Börse Frankfurt Einmal Jahrestief und zurück

Als wäre nie etwas gewesen. Gestern herrschte noch Panik, der Dax stürzte auf ein Jahrestief. Und heute? Alles Schall und Rauch. Die Leitzinssenkung in China lässt den Dax über sein Kursniveau von Freitag schließen.
Update: 25.08.2015 - 17:43 Uhr 21 Kommentare

„Das ist der Vorbote einer globalen Finanzkrise“

FrankfurtChina sorgt für einen irren Aktienhandel. Gestern noch hatte der Börsencrash im Reich der Mitte den Dax bis auf ein neues Jahrestief von 9.338 Punkten einkrachen lassen. Heute verkündete die chinesische Notenbank als Antwort auf die Kursturbulenzen eine Leitzinssenkung, worauf die Börsen weltweit mit satten Gewinnen reagierten. In Deutschland katapultierte die Nachricht den Dax bis zeitweise auf 10.186 Punkte. Am Ende schließt der deutsche Leidindex mit einem Plus von fünf Prozent bei 10.128 Punkten – und damit über seinem Freitagsschlusskurs.

Die Zentralbank senkt nach einer zweitägigen Talfahrt der chinesischen Aktienmärkte den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,6 Prozent. Chinas Wachstumsrate bleibe „unter Druck“, erklärte die Notenbank auf ihrer Homepage. Die jüngsten Maßnahmen sollten die Realwirtschaft dabei „unterstützen, sich weiter gut zu entwickeln“.

„China will zeigen, dass es aktiv und handlungsfähig ist“, sagte Marktstratege Christian Jasperneite von MM Warburg. „Allerdings ist fragwürdig, ob die Zinssenkung einen wirklichen realwirtschaftlichen Effekt hat.“

Das schien die Anleger heute kaum zu interessieren – auch in den USA nicht. Der Dow Jones notierte nach Frankfurter Börsenschluss 2,4 Prozent fester auf 16.255 Punkten. Auch andere europäische Indizes verzeichneten heute ansehnliche Kursaufschläge. Der Pariser CAC kam auf ein Plus von 4,8 Prozent, der italienische FTSE MIB auf 5,9 Prozent, der Schweizer SMI auf 3,5 Prozent und der Athener ASE General sogar auf satte 9,4 Prozent. Der europäische Auswahlindex Euro Stoxx 50 beendete den Handel fünf Prozent fester.

Der Euro hingegen musste Verluste einstecken. Nach der Leitzinssenkung in China rutschte der Euro unter die Marke von 1,15 Dollar. Zuletzt wurde die europäische Gemeinschaftswährung 1,8 Prozent schwächer bewertet bei 1,1408 Dollar. Auch bei den Bundesanleihen kam es zu Kursbewegungen. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg um rund 175 Ticks auf 0,744 Prozent. Der Bund-Future sank im Gegenzug um 1,4 Prozent auf 153,47 Euro.

An den Rohstoffmärkten legten die Ölpreise zu. Nachdem ein Barrel der Sorte Brent gestern zum ersten Mal seit sechs Jahren deutliche unter der Marke von 40 Dollar schloss, erholte sich der Preise heute um 3,1 Prozent auf 39,42 Dollar. Die Sorte Brent verteuerte sich um zwei Prozent auf 43,55 Dollar.

Die heftigsten Kursrutscher seit dem Dax-Allzeithoch

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+74,16 +0,61%
Chart von DAX ®
Dax
1 von 16

Am 10. April dieses Jahres knallten bei vielen Börsianern die Sektkorken. Als Reaktion auf das von Mario Draghi aufgesetzte Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank, kletterte der Leitindex auf 12.391 Punkte – und damit auf sein Allzeithoch. Doch die Feierstimmung währte nicht lange. Der Index begab sich auf Korrekturkurs. Seitdem hat der Dax mehr als 2500 Punkte verloren. Einige Werte haben nach der Hausse eine besonders bittere Landung erfahren müssen. Ein Überblick.

