Börse Frankfurt Dax schließt mit Gewinnen

Die Dax-Anleger griffen am Donnerstag wieder bei Aktien zu. Dabei hatten sie allen Grund, enttäuscht zu sein. Gleich drei Dax-Unternehmen warten mit einem pessimistischen Ausblick auf. Doch die Zuversicht überwog.
Update: 25.02.2016 - 17:58 Uhr

Trotz Rekordzahlen: Bayer und Henkel Dax-Schlusslicht

Frankfurt am MainDie Dax-Anleger erholten sich am Donnerstag vom jüngsten Absturz. Nachdem der Index am Vortag gut 2,6 Prozent tiefer bei 9167 Zählern schloss, witterten viele von ihnen nun die günstige Gelegenheit zum Kauf. Bis zu 2,4 Prozent gewann der Index im Verlauf des Tages. Am Ende reichte es für ein Plus von rund 1,8 Prozent und 9331 Zähler. Um die Verluste des Vortags wieder wettzumachen hat es nicht gereicht. Am Mittwoch schloss der Leitindex 2,6 Prozent tiefer bei 9167 Punkten.

Vor allem die Aktien der Deutschen Post profitierten von der Hochstimmung der Anleger. Eine Hochstufung von JP Morgan hat den Aktien des Logistikkonzerns kräftig Rückenwind verliehen. Sie verteuerten sich zeitweise 5,2 Prozent auf rund 22 Euro und standen somit an der Spitze des Leitindex. Am Tagesende standen sie noch 4,3 Prozent höher. Nach Einschätzung der US-Bank ist der Markt hinsichtlich der Gewinnaussichten des Unternehmens zu pessimistisch eingestellt. Die Aktien der Deutschen Post haben seit Jahresbeginn mehr als 19 Prozent an Wert eingebüßt. Ebenfalls Gewinner: Fresenius Medical Care. Der Gesundheitskonzern strotzt nach einem Rekordgewinn vor Optimismus. Bis 2019 will der Konzern seinen Gewinn um 50 Prozent steigern. Die Anleger lassen sich von der Zuversicht anstecken. Die Papiere legten am Nachmittag rund 6,6 Prozent zu, am Tagesende verbuchten sie ein Plus von 4,3 Prozent.

Am anderen Ende der Skala befand sich lange Zeit Bayer. Die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns rutschten bis zu vier Prozent auf 91,08 Euro ab und markierten damit den tiefsten Stand seit fast zweieinhalb Jahren. Am Nachmittag fanden die Anleger aber wohl ihre Zuversicht wieder und schickten die Bayer-Papiere 0,7 Prozent ins Plus. Die Zuversicht ist nicht unbegründet. Schließlich verdienen die Leverkusener operativ so viel wie nie zuvor. Mit seinem Gewinn im vierten Quartal ist Bayer jedoch hinter den Erwartungen der Analysten zurückgeblieben. Dabei enttäuschte vor allem die Agrar-Sparte. Börsianer verunsichert offenbar zudem der Abgang des Bayer-Chefs Marijn Dekkers. Der verlässt die Leverkusener bereits Ende April. Der 58-Jährige soll neuer Chairman beim britisch-niederländischen Konsumgüterriesen Unilever werden.

Die Prognose für das laufende Jahr hat Henkel am Donnerstag ins Minus gedrückt. Die Aktien des Konsumgüterkonzerns notierten bei Handelsende 0,1 Prozent schwächer und waren damit der einzige Verlierer im Dax. „Die Zahlen für das Gesamtjahr waren weder herausragend noch enttäuschend“, sagte ein Händler. Für etwas Ernüchterung habe allerdings der Ausblick gesorgt. 2016 erwartet der Hersteller vor Pritt und Persil ein geringeres organisches Umsatzwachstum als in der Vergangenheit. Henkel rechnet im laufenden Jahr mit einem organischen Umsatzwachstum von zwei bis vier Prozent, in der Vergangenheit lag diese Spanne bei drei bis fünf Prozent.

Die schwelenden Krisen für Wirtschaft und Märkte
Realzinskrise
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Die Europäische Zentralbank fährt seit Jahren einen lockeren geldpolitischen Kurs. Der Leitzins liegt mit 0,05 Prozent nur noch knapp im positiven Bereich. Der Einlagezins ist bereits ins Negative gerutscht. Zudem kauft die EZB monatlich Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro. Mit diesen Maßnahmen soll die Inflation wieder auf zwei Prozent getrieben werden. Trotz dieses expansiven Kurses sehen die Experten der Quirin Bank keine großen Risiken bezüglich der Zentralbankstrategie. Ihre Krisenampel zeigt hier „grün“.

