Börse Frankfurt Ölpreis-Turbulenzen ziehen Dax ins Minus

In New York steigen die Kurse, doch die Frankfurter Börse kann davon nicht profitieren. Der Dax schließt im Minus. Der schwache Kompromiss der Ölminister der wichtigsten Förderländer lastet hierzulande auf der Stimmung.
Update: 16.02.2016 - 18:56 Uhr

HeidelbergCement jubelt: Niedriger Ölpreis lässt Gewinn steigen

FrankfurtSchwindende Hoffnungen auf ein Ende der Turbulenzen an den Ölmärkten haben am Dienstag die europäischen Aktienanleger verunsichert. Dax und EuroStoxx50 konnten ihre Auftaktgewinne nicht halten und rutschten bis zum Abend um 0,8 und 0,4 Prozent auf 9.135,11 und 2.821,26 Zähler ab.

An der New Yorker Börse lagen der Dow-Jones- und der S&P500-Index zum europäischen Handelsschluss 0,7 und 0,9 Prozent höher. Händler erklärten, Schnäppchenjäger seien unterwegs und stützten die Kurse.

An den Ölmärkten blieb indes die Unsicherheit. Zwar einigten sich Russland und unter anderem Saudi-Arabien auf eine Begrenzung der Förderung auf dem Niveau vom Januar - jedoch unter der Voraussetzung, die übrigen Förderländer stimmen zu. Spekulationen auf ein sinkendes Überangebot wurden damit enttäuscht. So fiel das zeitweise 6,5-prozentige Plus beim Ölpreis weitgehend in sich zusammen. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent nahm seine Talfahrt wieder auf. Am Abend kostete ein Fass Nordseeöl (159 Liter) mit 32,56 Dollar 2,4 Prozent weniger.

„Es scheint unwahrscheinlich zu sein, dass andere Förderer dem noch zustimmen werden“, erklärte ein Händler. Daher hätten die Marktteilnehmer wieder einen Gang zurückgeschaltet. Am Montag hatte der Dax noch fast drei Prozent zugelegt und damit den Erholungskurs vom Freitag fortgesetzt.

Darüber hinaus drückte ein durchwachsen aufgenommener ZEW-Index auf die Stimmung. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen war im Februar um 9,2 auf 1,0 Punkte eingebrochen, lag damit aber etwas über den Schätzungen. „Die sich abzeichnende Abschwächung der Weltkonjunktur und die ungewissen Folgen des Ölpreisverfalls belasten die Konjunkturerwartungen“, sagte ZEW-Experte Sascha Steffen.

Dies veranlasste einige Anleger zu Gewinnmitnahmen. So gerieten im Dax die Gewinner der vergangenen Tage unter Druck: Trotz eines Gewinnanstiegs fielen HeidelbergCement um 3,4 Prozent und zählten damit zu den Schlusslichtern im Dax. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem die Titel am Vortag noch mit einem Plus von über fünf Prozent zu den Favoriten gezählt hatten. Auch E.ON rutschten wieder ab und hielten mit einem Minus von 3,6 Prozent die rote Dax-Laterne. Am Vortag hatten die Aktien des Versorgers noch 8,4 Prozent gewonnen.
Im deutschen Nebenwerte-Index MDax brachen MTU Aero um 6,6 Prozent ein. Ein enttäuschender Umsatz hatte den Gewinnanstieg des Triebwerkherstellers überschattet.

Mit diesen Aktien wären Sie dem Börsendebakel entkommen

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+93,65 +0,74%
Chart von DAX ®
DAX
1 von 14

Seit Jahresbeginn liegt der Deutsche Aktienindex mehr als 17 Prozent unter dem Schlussstand von Ende Dezember. Es ist ein ungekannt schwacher Start für den wichtigsten Index in ein Börsenjahr. Ähnlich übel sieht es in den Indizes für mittlere, kleinere und Technologie-Werte aus: MDax (minus 14,6 Prozent), SDax (minus 16,7 Prozent), TecDax (minus 18,6 Prozent).

Doch es gibt einzelne Werte die dem Ausverkauf getrotzt haben und deren Besitzer gut lachen haben. Vor allem im Ausland gibt es einige Perlen zu entdecken.

Stand aller Daten: 9. Februar 2016

GEA GROUP AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006602006
Börse
Xetra

+1,50 +4,95%
+31,76€
Chart von GEA GROUP AG INHABER-AKTIEN O.N.
GEA Group
2 von 14

Im Dax gibt es derzeit keinen Titel im Plus seit Jahresbeginn und auch im MDax nur einen Titel: Der vor allem für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie produzierende Anlagebauer Gea Group hat 2015 vier Firmen übernommen und seine Umsatz- und Ergebnisziele erreicht. Im laufenden Jahr peilt Chef Jürg Oleas ohne Zukäufe ein moderates Wachstum an und erntet das Vertrauen der Anleger.

