Börse Frankfurt Dax schließt mehr als vier Prozent im Minus

Der Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat den Anlegern zum Wochenausklang einen Schock versetzt. Nach der Meldung gingen europaweit die Aktienmärkte auf Talfahrt. Investoren flohen vor allem aus Finanzwerten.
Update: 09.09.2011 - 18:09 Uhr 66 Kommentare
Börse Frankfurt: Nach der Rücktrittsankündigung ging es für den Dax zügig nach unten. Quelle: Reuters

Börse Frankfurt: Nach der Rücktrittsankündigung ging es für den Dax zügig nach unten.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Rücktritt des EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark hat die internationalen Finanzmärkte am Freitag in Aufruhr versetzt. Die Aktienmärkte und der Euro bauten ihre Verluste aus, während die „sicheren Anlagehäfen“ Bundesanleihen und Gold zulegten.

„Herr Stark hat eine sehr hohe Reputation und gilt als absoluter Experte“, betonte Markus Huber, Aktienhändler bei ETX Capital. Ein Talent wie ihn zu verlieren, sei für die EZB schlecht - nicht nur im Moment, sondern auch für die bevorstehende turbulente Zeit. „Das könnte zumindest kurzfristig das Vertrauen einiger Investoren in die Fähigkeit der EZB, die Finanzkrise zu lösen und dem konjunkturellen Abschwung entgegenzuwirken, untergraben.“

Ähnlich urteilte Analyst Matthias Gloystein von der Bremer Landesbank: „Im Moment wird das am Markt so interpretiert, dass der Rücktritt die EZB schwächt.“ Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Nachmittag den geplanten Rücktritt Starks bestätigt. Grund für die Entscheidung seien persönliche Gründe. Finanzkreisen zufolge soll Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen Stark nachfolgen.

Dax bricht nach Stark-Rücktritt ein

Bereits Rücktrittsgerücht schickte Dax auf Talfahrt

Der Dax war zuvor bereits in Reaktion auf erste unbestätigte Meldungen um mehr als 200 Punkte abgerutscht. Vor der Bekanntgabe hatte der deutsche Leitindex noch ein moderates Minus von 0,3 Prozent verzeichnet. Das Börsenbarometer schloss schließlich 4,04 Prozent im Minus bei 5.189 Punkten. Der EuroStoxx50 beendete den Handel 4,17 Prozent schwächer. Im Gegenzug schossen die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx , die die Nervosität der Anleger messen, in der Spitze um neun beziehungsweise 15 Prozent in die Höhe.

Auch der Euro ging in die Knie: Er fiel auf ein Sechseinhalb-Monats-Tief bei 1,3697 Dollar und lag damit rund zwei US-Cent unter dem New Yorker Vortagesschluss. Der Bund-Future kletterte im Gegenzug auf ein Kontrakt-Hoch von 137,73 Punkten.

Gold machte einen Großteil seiner Anfangsverluste wett und kostete zum Börsenschluss 1851,20 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der Run auf die Bundesanleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Bonds auf ein Rekordtief von 1,757 Prozent.

Die EZB-Personalie schürte auch Zweifel an einer nachhaltigen Rettung Griechenlands. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Anleihen per Credit Default Swap (CDS) verteuerte sich dem Datenanbieter Markit zufolge um 380.000 auf 3,1 Millionen Euro.

Aktionäre stoßen Finanzwerte ab

Bei den Unternehmen verbuchten die Finanzwerte, die besonders sensibel auf alle Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren, die größten Kursverluste. Sie wurden zusätzlich von einer Studie von Goldman Sachs belastet. Die Analysten senkten die Kursziele mehrerer Institute wie der Societe Generale und betonten, sollte es bei griechischen Anleihen zu einem „Haircut“, also einer Umschuldung kommen, seien Kapitalerhöhungen notwendig. Angesichts der drastischen Kursverluste der vergangenen Monate wäre dies für die aktuellen Aktionäre finanziell sehr ungünstig.

Vor diesem Hintergrund rutschte der europäische Bankenindex bis zu 6,8 Prozent ab. Acht der zehn größten Verlierer im EuroStoxx50 kamen aus der Finanzbranche. Schlusslicht bildete hier die Societe Generale mit einem Minus von 10,6 Prozent auf 17,44 Euro. Deutsche Bank schlossen 7,25 Prozent schwächer auf 23,08 Euro und Commerzbank verloren 8,7 Prozent auf 1,67 Euro.

US-Konjunkturpaket lässt deutsche Anleger kalt
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66 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax schließt mehr als vier Prozent im Minus"

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  • Nicht zu übertreffende Scheinheiligkeit unsrer Regierung (merkel pus Schäuble), wo sie doch eine konträre Richtung letztens unterstützt haben:


    Merkel lobt Starks Einsatz für Euro-Stabilitätskultur


    BERLIN (Dow Jones) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat auf den am Freitag angekündigten Rücktritt von EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark mit dem Bekenntnis zu einer von Stark vertretenen Stabilitätskultur reagiert. "Ich danke Jürgen Stark dafür, dass er sich in allen seinen Funktionen, ganz besonders aber als Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, jahrelang konsequent und erfolgreich für eine stabile europäische Gemeinschaftswährung eingesetzt hat", erklärte Merkel am Abend in einem vom Bundespresseamt verbreiteten Statement. "Er steht damit für eine Stabilitätskultur, die den Interessen der Bürger in der Eurozone dient und der sich die Bundesregierung dauerhaft verpflichtet fühlt," betonte die Kanzlerin


    weiter unter

    http://www.boerse-go.de/nachricht/Merkel-lobt-Starks-Einsatz-fuer-Euro-Stabilitaetskultur,a2638322.html

