Börse Frankfurt Die merkwürdige Rückkehr der Trump-Rally

Donald Trump lässt mit den großen Ankündigungen für seine Wirtschaftspolitik immer noch auf sich warten. Und dennoch schießt der Dax auf ein 20-Monats-Hoch, knackt der Dow die 20.000. Das Wunschdenken kennt kein Halten.
Update: 25.01.2017 - 17:57 Uhr Kommentieren

Dow Jones knackt 20.000-Punkte-Markte – Dax legt ebenfalls zu

FrankfurtDie Trump-Rally ist zurückgekehrt – zumindest scheint es so. Europas Anleger sind zur Wochenmitte scharenweise aufs Parkett geströmt. Und man darf fragen, wieso. Der Dax erreichte mit 11.827 Punkten einen Stand, den er zuletzt im Mai 2015 markiert hatte. Am Ende des Börsentages ging er 1,8 Prozent fester aus dem Handel bei 11.807 Punkten, der Euro-Stoxx-50 rückte 1,3 Prozent vor auf 3324 Zähler. Schon morgendliche Impulse nahmen die Börsianer dankbar an, um aus einem wochenlangen Trott auszubrechen. Das kommt insgesamt überraschend, bleibt der große Bremsklotz – das Fragezeichen hinter Donald Trumps Wirtschaftspolitik – doch noch immer bestehen. Für Kauflaune sorgte der Blick nach New York, wo der Dow Jones nach wochenlangem Ringen endlich die 20.000-Punkte-Marke knackte.

Anleger zeigten sich gelöst, fast so als ob sie es leid wären, auf Signale aus dem Weißen Haus zu warten. Dabei ist die Faktenlage dieselbe. Die Unsicherheit rund um den neuen US-Präsidenten lässt die Märkte nicht erst seit Jahresbeginn auf der Stelle treten. Bisher ist der Börsenliebling Trump konkrete Ausführungen zu seinem Wirtschaftskurs schuldig geblieben – Ankündigungen von Unternehmenssteuersenkungen, Infrastrukturinvestitionen und Finanzmarkt-Deregulierung hatten das Parkettvolk zum Träumen gebracht und für eine richtige Rally gesorgt. Doch weil Trump seitdem nicht mehr geliefert hat, ging der Hausse der Saft aus. Mit dem heutigen Handelstag scheint sie wiederbelebt. Das Wunschdenken der Börsianer kennt kein Halten.

„Für einen Moment wird die Unsicherheit über den Kurs des neuen US-Präsidenten Donald Trump scheinbar ausgeblendet“, kommentierte etwa CMC-Markets-Analyst Jochen Stanzl den plötzlichen Ausschlag nach oben. Der Blick der Anleger ging schon früh nach New York. Mit dem Rückenwind aus Europa unternahm der Dow-Jones-Index einen erneuten Anlauf auf den Meilenstein von 20.000 Punkten. Und endlich gelang ihm der Durchbruch. Wochenlang hatte der altehrwürdige Index der Standardwerte mit der so prestigeträchtigen Rekordmarke geflirtet. Nun sprang er mit einem Plus von einem 0,8 Prozent auf 20.073 Zähler.

Der guten Stimmung taten auch keine eher mäßigen Zahlen aus der Wirtschaft einen Abbruch. So trübte sich der Ifo-Geschäftsklimaindex – immerhin einer der wichtigsten deutschen Indikatoren – im Januar überraschend ein. Von 111,0 Zählern ging es runter auf 109,8 Punkte. Damit schätzen die Manager der Bundesrepublik, unter denen die monatliche Umfrage stattfindet, den Zukunftsausblick weniger zuversichtlich ein, als angenommen. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage besser, die Aussichten für die kommenden sechs Monate aber schlechter als zuletzt.

