Börse Frankfurt Dax geht erholt aus dem Handel

Nach drei Verlusttagen dreht der Dax am Mittwoch ins Plus. Die Probleme der Deutschen Bank bleiben ein bestimmendes Thema – die Bundesregierung verhilft Deutschlands größtem Geldhaus zu einem deutlichen Kurssprung.
Update: 28.09.2016 - 18:20 Uhr 1 Kommentar

DüsseldorfDrei Verlusttage in Folge waren genug: Am Mittwoch zeigte sich der Dax sichtlich erholt und im gesamten Handelsverlauf in guter Verfassung. Am Nachmittag zeigt der Leitindex erste Schwächen und schließt 0,74 Prozent fester bei 10.438 Punkten. Zuvor hatte er ein solides Plus von etwa einem Prozent markiert und später leicht nachgegeben.

Ähnlich verlief der Handelstag bei den weiteren Indizes: Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen legte 1,08 Prozent zu auf 21.549 Punkte, der TecDax gewann letztlich 0,74 Prozent auf 1792 Zähler. Der EuroStoxx50 schloss 0,68 Prozent stärker bei 2991 Punkten.

Bleibt die Frage, wie nachhaltig das gewonnene Polster wirklich ist. Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, mahnt vor überzogenen Erwartungen. „Die Kursgewinne von heute können morgen bei entsprechender Nachrichtenlage wieder verfallen. Diese Schaukelbörse kann gut und gerne noch bis in den Oktober anhalten.“ Christian Henke vom Handelshaus IG sprach dank einer gut gelaufenen Wall Street von einem erneuten Erholungsversuch von den jüngsten Kursabschlägen. Gute Vorzeichen aus den USA gaben dem Dax Starthilfe am Morgen.

Deshalb wächst die Sorge um Deutschlands größte Bank
Josef Ackermann, Angela Merkel
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In den Jahren bis 2007 lief es rund bei Deutschlands größter Bank: Das Geldhaus verdiente Milliarden und Vorstandschef Josef Ackermann erwuchs zum staatsmännischen Vorstandschef, der es schaffte, dass die Kanzlerin zu seinem 60. Geburtstag ins Kanzleramt lud.

Das Bild zeigt Ackermann und Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2006 in Berlin.

Rückblick
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Die Deutsche Bank hatte es nach der Übernahme der US-Großbank Bankers Trust zur Jahrtausendwende in den Olymp der großen Investmentbanken der Welt geschafft. Das lästige deutsche Privatkundengeschäft sollte zwischenzeitlich als „Deutsche Bank 24“ vom Rest gelöst werden – man spielte in einer anderen Liga. Der Plan wurde zwar kassiert und zurück blieb die „24“ am Ende der Deutsche-Bank-Bankleitzahlen. Doch der globale Anspruch des Instituts blieb bestehen.

Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998.

Die Finanzkrise
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Als ab 2006 der US-Immobilienmarkt kollabierte und in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und einer globalen Finanzkrise gipfelte, gelang es der Deutschen Bank zwar ohne Staatshilfe durch zu kommen. Eine Fußnote der Geschichte war aber: Milliardenforderungen gegenüber dem US-Versicherer AIG waren der Bank nur dank US-Staatshilfen zugeflossen. Und Missetaten aus der Zeit vor der Finanzkrise verfolgen die Bank noch heute.

Bild: Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London.

Die Folgen der Immobilienkrise
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Die USA werfen der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilienwertpapiere in den Jahren vor der Finanzkrise verschleiert und gutgläubigen Investoren angedient zu haben. Ein Verfahren läuft seit Jahren und ist ein Grund dafür, dass die Aktie am Montag ein neues Allzeittief erreichte. Denn in den Vergleichsverhandlungen fordert das US-Justizministerium umgerechnet wohl 12,5 Milliarden Euro von der Bank (bei einem Börsenwert von 16 Milliarden Euro) – und das nach einem Milliardenverlust 2015 und gebildeten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 5,5 Milliarden Euro. Die Bank selbst hofft, mit eher zwei Milliarden Euro im Immobilienstreit auszukommen.

Schwaches Kerngeschäft
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Nach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt.

Riskante Finanzierung
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Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch die US-Einlagensicherung halten die Bank für das riskanteste Institut der Welt. Im Verhältnis zum Eigenkapital ist die Deutsche Bank hochverschuldet. Die sogenannte „Leverage Ratio“ ist die niedrigste unter den globalen Großbanken. Zwar hat die Bank in den vergangenen Jahren Kapitalerhöhungen durchgezogen. Doch an dieser weltweit beachteten Kennziffer hat sich wenig geändert.

