Börse Frankfurt Dax schließt schwachen Januar im Minus

Nach Währungsturbulenzen fürchten Anleger eine tiefere Krise in den Schwellenländern. Europaweit gaben die Kurse nach, der Dax büßte zeitweise zwei Prozent ein. Am Ende konnte er das Minus aber etwas wettmachen.
Update: 31.01.2014 - 18:43 Uhr 49 Kommentare

Börse am Abend

FrankfurtEin Großteil der Anleger hat am Freitag aus Angst vor einer möglichen Krise in den Schwellenländern die Finger von Aktien gelassen. Zwischenzeitlich kam es dadurch zu Jahrestiefstständen bei Dax und EuroStoxx. Neben den Turbulenzen bei den Schwellenländer-Devisen verunsicherten eine weiter sinkende Inflation in der Euro-Zone und enttäuschende Einzelhandelszahlen für das Weihnachtsgeschäft die Märkte.

Zeitweise betrug das Minus des deutschen Leitindex über zwei Prozent. Doch nach Beginn einer schwachen Wall Street, die im Laufe des Handels erstarkte, kletterte der Dax langsam aus den tiefen Verlustzone und setzte kurz vor Schluss an, die 9300-Punkte-Marke zu erreichen.

So schloss der Dax den Freitagshandel letztlich bei 9306 Punkten, was einem Minus von 0,7 Prozent entspricht. Auf Monatssicht verlor der Dax damit fast drei Prozent, womit der Januar den schwächste Jahresstart seit 2010 hinlegte. Der MDax notierte 0,5 Prozent schwächer bei 16.205 Punkten, der TexDax legte 0,1 Prozent zu auf 1221 Zähler, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 0,4 Prozent auf 3013 Punkte. Auch die Wall Street lief am Nachmittag schwach, doch mit ihrer Eröffnung schien sich der Dax langsam zu fangen - das Minus ging etwas zurück.

Diese Aktien sind abgestürzt

MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006599905
Börse
L&S

+1,08 +1,22%
+89,70€
Chart von MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Merck
1 von 16

Merck KGaA: Finanzfachmann wechselt zur Konkurrenz

Es kommt nicht oft vor, dass eine Personalie zu zweistelligen Kursausschlägen führt: Aber nach der Ankündigung des Wechsels von Merck-Finanzvorstand Mathias Zachert an die Spitze des Spezialchemiekonzerns Lanxess passierte genau das. Die Aktie von Merck sackte um mehr als zehn Prozent ab. Fast in gleichem Maße legte Lanxess zu.

Zachert, ein Finanzfachmann und eloquenter Kommunikator, hatte sich am Kapitalmarkt einen Namen gemacht. Er weiß, was es heißt, einen Konzern umzubauen. Merck, ein Chemie- und Pharmaunternehmen, baut derzeit 1600 Stellen ab und richtet den Konzern neu aus. Dabei gelang es, die Profitabilität deutlich steigern. Ähnliches steht jetzt wohl auch bei Lanxess an. „Das ist eine starke Personalie“, hieß es in einer Studie der Deutschen Bank. Zachert habe einen guten Ruf als Sanierer.

ADIDAS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A1EWWW0
Börse
L&S

+0,87 +0,42%
+209,35€
Chart von ADIDAS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Adidas
2 von 16

Adidas: Schwacher Heimatmarkt

Die Marke mit den drei Streifen verkauft sich in Deutschland schlechter. Die Franken müssen sogar Ware aus den Fachgeschäften zurücknehmen, weil die Regale überquellen. Weltmarktführer Nike hingegen holt auf dem Heimatmarkt von Adidas immer stärker auf.

In einer Analyse äußerte die Deutsche Bank erhebliche Zweifel an den von Adidas ausgegebenen Zielen. Das Papier geriet dadurch stark unter Druck.

DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007100000
Börse
L&S

-0,69 -1,20%
+56,69€
Chart von DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Daimler
3 von 16

Daimler: Wechsel im Vorstand

Der Stuttgarter Autobauer muss sich nach einem neuen Vorstand umsehen: Produktions- und Einkaufschef Andreas Renschler scheidet auf eigenen Wunsch aus. Damit verliert der Autobauer auch einen Kandidaten für die Nachfolge an der Konzernspitze. Der 55-Jährige galt neben LKW-Vorstand Wolfgang Bernhard und China-Chef Hubertus Troska als einer der potenziellen Nachfolger für den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche.

