Börse Frankfurt Dax zittert sich ins lange Wochenende

Der Dax schlingerte am Donnerstag vom Plus ins Minus und wieder zurück. Zum Handelsschluss kann er knapp zulegen. Die Nervosität scheint aber nicht vorbei. Punkten konnten Fresenius, Deutsche Börse – und die Post.
Update: 30.04.2015 - 17:54 Uhr 2 Kommentare

Dax zeigt sich zum Wochenende versöhnlich

FrankfurtIn dieser Woche brauchen die Börsianer starke Nerven: Am Mittwoch hatte der Dax satte 3,2 Prozent auf 11.433 Punkte verloren – das sind 379 Punkte und damit der Tagesrekordverlust im Jahr 2015. Und die Stimmung bessert sich heute nur marginal.

Zunächst sah es nach einer Fortsetzung der Talfahrt vom Vortag aus, doch dann fing sich der deutsche Leitindex. Zum Handelsschluss gewann das Börsenbarometer 0,19 Prozent auf 11.454 Punkte. Für die wegen des 1. Mai verkürzten Handelswoche steht allerdings ein kräftiges Minus von drei Prozent auf der Kurstafel. Der MDax für die mittelgroßen Werte verlor am Donnerstag 0,13 Prozent auf 20.316 Punkte, während der TecDax um 0,07 Prozent auf 1605 Punkte vorrückte.

Die Top- und Flop-Aktien im April 2015

DIEBOLD NIXDORF AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0CAYB2
Börse
L&S

+0,01 +0,02%
+56,38€
Chart von DIEBOLD NIXDORF AG INHABER-AKTIEN O.N.
Wincor Nixdorf: Ausblick und aktuelle Zahlen enttäuschen
1 von 21

Das Paderborner Unternehmen senkte Mitte April seine Prognose für Umsatz und operativen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr 2014/2015 und löste damit den heftigsten Kurseinbruch seit 2008 aus; an einem Tag brachen die im MDax notierten Titel sogar um bis zu 15,3 Prozent ein. Weitere Kursrückgänge lassen die Aktie auf den letzten Platz im 110 Werte umfassenden HDax fallen. Die ursprünglich anvisierten Ziele werden der Firma zufolge nicht erreicht. Wincor Nixdorf erwartet einen Umsatzrückgang um drei bis fünf Prozent.
Kursentwicklung im April: -22,9 Prozent

BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005909006
Börse
L&S

+0,10 +0,25%
+40,09€
Chart von BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.
Bilfinger: Prognosesenkung schockt Investoren
2 von 21

Auch der Baukonzern Bilfinger, dessen Aktien ebenfalls im MDax notieren, enttäuschte im April die Börsianer. Zum fünften Mal senkte er die Prognose und schockte damit die Investoren. Sie flüchteten in Scharen; die Aktien stürzten an einem einzigen Tag in der Spitze um mehr als 16 Prozent ab; die Aktie landet auf dem vorletzten Platz im HDax, dem Sammelindex aus Dax, MDax, und TecDax. Wegen der schlechten Entwicklung des Öl- und Gasgeschäfts in den USA sowie einer sinkenden Nachfrage in der Kraftwerksparte rechnet der Konzern mit "erheblichen Rückgängen" beim operativen Gewinn.
Kursentwicklung im April: -16,5 Prozent

JENOPTIK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006229107
Börse
L&S

+0,66 +2,04%
+33,03€
Chart von JENOPTIK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Jenoptik: Beteiligungsverkauf drückt auf Aktienkurs
3 von 21

Die Aktie des Technologiekonzerns Jenoptik, die zum TecDax gehört, verliert 15 Prozent an Wert. Offenbar wirkt nach, dass die österreichische ECE Industriebeteiligungen GmbH ihren kompletten Anteil am deutschen Technologiekonzern verkauft hat. Das sei eine Überraschung gewesen, schrieb Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank Anfang April in einer Studie. Die Veräußerung sieht Schlamp eigentlich nicht negativ. Die Fundamentaldaten seien unberührt geblieben. Ende März hatte Finanzvorstand Andreas Günther das Unternehmen verlassen. Sein Nachfolger Hans-Dieter Schumacher hielt aber bislang an bereits eingeleiteten Maßnahmen, zum Beispiel der Umstellung der Finanzierungsstruktur, fest.
Kursentwicklung im April: -15,0 Prozent

ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007856023
Börse
L&S

+0,35 +3,40%
+10,45€
Chart von ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
ElringKlinger: Kapazitätsengpass drückt auf Ergebnis
4 von 21

Noch eine Enttäuschung, die eine Aktie innerhalb weniger Tage in die Riege der schlechtesten zehn Papiere des HDax schiebt: Der Autozulieferer ElringKlinger frustrierte Ende April die Anleger mit einer Gewinnwarnung. Die negative Überraschung bei der Gewinnentwicklung im ersten Quartal sowie die negativen Aussichten hätten seine vorsichtige Einschätzung für den Autozulieferer untermauert, schrieb Michael Raab vom Analysehaus Kepler Cheuvreux in einer Studie. Tragisch: Zumindest die zurückliegende Ergebnisschwäche resultiert anscheinend nicht aus einer mangelnden Nachfrage. Im Gegenteil: Einige Produkte seien offenbar so gefragt, dass die Produktionskapazitäten an die Grenze stießen, erklärt Raab.
Kursentwicklung im April: -12,6 Prozent

MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008430026
Börse
L&S

+0,29 +0,16%
+184,06€
Chart von MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Münchener Rück: Niedrige Zinsen lassen auch Kurs erodieren
5 von 21