Wenig Reserven
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Die Deutsche Bank rühmt sich zwar eines hohen Polsters an Liquidität, also stets zu veräußernder Wertpapiere in ihren Büchern. Das soll zeigen: Wir haben Reserven, auf die wir zugreifen können. Doch die drohenden Justizstrafen lassen Analysten vermuten, dass eine Kapitalerhöhung nötig werden könnte. Das würde den Aktienkurs noch weiter schwächen – in vorauseilendem Gehorsam fällt der Kurs.

Einmal mehr richtete sich der Fokus auf dem deutschen Aktienmarkt auf die Deutsche Bank. Deutschlands größtes Geldhaus verkauft seine britische Versicherungstochter Abbey Life für umgerechnet rund eine Milliarde Euro an den Finanzkonzern Phoenix. Außerdem betonte Vorstandschef John Cryan in einem Zeitungsinterview, dass eine Kapitalerhöhung derzeit kein Thema sei. Auch habe sein Institut nicht um Staatshilfe gebeten – einem Bericht der Wochenzeitung Zeit zufolge arbeitet die Regierung allerdings bereits an einem Notfallfahrplan. Die Bundesregierung dementierte diese Berichte umgehend.

Cryans beruhigende Worte lösten eine Achterbahnfahrt aus – im positiven Sinne. Die Papiere der Deutschen Bank gewannen in der Spitze über vier Prozent und setzten sich zeitweise an Platz eins der Dax-Rangliste. Letztlich schlossen sie zwei Prozent stärker bei 10,77 Euro.

Keine Erholung in Sicht am Öl-Markt

Anhaltende Spekulationen um eine Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair hievten Linde ebenfalls an die Dax-Spitze. Papiere des Industriegaskonzerns stiegen um bis zu 5,1 Prozent ein Drei-Wochen-Hoch von 150,25 Euro. Sie schlossen knapp vier Prozent im Plus.

Aktienhändler verwiesen auf eine Studie der Baader Bank, der zufolge dieser Deal noch nicht vom Tisch ist. Analyst Markus Mayer wertete das Stühlerücken im Top-Management von Linde nach den geplatzten Fusionsverhandlungen als Vorbereitung für einen zweiten Anlauf. Die Verluste am Aktienmarkt waren an diesem außerordentlich ruhigen Handelstag allenfalls überschaubar. Schlusslicht Vonovia verlor rund einen halben Prozentpunkt, die Telekom und Eon rund 0,4 Prozent.

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1 Kommentar zu "Börse Frankfurt: Dax geht erholt aus dem Handel"

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  • Abschied als Kommentar -schreiber beim Handelsblatt:
    TEIL 1 :
    In meine Jugendjahren da kaufte ich jeden Freitag den Handelsblatt und auch die Frankfurter Allgemeine...denn es gab noch kein Internet !
    Ich studierte die Tendenzen der Weltmärkte und verfolgte die Weltpolitik !
    Regeln die damals für Wirtschaft und Politik galten, gelten heute nicht mehr da es innerhalb von Sekunden auf dem ganzen Erdball zu ganz andere Entscheidungen in der Welt-Wirtschaft oder in der Welt-Politik kommen können dass alles was bisher Gut war ins negative drehen kann und sämtliche Anstrengungen vernichten können.

    Heute lese ich, dank meiner Sprachkenntnisse in Afrika, USA, Cuba, Deutschland, Schweiz, Österreich so viele verschiedene Tageszeitungen wie nur möglich.
    NUR SO ENTKOMMT MAN EINE DIKTATUR DIE NACHRICHTEN UNTERDRÜCKT !

    Es ist unerträglich mit zu bekommen wie gerade das Europäischer Kontinent in Wirtschaftliche, Politische oder auch gesellschaftlicher belange sich so schlecht entwickelt hat durch die Unqualifizierte Kräfte die es steuerten geworden ist als auch dass es weiterhin unmenschlicher von Tag zu Tag wird !
    Weder eine Europäische Union noch einzelne Europäische Staaten haben eine Lösung für die vergangene aufgekommene Problematiken...und noch viel weniger für uns bis heute noch nicht in der Bevölkerung bekannt gewordene Probleme die sich in den kommenden Zeiten zeigen werden müssen aber unsere Staats-und Wirtschaft führende nicht kompetent sich schon heute erweisen den wachsende Probleme je einmal gerecht zu werden.
    Durch den Handelsblatt wurde mir möglich zu zeigen was alles weit im voraus abzufangen wäre...Wirtschaftlich, Politisch als auch gesellschaftlich !
    Es war mir ein vergnügen die auszulachen die einst mich nicht bei sich haben wollten !!!


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