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Börse Frankfurt Dax tief im Minus – Italien in bedrohlicher Schieflage

Alles deutet darauf hin, dass sich Italien dem Club der Europroblemländer anschließt. Die Renditen auf die Staatsanleihen Italiens erreichten heute einen neuen Negativrekord. Anleger flohen aus dem Aktienmarkt.
103 Kommentare

Panik bei italienischen Anleihen

DüsseldorfGriechenland, Portugal, Irland, Spanien und nun auch Italien? Der Mittelmeerstaat scheint immer weiter zu den Europroblemländern abzudriften. Das alarmierte die Anleger auf der ganzen Welt. Die Schlusskurse auf dem Frankfurter Börsenparkett sprachen eine einheitliche Sprache. Der Dax schloss mit einem Minus von 2,2 Prozent auf 5.830 Punkte. Die zweite Reihe musste ebenfalls starke Verluste hinnehmen. Der MDax sank um 2,1 auf 8.871 Punkte und der TecDax gab 1,5 Prozent auf 692 Zähler nach.

Der Morgen begann noch freundlich. Die Ankündigung von Italiens Noch-Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Ämter niederzulegen verbreitete Optimismus auf den Märkten und schob den Dax weit in die Plusbereiche. Sein Tageshoch erreichte er bei einem Kurs von 6.056 Punkten. Doch die Freude verpuffte schnell.

Am Vormittag schossen die Renditen auf italienische Staatsanleihen auf ein Niveau von über sieben Prozent. Als Grund für den Rendite-Anstieg nannten Händler die Anhebung der Abschläge durch den britischen Wertpapier-Abwickler LCH. Clearnet für italienische Anleihen. Noch schlimmer als dieser Anstieg wirkte sich aber die inverse Zinskurve aus. Sie führt dazu, dass zweijährige italienische Staatsanleihen mehr abwerfen als zehnjährige und das ist einmalig in der Euro-Geschichte. Erst ein laut Händlern „aggressives“ Eingreifen der EZB am Sekundärmarkt für Anleihen brachte am frühen Nachmittag etwas Entspannung, so dass die meisten Indizes ihre Verluste eingrenzten.

Doch nicht nur Italiens Wirtschaftslage bereitete den Investoren Kopfzerbrechen. Politisch gesehen läuft es ebenfalls alles andere als rund für den südeuropäischen Staat. Denn der scheidende Ministerpräsident Berlusconi macht nicht sofort den Weg frei für seinen Nachfolger. Angesichts dieser Verzögerung in der politischen Entwicklung zogen viele Anleger ihr Geld aus risikobehafteten Anlagen zurück. Dieses Vorgehen zeigte einmal wieder, dass politische Unsicherheiten zu Gewinnmitnahmen verleiten. „Jetzt wird mal durchgerechnet, was die Banken so an italienischen Anleihen in den Portfolien halten, und was an Abschreibungen auf sie zukommen könnte“, sagte Kapitalmarktstratege Jens Beulke von Silvia Quandt Research. „Die Erleichterung über den Abgang von Berlusconi war nur ein Strohfeuer. Er ist nicht das Problem. Das Problem ist das politische System Italiens.“ Außer der Regierung Silvio Berlusconis hat sich seit Kriegsende kaum ein Kabinett langfristig gehalten.

In Griechenland vollzog sich der politische Führungswechsel ebenfalls mit der bekannten südländischen Gelassenheit. Am späten Nachmittag wurden neue Gerüchte laut, nach denen neben dem früheren Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, ein weiterer Kandidat in der engeren Auswahl steht: der derzeitige Parlamentssprecher und frühere Minister Philippos Petsalnikos.

Die US-Börsen komplettierten das negative Bild am Mittwoch. Der Dow Jones lag nach Frankfurter Börsenschluss 1,7 Prozent im Minus auf 11.966 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 1,9 Prozent auf 1.251 Zähler und der Nadaq-100 gab um 1,9 Prozent nach auf 2.354 Stellen.