E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000ENAG999
Börse
L&S

+0,08 +0,88%
+9,41€
Chart von E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
DAX - Eon
2 von 16

Die Energiewerte hatten es nicht leicht im Dax. Auch Eon konnte die Anleger wenig überzeugen. Nach dem Allzeithoch haben sich die Anleger beeilt, die Aktien des Düsseldorfer Versorgers aus ihren Depots zu nehmen.

Verlust seit dem 10. April 2015: -28,7 Prozent

BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000BASF111
Börse
L&S

+0,20 +0,26%
+77,37€
Chart von BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.
DAX - BASF
3 von 16

Der Chemiekonzern BASF hat Anleger und Analysten mit eher schwachen Quartalszahlen enttäuscht. Im Dax landet das Unternehmen auf Platz vier unter den Verlierern.

Verlust seit dem 10. April 2015: -30,2 Prozent

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

+0,74 +0,91%
+81,88€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
DAX - BMW
4 von 16

Zu Beginn des Jahres zählte BMW noch zu den absoluten Lieblingen der Anleger. 123,75 Euro kostete die Aktie des bayerischen Automobilherstellers im März. Seitdem ging es allerdings deutlich bergab. Inzwischen notiert das Papier deutlich unter 80 Euro. Grund für den Pessimismus der Anleger sind die wachsenden Sorgen um die chinesische Konjunktur.

Verlust seit dem 10. April 2015: -33,9 Prozent

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
L&S

+0,93 +0,67%
+139,31€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
DAX - Volkswagen
5 von 16

Mit Volkswagen geriet ein weiterer Automobilhersteller wegen wachsender China-Sorgen ins Taumeln. Vor allem die Yuan-Abwertung Anfang August hat den deutschen Autowerten zugesetzt. Dabei ist eine schwache chinesische Währung an sich nicht schlimm – VW produziert die Autos für den chinesischen Markt vor Ort und wäre als Exportunternehmen von der Abwertung nur mäßig betroffen. Doch die Anleger sorgen sich um die chinesische Nachfrageseite. Und die wird von der schwachen Konjunktur negativ beeinflusst.

Verlust seit dem 10. April 2015: -35,6 Prozent

RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007037129
Börse
L&S

+0,03 +0,15%
+21,13€
Chart von RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
DAX - RWE
6 von 16

Die Aktie von RWE hat seit dem Allzeithoch am stärksten gelitten. Analysten blicken mit Sorge vor allem auf die hohe Steuerquote des Energieversorgers. Insgesamt sei das politische und regulatorische Umfeld in Deutschland ungünstig für das Unternehmen, begründet etwa Analyst Vincent Gilles von der Credit Suisse.

Verlust seit dem 10. April 2015: -43,6 Prozent

GEA GROUP AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006602006
Börse
L&S

+0,55 +1,74%
+32,00€
Chart von GEA GROUP AG INHABER-AKTIEN O.N.
MDAX - Gea Group
7 von 16

Deutlich bergab ging es auch für den auf Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie spezialisierten Anlagenbauer Gea. Schrumpfende Auftragseingänge und die Russland-Krise machen dem Unternehmen zu schaffen. Zudem schlagen hohe Kosten für den Konzernumbau zu Buche, mit dem Gea-Chef Jürg Oleas das Unternehmen nach den Zukäufen der vergangenen Jahre verschlanken will. Das brachte dem Unternehmen im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 21,8 Millionen Euro ein.

