Börse Frankfurt Dax schließt deutlich im Minus

Von Entspannung fehlte zur Wochenmitte jede Spur. Das billige Öl hatte die Märkte weiter fest im Griff, und der Dax machte das, was er 2016 schon so oft gemacht hat: Er verlor deutlich.
Update: 20.01.2016 - 17:50 Uhr 27 Kommentare

Ölpreisverfall: Dax mit Kursrutsch erwartet

Frankfurt am Main/DüsseldorfSo schnell findet eine solche Januar-Talfahrt doch nicht ihr Ende. Hatte der Dax gestern noch bewiesen, dass er auch im Jahr 2016 mit einem soliden Plus aus dem Handel gehen kann – der Ein oder Andere hatte das schon in leichter Verbitterung zynisch in Abrede gestellt –, folgte am heutigen Mittwoch die große Ernüchterung. Der Deutsche Aktienindex stürzte phasenweise um bis zu dreieinhalb Prozent ab und notierte so tief wie zuletzt im Dezember 2014. Der nicht zu Ruhe kommende Ölmarkt treibt die Börsianer immer weiter aus Aktien, allein im Januar verlor das wichtigste deutsche Börsenbarometer mehr als zwölf Prozent.

Im Verlauf des Nachmittags konnte sich der Leitindex aber etwas fangen. Mäßig Gestiegene US-Verbraucherpreise antizipierten die Börsianer als positives Signal an die Fed, ihren Kurs in der Zinspolitik beizubehalten, was mittelfristig einen schwächeren Euro zur Folge hätte, der die Exporte in Europa vorantreibt. Doch der Halt dadurch verblaste relativ schnell. Mit einer absackenden Wall Street rutschte der Dax im Späthandel weiter ab und schloss 2,8 Prozent niedriger als am Vortag bei 9.391,64 Zählern.

Aus der Katerstimmung könnte schnell auch eine Krisenstimmung werden, denn vor allem der beunruhigende Ölmarkt zeigt derzeit keine Anzeichen einer kurzfristigen Stabilisierung. Das richtungsweisende Barrel WTI stürzte weitere 3,8 Prozent ab auf 27,38 Dollar, ein Fass Brent aus der Nordsee verbilligte sich auf 27,81 Dollar. Damit fallen die beiden bestimmenden Sorten immer weiter unter die 30-Dollar-Marke, die zuletzt 2003 erreicht worden war.

Wie angespannt die Lage auf den Aktienmärkten derzeit ist, davon zeugt ein Blick auf den Rentenmarkt. Die als sichere Hafen geltenden Bundesanleihen erfreuen sich massiven Zulaufs. Der entscheidende Euro-Bund-Future erreichte bei 161,31 Punkten einen historischen Höchststand. Marktanalyst Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets kommentierte nüchtern, dass in diesem Umfeld selbst die tags zuvor noch stützende Hoffnung auf weitere Konjunkturimpulse Chinas nicht reiche, um den Kursrutsch aufzuhalten.

Doch es ist nicht nur das massive Überangebot am Markt, das den Preis drückt und die Börsianer besorgt. Die tatsächliche Krux liegt auf der Nachfrageseite. Denn der Absturz des wichtigsten Rohstoffes schürt die Sorgen um die Weltkonjunktur. Vor allem die Lage in China verunsichert die Märkte. Im Reich der Mitte mehren sich die Hiobsbotschaften aus der Industrie.

Auch wenn die gestrigen Eingaben die Märkte etwas beruhigen hatten können, – die chinesische Wirtschaft war 2015 mit 6,5 Prozent zwar so schwach wie seit 25 Jahren nicht mehr, aber immerhin nicht so gering wie befürchtet, gewachsen –, bleibt die Abkühlung offensichtlich. Sie fällt mitten in die von Peking angestrebte Transformation der Wirtschaft, die als gigantisches Projekt ohnehin mit genügend Schwierigkeiten aufwartet.

So hielt die Freude über die BIP-Zahlen aus Peking dem Abwärtstrend nicht lange stand. Wobei sich die Abschläge im Reich der Mitte dieses Mal erstaunlich in Grenzen hielten: In Shanghai und Shenzhen büßten die Börsen jeweils ein Prozent ein. Das japanische Parkett hingegen geriet unter dem Eindruck des Ölmarktes unter die Räder. Der Nikkei hatte seine Handel deutliche 3,7 Prozent tiefer bei 16.416 Punkten beendet und bereits einen Vorgeschmack darauf gegeben, was Europas Marktplätze heute erwartete. In New York kam der Dow-Jones-Index in seinem Frühhandel bei 15.730 Punkten auf ein Minus von 1,9 Prozent.

Banken unter Beschuss
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27 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax schließt deutlich im Minus"

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  • Ist es eigentlich gemein, darauf hingewiesen, dass am 16.03.2015 zum DAX-Höchststand das Jahr der Aktie ausgerufen wurde, Was sagt das HB heute? Aktien immer noch alternativlos, Dividenden die neuen Zinsen?

  • So schwierig ist das doch alles nicht.

    Man wählt sich seinen Aktienindex (MSCI World, S&P, Dax usw.) oder einen Korb aus Aktien. Dann nimmt man einen Geldbetrag und teilt ihn entsprechend auf und behält sich genug Cash, um 2-3mal nachzukaufen.

    Die erste Tranche z.B. jetzt, dann wenn der Markt 20% tiefer steht, dann die letzte Tranche, wenn man weitere 20% tiefer steht.