Kursveränderung seit 1.1.2016: plus 3,86 Prozent

Software AG

WKN
ISIN
Börse

Chart von Software AG
Software AG
3 von 14

In den großen deutschen Indizes wird man dann noch im TecDax fündig: Mit der Ankündigung einer verbesserten Marge für das Jahr 2016 beeindruckt die Software AG aus Darmstadt. Auch die Ergebnisse für das zurückliegende Jahr hatten die Aktionäre erfreut und so kann sich der Wert völlig von der miserablen Entwicklung des TecDax in diesem Jahr abkoppeln.

Kursveränderung seit 1.1.2016: plus 9,95 Prozent

S&P 500

WKN
ISIN
Börse
ISP

+11,12 +0,40%
+2.774,65
Chart von S&P 500
S&P 500
4 von 14

Der weitgefasste US-amerikanische Index liegt seit Jahresbeginn fast ein Zehntel im Minus. Doch die Entwicklung der einzelnen Titel ist extrem unterschiedlich. Während vor allem Banktitel enorm leiden, gibt es deutlich positive Ausreißer.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 9,4 Prozent

NEWMONT MINING CORP. REGISTERED SHARES DL 1,60

WKN
ISIN
US6516391066
Börse
Xetra

-0,02 -0,06%
+31,50€
Chart von NEWMONT MINING CORP. REGISTERED SHARES DL 1,60
Newmont Mining
5 von 14

Der Goldpreis ist zu einem Krisenindikator geworden und hat seit Jahresbeginn deutlich zugelegt, während des für die großen Aktienindizes bergab geht. Mit dem Goldpreis ziehen auch die Aktien von Minenbetreibern an, die noch im vergangen Jahr zu den großen Verlierern gehörten. Newmont Mining aus Denver ist einer der größten Förderer von Gold weltweit und das gilt bei Anlegern jetzt als begehrenswert.

Kursveränderung seit 1.1.2016: plus 37,15 Prozent

SOUTHWESTERN ENERGY CO. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US8454671095
Börse
FSE

+0,03 +0,68%
+4,48€
Chart von SOUTHWESTERN ENERGY CO. REGISTERED SHARES DL -,01
Southwestern Energy
6 von 14

Einige Aktien von Öl- und Gasunternehmen, die sich auf die Fracking-Fördertechnologie spezialisiert haben, waren mit dem fallenden Ölpreis extrem unter Druck geraten. Einige Titel können sich jedoch zwischenzeitlich deutlich erholen, doch auch heftige Rückschläge können die Titel immer wieder erfassen. Ein Beispiel: Southwestern Energy. Vor zwei Jahren notierte die Aktie noch bei über 45 Dollar, erst zum Jahreswechsel setzte eine Trendumkehr bei dem Titel ein.

Kursveränderung seit 1.1.2016: 35,89 Prozent.

EXELON CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US30161N1019
Börse
FSE

+0,07 +0,20%
+35,99€
Chart von EXELON CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Exelon
7 von 14

Eine klassische Ausweichbewegung in turbulenten Börsenphasen zeigt sich auch am US-Markt. Anleger setzen verstärkt auf Versorger, die als Energielieferanten mit regelmäßigen Mittelzuflüssen rechnen können. Ein Branchenindex für US-Versorger liegt seit Jahresanfang fast sieben Prozent im Plus, die Aktie von Exelon liegt deutlich über dem Schnitt.

Kursentwicklung seit 1.1.2016: plus 15,42 Prozent

In Paris zogen Michelin um 3,4 Prozent an. Der schwache Euro hatte dem französischen Coni-Rivalen einen kräftigen Gewinnanstieg beschert. Die im Dax notierten Conti konnten davon aber nicht profitieren, sondern fielen nach einer Verkaufsempfehlung durch die Analysten von Exane BNP Paribas um 0,9 Prozent.

Zu den größten Verlierern im EuroStoxx zählten Air Liquide mit einem Abschlag von 4,8 Prozent. Der Industriegasehersteller und Linde -Konkurrent hatte mit seinem Umsatz und Dividende die Erwartungen der Anleger nicht erfüllt. Linde verloren 1,7 Prozent.

Die Entlastung von Osram -Chef Olaf Berlien bei der Hauptversammlung stieß bei den Aktionären des Leuchtmittel-Herstellers auf Missfallen: Die Aktien gaben ihren Gewinn von zuvor mehr als sechs Prozent ab und schlossen 0,2 Prozent ins Minus. Hauptaktionär Siemens war zuvor mit seinem Vorstoß zum Sturz von Berlien gescheitert.

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