Börse Frankfurt Die 11.000-Punkte-Marke wackelt

Der Absturz des Shanghai-Composite erschüttert die Kapitalmärkte. Aktienkurse, Ölpreise und Südeuropa-Bonds kommen in Bedrängnis. Zahlreiche Anleger schichten auf Bundesanleihen um. Der Dax schließt tief im Minus.
Update: 27.07.2015 - 17:45 Uhr 1 Kommentar

„Hoffnung auf einen Dax über 12000 Punkten muss begraben werden“

FrankfurtDer Dax kommt zu Wochenbeginn unter die Räder. Bereits vom Start weg musste der Leitindex dicke Verluste hinnehmen. Zwischenzeitlich rückte er gefährlich nahe an die 11.000-Punkte-Grenze. Am Ende schloss der Dax mit einem dicken Minus von 2,6 Prozent auf 11.056 Punkten.

Auch in New York gaben die Kurse nach. Der Dow Jones rutschte trotz guter US-Konjunkturdaten 0,8 Prozent ins Minus auf 17.437 Punkten. Auslöser der Kursstürze war China. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zeichnet sich trotz eines eilig auferlegten Konjunkturprogrammes der Zentralregierung immer mehr eine wirtschaftliche Flaute ab. So ist der Gewinn chinesischer Industrieunternehmen im Juni um 0,3 Prozent zurückgegangen. Im Mai war noch ein Zuwachs von 0,6 Prozent verzeichnet worden, im April sogar von 2,6 Prozent.

Daraufhin kam es an den asiatischen Börsen zu einer Flucht der Anleger. Der Shanghai-Composite raste 8,5 Prozent in die Tiefe – der größte Tagesverlust seit über acht Jahren. „Viele Investoren fürchten inzwischen, dass die Konjunktur im wichtigen Exportland China deutlich einknicken könnte“, sagte ein Händler. Die chinesische Regierung hatte Anfang Juli hart durchgegriffen, nachdem die heimischen Börsen in den Wochen zuvor um rund ein Drittel eingebrochen waren. Sie drängte institutionelle Anleger zu Stützungskäufen, erschwerte die Kreditaufnahme für spekulative Börsengeschäfte und legte ein umgerechnet 36,6 Milliarden Euro schweres Konjunkturprogramm auf. Außerdem wurden die Hälfte aller in Festlandchina notierten Aktien vom Handel ausgesetzt.

Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: Japan
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Die Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr

Platz 17: Österreich
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Ziemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr

Platz 16: Italien
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Der MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr

Platz 15: Singapur
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Singapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr

Platz 14: Belgien
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In der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr

Platz 13: Frankreich
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Der Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr

Platz 12: Norwegen
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Der norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr

Auch die Indizes anderer Euro-Staaten wurden von den chinesischen Zahlen in Mitleidenschaft gezogen. Der Pariser CAC 40 verlor 2,5 Prozent, der italienische MIB 100 gab drei Prozent nach und der Schweizer SMI rutschte 1,6 Prozent ins Minus. Der europäische Auswahlindex Euro Stoxx 50 musste ein Minus von 2,3 Prozent hinnehmen.

Anlagestratege Yu Jun vom Vermögensverwalter Bosera machte unter anderem die starke Kursperformance der vergangenen zwei Wochen für die die massiven Verluste an der chinesischen Börse verantwortlich: „Nach einer zweiwöchigen Erholung nehmen einheimische und ausländische Anleger Gewinne mit und verstärken dadurch den Verkaufsdruck.“

„Die Lehre aus der chinesischen Aktienblase ist, dass sobald sich die Stimmung verschlechtert, Interventionen zur Stützung der Kurse nur einen kurzzeitigen Effekt haben“, schrieben die Analysten des Research-Hauses Capital Economics in einem Kommentar. Die chinesischen Aktienkurse hatten sich in der ersten Jahreshälfte unter anderem deshalb verdoppelt, weil die Regierung die Werbetrommel gerührt und Kleinanleger zum Aktienkauf ermuntert hatte.

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1 Kommentar zu "Börse Frankfurt: Die 11.000-Punkte-Marke wackelt"

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  • Ist erst ein paar Tage her, daß der DAX unter 11000 schloß.
    Damals gab es noch keine chinesische Vorgabe gen Süden.

    Nun sieht es anders aus und - wie von meiner Wenigkeit seit ein paar wenigen Jahren prophezeit - verstärkt sich der Einfluß aus Asien und zwar in negative Richtung.

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