Die wachsende Ungeduld der Investoren im Bezug auf die politische sowie wirtschaftliche Situation Italien sorgte für eine sich umwälzende Marktdynamik, die besonders die Finanzwerte betraf. Deutsche Bank und Commerzbank, die am Morgen beide im Plus notierten, schlossen heute 4,4 bzw. 6,1 Prozent tiefer. Für die im MDax notierte Aareal Bank ging es sogar 10,6 Prozent abwärts. Papiere der Allianz sanken um fünf Prozent und die Titel der Münchner Rück verloren 4,7 Prozent. Im Falle Allianz ist besonders kritisch, dass Europas größter Versicherer über seine italienische Tochter 28,2 Milliarden Euro in italienische Staatsanleihen investiert hat.

Börse Frankfurt am Mittag

Inmitten der politischen Machtverschiebungen der europäischen Mittelmeerstaaten sind Unternehmensmeldungen an der Börse zuletzt ziemlich in den Hintergrund gedrängt worden. Das gilt im Großen und Ganzen auch für die Ergebnisse der Berichtsaison für das dritte Quartal, die zurzeit auf Hochtouren läuft. Die Aktie der Deutschen Post reagierte positiv auf die Zahlen, die der Konzern am Morgen vorgelegt hat. Die Post steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 2,5 Prozent auf 13,125 Milliarden Euro, der Nettogewinn wuchs um satte 70 Prozent. Damit übertraf der Logistik-Dienstleister die Erwartungen der Analysten. Er hob zudem seine Prognosen für das Gesamtjahr ein weiteres Mal an. Die Aktien der Deutschen Post konnten 3,8 Prozent zulegen auf 11,10 Euro und belegten damit den ersten Platz unter den Dax-Werten.

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103 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax tief im Minus – Italien in bedrohlicher Schieflage"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ trady (ca. 20:30)

    Sehe ich schon lange so. Nur der Zeitpunkt des absehbaren nächsten Crash war/ist (noch) nicht genau abschätzbar.

    Insofern Zustimmung!

    Bin allerdings dann doch etwas überrascht, wieviele Daytrader nun doch weniger dem Tagesverlauf, als viel mehr den eher mittlfristigen Trends Bedeutung beimessen. Geht es denn hier nun nicht um die Tagesdeals und darum, die eigenen Deals, soweit die positiv verlaufen, hier so bejubeln zu lassen, wie einige der Teilnehmer das heute machten? Ich jedenfalls finde es äußerst belustigend, wie meine "vergleichbaren Prognosen" vor wenigen Wochen von... naaja, nicht von Ihnen ...., recht unsachlich niedergemetzelt wurden.

  • Wann ist eigentlich das nächste Treffen Merkel - Sarkozy zur Euro-Rettung? Gibt es da schon Termine?

  • tja, will man mit der Italien Krise vom drohenden Iran Krieg ablenken

    oder umgedreht???

    Gibt es eigentlich eine Weltkriese / Krieg, hinter denne man nicht dieses kleine Volk steckt?

  • @Ich sehe das Problem ähnlich und bin mit einem DAX Short KO DZ7G5X am Markt. M. E. ist der DAX bei 6400 überbewertet. Eine Jahresendrally wird immer unwahrscheinlicher bzw. es stellt sich die Frage, von welchem Niveau aus die startet: z. B von 5100 oder 4500??!! Die Aussichten für Anlageinvestitionen trüben sich wg. der Risikoaversion deutlich ein. Unsere Wirtschaft droht zu schrumpfen. Nächstes Jahr werden wir ein Hauen und Stechen um Anlagegelder sehen. Italien braucht ein Reinvest von 500 Mrd., die Banken 100Mrd. neues Geld, wenns überhaupt reicht. Auch Spanien, Portugal ... werden neues und Reinvestgeld brauchen. Wer soll das bezahlen, wer will Junkanleihen. Auch die Zeichner der CoBk Aktie zu 2.18 sind mittlerweile mit .68 ct/Aktie unter Wasser. Wer will da der Dt. Bk 10-15 Mrd. geben? So lange der Euro abkackt, werden auch die Rohstoffe keine Freudensprünge machen. Hoffnung für den Ölpreis bietet nur ein Israel-Iran-Krieg, der würde unserer Wirtschaft den Todesstoß versetzen.

