Börse Frankfurt Dax schließt über 9800 Punkten

Die schwindende Aussicht auf eine rasche Zinswende gibt dem Dax am Montag Auftrieb. RWE und Lufthansa stehen auf der Gewinnerseite. Und auch Volkswagen kann aufholen.
Update: 05.10.2015 - 18:09 Uhr
Ein Blick in den Handelssaal: Der Dax konnte die Marke von 10.000 Punkten nur phasenweise überwinden. Quelle: dpa
Börse Frankfurt

Ein Blick in den Handelssaal: Der Dax konnte die Marke von 10.000 Punkten nur phasenweise überwinden.

(Foto: dpa)

FrankfurtIn der Hoffnung auf weitere Konjunkturhilfen der großen Notenbanken haben sich Anleger am Montag wieder mit Aktien eingedeckt. Der Dax stieg um 2,7 Prozent auf 9814,79 Punkte und der EuroStoxx50 gewann gut drei Prozent. "Nach den US-Arbeitsmarktdaten ist der Markt immer mehr davon überzeugt, dass die Fed die Zinswende verschieben wird", sagte BNP-Paribas-Analyst Patrick Jacq mit Blick auf den unerwartet geringen Stellenzuwachs in den USA im September. Zudem steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihekaufprogramm ausweiten werde. Auch an der Wall Street zogen Dow-Jones - und S&P500 um je etwa ein Prozent an.

Die VW-Opfer und China-Bezwinger

DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007100000
Börse
L&S

-0,12 -0,21%
+57,42€
Chart von DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Daimler
1 von 23

Die VW-Abgasskandal hat die Autobranche in Aufruhr versetzt. Auch die anderen Autowerte im Dax mussten zahlreiche Aktienverkäufe hinnehmen – obwohl Daimler und BMW jegliche Manipulationsvorwürfe von sich wiesen. „Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen“, sagte Daimler-Chef Diester Zetsche der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Bei Mercedes-Benz gebe es darüber hinaus keine Funktion, die die Wirksamkeit der Abgasnachbehandlung unzulässig einschränke. Zugleich betonte der Konzernchef auf die Frage, ob alle Autohersteller Betrüger sind: „Klare Antwort: Nein!“. Die Aktien gaben dennoch nach. Daimler verlor über zwölf Prozent, BMW knapp acht Prozent.

Kursentwicklung (ein Monat*): - 12,2 Prozent

*vom 1. bis zum 30. September 2015

ROYAL DUTCH SHELL REG. SHARES CLASS B EO -,07

WKN
ISIN
GB00B03MM408
Börse
L&S

-0,24 -0,83%
+29,39€
Chart von ROYAL DUTCH SHELL REG. SHARES CLASS B EO -,07
Royal Dutch Shell
2 von 23

Am Monatsende die Überraschung. Der Ölkonzern Royal Dutch Shell gibt die Suche nach Öl vor der Küste Alaskas vorerst auf. Als Gründe wurden die zu geringen Öl- und Gas-Mengen sowie hohe Kosten und unwägbare Umweltauflagen genannt. Shell hat bisher rund sieben Milliarden Dollar für Bohrungen in der Arktis investiert. Doch der gesunkene Ölpreis macht es für die Ölkonzerne zunehmend unattraktiver, neue Gebiete zu erschließen. Ölmultis wie Royal Dutch Shell steuern mit Einsparungen gegen. Den Abbau von Arbeitsplätzen oder Investitionskürzungen hatten zuletzt neben Shell auch, BP auch Total  und Chevron angekündigt. Allein Shell will 6500 seiner knapp 100.000 Jobs streichen, im vergangenen Quartal war der Nettogewinn um 37 Prozent eingebrochen.

Kursentwicklung: - 12,6 Prozent

LEONI AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005408884
Börse
L&S

-0,17 -0,45%
+37,13€
Chart von LEONI AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Leoni
3 von 23

Der VW-Skandal hat auch die Zulieferer erfasst. Leoni-Aktien mussten im September Verluste von fast 16 Prozent hinnehmen. Zuletzt hatte der Zulieferer zudem seine Prognose für 2016 gesenkt. Verantwortlich dafür ist der Verkauf seines chinesischen Bordnetz-Werk, das nun nicht mehr in die Bilanz von Leoni einfließt. Der Umsatz werde statt der bisher angekündigten fünf Milliarden Euro lediglich bei rund 4,8 Milliarden Euro liegen. Die Rendite (Ebit-Marge) soll weiter sieben Prozent betragen. Leoni setzt darauf, dass der Deal langfristig für Schub sorgt.

