Börse Frankfurt Dax legt über 300 Punkte zu

Was derzeit an den Börsen passiert hat nichts mehr mit Rationalität zu tun. Obwohl Athen in den Abgrund blickt und Konzerne miese Zahlen präsentierten, startet der Dax durch. Die 12.000-Punkte-Marke ist nun im Blick.
Update: 11.03.2015 - 17:40 Uhr 86 Kommentare

Volle Kraft voraus beim Dax

FrankfurtDer „homo economicus“ ist die zentrale Figur der Wirtschaftswissenschaften. Er handelt durchweg rational und kennt in Wirtschafts- oder Finanzfragen keine Gefühle. Sollte es den „homo economicus“ wirklich geben, dann agiert er derzeit garantiert nicht an der Frankfurter Börse.

„Der Dax 'wie von Sinnen', 12.000 Punkte wir kommen“, titelt FXCM-Analyst Jens Klatt seinen Marktkommentar. Der gestrige Rücksetzer des Dax, bei dem einige Händler bereits von der erhofften Kurskorrektur ausgegangen waren, erwies sich heute als günstige Einstiegschance für Anleger, die die Rally bisher nicht auskosten konnten. Der Leitindex schloss daher völlig losgelöst von allen Bedenken sage und schreibe 2,7 Prozent oder 306 Punkte höher auf 11.806 Zählern. Das neue Allzeithoch liegt nun bei 11.822 Punkten – neue Höchststände sind am Donnerstag nicht ausgeschlossen.

An den Börsen hat das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank eine hypnotische Wirkung auf die Anleger. Schwache Unternehmenszahlen, der weiter schwelende Griechenland-Streit, der ungelöste Konflikt zwischen der Ukraine und Russland und der bedenklich niedrige Ölpreis können dem Gemütszustand der Aktionäre nichts mehr anhaben.

„Die 12.000er Marke könnte schon bald fallen“, mutmaßte auch ein Händler. Denn viele Anleger wissen nicht, wohin mit dem durch das EZB-Anleihekaufprogramm generierten Geld und legen es am Aktienmarkt an, der mehr Rendite zu versprechen scheint. Vernünftiges Abwägen ist in diesen Zeiten nicht mehr erforderlich. Wer Rendite erzielen will beziehungsweise muss, der steckt sein Geld in Aktien – und zwar nur in Aktien. Die irrsinnige Rekordhatz des Dax bestätigt dies.

„Die meisten Aktienanleger setzen darauf, dass der niedrige Euro die Wirtschaft im Währungsraum anschieben wird“, sagte ein Händler. „Und am Devisenmarkt geht man davon aus, dass die Zinsen bald durchweg in den negativen Bereich rutschen.“ Der Euro markierte am mit 1,0561 Dollar den tiefsten Stand seit zwölf Jahren.

Die EZB kauft laut Händlern vor allem Staatspapiere über alle Laufzeiten in kleineren Volumen. Dabei ist der Einlage-Zins von minus 0,20 Prozent die untere Zinsgrenze für die Notenbanker. In der Praxis bedeute das, dass alle Staatsanleihen in der Euro-Zone dieses Niveau erreichen, erklärte Markus Allenspach, Rentenstratege bei Julius Baer. „Der Abwärtstrend bei den Renditen ist virulent und wird weitergehen.“ Schließlich will die EZB bis September 2016 monatlich Anleihen für 60 Milliarden Euro kaufen.

Auf den Anleihemärkten fielen daher die Renditen. Die Verzinsungen für die italienischen und spanischen Bonds markierten mit 1,171 und 1,137 Prozent Rekordtiefstände. Die zehnjährigen Bundesanleihen rentierten mit 0,199 Prozent (Vortag 0,234) ebenfalls so tief wie nie zuvor.

Wie die Dax-Konzerne ihre Anleger verwöhnen
K+S
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Die Erholung der Düngemittelpreise haben dem Salz- und Düngemittelhersteller K+S zu einem kräftigen Gewinnanstieg verholfen. Seinen Aktionären stellte der Konzern nun eine höhere Dividende von 90 Cent (Vorjahr: 25 Cent) je Aktie in Aussicht.