  • Denke weiter, dass die Chancen im Dax eher auf der Shortseite zu suchen sind. Morgen m.E. wahrscheinlich Test der 5600. Das Ergebnis des Test ist für locker 300 Punkte gut.
    Und bei der momentanen Vola wird das eher das downsiderisk sein. Insbesondere, wenn morgen ein neues Renditehoch der Italobonds erreicht werden sollte.
    Gute [email protected]

  • Gold Einstieg bei 1773?:D oder meinst weil EUR/USD grad so tief ist?

  • Ich habe gerade den Einsatz bei 6200/5700 rausgenommen und halte die Restposi mal weiter!!

  • Ah ja, n'Abend in die Runde. Jo, der Brent-120/115er (LZ morgen) ging ganze 2h nach Einstieg (3.11 EUR) raus für 3.58 EUR. Nicht übel - einem Positionstrader passieren solche daytrades nicht häufig :) Hat natürlich auch mit dem Abraucher zu tun, aber das Risikoprofil - voll im Geld - war nicht schlecht mit 20% seitwärts.

    Tja, was kommt jetzt hier noch? Nein, BTPs hab ich nicht. Klar, die Idee, die gegen BUNDs zu spielen, hätte natürlich gezonkt. Aber man kann nicht alles haben. Ich gucke immer so ein bißchen auf Gold, solche Situationen sind oft eine ganz gute Nachkaufgelegenheit. NOK und CHF natürlich weiter im Limit und unter Beobachtung.

    Jetzt wolln wir mal abwarten, ob die diversen 5730/40/70/wasweißich-Haltezonen denn auch halten, was sie versprechen. Wenn ich noch Shorts hätte (meine ESX-PutSpreads waren schon 15:55 Uhr raus, da stand Dax bei 5770), würde ich die wahrscheinlich gerade geben. Bennie wird das Ding schon gleich noch schaukeln :)

  • @trady: Ich freue mich gerade diebisch, dass mein DCP 6200/5700 noch mal ein Satz gemacht hat. Von wegen verzockt! Short ist Trumpf =)!
    Ruhigen Urlaub! Trink bitte ein Feierabendbier für uns mit!!

  • hey miteinander! :-)

    was mich sehr bedenklich stimmt, das die renditen der italo-bonds heute so "explodiert" sind. hier kommt noch einiges an abschreibungsbedarf bzw. wertberichtigungsbedarf auf die banken zu! wenn man sich die bestände der italo-bonds bei den banken ansieht, waren die griechen bonds nichts dagegen!
    wenn man sich weiter noch überlegt, italien muss in den nächsten 2 1/2 jahren 500 milliarden euro refinanzieren! ich denke, italien ist sogar für den efsf eine nummer zu groß. trotz hebelfunktion! wenn man bedenkt, das italien dann mehr zinsen als die "kritischen" 6% zahlen muss, macht mich sehr bedenklich.
    außerdem wird unter den ganzen anleihenkäufen der ezb die inflation deutlich ansteigen. die ezb entwickelt sich immer mehr zu einer "bad-bank". ebenfalls ist hier der interbanken markt anzusehen. die einlagen von banken bei der ezb ist wieder so hoch gestiegen, wie seit 2008 nicht mehr. wenn der inter-banken-markt zum erliegen kommt, kann selbst die ezb nicht mehr so viel liquidität zur verfügung stellen...
    man sieht am euribor auch schön, das aktuell das vertrauen der banken untereinander schwindet.

    ich denke wir werden wieder schöne einstiegskurse sehen!

    (so, kurz meine zusammengefasste meinung aus dem urlaub gepostet. wollte nicht schwarzmalen!)

    VG

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