Börse Frankfurt Dax schließt deutlich höher

Eine Handelstag im Zeichen der Schuldenkrise endete mit hohen Gewinnen. Spekulationen um chinesische Investitionen beflügelten heute den Dax. Gerüchte um bilaterale Kredite an den IWF machten zusätzlich die Runde.
Update: 09.12.2011 - 17:53 Uhr 78 Kommentare
Händler an der Börse Frankfurt: Die Woche endete für den Dax freundlich. Quelle: dapd

Händler an der Börse Frankfurt: Die Woche endete für den Dax freundlich.

(Foto: dapd)

Düsseldorf„Während noch am Morgen die ersten Resultate vom EU Gipfel in Brüssel für Skepsis gesorgt hatten, profitierten die Aktienmärkte vor allem von Äußerungen der Bundesbank, wonach bilaterale Kredite an den Internationalen Währungsfonds (IWF) grundsätzlich als erwägenswert angesehen werden.“, fasste Gregor Kuhn von IG-Markets die Situation am Markt zusammen. „Über den IWF soll das Kapital dann wieder zur Stützung angeschlagener Euro-Staaten zur Verfügung gestellt werden.“

Die Beschlüsse des EU-Gipfels zur Bewältigung der Euro-Schuldenkrise konnten die trübe Grundstimmung an den Märkten nicht grundsätzlich vertreiben können. Nach deutlichen Vortagesverlusten sorgte die schnelle Einigung auf eine Schuldenbremse zwar für etwas Erleichterung. Viele Marktteilnehmer hätten sich im Kampf gegen die Krise aber eine stärkere Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) gewünscht.

„Die Ergebnisse sind keine Enttäuschung, aber sie reichen auch noch nicht aus, um Ruhe in den Markt zu bringen“, sagte Analyst Heino Ruland von Ruland Research. Dass die EZB Kreisen zufolge weiterhin Staatsanleihen von Problemländern für bis zu 20 Milliarden Euro pro Woche kaufen will, besänftigte viele Investoren aber vorerst.

Für steigende Kurse sorgte zudem die Nachricht, dass China mit zwei neuen Fonds im Gesamtvolumen von 300 Milliarden Dollar in Europa und den USA investieren will. Vor allem Bankenwerte konnten von diesen Meldungen profitieren. Die US-Börsen öffneten mit steigenden Kursen, was dem Dax einen kräftigen Schub verlieh.

Der Dax legte nach Eröffnung der Wallstreet nochmal kräftig zu und schloss 1,9 Prozent höher bei 5.986 Punkten. Der EuroStoxx50, der Leitindex der Eurozone, gewann 2,4 Prozent. Der Euro erholte sich wie die europäischen Aktienmärkte von seinen frühen Verlusten und kostete mit 1,3387 Dollar fast einen halben US-Cent mehr als am Vorabend in New York. Der Bund-Future fiel um 72 Ticks auf 136,10 Punkte.

Zweifel an Gipfelbeschlüssen hoch

Von Euphorie war bei den Börsianern allerdings nichts zu spüren, da viele weiter Zweifel hatten, ob die beschlossenen Maßnahmen ausreichen, um die Euro-Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. In der Nacht waren die EU-Staaten einer Fiskalunion zwar nähergekommen, allerdings stellte sich vor allem Großbritannien gegen eine Änderung des EU-Vertrages der 27 Mitgliedsstaaten. Dafür vereinbarten die Euro-Länder, dass sie strengere Spar- und Kontrollauflagen in einem Vertrag festlegen wollen.

Außerdem einigten sich die EU-Regierungen auf einen schnelleren Einsatz des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM und die stärkere Einbindung des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Stabilisierung der Euro Zone.

Am Freitag schlossen sich neun EU-Länder, und damit drei mehr als zunächst angenommen, den Euro-Ländern an - nur Großbritannien steht abseits. Einige Staaten wollen in ihren Parlamenten über die Beschlüsse abstimmen lassen.

Positiv bewerteten Analysten, dass es nach wochenlangem Hickhack überhaupt eine Lösung gab. Enttäuschend ist aus ihrer Sicht dagegen, dass kein stärkeres Eingreifen der EZB vorgesehen ist und noch viele Details der Hebelung des Rettungsschirms EFSF offen sind. „Die gute Nachricht: Man hat sich frühzeitig geeinigt. Die schlechte Nachricht: Es gibt keine positiven Überraschungen“, fasste Volkswirt Holger Schmieding von der Berenberg Bank zusammen. „Wenn die EZB nicht mehr macht als bisher angekündigt, dann ist das Risiko sehr groß, dass das Gipfelergebnis nicht ausreicht, um die Krise zu beenden.“

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78 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Spekulationen lassen Dax hoch im Plus schließen"

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  • richtig: alle guten Geister

  • Politische Union!? ... davor mögen uns bitte alle guten bewahren ...
    nachdem ja schon, die sich zeigt, die gegenwärtige Krise dank diverser nationaler Eigeninteressen als unlösbar erscheint

  • Guten Tag,
    "Der EU-Gipfel hat Ableger nur zur Hälfte überzeugt",das ist original Ihr Text.

