Börse Frankfurt Dax schließt nach Bankenabsturz im Minus

Am Dienstag gaben sich die Dax-Anleger vorsichtig, der Leitindex schloss deutlich im Minus. Im Fokus standen vor allem die Banken. Die Commerzbank hatte ihre Jahresprognose eingesackt, auch die Deutsche Bank stürzte ab.
Update: 02.08.2016 - 18:18 Uhr

Ungewisse Zukunft für Europäische Banken: Dax fällt weiterhin

FrankfurtEin neuer Schwächeanfall der Finanzwerte hat den europäischen Börsen am Dienstag zu schaffen gemacht. Der Dax fiel um 1,8 Prozent auf 10.144,34 Punkte, der EuroStoxx50 verlor zwei Prozent auf 2906,98 Punkte. „Offensichtlich realisiert der Markt, dass es um den gesamten europäischen Bankensektor sehr schlecht bestellt sein muss“, sagte Marktanalyst Jens Klatt von JFD Brokers. Angesichts der Niedrigzinspolitik werde sich daran vorerst auch nichts ändern. Besonders unter Druck waren nach einer Prognosesenkung die Aktien der Commerzbank, die um gut neun Prozent auf ein Rekordtief von 5,24 Euro abstürzten.

In den ersten sechs Monaten war der Gewinn der Commerzbank um 58 Prozent eingebrochen. Für das Gesamtjahr verabschiedete sich Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus nach der Deutschen Bank von dem Ziel, auf einen Milliardengewinn zu kommen. Obwohl sich Finanzvorstand Stephan Engels nach eigenen Worten keine Sorgen um die Stabilität der Bank macht, flohen die Aktionäre in Scharen. Die in der Finanzkrise mit gut 18 Milliarden Euro gerettete und teilverstaatlichte Bank ist an der Börse gerade noch etwa 6,6 Milliarden Euro wert.

Ein Haufen Verlierer

HSBC HOLDINGS PLC REGISTERED SHARES DL -,50

WKN
ISIN
GB0005405286
Börse
Xetra

-0,19 -2,37%
0,00€
Chart von HSBC HOLDINGS PLC REGISTERED SHARES DL -,50
Flop 14: HSBC
1 von 14

Was der Brexit für die britischen Bank bedeuten wird, ist noch nicht mit aller Klarheit vorherzusehen. Eins aber dürfte sicher sein: Ungeschoren kommen Geldhäuser wie zum Beispiel die HSBC nicht davon. Der EU-Austritt wird immense Kosten verursachen, die auch die Banken treffen werden. Kein Wunder also, dass Aktionäre die HSBC aus ihren Portfolios rauswerfen.

Kursentwicklung: - 7,1 Prozent*

*01. Januar 2016 bis 26. Juli 2016; Quelle: Reuters

BNP PARIBAS S.A. ACTIONS PORT. EO 2

WKN
ISIN
FR0000131104
Börse
Xetra

-0,41 -0,80%
0,00€
Chart von BNP PARIBAS S.A. ACTIONS PORT. EO 2
Flop 13: BNP Paribas
2 von 14

Die politischen Unruhen in der Türkei belasten das Portfolio der BNP Paribas. Patrick Mange, Fondsmanager bei BNP Paribas Investment Partners, sieht türkische Anlagen kritisch. Er will sie in seinem Portfolio „untergewichten“, bis es Klarheit über die Entwicklung in der Türkei gibt. Die französische Bank zieht es stattdessen nach Osteuropa. Insidern zufolge interessiere sich das Geldhaus für das Polengeschäft der österreichischen Raiffeisen Bank. Allerdings ist das Interesse nicht singulär. Auch die Banco Santander hat auf die Sparte ein Auge geworfen. Mitbewerber sind außerdem die beiden staatlich kontrollierten Institute PKO BP  und Alior Bank sowie die polnische ING-Tochter. Bankenkreisen zufolge peilt RBI für Raiffeisen Polbank einen Preis von 800 Millionen Euro bis zu einer Milliarde Euro an. Das problematische Portfolio mit Franken-Hypotheken sei hierin nicht enthalten.

