Börse Frankfurt Dax beendet zähen Handel mit leichtem Minus

Der „Draghi-Effekt“ war schnell verpufft, die Anleger sehen sich von der EZB auf Juni vertröstet. Zusätzlich lasteten Ukraine-Krise und schwache Konjunkturdaten auf dem Dax. Anleger gingen sicher und realisierten Gewinne.
Update: 09.05.2014 - 18:21 Uhr 17 Kommentare

Börse am Abend

Nach zwei freundlichen Handelstagen ist den Anlegern am Freitag die Puste ausgegangen. Ernüchterung über die EZB-Geldpolitik und schlechte Konjunkturdaten sorgten für Zurückhaltung auf dem Parkett. Zusätzlich verhinderte die sich zuspitzende Lage in der Ukraine bei so manchem Börsianer ein Wochenend-Engagement. Der Dax beendete den Handel 0,3 Prozent leichter auf 9581 Punkten.

Der Hinweis von EZB-Präsident Mario Draghi auf mögliche geldpolitische Lockerungen des Rates im Juni hatte den Deutschen Aktienindex am Vortag zwar bis über 9600 Punkte geschoben. Dass der Italiener jedoch nur bei Andeutungen blieb, anstatt konkrete Maßnahmen zu nennen, grämte die Anleger.

„Mario Draghi hofft anscheinend immer noch, seine süßen Töne allein würden genug für die Euro-Zone tun, aber langsam hat er diese Idee bis zu ihrer Grenze ausgereizt,“ sagt Luke Bartholomew Investment Manager beim Vermögensverwalter Aberdeen. „Jeden Monat denken wir, Draghi könne nicht weiterhin untätig bleiben, und jeden Monat werden wir vertröstet.“

Für Stewart Richardson, Partner beim Hedgefonds RMG Wealth Management, verfolgt die EZB mit einer möglichen weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik jedoch ein anderes Ziel: „Sie tut dies vor allem, um den Kurs des Euro zu drücken.“ Dieser setzte seine Talfahrt fort und verbilligte sich am Freitag auf 1,3768 Dollar. Damit verlor er seit den Draghi-Aussagen rund zwei US-Cent an Wert.

In der zweiten Reihe traten die Werte größtenteils auf der Stelle. Der MDax verbesserte sich minimal auf 16.302 Punkte. Der TecDax rückte gegen den Trend 0,5 Prozent vor auf 1235 Zähler. Der Euro-Zonen-Leitindex, der Euro-Stoxx-50, gab 0,6 Prozent nach auf 3184 Stellen. Auch an der Wall Street dümpelten die Indizes vor sich her. Zum Handelsschluss in Frankfurt lief der Dow-Jones-Index mit 16.544 Punkten auf Vortagsniveau.

Mangels frischer Impulse sei vor dem Wochenende die Luft erst einmal raus, sagten Händler. Die Quartalssaison habe ihren Höhepunkt überschritten, nun stehe erneut das Thema Ukraine im Fokus. Die Separatisten in der Ost-Ukraine hatten Russlands Präsidenten Wladimir Putin eine Abfuhr erteilt. Sie lehnten die von Putin angeregte Verschiebung des für Sonntag geplanten Referendums über die Unabhängigkeit der Industrie-Region ab.

„Das stimuliert nicht gerade den Risikoappetit der Börsianer“, sagte LBBW-Investmentanalyst Werner Bader. Ein ähnliches Referendum auf der Halbinsel Krim hatte den Konflikt um die Ukraine massiv verschärft. Die überwiegend russisch-stämmigen Menschen stimmten für eine Eingliederung des ukrainischen Gebiets in die Russische Föderation. Auch im Osten des Landes leben viele Russischstämmige. „Viele Händler werden abwarten, wie sich die Lage entwickelt und vorerst an der Seitenlinie stehen“, sagte Analyst Markus Huber von Peregrine & Black.

Konjunkturdaten sind heute rar. Enttäuschend war der Aussenhandel in Deutschland. Nach Produktion und Industrieaufträgen fielen auch die Exporte im März zurück. Sie schrumpften wegen der schwachen Nachfrage aus der Euro-Zone und aus Übersee um 1,8 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war nicht nur der zweite Rückgang in Folge, sondern zugleich der stärkste seit Mai 2013. Ökonomen hatten hingegen mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet.

