Börse Frankfurt Dax erkämpft sich ein Plus

Der Kurssturz in China verunsichert die Anleger. Am zweiten Handelstag des Jahres trauen sich nach langem Zögern spät einige Schnäppchenjäger aufs Parkett. Sie sorgen für ein leichtes Plus des Deutschen Aktienindex.
Update: 05.01.2016 - 16:54 Uhr

US-Klage drückt den Kurs: VW verliert zeitweise sieben Prozent

FrankfurtWas war das für ein Paukenschlag zum Jahresauftakt: Gleich am ersten Handelstag hatte der Dax am Montag über vier Prozent und damit fast die Hälfte seines ganzen Gewinnes von 2015 verloren. Schwache Konjunkturdaten aus China ließen den Handel in Shanghai abstürzen und erzwangen gar eine Aussetzung des dortigen Börsentreibens. Dementsprechend vorsichtig blieben die Anleger an diesem ersten Dienstag des Jahres. Nach einem freundlichen Frühhandel rutschte der Dax doch wieder ab und lahmte bei mittleren Verlusten durch den Handel, ehe sich am Nachmittag einige Schnäppchenjäger meldeten und der Leitindex 0,26 Prozent fester bei 10.173 Punkten schloss.

Gestützt durch massive Zukäufe der chinesischen Zentralbank – die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von 19 Milliarden Dollar Euro – fingen sich die Handelsplätze im Reich der Mitte. Der Shanghaier Composite, wichtigster Index der Festlandbörsen Chinas, konnte sich nach dem gestrigen Sieben-Prozent-Schock stabilisieren und verlor nur 0,3 Prozent. Der wankendere Composite in Shenzhen hingegen weitete seine achtprozentigen Abschläge um knappe zwei Prozent aus. In Japan gaben die Börsen im Sog dessen leicht nach, der Nikkei verlor 0,4 Prozent auf 18.374 Zähler.

Damit setzte sich für 2016 ein Thema von ganz allein ganz oben auf die Agenda: China und seine schwächelnde Konjunktur. Das Reich der Mitte hatte schon im Spätsommer des vergangenen Jahres gezeigt, wie gewichtig seine Rolle für das weltweite Handelsgeschehen ist, als wiederholt schwache Industriedaten für Tiefstände auf den globalen Marktplätzen sorgten.

Doch die Sorgen beschränken sich nicht nur auf die sich abkühlende Wirtschaftsdynamik. Auch die Wertpapierbörsen Chinas erweisen sich weiterhin als große Unsicherheitsfaktoren. Infolge des China-Crashes führte Pekinger Verwaltung Sicherungsmaßnahme ein. Bereits seit Juli ist es Anteilseignern, die mehr als fünf Prozent eines Unternehmens besitzen, verboten, ihre Aktien zu verkaufen. „Der Verdacht drängt sich auf, dass die Börse dort noch nicht bereit dafür ist, gänzlich ohne die Stützungsmaßnahmen vom Spätsommer 2015 auszukommen", sagt Jochen Stanzl von CMC Markets.

Die Zentralbank Chinas wertete ihren Yuan gegenüber dem Dollar zudem am Montag ab. Erstmals seit mehr als viereinhalb Jahren war das Verhältnis damit schwächer als 6,5 Yuan zu einem Dollar. Auch die Geldpolitik Pekings war im vergangenen Jahr einer der bestimmenden Faktoren. Die Währungshüter hatten die Märkte mit einer Lockerung im Oktober überrascht. Es zeigt sich: An China haben die Börsen in diesem Jahr genug abzuarbeiten.

„Die Nervosität im Markt ist ziemlich gestiegen“, sagte John Plassard von Mirabaud Securities LLP. Die Lage erinnere an August, als die Yuan-Abwertung die Märkte ebenfalls in Aufruhr versetzte: „Auch damals brauchte es Zeit, um die Erholung zu schaffen“.
Europas Marktplätze konnten sich heute nach langem Ringen fangen: Der Leitindex der Eurozone, der Euro-Stoxx-50, schloss nahezu unverändert bei 3.169 Punkten. Der MDax notierte 0,38 Prozent leichter bei 20.179 Punkten, der TecDax gewann 0,65 Prozent auf 1805 Punkte.