Kursentwicklung: - 17,7 Prozent

BANCO SANTANDER S.A. ACCIONES NOM. EO 0,50

WKN
ISIN
ES0113900J37
Börse
Xetra

-0,03 -0,65%
0,00€
Chart von BANCO SANTANDER S.A. ACCIONES NOM. EO 0,50
Flop 12: Banco Santander
3 von 14

Europas Bankenlandschaft hat 2016 deutlichen Schaden genommen. Im Stoxx Banks 600, der die größten europäischen Geldhäuser enthält, trifft man im laufenden Jahr nur auf Verlierer. Keine einzige Bank hat es geschafft, ihren Wert zu steigern. Davon betroffen ist unter anderem die Banco Santander. Die größte Bank Spaniens bekommt nicht nur die niedrigen Zinsen in Europa zu spüren. Für Gegenwind sorgen auch Probleme in den USA. Zuletzt ist die US-Sparte der Banco Santander erneut beim US-Bankenstresstest durchgefallen. Es war das dritte Jahr in Folge, dass die spanische Bank an den Anforderungen scheiterte.

Kursentwicklung: - 17,8 Prozent

LLOYDS BANKING GROUP PLC REGISTERED SHARES LS -,10

WKN
ISIN
GB0008706128
Börse
Xetra

-0,03 -3,80%
0,00€
Chart von LLOYDS BANKING GROUP PLC REGISTERED SHARES LS -,10
Flop 11: Lloyds
4 von 14

Durch das Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union sind zahlreiche britische Banken in eine brenzlige Lage geraten. Auch die britische Lloyds ist davon betroffen. Die Ratingagentur hat daher bereits den Ausblick für die Bank von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Die Unsicherheit über die möglichen Brexit-Auswirkungen setzen den Lloyds-Aktien deutlich zu.

Kursentwicklung: - 24,8 Prozent

CREDIT AGRICOLE S.A. ACTIONS PORT. EO 3

WKN
ISIN
FR0000045072
Börse
Xetra

-0,31 -2,62%
0,00€
Chart von CREDIT AGRICOLE S.A. ACTIONS PORT. EO 3
Flop 10: Crédit Agricole
5 von 14

Nach der Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt, ändert sich auch einiges für die französische Großbank Crédit Agricole. Es wird erwartet, dass sie einen Teil ihrer Geschäfte von England nach Frankreich zurückholt. Unklar bleibt, mit welchen Kosten die Bank deswegen rechnen muss. Die Ratingagentur Moody's bewertet trotz der Unwägbarkeiten die Aussicht des französischen Bankensystems als stabil. Analysten der Investmentbank Natixis haben dennoch das Kursziel der Crédit Agricole von 12,00 auf 10,70 Euro gesenkt.

Kursentwicklung: - 28,2 Prozent

SOCIETE GENERALE S.A. ACTIONS PORT. EO 1,25

WKN
ISIN
FR0000130809
Börse
Xetra

-0,24 -0,68%
0,00€
Chart von SOCIETE GENERALE S.A. ACTIONS PORT. EO 1,25
Flop 9: Société Générale
6 von 14

Wie die BNP Paribas treffen auch die Société Générale die Unruhen in der Türkei. Die französische Großbank deutete an, ihre Investments in der Türkei zurückziehen zu wollen. Noch härter allerdings trifft die Société Générale der Brexit. Am Tag der Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses über einen EU-Austritt der Briten rutschten die Papiere deutlich ins Minus. Von den Verlusten haben sich die Aktien bis heute nicht erholen können.

Kursentwicklung: - 29,7 Prozent

BARCLAYS PLC REGISTERED SHARES LS 0,25

WKN
ISIN
GB0031348658
Börse
Xetra

+0,00 +0,07%
0,00€
Chart von BARCLAYS PLC REGISTERED SHARES LS 0,25
Flop 8: Barclays
7 von 14

Auch bei Barclays dürften sich mehr und mehr die Auswirkungen des Brexits bemerkbar machen. Allerdings drücken auch Rechtsstreitigkeiten auf die Bilanzen der Investmentbank. Vor allem im Libor-Skandal hat Barclays ordentlich mitgemischt. Zuletzt wurden drei Händler der Bank schuldig gesprochen, den Referenzzinssatz manipuliert zu haben.

Kursentwicklung: - 32,4 Prozent

Bei dem europaweiten Bankenstresstest war die Commerzbank zusammen mit der Deutschen Bank unter den zehn Häusern, die am schlechtesten abgeschnitten hatten . Das Thema Kapitalquote und schlechte Ertragslage wegen des Niedrigzins-Umfeldes betrifft aber auch andere Banken. Somit gerieten viele Finanzwerte aus der Euro-Zone mit Kursverlusten von fast fünf Prozent unter die Räder. Deutsche Bank fielen um 4,8 Prozent auf ein Rekordtief von 11,24 Euro. Die Titel der HVB-Mutter UniCredit rutschten in Mailand um 7,2 Prozent ab.