  • Hi Electric007, Lebenszeichen von Dir. Urlaub?

  • @donolli-kontraindikator
    Blablabla....

  • ich denke ja, das war kurzer Überschwang. Entsprach meiner Einschätzung. Gestern Spätnachmittag etwas long gegangen und jetzt beim Doppeltop wieder raus. War nicht schlecht, aber wie immer hätte mehr sein können!:-)Bin ja mit meinen shorts noch im Minus!:-(

  • ich bleibe vorsichtig.
    wir tragen verantwortung für knapp 500.000 mitarbeiter.
    trotzdem ich Schriftsteller in irgendwelchen Foren bin.

  • Warum geht das Viech denn so schön nach oben?
    Liegt das am Michigan Index?
    Oder was meint ihr?

  • Das Ergebnis des Gipfels ist eine doppelte Nullnummer:
    Es wurden beschlossen, daß alle Länder "Schuldenbremsen" einführen sollen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird dabei eine typische Politikerfloske eingebaut damit diese Schuldenbremsen nur in "normalen" Zeiten und nicht in Krisensituationen beachtet werden müssen (also nie). In der üblichen Polikersprache könnte eine Klausel in der Art "...außer bei Störungen des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts" verwendet werden.

    Es wurden automatische Sanktionen beschlossen, die aber mit einem Mehrheitsbeschluß des Ministerrates verhindert werden können. Ein Wahnsinnsfortschritt: Bisher gab es NIE Sanktionen, da sich niemals eine Mehrheit dafür fand. Zukünftig wird es NIE Sanktionen geben, da sich immer eine Mehrheit dagegen finden wird - schließlich werden die Stabilitätskriterien von mehr als 95% der Euroteilnehmer nahezu ununterbrochen verletzt (auch von Deutschland!).

    Diese von den Politikern gegen den Willen des überwiegenden Teils der Bevölkerung und gegen den eindringlichen Rat fast aller Wirtschafts- und Finanzexperten eingeführte Esperantowährung konnte nie funktionieren, hat nie funktioniert und wird auch in der Zukunft nicht funktionieren.

    Ich bin mir sicher, daß es den Euro in 5 Jahren nicht mehr gibt, zumindest nicht in der heutigen Form und mit allen heutigen Teilnehmern.

  • Euro ist wie billiger Alkohol..Wir sind wie ein Alkoholkranker. Der bekommt qualvolle Entzugserscheinungen, wenn man ihm den Alkohol entzieht. Würden die Zentralbanken die Zinsen stark erhöhen und die Geldschöpfung plötzlich bremsen, würde es uns ähnlich ergehen. Das System würde kollabieren. Deshalb sieht sich die Zentralbank gezwungen, immer mehr Geld bereitzustellen. Das aber macht das System noch krisenanfälliger. Ein Teufelskreis. Es werden sich weitere Blasen bilden, die irgendwann platzen und großen Schaden anrichten.Uns muss klar sein, dass viele Werte am Finanzmarkt fiktiv sind. Es sind Luftbuchungen, die an den Märkten gehandelt werden, die aber keinen realen Gegenwert besitzen. Wenn das Geld plötzlich weg ist, staunen die Leute: Wer hat denn jetzt mein Geld? Die Antwort ist: niemand. Es war ja nie wirklich da. Das ganze Dilemma, warum die Deutschen soviel Tages-,Festgeld, Bankanleihen, Bundeswertpapiere, Lebensversicherungen etc. halten ist der hartnäckige Glaube, dass die Bank und der Staat "Dein Freund" sind. Das wurde den Deutschen ja auch jahrzehntelang vorgegaukelt. Leider ist es aber so, dass man, wenn man Leute vom Gegenteil überzeugen will, nur müde belächelt, oder gar als gefährlicher Anarchist oder bedauernswerter Spinner dargestellt wird. Die Geldmengenvermehrung ist der Weg des kleinsten Widerstandes für Demokratien. Geldvermehrung ist eine Enteignung wehrt euch dagegen indem ihr Gold und Silber benutzt !!!

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