Das wurde 2015 aus 100.000 Euro
Platz 25: Ukrainische Aktien
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Der Konflikt mit den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes, aber auch Misswirtschaft hat die Ukraine an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Der Internationale Währungsfonds hält Kiew mit Hilfskrediten über Wasser und fordert im Gegenzug Wirtschafts- und Sozialreformen. Der Leitindex PFTS verlor 2015 mehr als 35 Prozent, gleichzeitig brach die ukrainische Währung Hrywnja ein. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in die Aktien des Leitindex investierte, hat jetzt nur noch 44.950 Euro - also mehr als die Hälfte seines Geldes verloren, so viel wie mit keiner anderen Anlage.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 24: Brasilianische Aktien
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Das südamerikanische Land durchlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Inflation ist bereits zweistellig und Volkswirte fürchten, dass Brasiliens Wirtschaft bis 2017 um acht Prozent schrumpfen wird. Die Politik ist durch einen Korruptionsskandal gelähmt. Das belastete auch die Börse deutlich. Der Index Ibovespa verlor zwölf Prozent. Da gleichzeitig der Real gegenüber dem Dollar und dem Euro einbrach, vergrößert sich der Verlust für Euro-Anleger: Von 100.000 Euro bleiben nur 66.200 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 23: Brentöl
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Der Verfall der Ölpreise – bedingt durch die Wachstumssorgen in den Schwellenländern und die unverändert hohen Fördermengen der Opec – hielt das ganze Jahr an. Kurz vor Weihnachten fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar auf das Elf-Jahrestief von 35,98 Dollar und ist seither nur leicht gestiegen. In Dollar gerechnet liegt der Jahresverlust bei gut 35 Prozent, in Euro sind es 28,16 Prozent. Das heißt: Aus 100.000 Euro wurden 71.850 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 22: Aktien Griechenland
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Anders als für die nur noch wenigen Besitzer griechischer Anleihen war für die Besitzer griechischer Aktien ein schlechtes Jahr: Fünf Wochen lang war im Sommer die griechische Börse wegen des drohenden Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro-Raum geschlossen. Als die Börsen im August wieder öffneten, ging es weiter bergab: Der Leitindex ASE brach in diesem Jahr um 25,37 Prozent ein – von 100.000 Euro blieben Anlegern nur 74.630 Euro übrig.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 21: Magere Schweine
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Nicht nur Öl, Industrierohstoffe und Metalle sind 2015 unter die Räder gekommen, sondern auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelte Terminkontrakte auf Nutztiere: Der Preis für magere Schweine zum Beispiel fiel hier um 27 Prozent. In Euro gerechnet liegt der Verlust bei 19,34 Prozent. Somit bleiben von 100.000 investierten Euro noch 80.660 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 20: Kaffee
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Auf dem Preis für die schwarzen Bohnen lastet unter anderem der heftige Verlust des brasilianischen Real zum Dollar, da Brasilien das mit Abstand wichtigste Kaffee produzierende und exportierende Land ist. Gleichzeitig sind die Ernteaussichten gut, das erwartete hohe Angebot drückt zusätzlich auf den Preis. In Euro gerechnet fiel der Terminkontrakt für am Chicago Board of Trade gehandelten Kaffee um 19,28 Prozent. Das entspricht bei einer Anlage von 100.000 Euro einem Verlust von 19.280 Euro.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Junk-Bonds der Energiebranche
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Der Verfall der Öl- und Gaspreise ließ die Ausfälle bei amerikanischen Energieunternehmen mit schwacher Bonität nach oben schnellen. Die Folge: Die Kurse der Junk-Bonds (Schrottanleihen) dieser Unternehmen fielen rasant. In Dollar gerechnet ist ein Verlust von 23,9 Prozent aufgelaufen, in Euro sind es mehr als 15 Prozent. Aus 100.000 Euro sind so bei dieser Anlage nur noch 84.440 Euro geworden.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

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