Börse Frankfurt Dax verliert mehr als 130 Punkte

Die Anleger haben Mühe, sich auf den neuen US-Präsidenten einzustellen. Bei geringem Umsatz machen viele einfach Kasse. Übernahmespekulationen drückten die Titel der Allianz deutlich ins Minus.
Update: 30.01.2017 - 17:44 Uhr 3 Kommentare

Ende des Gipfelsturms – RWE und Deutsche Bank enttäuschen

Frankfurt/Düsseldorf
Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag mit Unsicherheit auf die jüngsten politischen Schritte des neuen US-Präsidenten Donald Trump reagiert. Nach einem guten Lauf in der vergangenen Woche beendete der Leitindex Dax den Handel mit einem Minus von 1,1 Prozent bei 11.681 Punkte - 132 Punkte tiefer als zum Handelsschluss am Freitag der vergangenen Woche.

Die Einwanderungspolitik Trumps, der ein vorübergehendes Einreiseverbot für Muslime aus bestimmten Ländern erließ, nähre Sorgen über mögliche zunehmende Spannungen auch mit Blick auf den internationalen Handel, sagte Analyst Ric Spooner vom Broker CMC Markets. Zudem nimmt bei Ökonomen die Skepsis zu, ob die von Trump angekündigten Maßnahmen für mehr Wirtschaftswachstum in den USA wirklich den erhofften Schub bringen können. „Die Rekordjagd der Börsen scheint erst einmal Vergangenheit zu sein“, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

So zeigten sich am Montag letztlich sämtliche Börsen schwächer. Der deutsche Index mittelgroßer Unternehmen, der MDax, sank zuletzt um 1,3 Prozent auf 22.595 Punkte. Der Technologie-Index TecDax gab um 0,7 Prozent auf 1.845 Punkte nach. In Asien und europaweit - etwa in Großbritannien und Frankreich - sah es kaum besser aus. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 beendete den Handel mit einem Minus von 1,3 Prozent.

Am Aktienmarkt drückten Übernahmespekulationen die Titel der Allianz um 1,7 Prozent ins Minus. Der Versicherer hat Insidern zufolge den australischen Versicherungskonzern QBE Insurance ins Visier genommen. Nach einem Bericht des „Handelsblatt“ hat Allianz-Chef Oliver Bäte QBE-Chef John Neal ein Angebot von 15 australischen Dollar je Aktie signalisiert - das wären rund 14 Milliarden Euro. Leisten könnten sich die Münchener den Zukauf: Analysten beziffern allein ihre Kriegskasse - ohne die Aktionäre um Geld bitten zu müssen - auf rund neun Milliarden Euro. An der Börse in Sydney verflog die Übernahmefantasie schnell wieder. Die QBE-Aktie, die zwischenzeitlich gut fünf Prozent zugelegt hatte, schloss mit 12,35 australischen Dollar nahezu unverändert.

Im Dax waren die Versorgerwerte besonders schwach. Titel von RWE verloren drei Prozent. Für den Konkurrenten Eon ging es nach einer Abstufung durch RBC auf Underperform 2,2 Prozent abwärts. Die Analysten sehen ein Kursziel von sieben Euro für den Konzern. Für Thyssen-Krupp ging es 3,5 Prozent abwärts. CEO Heinrich Hiesinger hatte Gespräche mit dem Wettbewerber Tata am Freitag als sinnvoll bezeichnet, sollte es Fortschritte geben. Vorzüge der Volkswagen AG verloren 2,9 Prozent, nachdem die Sportwagen-Tochter Porsche eine Rückrufaktion ankündigte. Die Wolfsburger sind 2016 zum weltgrößten Autobauer geworden und haben Toyota Motor Corp. von der Spitzenposition verdrängt.

Auf GFT Technologies im TecDax lastete der überraschende Chefwechsel, die Titel verloren 3,4 Prozent. Der Mitgründer und Hauptaktionär des Spezialisten für Finanz-IT, Ulrich Dietz, gibt seinen Chefposten nach 30 Jahren auf eigenen Wunsch an die bisherige Produktchefin Marika Lulay ab. „Dietz hat aus GFT eine Erfolgsstory gemacht“, sagte ein Aktienhändler. Anleger fragten sich nun, ob er Großaktionär des Softwarekonzerns bleibe.