Kursentwicklung: - 15,9 Prozent

CATERPILLAR INC. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US1491231015
Börse
L&S

+0,88 +0,66%
+132,45€
Chart von CATERPILLAR INC. REGISTERED SHARES DL 1
Caterpillar
4 von 23

Caterpillar ist einer der größten Bergbaumaschinenkonzerne der Welt. Dementsprechend hart trifft das Unternehmen auch der Rohstoffpreisverfall. Denn Minenbetreiber fragen aufgrund der gesunkenen Kupfer-, Eisenerz-, Stahl-, Diamanten- und Goldpreise weniger Maschinen nach. Zuletzt musste Caterpillar sogar seine Prognose für 2016 nach unten korrigieren. Im nächsten Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von fünf Prozent. Caterpillar will dem mit der Streichung von 10.000 Arbeitsplätzen bis 2018 entgegenwirken. Analysten bleiben jedoch skeptisch. JP Morgan senkte das Kursziel von 78 auf 76 Dollar. Citi Research geht noch weiter. Sie senkten ihre Prognose von 85 auf 70 Dollar.

Kursentwicklung: - 16,0 Prozent

HELLA GMBH & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A13SX22
Börse
L&S

+1,50 +2,97%
+51,19€
Chart von HELLA GMBH & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Hella
5 von 23

Der Gewinneinbruch bei Hella kam wegen des VW-Skandals zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Innerhalb eines Tages rauschten die Papiere des Autozulieferers, der erst im November 2014 sein Börsendebüt hinlegte, in der Spitze um 16,2 Prozent ins Minus. Wegen des Ausfalls eines chinesischen Lieferanten fiel der operative Gewinn (Ebit) nach vorläufigen Zahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27 Prozent auf 69 Millionen Euro.

Kursentwicklung: - 16,5 Prozent

PEUGEOT S.A. ACTIONS PORT. (C.R.) EO 1

WKN
ISIN
FR0000121501
Börse
L&S

+0,03 +0,11%
+24,54€
Chart von PEUGEOT S.A. ACTIONS PORT. (C.R.) EO 1
Peugeot
6 von 23

Der September war ein schlechter Monat für die Autobauer. Neben den Sorgen um Chinas Konjunkturschwäche kam der VW-Abgasskandal erschwerend hinzu. Das japanische Analysehaus Nomura hat das Kursziel für Peugeot deswegen von 17 auf 16 Euro gesenkt und die Einstufung auf „neutral“ belassen. Die rückläufigen Autoverkäufe in China seien in den Branchenwerten inzwischen eingepreist, eventuell aber nicht die sinkenden Margen, schrieb Analyst Raghav Gupta-Chaudhary in einer Studie. Die Ergebnisse des französischen Autobauers Peugeot hingen im Sektorvergleich am stärksten von China ab. Aber auch Renault kam im abgelaufenen Monat unter die Räder. Die Aktien verloren 17,3 Prozent.

Kursentwicklung: - 20,4 Prozent

ELECTRICITE DE FRANCE (E.D.F.) ACTIONS AU PORTEUR EO -,50

WKN
ISIN
FR0010242511
Börse
L&S

-0,01 -0,06%
+15,31€
Chart von ELECTRICITE DE FRANCE (E.D.F.) ACTIONS AU PORTEUR EO -,50
EDF
7 von 23

Der staatliche Energiekonzern EDF plant Investitionen in erneuerbare Energien außerhalb Europas. Bisher beschränken fünf Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens auf Länder außerhalb Europas. „Bis 2030 wollen wir unsere Präsenz in drei bis fünf Ländern außerhalb Europas in den Bereichen Solar- und Windenergie ausbauen“, sagte EDF-Chef Jean-Bernard Levy. Die Aktionäre scheinen vor dieser Idee nicht wirklich überzeugt zu sein. Die Aktien gehörten im September zu den schwächsten Werten.

Kursentwicklung: - 21,2 Prozent

Seit Monaten wird an den Märkten über den Zeitpunkt der Zinswende in den USA diskutiert. Auch in Europa läuft die Konjunktur weniger rund als erhofft und trotz der großen Geldflut der EZB fallen die Preise. „Daher erscheint es unwahrscheinlich, dass die EZB im nächsten Jahr tatsächlich wie geplant die Notenpresse anhält“, sagte ein Börsianer. Die Rally an den Aktienmärkten weltweit wurde vor allem von der Nullzinspolitik der Notenbanken getragen. „Eine Alternative zur Aktienanlage ist nicht in Sicht. Der Jahresendrally steht nichts mehr im Weg“, sagte ein Händler.

Während europaweit fast alle Top-Aktien im Plus lagen, gab es beim Düngemittelhersteller K+S Minuszeichen. Die Aktien brachen um 24,7 Prozent auf nur noch 23,35 Euro ein. Das war der niedrigste Kurs seit Anfang Januar. Noch am Freitag hatten sich die Aktionäre über ein Jahresplus von 35 Prozent freuen können. Doch in der Nacht zum Montag gab der kanadische Rivale Potash seine informelle Übernahmeofferte von 41 Euro je Aktie auf. Die in Toronto und New York gelisteten Potash-Papiere legten mehr als zwei Prozent zu. Die Kanadier begründeten ihre Entscheidung auch mit dem Widerstand des K+S-Managements.

Volkswagen holt auf
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