Das wurde 2016 aus 100.000 Euro
Platz 27: Aktien Nigeria
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Euro-Investoren, die im vergangenen Jahr an der kleinen nigerianischen Börse investierten, machten ein sehr schlechtes Geschäft. Das lag gar nicht mal an den Aktien selbst, der Leitindex Nigeria All Share verlor zwar „nur“ sieben Prozent. Das lag vor allem daran, dass der bevölkerungsreichste afrikanische Staat stark von den Öleinnahmen ist. Doch am 20. Juni gab die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung Naira an den Dollar auf. Die darauf folgende deutliche Abwertung der Währung Naira zu vielen Währungen macht die Aktien aber zum weltweit größten Verlustbringer. Wer Anfang des Jahres theoretisch 100.000 Euro an der Börse in Nigeria investierte, hat jetzt nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Privatanleger können jedoch kaum in Nigeria direkt investieren, es gibt auch keine Zertifikate oder börsengehandelte Indexfonds auf den Nigeria All Share.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 26: Ghana
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Auch gezielte Investitionen an der Börse in Ghana sind für hiesige Privatanleger kaum möglich. Das ist auch gut so. Denn der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, entwickelte sich sehr schlecht. Die agrarisch strukturierte  Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes,  schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein. Von 100.000 in Ghana investierten Euro blieben bis Jahresende nur 77.840 Euro übrig.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

 

Platz 25: Aktien Ägypten
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Noch dramatischer als in Nigeria schlägt in Ägypten die Währungsentwicklung zu Buche. Dort gab die Zentralbank im November den Wechselkurs des ägyptischen Pfunds frei, das daraufhin abstürzte. Das bescherte Anlegern, die im Januar 100.000 Euro in den Leitindex EGX 30 investierten einen Verlust von 20.430 Euro, so dass nur noch 79570 Euro übrig bleiben. Das fast Tragische dabei: Die Abwertung beflügelten den Aktienmarkt. Der EGX 30 selbst gehört in Lokalwährungen gerechnet mit einem Plus von mehr als 70 Prozent zu den weltweit besten Börsen und stieg auf ein Rekordhoch nach dem anderen.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 24: Aktien China
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Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450 Euro übrig.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 23: Britisches Pfund
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Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell. Auf Jahressicht hat der Leitindex Footsie deshalb in Pfund gerechnet über 14 Prozent zugelegt und stieg Ende Dezember sogar auf ein Allzeithoch. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 22: Mexikanischer Peso
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Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro. Mexikos Leitindex IPC legte aber um zumindest rund sechs Prozent zu.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 21: Sparbuch
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Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Nichtsdestotrotz ist das Niveau immer noch hoch, angesichts der vielen politischen Unsicherheiten. Ökonomen des Ifo-Instituts sehen in den Daten keinen negativen Trump-Effekt. Und das obwohl der republikanische US-Präsident mit protektionistischen Tönen gegenüber nicht-amerikanischen Firmen international die Furcht vor einem Wirtschaftskrieg geschürt hat. Die deutschen Chefetagen zeigen sich bis jetzt wenig beeindruckt, immerhin „ist ja noch nichts beschlossen“, so der Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

In Scheinwerferlicht unter den Einzelwerten stand die Deutsche Bank. Deren gebeutelten Aktien sprangen auf ein Zwölf-Monats-Hoch von 18,96 Euro, nachdem ein Bericht des Handelsblatts Spekulationen um einen möglichen Teilbörsengang losgetreten hatte. Unternehmenskreisen zufolge liefen die Vorbereitungen eines Börsengangs der Fondstochter auf Hochtouren. In der Mittwochsausgabe wurde ein Fondesexperte der Deutschen Bank damit zitiert, dass „ein Börsengang der Deutschen Asset Management im Haus als gesetzt gilt“.

Das Geldhaus kommentierte den Bericht nicht. Die Vermögensverwaltung gilt als Schmuckstück der Deutschen Bank, Analysten bewerten sie mit etwa acht Milliarden Euro – rund ein Drittel der Marktkapitalisierung der gesamten Bank. Die kriselnde Bank sucht Möglichkeiten ihre Kapitaldecke aufzustocken, nachdem die vielen Rechtsstreitigkeiten sie haben schmelzen lassen. Eine endgültige Entscheidung ist laut dem Bericht noch nicht gefallen, auch der Aufsichtsrat soll sich noch nicht mit dem Thema befasst haben. Aktionäre griffen dennoch zu, die Papier liefen mit einem 6,2-Prozent-Plus an der Dax-Spitze.

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