Dividendenrendite: 2,6 Prozent
Dividende: 0,90 Euro pro Aktie

Deutsche Post
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Trotz eines boomenden Expressgeschäfts und einer Paketflut zu Weihnachten blieb der Gewinnanstieg des Konzerns im vierten Quartal 2014 deutlich unter den Markterwartungen. Der operative Gewinn kletterte dennoch auf 2,965 (Vorjahr: 2,865) Milliarden Euro, die Dividende soll um fünf Cent auf 0,85 Euro je Aktie steigen.

Dividendenrendite: 3,0 Prozent
Dividende: 0,85 Euro pro Aktie

Eon
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Der Energiekonzern hat im vergangenen Jahr den höchsten Verlust eines börsennotierten Versorgers in der Geschichte der Bundesrepublik geschrieben. Der Fehlbetrag belaufe sich auf 3,2 Milliarden Euro, teilte Eon mit. Der vor der Aufspaltung stehende Energieriese gab als Gründe hohe Abschreibungen auf seine Kraftwerke, die gefallenen Strom-Großhandelspreise und Wechselkurseffekte an.

Dividendenrendite: 3,5 Prozent
Dividende: 0,50 Euro pro Aktie

Continental
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Bereits im vergangenen Jahr verwöhnte Continental seine Anleger mit einer kräftigen Dividendensteigerung – und auch in diesem Jahr steigt die Dividende von 2,50 Euro auf 3,25 Euro.

Dividendenrendite: 1,3 Prozent
Dividende: 3,25 Euro pro Aktie

RWE
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Vergangenes Jahr war für RWE-Aktionäre wenig erfreulich. Die Aktie lief schlecht und die Dividende wurde gekürzt. Für die diesjährige Dividende will RWE die Berechnungsmethode ändern. Künftig wird der Konzern sich der Konzern hinsichtlich der Ausschüttung an operativen Mittelzuflüssen, der Verschuldung und der Ertragslage orientieren.

Dividendenrendite: 3,2 Prozent
Dividende: 0,80 Euro pro Aktie

Merck
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Trotz des skeptischen Ausblicks der Chemiebranche auf das Jahr 2015 zeigen sich die Aktien von Merck seit Jahresanfang in blendender Verfassung. Um rund 15,5 Prozent verteuerten sich die Papiere und entwickeln sich damit besser als der Dax. Der Pharmakonzern will an seine Aktionäre daher fünf Cent je Aktie mehr ausschütten.

Dividendenrendite: 1,2 Prozent
Dividende: 1,00 Euro pro Aktie

Aktionäre dürfen sich auf Rekordausschüttungen freuen
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Die Dax-Konzerne haben jetzt schon rekordverdächtige 138 Milliarden Euro auf der hohen Kante und sie wissen nicht wohin mit dem vielen Geld. Niedrige Zinsen sind kein Anreiz zum Sparen und einige Banken drohen bereits mit Negativzinsen. Die Dax-Konzerne werden deshalb 2015 wohl einen Rekordwert von 30 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten. Das ergaben Berechnungen des Handelsblatts und der Commerzbank, die die Neun-Monats-Bilanzen und die Aussagen der Konzernchefs auswerteten.

Quelle: Handelsblatt, Commerzbank, Handelsblatt Research Institute

EZB-Chef Mario Draghi ist von den Vorteilen des Anleihekaufprogramms der EZB überzeugt. „Wir haben einen weiteren Rückgang der Renditen der Anleihen von Portugal und anderen Ländern gesehen, die in Schwierigkeiten waren, trotz der wiederaufgeflammten Krise in Griechenland“, sagte Draghi. „Das legt nahe, dass das Anleihen-Kaufprogramm Länder der Euro-Zone vor einer Ansteckung schützen könnte.“

Eon präsentiert katastrophale Zahlen
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86 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax legt über 300 Punkte zu"

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  • Nochmals...bin bis 21 Uhrhier für Fragen offen