Das wurde 2016 aus 100.000 Euro
Platz 27: Aktien Nigeria
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Euro-Investoren, die im vergangenen Jahr an der kleinen nigerianischen Börse investierten, machten ein sehr schlechtes Geschäft. Das lag gar nicht mal an den Aktien selbst, der Leitindex Nigeria All Share verlor zwar „nur“ sieben Prozent. Das lag vor allem daran, dass der bevölkerungsreichste afrikanische Staat stark von den Öleinnahmen ist. Doch am 20. Juni gab die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung Naira an den Dollar auf. Die darauf folgende deutliche Abwertung der Währung Naira zu vielen Währungen macht die Aktien aber zum weltweit größten Verlustbringer. Wer Anfang des Jahres theoretisch 100.000 Euro an der Börse in Nigeria investierte, hat jetzt nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Privatanleger können jedoch kaum in Nigeria direkt investieren, es gibt auch keine Zertifikate oder börsengehandelte Indexfonds auf den Nigeria All Share.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 26: Ghana
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Auch gezielte Investitionen an der Börse in Ghana sind für hiesige Privatanleger kaum möglich. Das ist auch gut so. Denn der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, entwickelte sich sehr schlecht. Die agrarisch strukturierte  Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes,  schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein. Von 100.000 in Ghana investierten Euro blieben bis Jahresende nur 77.840 Euro übrig.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

 

Platz 25: Aktien Ägypten
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Noch dramatischer als in Nigeria schlägt in Ägypten die Währungsentwicklung zu Buche. Dort gab die Zentralbank im November den Wechselkurs des ägyptischen Pfunds frei, das daraufhin abstürzte. Das bescherte Anlegern, die im Januar 100.000 Euro in den Leitindex EGX 30 investierten einen Verlust von 20.430 Euro, so dass nur noch 79570 Euro übrig bleiben. Das fast Tragische dabei: Die Abwertung beflügelten den Aktienmarkt. Der EGX 30 selbst gehört in Lokalwährungen gerechnet mit einem Plus von mehr als 70 Prozent zu den weltweit besten Börsen und stieg auf ein Rekordhoch nach dem anderen.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 24: Aktien China
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Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450 Euro übrig.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 23: Britisches Pfund
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Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell. Auf Jahressicht hat der Leitindex Footsie deshalb in Pfund gerechnet über 14 Prozent zugelegt und stieg Ende Dezember sogar auf ein Allzeithoch. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 22: Mexikanischer Peso
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Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro. Mexikos Leitindex IPC legte aber um zumindest rund sechs Prozent zu.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 21: Sparbuch
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Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

An der Londoner Börse beflügelten Pläne zur Fusion des Indien-Geschäfts mit dem dortigen Konkurrenten Idea die Titel von Vodafone. Die Aktien des britischen Mobilfunkers stiegen um 1,6 Prozent. Idea schossen an der Börse in Indien sogar um knapp 30 Prozent in die Höhe - so viel wie noch nie. Mit dem Deal wollen sich die beiden Firmen für den Wettbewerb auf dem indischen Mobilfunk-Markt wappnen.

Aus Furcht vor kartellrechtlichen Stolpersteinen für die geplante Fusion trennten sich die Anleger in London von Tesco und Booker: Die Aktien des Einzel- und des Großhändlers fielen um jeweils etwa vier Prozent.

  • dpa
  • rtr
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3 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax verliert mehr als 130 Punkte"

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  • Sie finden es "hanebüchen" dass angekündigte Handelskriege die Aktienkurse beeinflussen?
    Streben Sie ein Amt als wirtschaftspolitischer Sprecher bei der AfD oder ähnliches an?

  • Es ist schon hanebüchen, welche Verknüpfungen hier zwischen einem Index und
    der Politik der USA hier hergestellt werden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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