    Realistisch ist, dass wir aktuell und besonders solange die EZB unterstützt vielleicht - wenn überhaupt - noch 10-20% weiter korrigieren und dann spätestens wieder drehen. Das wäre dann bei ca. 7.500 im Dax knapp 5.000 Punkte unter ATH.

  • Und Dividenden sind der neue Zins,

  • .......haben wir jetzt das, von dem ich vor wenigen Tagen hingewiesen habe? Ist es also der Beginn eines der dramatischsten Crashs den die Welt bald erleben wird? Es dauert nur noch eine kurze Zeit, bis der Vorhang aufgeht, und die Beteiligten mit ihrem jetzigen Vermögen....zusammen mit den Zweckoptimisten,die nur alles schönreden, besonders denen, in den TV-Medien am Boden liegen werden.
    War und ist doch alles ungesund gewesen.
    Diese Unmengen Kapital förmlich mit der Kohlenschaufel in den Kreislauf zu schieben....die ungeeignetsten Personen an den Schaltstellen zu haben,, die sich kaum Zeit genommen haben über die ausgeführten Schritte + Folgen nachzudenken, was sich daraus entwickeln könnte. Und es ist anzunehmen, daß sie nur ein begrenztes Fachwissen besitzen, trotz ihrer Vita.
    So gehen sehnsüchtige Blicke in die Vergangenheit zu den Männern in der Führungsspitze der Deutschen Bundesbank, die Garanten für die Stabilität waren.
    Fehlen uns also heute diese Führungs- + Entscheidungspersönlichkeiten? Ja, so ist es.
    Natürlich spielen heute noch andere Faktoren eine Rolle, wie der Ölpreis + noch viele mißglückte andere Entscheidungenen in vielen mittragenden Disziplinen rund um den Erdball......
    Was ist zu tun?......nix (nichts)......
    aushalten....und abwarten. Es gibt im Moment keine Medizin zur Heilung der vielen Wunden in der Wirtschaft natürlich auch in der Politik.....

  • Vielleicht läuft die Erholung auch bereits. Wer weiß und morgen kommt ein "whatever it takes" und die 10.000 ist wieder in Reichweite. Schaun wir mal, wie die Wall Street heute reagiert.

    Ansonsten - the trend is your friend. Besonders, wenn die 9.300 nicht halten.

  • Ich denke man kann für ganz Europa "short" setzen.

  • Mehr Rettungsorgien stehen demnaechst ins Haus. Deutsche Bank und VW werden dem Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Auch diverse EU Banken, besonders in Italien, duerften bald wieder die Hand aufhalten. Dei Rettung durch den Steuerzahler gehoert ja inzwischen zum Geschaeftsmodell.

  • Herr Trautmann,
    die Schwellenländerinvestments sind kein Problem. Die Wallstreet-Banker haben die schon Angela Merkel zum Retten gegeben..... :-O

  • Wer dachte denn gestern ernsthaft an eine Gegenbewegung?
    Man muss sich doch nur die Top 5 im Dax anschauen um zu verstehen, dass viele der Problem Aktien gestern schlicht mitgezogen wurden, und zwar von den richtigen Problemfällen.
    Jetzt korrigiert es sich wieder.

    Der Abwärtstrend soll angeblich noch anhalten. Solange alternative Anlageklassen fehlen, wird die unsichtbare Hand (Banken, Computer) aber irgendwann in den Markt eingreifen und eine Gegenbewegung "herbei kaufen".
    Dies sollte bei der ersten Schar von guten, gesamtwirtschaftlichen Nachrichten der Fall sein.

    Man muss jedoch bedenken, dass die Gewinnrückgange von Unternehmen über alle Index-Werte weiterhin bestand hat. Insoweit ist es bei einer Änderung der Zinspolitik nur eine Frage der Zeit, bis aus Volatilität (jetzt) eine dauerhafte Abwärtsbewegung wird. Mal sehen, wie die Lobby der Finanzwirtschaft dies in den Griff bekommt und wie die Umschichtung von Aktien in Rentenpapiere möglichst schadlos verläuft.

    Zum Ölpreis: der aktuelle Preis ist genauso wenig ein Marktpreis wie jener aus 2007/2008. Interessant, wie an diesem Preis die Qualität der Weltwirtschaft abgelesen kann. Man darf nie vergessen, dass die Rohstoffpreise in den verg. Jahren auch durch dumme Käufer - nicht nur durch Fonds - nach oben getrieben wurden. Der Kaffeepreis und das Einkaufsverhalten der Industrie in China war hier mit das beste Beispiel für eine Blase durch einseitiges leer kaufen des Angebots.

  • Die Verluste könnten riesig sein: In dieser Auflistung sind die ausstehenden Investments von Banken in Schwellenländern zu sehen. Die Frage: Stehen die Banken einen Totalverlust überhaupt durch?

    Alle Daten in (US$ / billion):

    Argentienen: 14 US$/bn, Basilien 252 US$/bn, Bulgarien 17 US$/bn, China 943 US$/bn, Kolumbien 25 US$/bn, Kroatien 39 US$/bn, Georgien 1 US$/bn, Ungarn 34 US$/bn, Indien 216 US$/bn, Indonesien 114 US$/bn, Korea 184 US$/bn, Malaysia 69 US$/bn, Mexico 4139 US$/bn, Peru 44 US$/bn, Philippinen 28 US$/bn, Polen 108 US$/bn, Russland 115 US$/bn, Thailand 51 US$/bn, Türkei 163 US$/bn, Uruguay 15 US$/bn, Venezuela 12 US$/bn, Weissrussland 4 US$/bn.

    (Quelle: http://www.businessinsider.de/albert-edwards-prophezeit-den-finanzkollaps-2016-1)

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