Börse Frankfurt Dax schließt wieder schwach – Das Vertrauen ist weg

Den Anlegern scheint allmählich klar zu werden, dass die jüngste Rally kaum auf fundamentalen Meldungen fußte. Nun ist die Skepsis umso größer. Denn außer überbordender Liquidität bieten die Märkte nur Verkaufsargumente.
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Börse Frankfurt am Abend

FrankfurtAuch zur Wochenmitte kann sich der Dax nicht erholen. Die Skepsis gegenüber den realwirtschaftlichen Fakten verhindert jeden Optimismus. Am Ende verlor der Leitindex bei insgesamt dünnen Umsätzen 0,4 Prozent auf 7.205 Punkte. Die zweite Reihe der Indizes schloss zweifarbig. Der MDax arbeitete sich am Nachmittag ins Plus und schloss 0,5 Prozent höher auf 11.255 Punkte, der TecDax hingegen gab 1,3 Prozent ab auf 809 Zähler.

Grund für die anhaltende Misere im Dax sind durchwachsende Nachrichten aus den Euro-Krisenländern sowie die verhaltende Prognose des Internationalen Währungsfonds für das weltweite Wirtschaftswachstum. Enttäuscht zeigten sich Anleger vom Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Athen. "Mancher Marktteilnehmer hatte sich von einer Pressekonferenz der Kanzlerin konkrete Hinweise zum weiteren Prozedere in Sachen Schuldenkrise erhofft", sagte Marktbeobachter Gregor Kuhn von IG Markets. "

Neben der Griechenland-Reise von Merkel blieb Spanien Gesprächsthema rund um die Euro-Schuldenkrise. Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte sein, ob und wann Spanien einen Antrag auf Hilfen aus dem dauerhaften Euro-Rettungsschirm stellen wird. Im Falle eines Antrags wäre der Weg für die Europäische Zentralbank frei, spanische Anleihen zu kaufen und damit die Refinanzierungskosten des Landes zu drücken.

"Wenn man sich die Daten anschaut, überwiegen die negativen Perspektiven", sagte ICF-Analyst Klaus Stabel mit Blick auf die jüngsten Prognosesenkungen für die Weltkonjunktur durch den IWF. Für zusätzliche Verunsicherung sorgte zudem die zurückhaltende Einschätzung der Weltbank zur wirtschaftlichen Entwicklung in China. Die Konsequenzen der erlahmenden Wirtschaft in China sind schon jetzt während der US-Berichtssaison zu spüren.

Eingeleitet wurde sie traditionsgemäß vom US-Aluminiumhersteller Alcoa. Gestern nach Börsenschluss legte Alcoa rote Zahlen vor, was allerdings schon erwartet worden war. Unter dem Strich stand ein Minus von 143 Million Dollar oder 13 Cent je Aktie. Heute notierten die Papiere von Alcoa 3,4 Prozent tiefer.

Negativ überraschte auch Chevron mit einer Gewinnwarnung. So wird der Gewinn im Vergleich zum Vorquartal "substanziell niedriger" ausfallen. Als Grund führte der zweitgrößte US-Ölkonzern ein schwaches Öl- und Gasgeschäft an, das auch nicht durch die Raffinerie-Sparte ausgeglichen worden sei. Im Laufe der Woche folgen weitere Quartalszahlen amerikanischer Unternehmen. Angesichts der schwächelnden Weltwirtschaft dürften diese kaum für Entspannung an den Märkten sorgen.

Belastet von diesen Zahlen musste die Wall Street Kursverluste hinnehmen. Der Dow Jones verlor 0,4 Prozent auf 13.421 Punkte, der S&P 500 sank um 0,2 Prozent auf 1.439 Zähler und der Nasdaq gab 0,1 Prozent nach auf 2.741 Punkte.

Was den Märkten derzeit fehlt sind taktgebende Impulse, die die Kurse länger als nur ein paar Tage bewegen. Die Liquiditätsschwemme der Zentralbanken aus aller Welt sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Sie lassen die Börsen nur kurz durchatmen. Bleiben weitere positiven Nachrichten aus, steigt wiederum wieder die Skepsis bei den Anlegern und damit die Verkaufsbereitschaft. Die Märkte scheinen ermüdet und starten offenbar eine Korrektur nach ihrem Anstieg seit Anfang Juni, sagte ein Händler. Die Cash-Rally ebbe ab, die jüngsten Liquiditätsspritzen aus China zeigten keine nachhaltige Wirkung.

