Börse Frankfurt Schwacher Euro kostet Dax das Tagesplus

Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht fiel gut aus. Zu gut für den Euro. Dieser geriet außerdem durch Ungarns Herabstufung unter Druck. Der Dax schafft auf Wochensicht trotz Turbulenzen doch noch ein Plus.
Update: 06.01.2012 - 17:54 Uhr 24 Kommentare
Händler an der Frankfurter Börse: Der schwache Euro bereitete den Händler heute Kopfschmerzen. Quelle: dapd

Händler an der Frankfurter Börse: Der schwache Euro bereitete den Händler heute Kopfschmerzen.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDie Anleger am deutschen Akteinmarkt haben eine durchwachsene Woche hinter sich. Ähnlich sah es auch im Freitagshandel aus. Nach einem positiven Start fiel der Dax, nach der schwachen Eröffnung der US-Börsen, ins Minus. Die Nachrichtenlage war durchwachsen und sorgte für ein Auf und Ab beim Dax-Kurs. Den Freitagshandel beendete der Dax 0,62 Prozent tiefer bei 6.057 Punkten. Auf Wochensicht steht trotzdem noch ein Plus von 2,71 Prozent.

Den größten Dämpfer verpasste dem Aktienhandel heute der Euro. Er fiel aufgrund der wieder aufkeimenden Sorgen um die Schuldenkrise und baute die Verluste nach dem Arbeitsmarktbericht der USA und der Herabstufung Ungarns weiter aus. Allerdings waren die Handelsumsätze wie auch in den vergangenen Tagen schon sehr dünn. Dazu trugen am Freitag auch die Feiertage in manchen europäischen Ländern und einigen Bundesländern bei.

„Unser Problem ist der Euro“, sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. Der schwache Kurs der Devise kostete den Dax sein Plus. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Ungarns durch die Ratingagentur Fitch trage auch nicht zur Entspannung bei - „da wirft man eben alles in einen Topf, egal, ob Euro-Land oder nicht.“

Die schlechten Wirtschaftsdaten aus der deutschen Industrie sorgten ebenfalls für trübe Stimmung. Die Aufträge der brachen im November so kräftig ein wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor knapp drei Jahren nicht mehr, weil die Nachfrage aus dem Ausland stark nachließ. Die Unternehmen zogen 4,8 Prozent weniger Bestellungen an Land als im Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Freitagmittag mit.

Positive Impulse für den Dax kamen vom Arbeitsmarktbericht aus den USA, die jedoch schnell verpufften – der Dax sprang kurz auf ein Plus von 0,7 Prozent und gab die Gewinne sofort wieder ab. Die Lage hat sich am US-Arbeitsmarkt im Dezember deutlich aufgehellt. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 200.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag (14:30 Uhr MESZ) in Washington mitteilte.

Das Plus war damit doppelt so hoch wie im November. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich einen Anstieg von 150.000 erwartet. Die auf einer separaten Haushaltsbefragung basierende Arbeitslosenquote sank auf 8,5 von revidiert 8,7 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit Februar 2009.

Bankaktien im Fokus der Anleger
Weiter unter Druck standen die Papiere der italienischen Großbank Unicredit, die um gut acht Prozent auf den tiefsten Stand seit 24 Jahren fielen. In den vergangenen drei Tagen haben die Aktien rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt, nachdem eine Kapitalerhöhung für Unicredit enttäuschend verlaufen war. Die Marktkapitalisierung der Bank ist damit um über vier Milliarden Euro geschrumpft.

Für die Deutsche Bank Aktie ging es heute, nachdem sie sich am Vormittag leicht erholen konnte, wieder deutlich abwärts. Gerüchte, die eine Kapitalerhöhung der Deutschen als Thema haben, wollte ein Sprecher des Instituts nicht kommentieren. Die Aktien der Deutschen Bank schlossen 3,5 Prozent tiefer und bildeten damit das Schlusslicht im Dax., während die Aktie der Commerzbank 0,16 Prozent zulegen konnten. Der europäische Branchenindex verlor bis zum Abend rund ein Prozent an Wert.

Banken misstrauen sich gegenseitig

Das Misstrauen in der europäischen Bankenbranche wächst weiter. Von Donnerstag auf Freitag erreichten die kurzfristigen Einlagen der Kredithäuser bei der Europäischen Zentralbank (EZB) mit 455,3 Milliarden Euro wieder einen neuen Höchststand, wie die Notenbank in Frankfurt am Main mitteilte. Die Über-Nacht-Einlagen lagen damit gut zwei Milliarden Euro über dem bisherigen Rekordwert. Vor Weihnachten hatten die Einlagen erstmals die Marke von 400 Milliarden Euro überschritten.

Die Höhe der Einlagen gilt als Indikator für die Skepsis der Banken untereinander Geschäfte zu machen. Sie deponieren ihr Geld lieber zu schlechteren Konditionen bei der Notenbank als es zu deutlich besseren Zinsen bei einer anderen Geschäftsbank zu lagern.

Als größte Gewinner im Dax beendeten die Aktien von K+S den Handel, mit einem Plus von 1,6 Prozent. Eon und RWE profitierten tagsüber von einer Studie von JP Morgan schlossen aber nicht ganz so stark. Die Eon-Aktie gab 0,15 Prozent nach währende die von RWE 1,25 Prozent höher schloss.