Aber auch die Aktien der Schweizer Häuser UBS und Credit Suisse verloren je rund sechs Prozent. Auf den Titeln der Deutschen Bank und der Credit Suisse lastete zudem der Rausschmiss aus dem Stoxx50-Index für die größten börsennotierten europäischen Unternehmen.

Belastend auf die europäischen Börsen wirkte sich auch der anziehende Euro aus. Er stieg um über einen halben US-Cent auf 1,1225 Dollar. Ein stärkerer Euro verteuert auf dem Weltmarkt die europäische Exporte.

An der Wall Street war die Stimmung ebenfalls mau: Der Dow-Jones - und der S&P500 -Index notierten zum europäischen Handelsschluss 0,6 und 0,8 Prozent niedriger. Auf der Stimmung lasteten dort die Sorgen vor einem neuen Ölpreisrutsch mit seinen möglichen Folgen für die dort gelisteten Ölfirmen.

Schnäppchen, die lieber nicht ins Depot wandern sollten

HDAX ® PERFORMANCE-INDEX

WKN
ISIN
DE0008469016
Börse
Xetra

-12,86 -0,19%
Chart von HDAX ® PERFORMANCE-INDEX
Kurs-Buchwert-Verhältnis – ein Indikator für Börsen-Schnäppchen?
1 von 21

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) ist eine Kennzahl, die bei modernen Investoren als etwas angestaubt gilt. Dennoch kann sie Anlegern dabei helfen, unterbewertete Börsenunternehmen ausfindig zu machen. Dabei wird der Börsenkurs der Aktie durch den Buchwert der Aktie dividiert. Einfach gesagt ist der Buchwert das, was bei einer Liquidation einer Gesellschaft an Wert übrig bleibt (gesamtes Gesellschaftsvermögen - Verbindlichkeiten). Ist das Verhältnis kleiner als eins, gilt das Unternehmen als günstig. Allerdings ist Vorsicht geboten. Schließlich kann ein kleines KBV auch darauf hindeuten, dass Anleger einem Unternehmen nicht besonders viel zutrauen oder sogar mit seinem baldigen Niedergang rechnen. Ob es sich also tatsächlich um „Schnäppchen” handelt, hängt vom Einzelfall ab. Auch in den Dax-Indizes gibt es jede Menge Firmen, deren Buchwert um einiges größer ist als ihr Börsenwert. Ein Überblick.

Quelle: Bloomberg, KBV zum 26. Juli 2016

DRAEGERWERK AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKT.O.ST.O.N.

WKN
ISIN
DE0005550636
Börse
Xetra

0,00 0,00%
0,00€
Chart von DRAEGERWERK AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKT.O.ST.O.N.
Drägerwerk
2 von 21

Ginge es nur nach dem KBV, so würde der Anbieter von Medizin- und Sicherheitstechnik als fair bewertet. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt bei Drägerwerk genau eins. Doch die Investoren sind skeptisch, wenn auch geduldig. Zuletzt vermeldete das Unternehmen einen Umsatzrückgang, vor allem wegen schwacher Nachfrage in Südamerika und im Mittleren Osten. Der Umsatz sank um 6,3 Prozent auf 579 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit 21,2 Millionen Euro aber in etwa auf Niveau des Vorjahres.

KBV: 1,00

VTG AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000VTG9999
Börse
Xetra

-0,10 -0,18%
0,00€
Chart von VTG AG INHABER-AKTIEN O.N.
VTG
3 von 21

Auch der Hamburger Schienenlogistik-Konzern VTG ist vergleichsweise günstig bewertet. Zuletzt machte eine Auftragsdelle dem Konzern zu schaffen. „Uns hat im ersten Quartal eine Reihe von Sondereffekten, etwa durch Produktionsunterbrechungen bei unseren Kunden, im Logistikbereich getroffen”, räumte Finanzchef Kai Kleeberg im Gespräch mit der „Börsen-Zeitung” Ende Mai ein. Man hoffe aber, im zweiten Quartal wieder auf Kurs zu kommen.