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15 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax schließt wieder schwach – Das Vertrauen ist weg"

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  • Auch wenn's heute nicht mehr rüberkommt, schreib ich's die Tage noch mal:

    Tja, mein Bester, der Kauf war wenigstens 700 Punkte zu früh. Bedenke, 6000 +/-500 Punkte noch dieses Jahr.

  • Jetzt geht das mit dem Abdrucken der dpa, etc. - Meldungen wieder los! Ist eunfach Wiederlich, was man den lesern da vorsetzt!
    Von welchem Vertrauen berichten die Toelpel? Ach so, das der "Maerkte"! Hat schon mal jemanden einen von diesen Maerkten persoenlich kennengelernt? Ja, na dann Glueckwunsch, dann sind sie den INFORMIERTEN ja um einiges Voraus!

  • Stimmt! in HH werder derzeit billig vermietete Altbauten angeboten, für die sich - selbst ohne Zusatzinvestitionen - eine Rendite von Brutto 1,3 % ergibt.

    Da wird auch viel Schrott angeboten. Solide Objekt gehen derzeit zu absoluten Höchtpreisen im Handumdrehen. Der Markt ist definitiv leer!

  • Genau, Dax-ETF ohne Hebel. Ziel 7600, falls keine Nachkäufe folgen, also nicht wirklich langfristig. Mit dem 200-Punkte-Ansatz bin ich dieses Jahr schon zweimal erfolgreich gewesen und bleibe erstmal dabei. Du meintest gestern etwas zum Immobilienmarkt, was ich unterschreiben kann: Die Preise sind für mich surreal, und ich plane daher den Verkauf unserer Immobilie.
    Wenn alle gierig sind, sei ängstlich...

  • @ delta

    Also ETF auf den DAX ohne Hebelung oder Ähnliches dabei?

    Ich denke das kann man machen, wenn man langfristige Anlageziele verfolgt. Schätze, dass nur noch ein Nachkauf in den kommenden 10 Monaten möglich wird. Höchstens zwei.

    Vielleicht doch alle 100 Punkte ...?!?

  • Sehr gut geantwortet deltaone. Du warst ein As

  • Danke, dito, Glückwunsch!

  • viel erfolg delta ;-)

    ich bin übrigens mittlerweile aus meiner position raus - lief rund. daher hab ich jetzt auch nix gegen steigende kurse!

  • Erstes Scheibchen Dax per ETF gekauft. Fällt er weiter, kaufe ich alle 200 Punkte nach unten für den gleichen Betrag nach.

  • nun, in den letzten monaten haben wir eine liquiditätsgetriebene rally erlebt, einhergehend mit nach wie vor günstig bewerteten titeln (durchschnittlich niedriges kgv bspw. im dax). hohe liquidität und wenige alternativen sorgten für steigende kurse, trotz erhöhter unsicherheit.

    da die börse bekanntlich die zukunft handelt, ist es jetzt spannend zu beobachten, wie die zukunft aussehen könnte, bzw. wie diese von den marktteilnehmern eingeschätzt wird.

    die unsicherheit ist größer denje und auch die konjunkturaussichten trüben sich zunehmend ein. dennoch darf man manche fakten nicht außer acht lassen:

    zwei entscheidene gründe für die rally der letzten monate bleiben uns noch für einige zeit erhalten: die hohe liquidität und die niedrigen zinsen / wenigen alternativen.

    was sich aber ändern könnte, sind möglicherweise die niedrigen kgv`s. vielleicht wird daher ein umdenken der anleger stattfinden (müssen). man muss sich vom gedanken der jahr für jahr generierten rekordgewinne/umsätze lösen und auch mal wieder mit einem durschnittlichen jahr zufrieden sein. es ist schließlich keine schande, wenn ein unternehmen in schweren zeiten zwar keine rekordgewinne, aber immerhin gewinne ausweist. dadurch darf das vertrauen nicht zerstört werden.

    denn wenn das passiert, dann fällt nur eine weitere möglichkeit weg, eine positive realrendite zu erzielen.

    soll heißen, es gibt sicherlich sowohl für bullen als auch für bären argumente. wer sich in den nächsten wochen durchsetzt, könnte von der berichtssaison in den usa abhängen. die erwartungen sind mau, was nicht positiv auf der einen seite ist, auf der anderen seite aber größere chancen für positive überraschungen als negative eröffnet.
    aber natürlich wäre für die allgemeinheit ein positiver trend weiterhin wünschenswert :-)

    warten wir es ab. ich bin kein fan von diesen übertriebenen prognosen - ich sehe weder die 8.000 noch die 6.000 im dax am jahresende - vielleicht werde ich aber auch eines besseren belehrt ;-)

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