  • Da sind wir mal gepannt, wie es weitergeht. Hätt ich doch noch shorten sollen :-(

  • Aus dem Vorabdruck eines Gastbeitrages des Handlesblatt für Monta:

    Stark selbst äußerte in einem auszugsweise vorab veröffentlichten Gastbeitrag für das "Handelsblatt" indirekt scharfe Kritik an den Staatsanleihenkäufen. "Wir befinden uns", schreibt Stark, "in einer Situation, in der massive Tragfähigkeitsrisiken in den öffentlichen Haushalten die Finanzstabilität untergraben." In dieser Krise sei alles falsch, was weitere Ausgaben unterstützt. "Ein fiskalischer Stimulus würde die Schuldenstände nur weiter ansteigen lassen und daher diese Risiken noch weiter erhöhen. Die Anpassungskosten würden durch die Verschiebung der Konsolidierung in die Zukunft deutlich steigen", warnt der EZB-Chefökonom.

    Man darf gespannt sein, ob dies das Abstimmungsverhalten demnächst im Bundestag beeiflußt

  • Es gab wohl beträchtliche Differenzen zwischen Starck und Trichet. Starck wollte nicht, daß die EZB die Anleihen aufkauft, weil er zu dem Leuten gehört, die sich der Stabilität verpflichtet haben, was auch die vornehmlich Aufgabe der Bundesbank ist.

    Ich denke, daß sich unser Bundespräsident Christian Wulff neulich auf der Nobelpreisträger-Versammlung gegen die Regierung so weit aus dem Fenster geleht hat, mag in Rücksprache mit Starck erfolgt sein, als er sich gegen die Verschleuderung unseres Geldes einschaltete.

    "Auf der Wirtschaftstagung mit 17 Nobelpreisträgern aus der Wirtschaft kritisierte er in Lindau scharf die Europäische Zentralbank (EZB) für den Ankauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Europaländer...

    „Eine Versündigung an der jungen Generation... Dies kann auf Dauer nicht gutgehen... ”

    Jetzt haben wir den Salat, ein hervorragender EZB Mann hat das Handtuch geschmissen, will bei dem Abwürgen nicht mehr dabei sein.

    Einen gleichwertigen Mann werden sie leider nicht erneut auftreiben.
    Und all das, als hätten wir nicht schon Schlamassel genug :-((

    Eine schallende Ohrfeige auch für unsere Regierung die das gut geheißen hat sowie die Bundesrichter mit ihrem Urteil.

  • Gerüchte kusieren das Griechenland übers Wochenende Insolvenz beantragt.

  • Die EZB wird endgültig zur Bad Bank, zur größten Umschuldungsinstitution der Geschichte zu Lasten der deutschen Steuerzahler. Herr Henkel sollte schleunigst seine neue Partei gründen und Herrn Stark um seine Mitarbeit bitten.


  • Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)!
    Die EU droht sich in eine schuldenbasierte Transferunion, eine Haftungsgemeinschaft, zu verwandeln. Außerdem soll das Haushalts- und Budgetrecht der nationalen Parlamente an einen EU-Gouverneursrat abgegeben werden. Grundlage hierfür ist der erst vor kurzem bekannt gewordene Vertragsentwurf zum sog. "Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM)", über den Sie als Mitglied des Deutschen Bundestages vermutlich nach der Sommerpause noch 2011 entscheiden werden. Deutsche Steuergelder sollen für die Schuldenpolitik anderer EU-Länder geradestehen. Wir sollen arbeiten, damit die Banken keine Verluste machen. Dem Steuerzahler wird Zwangssolidarität verordnet. Die Banken sind auf freiwilliger Basis dabei. Uns Bürgern gesteht man diese Freiwilligkeit nicht zu. Wir müssen zahlen. Der ESM-Vertrag darf deshalb den Deutschen Bundestag nicht passieren!
    Frau Vera Lengsfeld -ehemalige DDR Bürgerrechtlerin und ehemaliges CDU MdB hat diesen Skandal in passende Worte gekleidet. Wegen der enormen Bedeutung für uns und unser Land sende ich Ihnen den Text. Sie finden ihn auch hier: (http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nur_noch_achtzehn_tage_bis_zum_eu_waehrunssozialismus/):
    Und hier können Sie - wenn Sie wollen- die Kampagne gegen dieses schlimme Gesetz unterstützen: http://abgeordnetencheck.de/

    Das Video auf Youtube finden Sie hier: http://youtu.be/d6JKlbbvcu0

  • Es nennt sich doch "Handelsblatt". Also sollte man meinen, die Meinung der daytrader zum Handel wäre hier alles andere als deplaziert. Wer sich daran stört, kann sich ja auf den Seiten von "Neues Deutschland" oder "Junge Freiheit" etc tummeln.

  • EUR/CHF mal long übers Wochenende seit 1,2060. Die SNB wird doch sicherlich wieder aktiv. beim letzten mal waren es ~1,2190. Mein TP bei 1,2180

  • Welch feines Vokabular! Wann wird dieser Beitrag gelöscht? Sie entspricht doch wohl kaum dem Niveau des HB...

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