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17 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax beendet zähen Handel mit leichtem Minus"

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  • Hi farmer!
    Wir waren und sind uns einig, dass langfristig der Aktienmarkt die beste Anlageform ist. Nur wer am Produktivkapital einer Marktwirtschaft beteiligt ist, kann finanziell erfolgreich sein. Dies gilt auch für kleinere Vermögen bzw. Sparraten - ich denke aber weiter, dass für letztgenannte Anlagen ein passives Investment besser geeignet ist (Kosten, Steuern, Risiken). Es spricht ja nichts dagegen, Einzeltitel als Beimischung zu haben. Wer mehr Rendite mag, Volatilität aushält und diszipliniert seine Strategie umsetzt, kann auch anders ran gehen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg beim Stockpicking und ein schönes WE.

  • "dass die 10.000-Marke nicht vor Juni in erreichbare Nähe rückt und auch nicht mindestent berührt wird."

    Das ist doch totaler Quatsch. Auch wenn Draghi die Zinsen senken würde, sind die Unternehmensgewinne nicht so üppig ausgefallen, dass man sich jetzt zu Anfang des lauen Saison in den DAX flüchten müsste. Wie gesagt, Draghi macht das nur, wenn sich die Euro-Bullen als unbelehrbar erweisen und die äußeren Umstände echte Deflationsrisiken nahelegen. Gegen die Fed kommt er schon gleich gar nicht an, sondern muss das Tapering über sich ergehen lassen ;)

    Sich auf das, was *manche* in Draghis Äußerungen hinein interpretieren(!) zu verlassen, ist nicht die geschickteste Spekulation. Da steckt bei einigen sehr viel Wunschdenken und wenig Realismus dahinter. Auch hat sich Draghi nicht "weit aus dem Fenster gelehnt" sondern glaubhaft und deutlich zum Ausdruck bringen wollen, dass er - *falls nötig* - zum Handeln entschlossen ist um die Märkte zu beruhigen und den Euro zu drücken. Das hat funktioniert.

    Er weiß genau, dass er Deflation im Grunde genommen nicht fürchten muss und dass sich die Lage bereits aufhellt. Versprochen hat Draghi wenn man sein Statement aufmerksam liest gar nichts *g*

  • Das Tempofix-Syndrom und diverse Cash-Apologeten, die sich allmählich wieder im Chor zu "Buy-in-may"-Liedern einstimmen sind ein recht geeignetes Indiz dafür, dass die 10.000-Marke nicht vor Juni in erreichbare Nähe rückt und auch nicht mindestent berührt wird.

    Es ist durchaus denkbar, dass der Dax dann auch solide sehr weit unterhalb der 10.000-er Marke bleibt, denn er hat sich lange genug Zeit genommen, da zu bleiben.
    Aufwärtstrends sehen anders aus.

  • "Für Stewart Richardson, Partner beim Hedgefonds RMG Wealth Management, verfolgt die EZB mit einer möglichen weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik jedoch ein anderes Ziel: „Sie tut dies vor allem, um den Kurs des Euro zu drücken.“"

    Richtig. Draghis für manchen Geschmack sehr direkte Äußerungen zielen hauptsächlich darauf ab, *glaubhaft* Handlungsbereitschaft zu demonstrieren:

    Allerdings hat er lediglich dann Lockerungen in Aussicht gestellt, wenn sich die Prognosen bezüglich der Inflationserwartung verschlechtern, was auch dann eintritt, wenn der Euro weiter so stark bleibt oder echte(!) Deflationsgefahr vorliegt. Das ist diese Geschichte mit der "Eintankerung". Ist das realistisch? *g*

    Als Euro-Bulle sollte man dies als den letzten Warnschuss verstehen bevor die Kohle weg ist - Aktienbullen sollten hier allerdings nicht so zuversichtlich sein. Nur dann, wenn der Euro tatsächlich auf hohem Niveau verbleibt, wird Draghi überhaupt irgendwelche Schritte unternehmen. Die professionellen Euro-Bullen jedenfalls sollten jetzt verstanden haben, dass es Draghi ernst meint und werden sich mäßigen. So bescheuert wäre nämlich niemand.