CECONOMY AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007257503
Börse
L&S

-0,65 -9,23%
+6,34€
Chart von CECONOMY AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
Metro
4 von 16

Metro: Schwaches Weihnachtsgeschäft

Noch hat Metro seine Zahlen nicht veröffentlicht. Allerdings beklagte Metro bereits ein „verhaltenes Weihnachtsgeschäft“. Auch die Ergebnisse von Konkurrenten wie Karstadt lassen nichts Gutes erahnen.

Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley hat das Kursziel von 36 auf 33 Euro gesenkt und die Einstufung auf „halten“ belassen. Ungünstige Währungseffekte sowie eine schwächere Profitabilität bei Media Saturn behinderten die geplante Trendwende des Handelskonzerns, schrieb Analyst Edouard Aubin in einer Studie. Er senkte seinen Schätzungen für das erste Quartal und das Gesamtjahr, den Gewinn je Aktie 2014 sieht Aubin nun um sieben Prozent niedriger als bisher.

SUEDZUCKER AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007297004
Börse
L&S

-0,09 -0,75%
+12,14€
Chart von SUEDZUCKER AG INHABER-AKTIEN O.N.
Südzucker
5 von 16

Südzucker: Steiniger Weg

Europas größter Zuckerproduzent hat derzeit gleich zwei Probleme: Zum einen steigen die Rohstoffpreise immer weiter an, zum anderen sinkt die Nachfrage.

Der vor dem Zuckerproduzenten liegende Weg sei steinig, schrieb Analyst Nils-Peter Fitzl von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Aufgrund der wegfallenden Produktionsquoten auf dem Zuckermarkt der Europäischen Union komme 2017 stärkere Konkurrenz auf Südzucker zu. Er rechnet damit, dass der Konzern seine Geschäfte in Afrika, Russland und Brasilien ausbauen will, um unabhängiger vom europäischen Markt zu werden. Mittelfristig dürfte die Profitabilität gedämpft sein. Er sehe keinen Grund, zu den aktuellen Kursen in der Aktie investiert zu sein.

NORDEX SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0D6554
Börse
L&S

-0,42 -4,62%
+8,60€
Chart von NORDEX SE INHABER-AKTIEN O.N.
Nordex
6 von 16

Nordex

Die Aktie des Windturbinenherstellers leidet unter dem Zurückfahren der Ökostrom-Förderung. Wenn die Kurse generell sinken, fällt die Aktie in der Regel besonders stark.

JENOPTIK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006229107
Börse
L&S

+0,65 +2,00%
+32,90€
Chart von JENOPTIK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Jenoptik
7 von 16

Jenoptik

Die ostdeutsche Technologiefirma Jenoptik will ihren Umsatz deutlich steigern. 2013 hatten die Ergebnisse in etwa auf Vorjahresniveau gelegen. Analysten hatten mehr von dem Unternehmen erwartet. Anleger straften die Aktie entsprechend stark ab.

Auslöser für die Turbulenzen waren die Schwellenländer. Diese erleben derzeit einen massiven Kapitalabfluss, weil die Straffung der US-Geldpolitik Investitionen in Amerika - aufgrund höherer Zinsen - wieder attraktiver macht. Viele Währungen in den aufstrebenden Ländern sind daher zuletzt in einen Abwertungsstrudel geraten. Obwohl sich die Devisenmärkte etwas beruhigten, wollte kaum einer über das Wochenende Risiken eingehen.

Zudem hätten sich die Börsen seit Monaten sehr gut entwickelt, berichtete ein Händler. Jetzt erfüllten etliche Unternehmensergebnisse aber nicht die hohen Erwartungen der Investoren. „In dieser Situation nehmen dann viele ihre Gewinne erst einmal mit.“

Doch trotz der jüngsten Turbulenzen wollen viele Analysten das Aktienjahr 2014 noch lang nicht verloren geben. „Mittelfristig ist der Aufwärtstrend noch immer intakt“, sagte Ed Smyth, Stratege bei JNF Capital. Auch Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co geht davon aus, dass sich die Lage wieder beruhigen wird. Die konjunkturelle Dynamik in den USA und in Europa sei derzeit so hoch, dass sie nicht nur für die Industrieländer, sondern auch für die Schwellenländer Stabilität über eine erhöhte Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen bringen dürfte, erklärt der Experte.

