut so

  • Weil sie den Dax mit Futurekontrakten nach Belieben "manipulieren" können
    das Spiel kontrolliert keiner. Gestern haben sie sogar den Dax bei 9285 taxiert und
    dann fast am Stück wieder 100 Punkte hochgezogen, alles außerbörslich aber abgerechnet
    wird der DAX. Mittlerweile lohnt es sich immer zu kaufen wenn der Dax geschlossen hat:)
    Schaut einfach einmal wie es vor den Notenbanksitzungen immer war, da ging es kurz und kräftig nach unten und dann ging es wieder mit Hilfe der Geldgeber kräftigst nach oben
    Morgen spricht beranke zum letzten Mal, da wird der Sektkorken knallen.

  • Hat jemand ´ne Erklärung warum sie den DAX nach 18.30 derartig nach oben pushen? Die Amis werden ihre Gewinne sowieso noch abgeben bis Börsenschluss.

  • Bei RWE sieht es wirklich düster aus.Alles was man so hört -Mann oh Mann und das war mal ein Aushängeschild der deutschen Wirtschaft.... .

  • Das sieht doch ein Blinder mit Krückstock, dass der Dax bis Ende Februar die 10.000 locker nimmt. Jetzt nochmal billige Einstiegskurse - wer die nicht mitnimmt, dem ist nicht zu helfen - und dann nach FED/EZB ganz, ganz schnell über die magische Hürde.

    Mit ALV Calls heute dick abgesahnt. SIEMENS hat ja jeder selbst gesehen - eine Granate. Denke, wir gehen nachbörslich auf die 9450 und bis Wochenende dann 9600.

  • Genau die Korrektur, die wir jetzt gerade sehen.

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