    Abgesehen davon werden Zinsenkungen nicht ausreichen, um den Dax zu neuen Höhenflügen anzutreiben: Draghis Möglichkeiten reichen nicht aus, um die den Tapering-Effekt der Fed auszugleichen. Er kann höchstens mildern.



  • Das Witzige ist, dass viele Anleger seit einigen Jahren ihren Schnitt gemacht haben und jetzt versuchen die Letzten auf den Zug zu springen.

    Irgendwen beißen die Hunde. Da war doch was.

  • Die Systeme sind wieder in "Höchstform":)
    Aber wenn man mal nachdenkt ist es eigentlich logisch, die klassischen Anleger gibt es nicht mehr. Geld macht man so wie Xtrader mit Futurekontrakten und die werden unten eingekauft und oben verkauft und das mehrmals am Tag. Durchfallen nach unten kann der Dax nicht, weil an bestimmten "berechneten" Stellen genug Kauforders liegen und oben immer wieder die Verkaufsorders. So läuft das jetzt doch schon Monatelang und jeder kann es ausnutzen.
    Normalerweise jetzt wieder runter...geht aber zu schnell um manuell da mitzuspielen. Schauen wir einmal, was sie nach Börsenschluss für Derivate stehen lassen, die man handeln kann ohne das sie k.o gehen können

  • Hi Deltaone!!
    Ich dachte wir zwei waren uns mal einig, dass wir die Aktienkultur in Deutschland zumindest versuchen etwas zu forcieren. Das geht bei kleinen Spaguthaben genauso wie bei größeren.
    Eigenkapitalbereitstellung via Stammkapital einer AG ist das anerkannt beste Renditesystem. Derzeit kursieren viele Berichte in den Medien wegen der Vermögensschere die da auseinanderklafft. Letztlich wegen der besseren Rendite auf Eigenkapital, welches von den Superreichen bereitgetsellt wird und die daher schneller reicher werden als der Durchschnitt!!!!

    WEr weniger Geld hat muss eben etwas defensiver investieren, in z.B. Konsum und Pharma ; so wie meine KLeinigkeit auch.
    Ich bitte um Beachtung! UNd um Umsetzung :-)

  • Für mich gibt es da nicht unbedingt ein entweder oder. Diversifikation erreiche ich ja auch über eine Kombination aus Einzelwerten + ETFs über verschiedene Assetklassen.

    Was meinen Sie mit "immunisieren"? Absicherungsstrategien oder Fixed Income/Cash?

  • Tempofix
    die meisten kapieren nicht, das Herr Draghi gestern den Weg frei gemacht hat zu steigenden Kursen. Die nächsten Wochen wenn der Dax steigt, ist die Begründung einfach.
    Die "Hoffnung" auf Zinssenkung....
    Irgendwie wollen es nur einige einfach nicht kapieren, statt schnelles Geld zu machen kaufen sie seit Monaten Puts, die 5000 im Dax.....einfach lächerlich und so riskant, beim kleinsten Rücksetzer wird gekauft und Gewinne eingesackt...
    Begründungen liefert keine welche, nur Sprüche: Sell in der May. Je mehr sie auf fallende Kurse setzen, umso höher steigen die Kurse. Wer ZAHLT schafft an, so einfach ist es. Wenn sie meinen, ich habe gestern schon geschrieben bei Linde mitzuspielen, gerade mit Aktien kann man zur Zeit viel Geld machen je teurer sie ist umso besser laufen die Derivate darauf...
    Warum wollen eigentlich Alle das es fällt, das Geld macht man doch viel besser wenn man beide Seiten mehrmals am Tag handeln kann.

  • Momentan werden alle Informationen positiv gedeutet; negative Infos werden ignoriert. Ob dieser Hype auf Dauer haltbar ist, finde ich fraglich.

    Aktienbörsen sind so gut wie nie rational. Mal wird nach unten übetrieben, mal nach oben. Am Ende der Hausse ist es eben oben.

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