KBV: 0,98

HEIDELBERGCEMENT AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006047004
Börse
Xetra

-1,84 -2,62%
0,00€
Chart von HEIDELBERGCEMENT AG INHABER-AKTIEN O.N.
Heidelberg Cement
4 von 21

Der Kurs des Zementherstellers hat sich zuletzt etwas erholt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Heidelberger Konzern bei der Übernahme des italienischen Konkurrenten Italcementi vorangekommen ist und die dafür nötigen EU-Auflagen erfüllt hat. Heidelberg Cement will die rund 3,7 Milliarden Euro teure Übernahme von Italiens Branchenführer im zweiten Halbjahr abschließen. Den Buchwert des Unternehmens dürfte das weiter vorantreiben. Momentan kommen bei Heidelberg Cement auf jeden Euro Börsenwert rund 62 Euro an materiellen Vermögenswerten in der Bilanz.

KBV: 0,95

DEUTZ AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006305006
Börse
Xetra

-0,02 -0,27%
0,00€
Chart von DEUTZ AG INHABER-AKTIEN O.N.
Deutz
5 von 21

Der Kölner Motorbauer Deutz hat zuletzt viel Analystenlob bekommen. Am 4. Mai hatte die Credit Suisse das Kursziel auf 4,20 Euro von 3,80 Euro angehoben. Das Umfeld für den Motorenbauer
stabilisiere sich, begründeten die Experten ihre höheren Schätzungen. Der Kurs der Aktie ist dennoch nur moderat gestiegen.

KBV: 0,91

BILFINGER

WKN
ISIN
DE0005909006
Börse
Xetra

-0,56 -1,38%
0,00€
Chart von BILFINGER
Bilfinger
6 von 21

Eine Gewinnwarnung nach der nächsten hatte der Baustoffkonzern aus Rheinland-Pfalz seinen Anlegern in den vergangenen Monaten zugemutet. Auch der Verkauf der Bau- und Immobiliensparte des Konzerns für 1,2 Milliarden Euro im Juni hat dem Kurs nur wenig genützt. Investoren beklagen die fehlende Strategie für die übrig gebliebene Konzernsparte, die zudem unter niedrigem Ölpreis und Investitionszurückhaltung leidet.

KBV: 0,90

SILTRONIC AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000WAF3001
Börse
Xetra

-4,85 -3,94%
0,00€
Chart von SILTRONIC AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siltronic
7 von 21

Angesichts trüber Geschäftsaussichten haben viele Anleger beim Siliziumscheiben-Hersteller Siltronic die Reißleine gezogen. Die Preise für hauchdünne Silizium-Scheiben, die Siltronic produziert, sind in diesem Jahr gesunken. Die Wacker-Tochter, die erst Mitte vergangenen Jahres an die Börse gegangen ist, hat seit dem 1. Januar mehr als 34 Prozent an Wert verloren. Da ist ein KBV von unter eins wenig verwunderlich.

KBV: 0,89

Zwar erholten sich die Notierungen für Nordseeöl und US-Leichtöl zeitweise um je mehr als zwei Prozent. Doch notierten beide Sorten am Abend schon wieder über ein Prozent im Minus bei 41,57 und 39,41 Dollar je Fass (159 Liter). Einige Börsianer fühlten an die vergangenen Jahre erinnert, als die Preise vor allem im zweiten Halbjahr unter Druck gekommen waren. Noch im Januar hatten diese Turbulenzen auch die Aktienmärkte durcheinandergewirbelt. „Sollte sich der Preis nicht schnell wieder erholen, wird es für die Börsen schwer, ihre Erholung nach dem Brexit-Votum fortzusetzen“, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Onlinebroker CMC Markets. Im Juli hatte der Dax fast sieben Prozent gewonnen.

Bei den Einzelwerten in New York standen Procter & Gamble und Pfizer im Rampenlicht. Der Pampers-Hersteller P&G setzte von April bis Juni zwar wegen des starken Dollar weniger um. Börsianer machten trotzdem Fortschritte beim Konzernumbau und den Einsparungen aus, was die Aktien um 0,6 Prozent in die Höhe trieb. Beim Viagra-Konzern überwog dagegen die Enttäuschung darüber, dass Pfizer seine Jahresziele nicht hochschraubte, obwohl der Umsatz im abgelaufenen Quartal dank des Erfolgs neuer Medikamente um elf Prozent und damit stärker als von Analysten erwartet gestiegen war. Die Aktie verlor 2,4 Prozent.

  • rtr
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