Der Kurstrend nach unten verschärfte sich am Mittag, nachdem Daten für die Eurozone eine überraschend geringe Teuerung im Januar ausgewiesen hatten. Die Preise im Währungsraum sind im Januar um 0,7 Prozent gestiegen nach 0,8 Prozent im Dezember.

Die niedrige Inflation löste Sorgen vor einem Preisverfall auf breiter Front aus, der etwa Japan jahrelang ausbremste. „Das schreit nach Maßnahmen der EZB“, sagte ein Händler. Die Europäische Zentralbank entscheidet am Donnerstag über ihre weitere Geldpolitik.

Einen herben Rückschlag muss der deutsche Einzelhandel hinnehmen: Ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft sind ihre Umsätze kräftig gefallen. Im Dezember hatten sie 2,3 Prozent weniger in den Kassen als im Vormonat. „Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009“, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Ökonomen hatten hier mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet.

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49 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax schließt schwachen Januar im Minus "

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  • DAX nächste Woche südlich von 9k ...

  • Ok, das war für mich missverständlich formuliert. Zur Inflationsrate: http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Bilder/Grafiken/Themen/inflation_in_deutschland.jpg%3F__blob%3Dposter%26v%3D3
    Die Ziele der EZB-Geldpolitik sind richtig beschrieben. Viel Erfolg und ein schönes WE.

  • Na sicher,das meinte ich doch.Aber real liegt die Inflation in Deutschland sicherlich seit 2002 jedes Jahr bei mindestens 2 %.Hier geht es aber der EZB im Speziellen und dem Herrn Draghi im Besonderen doch nur darum,den Süden weiter mit Liquidität zu unterstützen.Je niedriger die offizielle Euro- Inflation,umso eher kann er wieder an der Zinsschraube drehen oder verbriefte Kreditpakete oder Staatsanleihen dieser Länder aufzukaufen/Stichwort Target-Falle von Hans Werner Sinn.

  • Richtig wäre: Deflationsängste -> Zinssenkungsphantasien bzgl. der EZB. Deswegen auch Eurokurs im Sinkflug auf 1,35:
    http://td.md.it-finance.com/ProRealTime_V10/display_chartimage.phtml?name=ftt2a8q5u4pt0f2ui9vhrsn18&type=png&purpose=file

  • Die Meldungen aus den USA nach 14.30 waren insgesamt besser als erwartet.Hinzu kommt die Spekulation über ein Eingreifen der EZB in der kommenden Woche um der (angeblichen)Inflation im Euroraum entgegen zu wirken(Zinssenkung,Ankäufe verbriefter Kredite usw.).

  • Die Inflation in der Eurozone als Ganzes zu vergleichen, ist nicht sinnvoll,da die einzelnen Länder viel zu unterschiedlich entwickelt sind.

  • Richtig, habe heute meinen Strom bezahlt und musste das leckere Mettbrötchen beim Metzger liegenlassen.
    Wegen den untauglichen Parteien in ihren Blöcken habe ich schwachen Kreislauf und kann mir nicht mal ein Tempo kaufen.Die Mächtigen sehen das nicht,denn die können sich jeden Tag zwei Mettbrötchen kaufen und sind vom Strom befreit.

  • Ich glaube Ihnen sofort! Ich vermute es sind 200% auf 100,- € ! Das wird der Grund dafür sein, warum Sie sich noch immer hier rumtummeln. Heute morgen waren es noch "9500", was ist passiert... Ich sage es Ihnen: "Peilo" !

  • Oder man kauft einen der Werte von den 10 Titeln, die ich hier gepostet hatte. Wer allerdings so geistreich ist, WMT für einen Small Cap zu halten, ist bei Spareinlagen zu 0,5% in der Tat besser aufgehoben.

  • Lachen Sie nur. Jetzt gibt es noch billigere Einstiegskurse. Spätestens wenn der Schattenhandel nachbörslich beginnt, stehen wir schnell wieder bei 9300 und drüber.

    Sie haben das System einfach nicht verstanden. [...] Während der seine Krümeldeals macht, mache ich 200% Tag für Tag seit Monaten.

    Da steht eine Gelddruckmaschine, an der man sich kostenlos bedienen kann & keiner geht hin.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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