Italiens und Spaniens Anleihen unter Druck - Euro fällt
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24 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Schwacher Euro kostet Dax das Tagesplus"

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  • Das Börsengeschäft wird immer unglaubwürdiger. Da erzielen deutsche Autobauer 2011 überproportionale Umsätze, machen riesige Gewinne und erstaunlicherweise gehen deren Aktien nach unten. Es sieht alles nach politischer Spekulation aus. Und die "sogenannten Experten" geben noch ihre unsachlichen und unfachlichen Empfehlungen dazu. Hauptsache sie haben was gesagt, wenn es auch der größte Müll ist.

  • Die Landesbanken - die zwei Worte allein benennen das Problem: Es dürfte nur eine geben. WestLB ist schon tot, gut so. Wenn man der Ansicht ist, einen öffentlich-rechtlichen Bankensektor in D zu benötigen, sollte dieser keinen Eigenhandel haben. Im VR-Sektor tendiert es auch auf ein Zentralinstitut zu, und die DZ-Bank macht sich. Wenn sich dies ändern sollte, haften die Genossen. Bei den Privatbanken sollte dies auch gelten, die Aktionäre sollten haften. Und auch im ÖR-Sektor sollten die Steuerzahler nicht haften für riskante Geschäfte, daher das Verbot des Eigenhandels. Haftung ist die marktwirtschaftliche Lösung, nichts anderes.

  • Selten so einen Blödsinn gelesen !

    Landesbanken haben Null Einfluss auf den Aktienmarkt, da sie über fast kaum Finanz-Power in den Handels-Büchern verfügen !!!

  • Der schwache Euro ist wohl kaum für fallende Börsenkurse in D oder der EU verantwortlich, da die Firmengewinne zumindest bei stark exportierenden Firmen durch einen fallenden Euro eher begünstigt würden und ansonsten nicht betroffen sind. Er hätte nur dann einen negativen Einfluss, wenn die meisten Investoren (und Spekulanten) Amerikaner wären, weil sie dann eher verkaufen, weil sie neben Kursverlusten auch Währungsverlust zusätzlich befürchten würden. Allerdings kann die Erklärung viel einfacher sein: die Feststellung, das die meisten DAX-Firmen in Wirklichkeit über 80% ihrer Einnahmen in der Kernkrisenzone Europa machen, spricht sich rum und führt zu berechtigter Skepsis bei asiatischen und US-Fondsmanagern.

  • Der Staat ist zwar erwiesenermassen ein miserabler Unternehmer, aber sehr wohl ein Spekulant - durch Banken in Staatsbesitz wie die Landesbanken. Diese speulieren sowohl mit Anleihen als auch mit Aktien und gehören den Sparkassen, die wiederum den Kommunen gehören.

  • betr. Soffin und staatliche Kurspflege/Spekulation:

    Die Soffin-Angaben auf der hier genannten Webadresse haben damit nichts zu tun, sondern betreffen nur kreditvergaben/Bürgschaften. Andere Institute in besitz von Bund und Ländern spekulieren regelmässig - z.B. die landesbanken und es ist sehr wohl naheliegend, das sie nach politischem Bedarf tätig werden.

  • Misstrauen in der europäischen Bankenbranche

    Warum wundert man sich, dass die Banken ihr Geld nicht mehr an andere Banken verleihen? Der Grund ist, dass die Banken fast umsonst unendlich Kapital von der EZB bekommen. Es ist einfach keine Nachfrage mehr zu einem vernünftigen Zinssatz da. Damit hat die EZB durch Ihren Eingriff mal eben den Interbankenmarkt zerstört...

  • Sehr geehrter W. Fischer,

    zwar enthalten bei weitem nicht alle meine Postings den Satz "Ich verstehe die Aussage nicht", ich gehe aber davon aus, dass Sie sich auf mein folgendes Posting beziehen:

    "Zitat [SayTheTruth]: "Jetzt sollen die auszupressenden Kleinanleger wieder einsteigen und Aktioen kaufen."

    Ich verstehe die Aussage nicht. Kann nicht jeder kaufen und verkaufen, wann er will?"

    Konkret verstehe ich nicht (Nichtverstandenes mit Fragezeichen markiert), warum nun Kleinanleger (?) Aktien kaufen sollen (?).

    Gab es einen Befehl an Kleinanleger, jetzt teure Aktien zu kaufen? Warum sind von diesem angeblichen Befehl nur Kleinanleger betroffen? Warum können die angeblich betroffenen Kleinanleger nicht die Kleinanlage zu angeblich überhöhten Preisen verweigern?

    Aus meiner Sicht ist die Aussage völliger Nonsens. Um es aber nicht so harsch auszudrücken, habe ich geschrieben, dass ich die Aussage nicht verstehe.

  • KeepCool, was verbirgt sich hinter ihrem Pseudonym??
    Alle ihre Leserbriefbemerkungen enthalten den Satz
    „Ich verstehe die Aussage nicht“, was für ein Problem haben Sie eigentlich?
    Es würde mich freuen, wenn Sie konkreter werden könnten, was Sie nicht verstehen.
    Danke

  • Als würden die Amis korrekte Zahlen ihrer Wirtschaft wiedergeben... da lach ich mich krank! Logo werden die positiv sein, selbst wenn die Verteilung von Essensmarken bei denen auf einem absoluten Höchststand sind.

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