Ampel: Grün

Währungskrise
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Die Sorge war groß, dass die entgegengesetzten geldpolitischen Kurse der EZB und der Fed den Dollar stärken und den Euro schwächen könnten. Von einer Parität war bereits die Rede. Doch es kam anders. Wegen der globalen Konjunktureintrübung wird an den Märkten mit einer vorsichtigen Anhebung der Zinsen in den USA gerechnet, was den Dollar wieder schwächt. Derzeit pendelt der Euro um 1,10 Dollar.

Ampel: Grün, seit 31. Mai 2013

Staatsschuldenkrise
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Im vergangenen Jahr hielt das hochverschuldete Griechenland die Börsen in Atem. Zwar konnte in letzter Sekunde eine Einigung zwischen den internationalen Geldgebern und Athen errungen werden, doch damit ist Land noch lange nicht über dem Berg – allerdings ist das für die Märkte nichts Neues mehr. Interessant dürften hingegen angesichts des Ölpreisverfalls die Staatsfinanzen einiger Ölstaaten werden. Bei der Euro-Zone ist laut den Experten der Quirin Bank eine leichter Besserung in Sicht.

Ampel: Gelb, seit 31. Mai 2013

Vertrauens- und Bonitäts-Krise im Finanzsystem (Bankenkrise)
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Die schwächelnde globale Konjunktur lastet auf vielen Banken. Besonders riskant jedoch ist für die Finanzhäuer derzeit die Lage an den Energiemärkten. Zahlreichen Ölkonzernen, vor allem Fracking-Unternehmen aus den USA haben Deutsche Bank & Co. milliardenschwere Kredite erteilt. Fraglich ist nun, ob wegen des sinkenden Ölpreises Kreditausfälle drohen. Die Risiken im europäischen Bankensektor bleiben damit insgesamt erhöht.
Ampel: Gelb, seit 31. Mai 2013

Versorgungs- und Rohstoffpreiskrise (Angebotsinflationskrise)
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Egal ob Öl, Kupfer oder Stahl – weltweit sind die Rohstoffpreise im Sinkflug. Schuld daran ist auch China, der größte Rohstoffnachfrager der Welt. Die schwächelnde Konjunktur im Reich der Mitte senkt auch den Rohstoffhunger des Landes. Auch die eingetrübten Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft lassen keine Inflationsrisiken aufkommen. Hier ist nicht mit einer signifikanten Gegenbewegung zu rechnen. Dass die Inflationsentwicklung durch einen plötzlichen Anstieg der Rohstoffpreise beeinflusst wird, ist daher nahezu ausgeschlossen.
Ampel: Grün, seit 20. Dezember 2013

Nachfrageinflationskrise (Lohn-Preis-Spirale)
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Selten wurde in Deutschland so viel nachgefragt wie derzeit. Die niedrigen Zinsen treiben viele Deutsche in die Läden. Die Inflation springt dennoch nicht an. Verantwortlich dafür sind vor allem die niedrigen Rohstoffpreise. Ein Inflationsgefahr geht daher von Seiten dieses Krisentyps nicht aus.

Ampel: Grün, seit 31. Mai 2013

Vermögenspreisblase
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Die niedrigen Zinsen der Notenbanken weltweit haben die Börsen in den vergangenen Monaten in die Höhe getrieben. Das Problem: Während die Aktienkurse teilweise durch die Decke schossen, zeigt die Realwirtschaft in eine andere Richtung. Besonders schmerzhaft war die Korrektur in China. Dort gaben die Aktienmärkte massiv nach und belastet die Börsen in Europa und den USA. Eine Blasenbildung sieht die Quirin Bank dennoch nicht. An den Anleihe- und Immobilienmärkten ist die Blasengefahr allenfalls mittelgroß zu bewerten.
Ampel: Gelb seit 31. Mai 2013

Auch die Deutsche Telekom hat ihre Anleger mit ihrem Ausblick enttäuscht. Trotz der Ankündigung einer höheren Dividende drehten die T-Aktien nach einem einprozentigen Plus zeitweise ins Minus, schafften am Nachmittag aber die Wende und notierten zuletzt 2,1 Prozent höher. Insgesamt seien die Zahlen durchwachsen - und auch der Ausblick sei vorsichtiger als gedacht, sagte Equinet-Analyst Adrian Pehl. Darauf fokussierten sich die Investoren. „Der Ausblick liegt zwar leicht unter Erwartungen. Wir erachten diesen aber tendenziell als konservativ“, urteilte DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger.

Ölpreis und Inflation lassen Anleger heute kalt
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