Verlust seit dem 10. April 2015: -29,4 Prozent

Für Unterstützung sorgt heute auch der besser als erwartet ausgefallene Ifo-Geschäftsklimaindex, der statt der prognostizierten 107,6 einen Wert von 108,3 Punkten erreichte. Allerdings wurde in der aktuellen Umfrage die jüngste Entwicklung in China nicht mehr berücksichtigt. „Das Thema China und Schwellenländer wird in der zukünftigen Entwicklung einen stärkeren Stellenwert haben“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Exporterwartungen der Unternehmen seien bereits fünf Mal in Folge gefallen. „Man glaubt nicht mehr daran, dass es große Zuwächse beim Export gibt.“

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21 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Einmal Jahrestief und zurück"

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  • Sehe ich auch so. Bin selber auch rausgeflogen. Allerdings habe ich sofort ein neues Zertifkat gekauft, mit entsprechend tiefereren KO. Und das Produkt muss jetzt Verlust des vorherigen wieder ausgleichen. Tja.... so ist es halt.

    Aber ich empfehle auch, 98% in Aktien zu investieren und mit dem Rest kann man ja spielen.

    VG
    Marvel

  • Ich nenne Ihnen einen Grund:
    Die Aktienmärkte sind im Vergleich zu den Rentenmärkten sehr klein. Bei den Bonds finden Sie die Verwalter von 10-12 stelligen Geldanlagen.
    Und wir haben Monster-Blasen insbesondere bei den Staatsanleihen der Euro-Zone. Die Verwalter dort sind absolute Vollprofis, keine Kleinanleger, die sich von den Banken mit Derivaten abzocken lassen. Diese Vollprofis wollen insbesondere Eines: RAUS aus den Bonds, bevor die Blase platzt und sie selber nicht mehr raus kommen. Wohin werden sie flüchten?? In die Aktienmärkte?? Dann wäre es aber für den Einstieg (bei diesen Beträgen) von nicht unerheblichem Vorteil, wenn die vorher noch durchaus veritabel korrigieren würden... ;-)

  • Was hat sich denn seit gestern geändert?

    China´s Wirtschaft ist immer noch angeschlagen und die deutschen Automobilhersteller im dortigen Markt sehr investiert; die Leitbörsen (außer China) können bei einem Wirtschaftseinbruch nicht mehr eingreifen; der Euro ist sogar gestiegen (bis letzte Woche war das die Begründung für fallende Kurse); die Schwellenländer wachsen nicht mehr so stark;die Geldschleusen sind zwar noch offen aber weiter werden sie auch nicht mehr geöffnet werden etc.

    Also, wieso sollte der Dax jetzt wieder auf das alte Niveau steigen, wenn sich die Wirtshaftsaussichten weiterhin eingetrübt haben. Bisher wurde doch gesagt, dass die Höhe von 12000 im DAX und die knapp 18000 im Dow viel zu hoch waren.

  • Ein paar Anmerkungen:
    Frank Meyer hat vor Kurzem etwas sehr Richtiges geschrieben:
    Wir haben seit geraumer Zeit eine fundamentale Änderung beim wichtigsten Currency-Carry-Trade.
    "Erinnern wir uns noch einmal kurz an die giftige Geldpolitik der EZB für einen schwächeren Euro – und wie daraufhin der DAX das Fliegen bekam. Die EZB hatte den Euro hässlich gemacht, die Bedingungen noch hässlicher und die Zinsen in den Boden gestampft, so dass es ein Einfaches war, sich in einer künftig schwächeren Währung zu verschulden – wenn man die Schulden in der dann auch schwächer gewordenen Währung später zurückzahlen kann – mit einem Gewinn. Der Carry-Trade in Europa war geboren und fühlte sich bis vor kurzer Zeit sauwohl."
    http://www.rottmeyer.de/1-000-dax-punkte-in-einer-woche-weg-ist-das-ein-crash/
    Hochverzinst >> Niedrigverzinst ist nun also nicht mehr: EUR > USD > JPY, sondern die Richtung lautet USD > JPY > EUR.
    "Dank" Druckis Wahnsinn ist also auch ein neuer Currency-Carry-Trade entstanden. Man hat sich (billig) in EUR verschuldet und in USD angelegt, hoffte auf Druckis Geldpolitik, die den EUR zur Dauerabwertung freigab und somit die Rückzahlung des geliehenen Kredits in EUR VERBILLIGEN würde.
    Pech gehabt!!! Nun steigt aber der EUR gegen den USD seit geraumer Zeit. Über die Gründe kann man trefflich spekulieren, aber der wichtigste Punkt: DAS VERNICHTET MASSIV LIQUIDITÄT!!! Und sowas nennt man übrigens (eigentliche) Deflation. Genau das passierte die letzten Tage.
    Leider habe ich mich ein paar Tage zu spät dazu entschlossen, EUR LONG ZU gehen, sodass mein Spekulationsgewinn zusammengeschrumpft ist.
    Ach ja: Wie war heute die Entwicklung EUR / USD? Und wie war die Entwicklung des DAX? ;-)