Unter dem niedrigen Zinsumfeld leiden Versicherer, die mit ihren Rücklagen weniger Erträge erzielen. So macht Mark Cathcart vom Analysehaus Jefferies denn auch die „anhaltende Zinserosion in der Vermögensverwaltung“ neben eingetrübten Ergebnisperspektiven dafür verantwortlich, dass Versicherer-Aktien derzeit eine Flaute durchmachen. Für die Munich-Re-Aktie sieht der Experte ein Abwärtspotenzial von weiteren 15 Prozent. Auch die Tochter Ergo dürfte in den kommenden Monaten trotz eines bevorstehenden Management-Wechsels wenig zu weiteren Erfolgen beitragen, meint Frank Kopfinger von der Commerzbank. Der neue Ergo- und bisherige Deutschland-Chef der Allianz, Markus Riess, werde neue Strategien erst ab 2016 implementieren können.
Kursentwicklung im April: -12,0 Prozent

TAG IMMOBILIEN AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008303504
Börse
L&S

-0,11 -0,53%
+20,26€
Chart von TAG IMMOBILIEN AG INHABER-AKTIEN O.N.
TAG Immobilien: Luft ist aus der Aktie raus
6 von 21

Bei Immobilien müsste das Geschäft doch eigentlich brummen, lässt sich mit Blick auf die Häusermärkte vermuten – und dennoch zählt ein Wert aus dem Sektor zu den schlechtesten zehn Aktien des HDax. Der Immobilienkonzern TAG Immobilien verliert im April zehn Prozent. Marktbeobachter sehen verschiedene Ursachen. Die niedrige EU-Inflation könnte die teilweise daran gekoppelten Mietrenditen europäischer Immobiliengesellschaften belasten, schrieb Analyst Stephen Bramley-Jackson von HSBC in einer Branchenstudie. Kollege David Prescott von Barclays glaubt, dass bei TAG Immobilien der Spielraum für weitere Kurszuschläge inzwischen fast ausgereizt sei.
Kursentwicklung im April: -10,4 Prozent

DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005140008
Börse
L&S

+0,01 +0,06%
+9,74€
Chart von DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Bank: Beobachter bleiben skeptisch
7 von 21

Die Nachrichten sprechen für sich, um zu erklären, wieso Deutschlands Branchenprimus im Bankensektor im April an der Börse ebenfalls rund zehn Prozent an Wert verliert. Gerade stehen neben dem Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vier weitere Top-Banker vor Gericht im Zusammenhang mit der Kirch-Insolvenz gegen den Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs verteidigen. Erst kürzlich zahlte die Bank eine Milliardensumme in Folge des Libor-Skandals. Und auch die Pläne zur Konzern-Umstrukturierung werden von Marktbeobachtern mit Skepsis beurteilt.
Kursentwicklung im April: -10,1 Prozent

„Für Europa könnte die Palette der Konjunkturdaten die Marktteilnehmer zunächst etwas beruhigen”, schreibt CMC-Analyst Andreas Paciorek. So hatte die Bundesagentur für Arbeit heute Morgen den niedrigsten Stand der Arbeitslosigkeit für den Monat seit 1991 verkündet. Demnach waren in diesem Monat in Deutschland 2,843 Millionen Menschen ohne Arbeit und damit 100.000 Menschen weniger als im Jahr zuvor.

Für Paciorek holen die Konjunkturdaten den Dax aber nicht notwendigerweise aus der Misere der Korrektur: „Es ist zu befürchten, dass der Stein, der jetzt ins Rollen gebracht wurde, so leicht nicht zu stoppen ist und zunächst noch weitere Gewinne mitgenommen werden”, schreibt der Analyst. Die Anleger werden immer nervöser.

Anders als hierzulande konnten die Börsen in den USA ihre Verluste am Mittwoch deutlich begrenzen: Der Dow-Jones-Index schloss mit 18.035 Punkten 0,4 Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 tendierte mit 2106 Zählern 0,37 Prozent tiefer. Die Technologiebörse Nasdaq schloss bei 5023 Punkten, ein Minus von 0,6 Prozent.

Bayer und Fresenius im Aufwind
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2 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax zittert sich ins lange Wochenende"

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  • Danke, dass wir jetzt wieder mir von Maschinen beglückt werden.
    Im Kurzfristhandel ist das eine Variante um an Schwankungen zu profitieren.

    Der Sachverhalt ist dennoch ein anderer:
    Die Ergebnisse der Firmen ergeben eine Firmenbewertung auf Basis Aktienkurs. Das ist die Basis, an der die Tageshändler versuchen Schwankungen für sich auszunutzen. Längerfristig orientierte interessiert das nur marginal. Bzw. erst dann, wenn der Trader es schafft eine SAP langfristig auf 20 zu drücken, oder eine BASF auf 500 zu heben. Ist das aber realistisch? Nö!

    In diesem Sinne: Viel Spaß bei den Verschwörungstheorien und weiter so!

  • Werte HB-Redaktion, warum schreiben Sie solche niedlichen Märchen von den Börsianern mit Emotionen?

    Der Börsenhandel erfolgt ganz überwiegend über institutionell Anleger, und zwar mittels Programmen - nicht nur die Abwicklung, sondern auch die Kauf- und Verkaufsentscheidungen sind computergestützt, u.a. mit Stopp-Loss-Marken . Die Kombination der Computerprogramme der einzelnen Institute kann heftige Kettenreaktionen auslösen, in der dann eine Marke nach der anderen durchbrochen wird.

    Mit fundamentalen Überlegungen hat das nichts mehr zu tun. Und kein Anleger kann vorhersehen, was passiert, da bereits der "Flügelschlag eines Schmetterlings" über Aufwärts- oder Abwärtstrend entscheiden kann.

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