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Sollte morgen VORbörslich die Eröffnung bei 11.820 sein....dann sichere 30 Punkte in diesen FUTURES....AUsserbörsliche TH jetzt 11.854.50....das MUSS dann bestätigt werden....es ist so einfach...aber Müller und Runft stimmen mich einfach nur traurig...da gebe ich mir jeden Tag von morgens bis abends so viel Mühe....wiederhole alles mehrmals täglich.....und dann solche Kommentare....einfach schade der Chancen die man täglich hat im Selbstbedienungsladen der Reichen

  • was eine Energieverschwendung...soviel Zorn und Frust....kaufen Sie doch einfach was...fangen Sie mit 100 Euro an...haben sie Teil am Erfolg
    machen Sie sich um mich keine Sorgen...bin seit der 6.000 dabei...und dafür gibt es Stopps....und momentan habe ich Draghi und Co....also wenn ich gestoppt werde....dann nur mit etwas weniger Gewinn...aber Gewinn...und Sieß????

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Habe gerde noch mal nachgeschaut....steht in den Richtlinien dieser erst neulich aufgemachten Börse...EUREX....wenn deren Maschinen ein AUSSERbörsliches TH gemacht haben....dann M U S S das im Handel...also INNERbörslich bestätigt werden....sonst gibts einen KURZschluss....deshalb geht es morgen weiter....darum kaufe ich gerade den Schattenmarkt leer...schon eine tolle Erfindung der Mächtigen....diese FUTURES...die hätte es mal schon vor Jahren geben sollen

  • Der Aktienboom ist keine Spekulation ? Herr Schneider, bitte nehmen Sie den Mund nicht so voll. Jeder weiß, daß die Dax-Ralley nicht etwa darauf zurückzuführen ist, daß DAX-Unternehmen einen Rekordgewinn nach dem anderen einfahren, sondern ausschließlich der Gelddruckmaschine von Fed u. EZB geschuldet ist. Das Geld der Notenbanken wandert nicht in die Realwirtschaft (wo es eigentlich gebraucht wird), sondern in den spekulativen Teil, vor allem in Aktien und Immobilien, weil Anleger das schnelle Geld wollen, anstatt in in seriöse Anlagen (Infrastruktur, Schuldenabbau) zu investieren. Wir haben längst eine Aktienblase, die viel größer ist als in den Jahren 2000 u. 2007, als der Dax 8000 Punkte erreichte. Wir standen im Jahr 2008 kurz vor dem finanziellen Supergau, nur dank der massiven Intervention der Notenbaken und Teilverstaatlichung von systemrelevanten Banken konnte das gerade so verhindert werden. Im Jahr 2000 gab es eben noch keine Schuldenkrise, heute haben wir weltweit ein Schuldenhimalaya in Höhe von 200 Billionen Dollar, wahrscheinlich sogar mehr, das ist gegenüber 2000 fast eine Verdreifachung. Der Dax ist massiv überbewertet, eine faire Bewertung liegt etwa bei 8000 Punkten, Gold dagegen ist massiv unterbewertet, der faire Kurs liegt hier etwa bei 1400 Dollar. Wir bezahlen Aktien mit Geld, das in Wirklichkeit gar nicht existiert. Wir haben nicht nur die Schuldenkrise, wir haben auch einen Krieg in Europa. Aber seis drum, Herr Schneider, Sie als Aktionär haben momentan gut Lachen, das ist auch legitim, gut möglich, daß es noch eine Weile so weitergeht. Aber bitte seien Sie sich im klaren, jede Aktienblase ist bisher geplatzt. Passen Sie also auf. Ich würde bei diesen Höchstständen keine Aktien mehr kaufen. Trotzdem wünsche ich ihnen viel Glück mit Ihren Aktien.

  • Diese Anleihekäufe dürfen nicht gestoppt werden....wo soll ich denn sonst meine Fantasiegewinne machen...über was soll ich dann schreiben...dann haben doch diese Maschinen game over....und wer denkt an mich

  • Kann auch nichts passieren das TH heute ausserbörslich muss morgen wieder bestätigt werden....

  • Schön ruhig bleiben wir haben jetzt das ultamative Geldvermehrungssystem :):)morgen geht es logischerweise weiter also die 11525 haben jetzt ihren Wert verzehnfacht an nur 1 Tag

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