  • >Auch heute wieder ein morgentliches Plus, hatten wir gestern auch.
    >Wie ich gestern schon erwähnt habe, es ist mir ein Rätsel warum
    >die Banken Derivate Puts neu auflegen. Alleine gestern konnte man
    >damit in ein paar Stunden 700% Gewinn erzielen.

    Und, waren SIE dabei bei diesen fürstlichen Gewinnen? Wenn ja, dann Glückwunsch. Aber die Masse der Kleinanleger wird sich gerade scockiertdie Wunden lecken weil sie alle aus ihren Long-Papieren rausgeflogen sind; mit Glück per (tiefer ausgeführtem) stop loss, aber sehr viele werden auch ihren ganzen Einsatz mit Knockouts verloren haben. Darüber hinaus wird nahezu kein Anleger diese scharfe Abwärtsbewegung der letzten ein zwei Wochen vorausgesehen haben. Selbst Börsenprofis traf sie ja fast ausnahmslos wie aus heiterem Himmel. Die wenigsten Kleinanleger werden gestern so kaltschnäuzig gewesen sein, am Tiefpunkt long gegangen zu sein und dann zum Handelsschluss verkauft zu haben. Und die paar die es doch taten, die stellen garantiert eine so kleine Minderheit dar, dass sich eine Bank auch leisten kann denen 700% Gewinn auszuzahlen.

    Und DAS ist das woran die Banken verdienen, und zwar fürstlich. Und Kleinanleger liegen so gut wie immer falsch was die Trendentwicklung von Aktien und Indizes angeht. Wirklich langfristige Gewinne erwirtschaftet niemand mit Derivaten - außer die emittierenden Banken. Deswegen boomt die Branche auch nach wie vor. Weil es immer wieder Dumme gibt die denken, sie könnten mal schnell mit irgendwelchen hoch gehebelten Zertis in drei vier Tagen (oder sogar intraday) ihren Einsatz verdoppeln.

    Anleger die mit Aktienspekulationen dauerhaft reich geworden sind, haben diesen Reichtum fast ausschließlich erlangt durch langfristige Investments direkt in Aktien. Unter denen findet sich so gut wie kein Zertifikate-Trader. Weil das einfach ein Kampf ist den man nicht gewinnen kann. Schon garnicht wenn man gegen die heutigen Hochfrequenz- und Algo-Tradingcomputer antritt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Ganz, ganz tolle Kurzgeschichte Herr Mann. Wirklich fein gemacht, Applaus, Applaus. Hat nur leider nichts mit dem Artikel zu tun. Hauptsache das Forum zuspamen...

  • Auch heute wieder ein morgentliches Plus, hatten wir gestern auch. Wie ich gestern schon erwähnt habe, es ist mir ein Rätsel warum die Banken Derivate Puts neu auflegen. Alleine gestern konnte man
    damit in ein paar Stunden 700% Gewinn erzielen. Schaut heute ähnlich aus, wieder den Fdax hochgezogen auf knapp 10000 und dann geht die Luft aus. Tagestief gestern 9338. In Krisenzeiten
    Geld verdienen

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Nach den schwersten Verlusten seit 2008 und einem Absturz auf ein neues Jahrestief, nimmt er wieder Kurs auf die 10.000 Punkte. "
    Kein Komma vor "nimmt".

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